MANN und FRAU Vereinbarkeit von Familie und Beruf
eBook - ePub

MANN und FRAU Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Gleichheit in Verschiedenheit? Eine Gesamtbetrachtung

  1. 340 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

MANN und FRAU Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Gleichheit in Verschiedenheit? Eine Gesamtbetrachtung

Über dieses Buch

Heutzutage wird die Gleichheit von Mann und Frau hervorgehoben und zum Mittelpunkt ihres gemeinsamen Lebens erklärt. Dabei schwebt das Bild der Vereinbarkeit von Familienarbeit und Berufsausübung vor Augen, deren Voraussetzung die Gleichheit beider Geschlechter sein müsse.Mann und Frau sind aber nicht gleich zu machen, sondern leben in einer einmaligen Verschiedenheit. Sie prägt Mann und Frau durch Gene, neurobiologische Gegebenheiten und Einflüsse ihrer bisherigen sozialen Welt. Alle wirken tief in ihr Wesen hinein. Dies wieder hervorzugeben erscheint in der heutigen Zeit wie ein Novum, obwohl es auch in Umfragen durch die jüngere Generation bestätigt worden ist. Auch das Gelingen eines Familienlebens bei Berufsausübung beider Elternteile ist ohne die Andersheit von Mann und Frau nicht zu denken.Sich darauf einzustellen ist Arbeitgebern, die auch Mütter als Fachkräfte für ihr Unternehmen gewinnen wollen, angeraten. Der Autor geht auf eine Vielzahl von Einrichtungen ein, die es beiden Eltern mit Kindern leichter machen würde, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.Alles hängt miteinander zusammen. Die Symbiose von Mann und Frau und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf prägen in unserem Lande heutzutage nicht nur die Familienbande, sondern gleichermaßen die Geburtenrate, die Vielzahl an Fachkräften, den Wohlstand, die Geburtenrate, die Rentensituation, die Tradierung der Kultur auf die nächste Generation und die gegenseitige Attraktivität zwischen Mann und Frau.Es gilt zu erkennen, wie sehr alles miteinander verflochten ist, und wie Mann und Frau diese Verflechtungen nicht durch Gleichheit, sondern durch ihre Verschiedenheit zum Leben bringen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu MANN und FRAU Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Eberhard Natermann im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Persönliche Entwicklung & Persönlichkeitsentwicklung. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.

KAPITEL 1

Vereinbarkeit von Familienarbeit und Berufsausübung

Historie des Mannes. Es sei an dieser Stelle zunächst einmal in die Historie eingegangen. Der deutsch/Schweizer Soziologe Walter Hollstein gibt in seinem Buch, das er im Jahre 2008 unter dem Titel »Was vom Manne übrig blieb« veröffentlichte, eine bemerkenswerte Analyse. Er schreibt:
»Männliche Eigenschaften wurden höher bewertet als weibliche. Männliche Qualitäten und Verhaltensmuster hatten die materiellen Grundlagen der Zivilisation geschaffen. Der Mann hatte sich dabei die Natur nach und nach technisch, sozial und psychisch unterworfen.« Der Mann war also über Jahrhunderte nach außen hin Schöpfer von Zivilisation und Kultur. Im weiteren Verlauf der Zeit und insbesondere im 19. Jahrhundert wurden die Werke der Philosophie, der gesellschaftlichen Erneuerung, der neuen Naturwissenschaften und der Technischen Errungenschaften von Männern geschaffen. Folglich wurden Männern Vernunft, Technik und Instrumentalität zugeschrieben, während Unvernunft, Chaos, Gefühl und Sinnlichkeit dem Gegenpol, den Frauen zugeordnet wurden. Im Laufe der Jahre der Industrialisierung änderte sich aber das Bild, indem die Männer im Zuge der Technisierung immer mehr zu bloßen Spezialisten und Funktionären in großen Firmen oder Verwaltungen für immer kleinere Sachgebiete wurden, die gegenüber ihren Organisationen Ergebenheit zeigen und Arbeiten verrichten mussten, welche nicht mehr als allein männlich zu bezeichnen waren, sondern auch weibliche Qualitäten erforderten. Es ging die Ganzheit des Mannes verloren, und damit ergab sich auch ein gewisser Bedeutungsverlust, da der Mann als ›nur noch Funktionsträger in einer Organisation‹ auftrat. Hand in Hand damit übernahmen die Frauen ehemals von Männern gepflegte Fähigkeiten wie Fürsorge für die Familie. (Siehe Walter Hollstein, Was vom Manne übrig blieb, S. 58, 61f.)

