Bereits seit Jahrhunderten sind Anleihen zentraler Baustein im Finanzierungsmix von Unternehmen. Insbesondere Bonds kleiner und mittlerer Unternehmen erfreuten sich in den vergangenen Jahren steigender Beliebtheit. Heute weisen sie vielfältige Merkmale auf, wie variable Verzinsung oder eine Index-Orientierung mit Inflationsschutz. Für Sie als Anleger stellt sich daher schnell die Frage: In Anleihen investieren – aber wie?Peter Hasler beantwortet die wichtigen Fragen des Anlageerfolgs: Wie lesen Sie einen Wertpapierprospekt? Müssen Sie auch bei Anleihen diversifizieren und wenn ja, wie stark? Was müssen Sie tun, wenn sich das Rating einer Anleihe verschlechtert? Und wie schützen Sie sich vor schwarzen Schafen? Wie Sie nicht nur die Grundlagen kennenlernen, sondern Risiken erkennen und sich ein Depot aus hochwertigen Anleihen zusammenstellen, zeigt Ihnen Peter Hasler in diesem Buch.

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Unternehmensanleihen - simplified
Hohe Rendite und Risiko perfekt im Griff
- 256 Seiten
- German
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Über dieses Buch
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Thema
Banken & Bankwesen1 Arten von Anleihen: Ein Überblick
»Es ist gewinnbringender, einen Tag im Monat über Geld nachzudenken, als 30 Tage hart dafür zu arbeiten.«
John Davison Rockefeller (1839–1937), US-amerikanischer Unternehmer und Philanthrop
Anleihen – im Deutschen auch unter ihren Synonymen Renten(papiere) und Schuldverschreibungen bekannt, in der Schweiz unter Obligationen, im angelsächsischen Sprachraum unter (Corporate) Bonds – sind als Wertpapiere verbriefte Forderungsrechte, die am Kapitalmarkt platziert und gehandelt werden. Der Käufer, Anleger oder Investor eines Bonds (englisch für binden, festigen) wird zum Gläubiger, der Verkäufer oder Emittent zum Schuldner. In dieser Gläubiger-Schuldner-Beziehung verspricht der Emittent für die Kapitalüberlassung den Gläubigern die Zahlung eines zeitabhängigen Entgelts – des Kupons – sowie die Rückzahlung des ihm überlassenen Nominalbetrags zu Bedingungen, die im Voraus festgelegt werden.
Gläubiger-Schuldner-Beziehungen gibt es auch bei Darlehen oder Bankkrediten. Dass die Kreditbeziehung als Wertpapier verbrieft wird, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Der Gläubiger kann seine Forderung einem Dritten verkaufen oder abtreten, ohne dass hierfür die Zustimmung des Schuldners erforderlich ist. Für diesen Vorgang wurden Handelsorganisationen oder Börsen eingerichtet, Marktplätze, auf denen sich alle an einem Kauf oder Verkauf interessierten Parteien versammeln.
Im Gegensatz zur Eigenkapitalfinanzierung, die eine gewinnabhängige, mithin variable Verzinsung verspricht, erwachsen aus der Anleihefinanzierung unbedingte Zinszahlungs- und Tilgungsverpflichtungen zu fest definierten Zeitpunkten. Ein Emittent verpflichtet sich, seinen Anleihegläubigern zukünftig bestimmte Geldbeträge zu bezahlen und bekräftigt seine Verpflichtung durch die Einhaltung bestimmter Verhaltensvorschriften. Diese Verpflichtungen sind in den spezifischen Anleihebedingungen niedergelegt und gelten während der gesamten Laufzeit der Anleihe für alle Gläubiger gleichermaßen.
Grundsätzlich kann zwischen Inhaber- und Namensschuldverschreibungen unterschieden werden. Da das Eigentum an Inhaberschuldverschreibungen formlos durch Einigung und Übergabe nach den Regeln des sachenrechtlichen Erwerbs übertragen wird, stellen Inhaberschuldverschreibungen den Normalfall dar. Diese leichte Umwandlungs- und Austauschmöglichkeit nennt man Fungibilität (siehe Kap. 4.4). Die jederzeitige Fungibilität wird noch dadurch erhöht, indem selbst gestohlene, verloren gegangene oder abhandengekommene Inhaberschuldverschreibungen gutgläubig erworben werden können. In jedem Fall bleibt der Besitzer der Urkunde anonym.
