
- 110 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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eBook - ePub
Über dieses Buch
Ausgehend von der Frage, welche Möglichkeiten der Weltwahrnehmung wir überhaupt haben, untersucht Axel Voss die Bedeutung der kulturellen Bildung.Dabei geht der Weg über die Verflechtung von Kunst, Emotion, Bildung und Erkenntnis zu einem Weltzugang, der unserer Zivilisation verlorengegangen scheint und die Welt so aus dem Gleichgewicht brachte: dem Mythos.
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Information
Begriffe begreifen
Alles, was wir hören ist eine Meinung, keine Tatsache.
Alles, was wir sehen ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.
Marc Aurel
Zunächst möchte ich so abstrakte Begriffe wie „Epistemologie“ oder „Konstruktivismus“ näher erläutern, um sie greifbarer zu machen.
Unter Bezugnahme auf Begriffspaare wie „Emotion und Kognition“ oder „Wahrnehmung und Erkenntnis“ wird dann besonders interessant, wie sich epistemologische Perspektiven auf das transformierende Emotionslernen übertragen lassen und inwieweit der Emotionale Konstruktivismus als Erkenntnistheorie bezeichnet werden kann.

ÜBER DIE EPISTEMOLOGIE
oder: warum aus Staunen Neugier wird
Die Epistemologie (griech., epistéme „Erkenntnis, Wissen“ und logos, „Lehre“) oder auch Erkenntnistheorie ist eine der zentralen Disziplinen der Philosophie. Sie befasst sich mit der Kantischen Grundfrage: „Was kann ich wissen?“ und weiter noch: „Was ist Wissen überhaupt?“, „Wie kommt es zustande?“, „Was sind Quellen, Umfang und Grenzen des menschlichen Wissens?“2
Dieses sind Fragen, die sich nicht allein empirisch bzw. durch wissenschaftliches Experiment behandeln lassen, sondern zunächst in der philosophischen Theorie. Geht es bei der Suche nach Antworten in Bezug auf Sinneswahrnehmungen oder Erkenntniszugängen eher um mathematisch belegbare Logik, so versucht die Metaphysik den Unterschied zwischen dem, was ist und dem, was erkannt werden kann, zu ergründen (Idealismus-Realismus).3
Zwei grundlegende Zugangsformen zur Erlangung von Wissen bzw. Erkenntnis werden unterschieden:
der Rationalismus, der die Position vertritt, dass man Wissen durch logisches Denken und Vernunft erlangt, und
der Empirismus, der die Position vertritt, dass man Wissen durch sensorische Erfahrung erlangt.4
Platon (427-347 v. Chr.) setzt besonders in seinem Dialog Politeia typisch erkenntnistheoretische Fragen in Bezug zur Ethik und der Natur der Wirklichkeit. Bei ihm ist das Wissen „wahre, gerechtfertigte Meinung“5 und er unterscheidet verschiedene Stufen der Gewissheit von der bloßen Annahme bis hin zur festen Überzeugung.
Für antike Skeptiker ist es zweifelhaft, ob wir überhaupt gerechtfertigte Überzeugungen oder sicheres Wissen haben können, und sie zogen daraus über eine theoretische Position hinaus Konsequenzen für ihre Lebensführung.6
Der Rationalist René Descartes (1596-1650) gilt als Begründer der modernen Epistemologie, da er das Bewusstsein ins Zentrum seiner Fragestellungen setzt. Descartes untersucht in seinen Meditationen methodisch, welche Arten von Zweifeln an welcher Art von Wissen grundsätzlich bestehen können und kommt so zu seinem berühmten ersten Grundsatz: Cogito ergo sum.7 (lat., „Ich denke, also bin ich.“), dem nicht weiter kritisierbaren Fundament seiner Überlegungen, denn ich kann an allem zweifeln, außer daran, dass ich zweifle (cartesianischer Skeptizismus).