A. Geschichtlicher Hintergrund zur Berufsausübung der
Frau

Die Frau wird vom Mann unterdrückt. Die Frage nach einer Vereinbarung von Familienarbeit und Berufsausübung stellte sich in früheren Jahrhunderten / Jahrzehnten nicht, da die Frau außer in einer selbständigen Familienarbeit kaum erwerbstätig war. Sie wurde erst relevant, als Familien auf einen finanziellen Beitrag auch der Frau angewiesen wurden, was in den frühen siebziger Jahren begann. Das war aber ohne flankierende Aktionen seitens Frauenrechtlerinnen kaum denkbar. Erst deren jahrzehntelanges Einwirken auf Staat und Gesellschaft ließ erwerbsmäßige Frauenarbeit zu einem bedeutsamen Faktor in Staat und Gesellschaft werden.
Diese Entwicklung war unter anderem geprägt von Simone de Beauvoir, französische Schriftstellerin und Philosophin. Sie ließ 1948/1949 das vorerwähnte sogenannte Schlüsselwerk zur Befreiung der Frau unter dem Titel verlegen: »Das andere Geschlecht, Sitte und Sexus der Frau«, das als Bibel der Frauenrechtlerinnen bezeichnet wird. Mit ihren Werken bissen sich ihre Ansichten über die Frauenbewegung hinaus bis in den Feminismus mit Auswirkung sogar auf das Gender Mainstreaming durch. Mit ihren Werken hielt sie Frauen-Selbständigkeit und Kinderlosigkeit über die Maßen hoch. Zugleich bezeichnete sie die Frauen als von den Männern unterdrückt, was auf die Vorstellungen von Frauen und Gesellschaft auf die Männer jahrzehntelang einen negativen Einfluss hatte. Frauen wurden von ihr überzeugt, berechtigt zu sein, in Sachen Kinder-zur-Welt-Bringen und Berufsausübung auf möglichst wenig zu verzichten. Nach ihr fehlte es in den früheren Jahrhunderten an der ausreichenden Anerkennung der Frau durch den Mann, um vom Manne nicht unterdrückt zu werden, sondern ihm gleichwertig zu sein. Nur die Anerkennung, schreibt sie, ermögliche der Frau, unabhängig von der Art des Mannes zu leben, wobei sie die Anerkennung durch Arbeit meint, die über das Kinderkriegen als bloße Reproduktion hinausgeht. Simone de Beauvoir kommt zu einem ungewöhnlichen Ergebnis, das sie mit folgenden Worten zusammenfasst: »Die Frau ist eine Erfindung des Mannes.« (Simone de Beauvoir, S. 194, 245, 257). In der einseitigen männlichen Perspektive trete die Frau im Wesentlichen nicht als Eigenidentität, sondern als Beziehungsfigur in Erscheinung, in der sie Ergänzungsbestimmung für einen anderen – dem Kind oder den Mann – sei und allenfalls eine abgeleitete Identität habe. Demgegenüber setze sich der Mann als Mensch und Subjekt, der seine Identität nicht aus seiner Beziehung zur Frau, geschweige denn zum Kind gewinne, während der Frau eine solche autonome Setzung verwehrt werde. (Siehe auch Brigitte Brück u. a., Feministische Soziologie, S. 51.)
Die Annahme, der Mann nutze die Frau aus, lasse sie im Haushalt am Herd stehen und die Windeln der Kinder wechseln, gönne ihr keine Selbstverwirklichung und Nutzung ihrer angeborenen oder erworbenen Fähigkeiten durch Eingehen einer erwerbstätigen, d. h. beruflich orientierten Tätigkeit, mache sie dadurch abhängig von dem, was er ihr an finanziellen Mitteln und gesellschaftlicher Anerkennung gnädig überlasse. Er sei immer noch allgegenwärtig.