Dagegen lauten Namensschuldverschreibungen (Registered Bond) auf eine bestimmte Person und können deshalb – anders als ihr mitgliedschaftsrechtliches Pendant der Namensaktien – nicht an der Börse gehandelt werden.
Die Namensschuldverschreibung
ist eine Schuldverschreibung auf eine bestimmte Person und für eine Übertragung auf andere Personen nicht vorgesehen.
Sie werden insbesondere von institutionellen Anlegern geschätzt, da sie auf die Finanzierungsbedürfnisse eines Kapitalsuchers und die Anlegebedürfnisse eines Kapitalgebers maßgeschneidert werden: Durch die fehlende Börsennotierung wird unterstellt, dass der Anleger das Wertpapier langfristig halten will. Bilanziell hat dies beim Erwerber zur Folge, dass das Wertpapier als Anlagevermögen aktiviert wird und nicht als Umlaufvermögen. Während bei Letzterem das Mark-to-Market-Prinzip gilt, wonach stets der aktuelle Börsenkurs den Wertansatz in der Bilanz bestimmt, ist ein Wertpapier im Anlagevermögen über die gesamte Laufzeit mit seinen Anschaffungskosten anzusetzen. Abschreibungsrisiken nach dem Niederstwertprinzip fallen damit nicht an. Beispiele für Namensschuldverschreibungen sind Namenspfandbriefe, Kommunalobligationen und Landesbodenbriefe.
Ob Inhaber- oder Namensschuldverschreibung – sofern in den Anleihebedingungen nichts anderes vorgesehen ist, sind die einzelnen Anleihen grundsätzlich voneinander unabhängig, das heißt, jeder Anleger hat Anspruch auf die vollständige Erfüllung seiner Rechte und kann diese für sich allein und ohne Mitwirkung der übrigen Gläubiger geltend machen.
Physisch besteht eine Anleihe aus zwei Komponenten: Dem Mantel, der die eigentliche Schuldurkunde darstellt und das Forderungs- bzw. Beteiligungsrecht verbrieft, und dem Bogen, der im Mantel eingelegt wird und aus (in der Regel 5 bis 20) Zinskupons und einem Erneuerungsschein – auch Talon genannt – besteht. Im Mantel wird die Schuldsumme festgelegt, auch Nominalbetrag der Anleihe genannt. Dieser wird bei Fälligkeit der Anleihe an die Gläubiger zurückgezahlt. Damit der Inhaber seinen Kupon erhält, muss er einen expliziten Eigentumsbeleg vorlegen. Dies geschieht dadurch, dass er vom Bogen einen Kupon abtrennt und an die Zahlstelle schickt. Die Kupons – der Begriff Kupon stammt aus dem Französischen, von couper, also abschneiden oder ausschneiden – sind die Zinsscheine, die auf einen bestimmten Verfallstag lauten, an dem sie früher buchstäblich abgeschnitten und eingelöst wurden. Jeder, der seinen Kuponabschnitt vorlegt, hat damit Anspruch auf die Zinszahlung.
Natürlich ist eine persönliche Verwahrung der Dokumente in einer digitalen Welt nicht länger zeitgemäß und auch das Abschneiden des Zinsscheins durch den Gläubiger ist nicht mehr erforderlich. Vielmehr wird die Ausschüttung der Zins- und Tilgungszahlungen auf das Depot des Anleihegläubigers automatisch von der sogenannten Zahlstelle vorgenommen. Möglich wird dies, indem fast alle Anleihen heute nicht mehr als persönliche Dokumente ausgegeben werden, sondern einer zentralen Girosammelverwahrung unterliegen. Bei der Girosammelverwahrung werden Anleihen lediglich als Depotguthaben auf Girosammeldepotkonten geführt und beim Verkauf umgebucht. Anleihen werden beim Kauf, Verkauf oder einer Übertragung (z. B. Schenkung) nicht länger physisch übergeben, sondern durch Umbuchung von Miteigentumsanteilen übertragen. Das jeweilige Depotguthaben repräsentiert dann den Anteil, den der Anleger an dem Wertpapier hält.