Zusammen mit Gottfried Leibniz geht Descartes davon aus, dass der Mensch auch ohne Empirie Zugang zu Wahrheiten a priori (lat., „von vornherein“) habe, während die Empiristen wie z.B. David Hume oder John Locke diese Sichtweise ablehnen.8 Eine Lehre der angeborenen Ideen basiert auf der Annahme, dass der Mensch fähig ist, aus sich heraus bestimmte Erkenntnisse ohne Erfahrung zu erlangen. Nach derzeitigem Forschungsstand sind wir – formuliert in Lockes bekannter Metapher 9 – bei der Geburt kein unbeschriebenes Blatt, betrachtet man dazu Carl Gustav Jungs Archetypen, Noam Chomskys Cartesianische Linguistik, den genetischen Code oder die jüngsten Ergebnisse der Epigenetik.10
Immanuel Kant (1724-1804) versucht mit seiner Philosophie eine Synthese der unterschiedlichen Lager zu formen und differenziert die Anschauungen der Empirie durch Sinneseindrücke (Wahrnehmung und Erfahrung) und reine Formen der Anschauung, die a priori vor jeder Erfahrung gegeben sind, wie Raum und Zeit. Diese haften nicht dem Ding an sich (dem unabhängig von einem Betrachter Existenten) an, sondern dem Gemüt. Um die Welt zu fassen, benötigen wir Begriffe – oder, um es mit Kant zu sagen: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“11
Die Erkenntnistheorie als deutscher Begriff ist relativ jung und kann auf die 1830er Jahre als neues Teilgebiet der Philosophie datiert werden.12 Als Reaktion auf philosophische Spekulationen unter dem Einfluss von u.a. Hegel und Schelling fordern die sog. Neukantianer eine Rückbesinnung auf Kants Kritik der reinen Vernunft samt den dort definierten Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit und der Einschränkung der Naturwissenschaften auf den Bereich möglicher Erfahrung. Obwohl die Philosophen dieser Zeit oft gleichzeitig auch Naturwissenschaftler ist, spalten sich beide Bereiche immer weiter auf und entfremden sich einander.13
Bald darauf separiert Wilhelm Dilthey (1833-1911) die Natur- und die Geisteswissenschaften und entwickelt die Hermeneutik bedeutend weiter. Doch erkennt man letztendlich, dass nur das Zusammenspiel philosophischer Spekulation und wissenschaftlicher Schlüsse im kantischen Geist zur optimalen „Untersuchung der Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Erkenntnis“14 führt – der Erkenntnistheorie.
Sie entwickelt und unterscheidet sich gegenüber der Ontologie (griech., on „seiend“), einem Teilbereich der Metaphysik, der sich mit dem Sein und dem Seienden beschäftigt. In seiner Heidegger-Biografie definiert Oliver Jahraus:
Die große Neuerung in der Erkenntnistheorie besteht darin, dass nunmehr nicht nach dem Sein, sondern nach der Erkennbarkeit – oder Kantianisch gesprochen: nach den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis – gefragt wird. Diese Veränderung, in der sich nicht nur zwei unterschiedliche philosophische Disziplinen, sondern zwei unterschiedliche philosophische Weltanschauungen gegenüberstehen, ist so fundamental, dass man von zwei Paradigmen sprechen könnte, nämlich vom ontologischen Paradigma des Seins und vom erkenntnistheoretischen Paradigma des Subjekts bzw. des Bewusstseins.15
Die Ontologie fragt also nach dem Sein, nach dem, was ist, wogegen die Epistemologie nach dessen Erkennen fragt, d.h., es geht hier nicht um das Wesen der Dinge, sondern um Prozess und Entstehung ihrer Erkenntnis. Somit stehen beide Lehren in einer Subjekt-Objekt-Beziehung.
Der Ontologe Martin Heidegger verdreht die kartesische Erkenntnis ins Gegenteil: „Ich bin, also denke ich“ und unterscheidet zwischen dem Sein (das, was meine Sinne ohne Deutung aufnehmen) gegenüber dem Seienden (was ich durch Erfahrung erkenne und in Frage gestellt werden kann).16
Es ist Arthur Schopenhauer (1788-1860), der die Welt als Wille und Vorstellung definiert. Der Irrationalist löst die traditionelle Ontologie durch die Erkenntnislehre ab, woran sich bei ihm die Metaphysik (Entwicklung einer Theorie des Weltganzen) anschließt. Das Erscheinende – ähnlich Kants Ding an sich – wird in einer induktiven Metaphysik aus einer Art universellen, treibenden Kraft generiert: dem Willen. Die Erscheinung demgegenüber ist die Vorstellung, die das Individuum sich davon macht. Diese ist subjektiv und individuell, denn Schopenhauer betont sie explizit als „meine Vorstellung“ in seiner idealistischen Grundansicht.17
Der Logiker Ludwig Wittgenstein (1889-1951) argumentiert in seiner Spätphilosophie, dass „Wissen“ ein konturloser Alltagsbegriff sei und demnach nicht in eine allgemeine Definition gefasst werden könne. In seinem Tractatus werden die Aussagen über die Tatsachen der Welt...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Begriffe begreifen
- Kunst, Emotion, Bildung und Erkenntnis
- Ausblick
- Literatur
- Endnoten
- Tabellenverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Bildnachweise
- Über den Autor
- Impressum