Wo sind wir seit Simone de Beauvoir, die den Mann als Unterdrücker der Frau bezeichnete, hingekommen? Auf jeden Fall sind wir einen Schritt weiter gekommen in der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Simone de Beauvoir hat die heutige Situation zwischen Mann und Frau nachhaltig beeinflusst. Sie selbst sah sich aber nicht unbedingt als Feministin, sondern eher als Frauenrechtlerin. Um ihrer Argumentation zu folgen, könnte allerdings auch die Meinung vertreten werden, eine landesweite Aktion Vereinbarkeit von Familienarbeit und Berufsausübung gar nicht erst zu benötigen. Denn Simone de Beauvoir blieb kinderlos. Sie schrieb, Frau-Sein in einer Welt, die von Männern bestimmt sei, sei Sklavenarbeit der Frau, und so sei auch das Kinderkriegen Sklavenarbeit; und: »Die Behauptung lässt sich nicht rechtfertigen, es sei ein in den Himmel geschriebenes und aus dem Innersten der Erde sprechendes Gesetz, dass Mutter und Kind einander ausschließlich gehören. Dieses wechselseitige Sich-Gehören stellt in Wirklichkeit nur eine doppelte verhängnisvolle Unterdrückung dar.« (Simone de Beauvoir, S. 665). Schlimmer geht es aus Sicht vieler Eltern nicht. Ist die Version von Simone de Beauvoir, Kinderkriegen als Sklavenarbeit zu begreifen, modern oder allgemeingültig?
Männerfeindliche Grundhaltung. Sie setzte in jedem Fall eine Art männerfeindlicher Haltung in Gang. Sie zog große Auswirkungen nach sich, indem sie im Ergebnis die Entwertung des Frau-Seins im Gleichschritt mit der Entwertung des Mann-Seins herbeiführte, was bis heute nachwirkt. Für sie war Kinderkriegen in einer Welt, die nicht von der Frau mitbestimmt ist, eine Unterdrückung durch die Männer. Es bedarf an dieser Stelle des Erinnerns an die Naturgegebenheit des Frau-Seins und Mann-Seins: »Nur, wenn wir uns im Einklang mit den Gesetzen der Natur befinden, wenn wir sie erkennen und akzeptieren, kann das Schöpfungsprinzip der menschlichen Zweigeschlechtlichkeit förderlich für uns und unsere Gesellschaft wirken.«
Das hielt sie aber nicht davon ab, zu einem anderen erstaunlichen Ergebnis zu kommen. Nach ihr akzeptiere die moderne Frau nicht nur die männlichen Werte, sie sei sogar darauf aus, gleich dem Manne zu denken, zu arbeiten, schöpferisch tätig zu sein (Simone de Beauvoir, S. 884). Sie hob hervor, dass Mann und Frau sich gegenseitig eher als gleichwertige Freunde denn als andersartig geprägte Menschen sehen und behandeln sollten.
Zugleich schreibt sie allerdings auch, die Frau vom Mann zu befreien heiße nicht, die Beziehung zum Mann zu negieren. Sie sieht eine freundschaftliche Gemeinsamkeit von Mann und Frau auch in der Sexualität, indem sie in ihr nicht nur einen Ausdruck von Erotik, sondern auch von Freundschaft sieht (Simone de Beauvoir, S. 895). »Es gibt schon heute zahlreiche Paare, die in ihrem sexuellen Verhalten ein Gleichgewicht gefunden haben, die den Begriffen von Sieg und Niederlage eine Vorstellung des Austausches entgegen setzen.« Beauvoir kommt letztendlich mit einem Zitat von Karl Marx zu dem Eigentlichen: »Das unmittelbare, natürliche, notwendige Verhältnis des Menschen zum Menschen ist das ›Verhältnis des Mannes zum Weibe‹.« Sie versäumt nicht zu ergänzen: »Wenn man der Frau ihre souveräne Individualität zurückerstattet, nimmt man dem Liebesakt nicht seine Wonnen.« (Simone de Beauvoir, S. 899). Zweifel an einer Gleichheit von Mann und Frau sind auch bei ihr gegeben, denn sonst hätte sie diesen Satz nicht geschrieben. Sie kannte noch nicht die neuesten Theorien, die in der Soziologie zum Thema »Feminismus« entwickelt worden sind.
(Zur weiteren Veranschaulichung ihrer Thesen aber auch gegenteiliger Sichtweisen im Alten Testament, der späteren römisch-katholischen Kirche, der Philosophie von Jean-Jacques Rousseau bis hin zu denen von Ortega Y Gasset sei auf ANHANG 1 verwiesen. Diese Sichtweisen haben in einer modernen Gesellschaft heutigen Zuschnitts keine wahrnehmbare Gültigkeit mehr, es sei aber im Zusammenhang mit der Gesamt Thematik dieses Buches darauf eingegangen.)