Höhe und zeitliche Verteilung der Zinszahlungen müssen nicht notwendigerweise schon bei der Emission der Anleihe fest vorgegeben sein. So ist es möglich, dass in den Anleihebedingungen nur die Berechnungsmethodik für die Zahlungen vorgegeben ist, nicht jedoch die konkrete Höhe der Zinsen und der Zeitpunkt ihrer Zahlung. Beide können davon abhängig sein, wie sich bestimmte, vorab definierte Marktdaten im Zeitablauf entwickeln. Letztlich kann bezüglich der Verzinsung und der Rückzahlung zwischen
- > festverzinslichen Anleihen,
- > variabel verzinslichen Anleihen, sogenannten FloatingRateNotes (FRN) oder kurz Floater,
- > Anleihen ohne laufende Verzinsung, sogenannten Nullkuponanleihen oder Zerobonds,
- > Tilgungs-, Verlosungs- und Annuitätenanleihen,
- > aktienverwandten Anleihen (mit Sonderrechten) wie Wandel-, Options- oder Umtauschanleihen,
- > Hybridanleihen (mit Nachrang),
- > Gewinnschuldverschreibungen, einem Unterfall des Genussrechts, und
- > Aktienanleihen bzw. Discountzertifikaten
unterschieden werden, die in den folgenden Kapiteln detailliert vorgestellt werden.
Handelt es sich um laufend verzinsliche Anleihen, ist zu unterscheiden zwischen jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich stattfindenden Zinszahlungsterminen. Sogar eine Veränderung der laufenden Verzinsung, beispielsweise über einen Zins-Step-Up- oder -Step-Down-Covenant im Falle einer Ratingveränderung, kann Bestandteil einer Schuldverschreibung sein.
¥ Beispiel
Die 8,0 Prozent-Anleihe von Franz Haniel & Cie. (WKN A1A6NE) ist mit einem Zins-Step-Up-Kupon ausgestattet. Verschlechtert sich das S&P-Rating auf oder unter BB, erhöht sich der Kupon automatisch um 125 Basispunkte. Verbessert sich das Rating wieder, sinkt der Kupon wieder auf sein Ausgangsniveau.
Klassische Schuldverschreibungen sind als sogenannter Stand-Alone-Bond konzipiert. Dieser wird in mehreren, untereinander gleichberechtigten und fortlaufend nummerierten Teilschuldverschreibungen verbrieft. Dies hat den Vorteil, dass eine Schuldverschreibung nicht in einem Stück erworben werden muss – und damit überhaupt erst handelbar wird. Die Nennwerte einer Teilschuldverschreibung liegen typischerweise bei 1.000, 50.000, 100.000 oder 250.000 Euro, je nachdem, welche und wie viele Investoren bei einer Emission angesprochen werden sollen. Ist vorgesehen, Fremdkapital über einen längeren Zeitraum aufzunehmen, kommen Emissionsprogramme zur Anwendung, die einen Rahmen bilden, innerhalb dessen die Schuldnerin mehrere Emissionen begeben kann; Beispiele hierfür sind Medium-Term-Note-(MTN-) oder Commercial-Paper-Programme.
Nachdem eine Anleihe platziert wurde, beginnt ihr Handel an einer Wertpapierbörse. Jeder Kurs ist dann das Ergebnis von Angebot und Nachfrage nach diesem bestimmten Wertpapier. Fällt eine Anleihe unter ihren Ausgabekurs, besteht die Rendite des Anlegers aus der Vereinnahmung der Kuponzahlungen und dem zukünftigen Kursanstieg der Anleihe, wenn diese am Ende der Laufzeit zu pari zurückgezahlt wird (Effekt der Nennwertkonvergenz). Im Fall der Unter-Pari-Notierung übersteigt die Effektivverzinsung der Anleihe also den Nominalzins, der sich aus dem Kupon ableitet. Wird eine Anleihe dagegen über ihrem Nennwert (über pari) gehandelt, verringert sich die Rendite der Nominalverzinsung aus dem erwarteten Kursrückgang bis zum Laufzeitende. In diesem Fall ist die Effektivverzinsung niedriger als die Nominalverzinsung. Wird eine Anleihe zum Nennwert gehandelt, notiert sie also zu pari, sind Kuponzins und Effektivzins identisch.