B. Erwerbstätigkeit von Mann und Frau in Deutschland

SPIEGEL Online berichtete im Dezember 2019 unter dem Titel: »Demografie 2020, Deutschland kann sich schlechte Arbeit nicht mehr leisten« von dem dramatischen Fachkräftemangel in Deutschland, der die Wirtschaft und Verwaltung in große Probleme stürze (was von der Deutschen Bundesbank in ihrem Bericht Oktober 2019 unterstützt wird; siehe unten, ANHANG 5):
»Rund 185.000 Stellen können Kommunen, Länder und Bund derzeit nicht besetzen. Das Problem, das der öffentliche Dienst heute schon hat, wird sehr bald die gesamte Wirtschaft erfassen. … Für die deutschen Unternehmen versiegt eine wichtige Ressource: Arbeitskräfte. Zwei Faktoren können das Schrumpfen des Arbeitskräftepotenzials bremsen. Verhindern allerdings werden sie es nicht. Das machen Berechnungen von Forschern des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung um Johann Fuchs ebenfalls deutlich, die zuletzt in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht wurden:
  • Noch mehr Frauen und Ältere könnten arbeiten gehen: Zwar ist die Erwerbsquote beider Personengruppen in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen – aber es ist noch etwas Luft nach oben.
  • Arbeitskräfte aus dem Ausland könnten die Personallücke ebenfalls lindern.«
(Spiegel Online 2019)
Zuvorderst werden mehr Frauen in Arbeitsverhältnissen benötigt, um die Auswirkungen abzumildern. Aber auch Ältere müssten generell länger in ihren Arbeitsverhältnissen bleiben. Ebenso würde eine gezielte Einwanderung von ausgesuchten Fachkräften helfen, allerdings längst nicht in dem Ausmaß wie die verstärkte Einbeziehung von Frauen in vollwertige Arbeitsverhältnisse.
(Quelle: Fuchs (IAB), Kubis (IAB), Schneider (HS Coburg);
Bertelsmann-Stiftung: IAB )
Eine Berufsausübung beider Elternteile wirft aber Probleme auf. Zum einen ist es schwer, die Zeit für Familienarbeit aufzubringen, wenn man aushäusig arbeitet. Zum anderen finden Frauen nicht unbedingt die Tätigkeit, die sie sich wünschen, und sehen auch in Zeiten des oben erwähnen Fachkräftemangels den Grund in einer Bevorzugung männlicher Konkurrenten. Es bedarf einer landesweiten Neu-Organisation.
Bezogen auf Kinder geht es um die Frage, ob Mann und Frau mit Kind(ern) noch genügend berufliche und finanzielle Möglichkeiten haben, ein normales Familienleben zu führen, das sie nicht in Zeitnot oder finanzielle Not bringt, und das ihnen erlaubt, sich ohne solche Not um die Kinder zu kümmern, ohne sie als Kleinkind täglich bis zu acht Stunden pro Tag in eine KiTa zu stecken zu müssen.
Bezogen auf die Mutter geht es um die Frage, ob die Mutter dem Mann gegenüber gleichberechtigt leben und ihren Beruf ausüben kann, dass sie wie der Mann frei ist zu tun, was sie tun möchte, und dass sie in der Achtung der Gesellschaft und des Mannes nicht weniger wert ist als der Mann.
Bezogen auf den Vater geht es um die Frage, inwieweit er von seinem männlichen Rollenspiel Abstand nehmen und ungewohnte neue Lebensweisen hinzunehmen bereit ist, die das tradierte Männerbild des alleinigen starken, zuverlässigen Ernährers der Familie einschränken oder aufheben, und zugleich ehemals der Frau zugeordnete erwerbsmäßige, weibliche Familien Arbeiten übernehmen kann, ohne dabei seine Identität zu verlieren.
Andere Arbeitsweise der Frauen. Es ist unbestritten, dass Frauen teilweise eine andere Arbeitsweise haben als Männer. Frauen können aus diesem Grunde in dem Arbeitsleben von Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung bereichernde Wirkungen ausüben. Es gib einen Arbeitsstil, der als »weiblicher Arbeitsstil« bezeichnet wird. Er setzt sich von dem männlichen Arbeitsstil ab beziehungsweise ergänzt ihn, wie an Folgendem aufgezeigt werden soll (siehe hierzu auch Robert Fischer, in: Walter Hollstein, Geschlechterdemokratie, S. 333):
  • flachere bzw. weniger Hierarchie
  • lebendiges, unverkrampftes menschliches Netzwerk
  • persönliche Beziehungen zu Mitarbeiterinnen / Kolleginnen
  • Anteilnahme, Ermutigung, Anerkennung, Kooperation, Fürsorge, statt Konkurrenzdenken
  • Zuwendung für das körperliche und mentale Wohlbefinden anderer
  • weniger Aggression und weniger Bedürfnis, andere zu bekämpfen
  • Fähigkeit, sich zurücknehmen zu können
  • geringeres Bedürfnis nach Wichtig-Sein-Wollen.
Deutschland gibt in der Familienpolitik enorme Summen aus, um Frauen und Männern zu ermöglichen, jeder für sich die berufliche und persönliche Selbstverwirklichung zu finden und die Erwerbstätigkeit beider Elternteile mit einem gleichzeitigen Familienleben mit Kindern zu ermöglichen. Dennoch werden junge Frauen immer wütender. Die Power Frauen erleben, dass sie trotz guter Arbeit zu selten in Führungspositionen kommen, und dass auch noch die Familienarbeit allzu häufig an ihnen hängen bleibt. Die Wut von Frauen wendet sich gegen ihre Männer und gegen die Politik (von männlichen und weiblichen Politikern), denn die Politik zwingt Frauen wegen fehlender Ganztagsschulen oder fehlender qualitativ guter KiTas und nicht ausreichendem Druck auf Arbeitgeber noch immer in die Teilzeitarbeit, und sie halst ihnen die Rolle als ständige und unbezahlte Nachhilfe Lehrerinnen auf, weil die Schulen ihren Lehrauftrag nur teilweise erfüllen. Studien zeigen die große Zerrissenheit der jungen Frauen auf: achtzig Prozent von ihnen glauben, dass sie es später bereuen würden, keine Kinder zu haben. Es wird anerkannt, Kinder kriegen gehöre zu den Aufgaben und damit zu ihrem Leben als Frau, gleich, ob sie berufliche Nachteile haben könnte oder nicht. Dennoch kann sich die Hälfte der Frauen vorstellen, auch ohne Kinder ein erfülltes Leben zu führen.
Die Basis der heißen Diskussion um die Berufsausübung von Mann und Frau bilden Fakten zu deren Erwerbstätigkeit, wie aus dem Folgenden zu ersehen ist. Gemäß Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2017 von den Männern 82 Prozent und von den Frauen 72 Prozent im Alter von 18 und 65 Jahren erwerbstätig. Von den Müttern gehen aber nur vierunddreißig Prozent einer Vollzeitarbeit und sechsundsechzig Prozent einer Teilzeitarbeit nach. Erst nach dem fünfundvierzigsten Lebensjahr entsprechen ihre Quoten ungefähr denjenigen der Frauen ohne Kinder. (Statistisches Bundesamt (Destatis), Mikrozensus 2017. Zu finden unter BEVÖLKERUNG, »Lebenssituation von Männern ».)

C. Geschlechterdifferenz als Ausgangspunkt

Die Vereinbarkeit von Familienarbeit und Berufsausübung will gelernt und wohl bewogen sein. Die Thematik betrifft nicht nur die organisatorische Erleichterung der Berufsausübung trotz Familienarbeit an sich. Sie geht weit darüber hinaus.
Vordergründig umfasst die Vereinbarkeit erst einmal regulatorische Hilfe. Dazu gehören neben K...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Einleitung
  4. Kapitel 1
  5. Kapitel 2
  6. Kapitel 3
  7. Kapitel 4
  8. Kapitel 5
  9. Kapitel 6
  10. Kapitel 7
  11. Kapitel 8
  12. Kapitel 9
  13. Kapitel 10
  14. Anhänge
  15. Literaturverzeichnis
  16. Impressum