Die meisten Emittenten, die eine Anleihe begeben, wählen eine Nominalverzinsung, die die Anleihe zunächst zu pari handeln lässt. Dies verlangt ein intensives »Pre-Sounding« (früher auch »Pilot Fishing« genannt), bei dem die geplante Emission ausgewählten institutionellen Investoren vorgestellt wird, um zu ermitteln, ob und unter welchen Bedingungen sie diese Anleihe zeichnen würden. Aus der anschließenden Auswertung der Ergebnisse ermitteln die mit der Anleiheplatzierung beauftragten Banken den Zinssatz, mit dem eine Vollplatzierung der Anleihe wahrscheinlich ist.
Ein weiteres wesentliches Gestaltungselement von Schuldverschreibungen ist deren Laufzeit. Das Laufzeitenspektrum von Schuldverschreibungen reicht von
- > kurzlaufenden Schuldverschreibungen über
- > mittelfristige Anleihen mit einer Laufzeit von vier bis acht Jahren und
- > langfristige Anleihen mit Laufzeiten von mehr als acht Jahren
bis hin zu - > Anleihen mit unendlicher Laufzeit (Perpetual Bonds).
Schuldverschreibungen mit sehr kurzen Laufzeiten von einem oder mehreren Tagen bis zu einem Jahr werden als Commercial Papers (CPs), T(reasury) Bills, Certificates of Deposit (CDs) oder Bankers’ Acceptance (Bankakzepte) bezeichnet. Bei Wertpapieren am »kurzen Ende« handelt es sich um klassische Geldmarktpapiere, die typischerweise von bonitätsstarken Emittenten wie dem Staat, Banken oder Großunternehmen zur Deckung ihrer kurzfristigen Finanzierungserfordernisse begeben werden. Manche dieser Papiere sind nicht einmal Wertpapiere i. e. S., also verbrieft, sondern ähneln eher bilateralen Kreditverträgen. Aufgrund ihres bargeldähnlichen Charakters sind ihre Zinsen nur unwesentlich höher als bei normalen Bankkontoguthaben und stellen damit für gewöhnlich die Untergrenze des Renditespektrums dar. Im Unterschied zu kurzlaufenden Geldmarktpapieren werden Zinsinstrumente mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr am sogenannten Kapitalmarkt gehandelt. Typische Kapitalmarktpapiere sind Anleihen, die allein aufgrund ihres hohen Dokumentationsaufwands längere Laufzeiten aufweisen (müssen), da ansonsten die nicht unerheblichen Fixkosten einer Emission die Begebung für den Emittenten unattraktiv macht. Bei den Papieren »am langen Ende« spricht man auch von sogenannten Langläufern oder Ultralangläufern.
¥ Beispiel
Im Jahr 2011 hat die EnBW Energie Baden-Württemberg AG eine Unternehmensanleihe (WKN A1MBBB) mit einer Laufzeit von 71 Jahren und einem Emissionsvolumen von 750 Mio. Euro ausgegeben. Unter den Unternehmensanleihen sind derartige Ultralangläufer in Deutschland jedoch ausgesprochen selten.
Die angegebene Laufzeit muss...
Inhaltsverzeichnis
- Haftungsausschluss
- Danksagung
- Gentlemen prefer Bonds
- 1 Arten von Anleihen: Ein Überblick
- 2 Typische Emittenten von Anleihen
- 3 Die wichtigsten Ausstattungsmerkmale von Anleihen
- 4 Über die Risiken von Anleihen
- 5 Überblick über die Börsenplätze
- 6 Wie beurteilt man einen Emittenten?
- 7 Kennzahlenanalyse nicht nur für Profis
- 8 Die 20 Regeln des Value-Investings für Anleihen
- Fazit
- Literaturhinweise
- Über den Autor
- Anmerkungen
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