Rettet Europa vor der EU
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Rettet Europa vor der EU

Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht

  1. 272 Seiten
  2. German
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Rettet Europa vor der EU

Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht

Über dieses Buch

Die Europäische Union will ein historisch einzigartiges und vorbildliches System der Regierungsherrschaft darstellen. Doch mit ihrer Geld-, Steuer- und Subventionspolitik entsteht eine gigantische staatliche Planwirtschaft, die sämtliche Lebensbereiche des Bürgers kleinteiligst erfasst und sich bei alledem auch noch zunehmend außerhalb des Rechts bewegt. Der edelste Gedanke Europas, die Würde des einzelnen Menschen unverbrüchlich zu respektieren, droht in Vergessenheit zu geraten.Nach einer langen Periode intellektueller, wirtschaftlicher und politischer Freiheitsgewinne scheint auch die Bereitschaft der Bürger erlahmt, sich weiter effektiv für ihre Rechte zu engagieren. Carlos A. Gebauer entzaubert das politische und bürokratische Monster aus Brüssel und plädiert für eine zügige Rückbesinnung auf dezentrale, subsidiäre Selbstverantwortung und – vor allem – auf das Recht.

Information

Jahr
2014
ISBN drucken
9783898798464
eBook-ISBN:
9783862483723

Hauptteil

Kapitel 1: Die Prinzipien und Elemente von Herrschaft

Wer Herrschaftsstrukturen beschreiben und kritisieren möchte, der ist – wenn er systematisch vorgehen will – gezwungen, zunächst die Frage zu stellen: Was überhaupt ist Herrschaft? Welches sind die zentralen kulturellen Grundlagen von Herrschaft, namentlich in Europa? Der Kritik voranzugehen hat also eine Begriffsklärung. Es muss ermittelt werden, was den einen legitimiert, dem anderen verbindlich zu sagen, was dieser richtigerweise zu tun habe. Eine solche Herrschaftsstruktur steht nicht im luftleeren Raum. Sie ist vielmehr – wie zu zeigen sein wird – über einen langen Zeitraum historisch gewachsen und kulturell verfeinert. Nur aus dem Kontext dieser Zusammenhänge lässt sich zuletzt erfassen, welches die wesentlichen Funktionsweisen von Herrschaft sind und warum sie im aktuellen Zustand der EU Kritik verdienen.

I.) Philosophiegeschichtliche Anfänge

Vor rund 2500 Jahren, also um 500 v. Chr., lebten eine Vielzahl kluger griechischer Philosophen in einem Landstrich, der heute zum äußersten Westen der Türkei gehört. An jener Stelle in Kleinasien entstand das Denken dieser Männer, die wir heute die ersten Naturphilosophen nennen. Die Art, wie sie die Welt erkannten und wie sie sich deren Zusammenhänge erklärten, gab dem europäischen Denken in einer nicht zu unterschätzenden Weise die grundlegende Richtung.
Was aus heutiger Sicht leicht wirkt wie eine halbintellektuelle Pseudowissenschaft, welche die Mitglieder eines Esoterik-Workshops an einem Wochenende miteinander betreiben mögen, war im Ursprung eine durchaus beeindruckende und in sich schlüssige Überlegung. Beim Nachdenken über die mutmaßlichen Anfänge der Welt spekulierten diese Naturphilosophen nämlich nicht nur über die Frage, woher die Welt und der Mensch komme, wo ihre eigenen Ursprünge lägen und ob es einen Gott gebe, der die Welt geschaffen habe, sondern insbesondere über die – wie sie es nannten – ursprünglichen Elemente der Welt. Sie stritten darüber, was der erste Anfang, die Arché, der Welt gewesen sei: Erde, Wasser, Luft oder Feuer?
Namentlich die Betrachtung des Elementes Wasser führte die Naturphilosophen zu der ersten Annahme, dass ein jedes dieser vier Grundelemente wohl in allen denkbaren Aggregatzuständen in der Natur vorkommen müsse. Wasser konnte nicht nur fließen, sondern in gefrorenem Zustand hart sein wie Erde, aber erhitzt eben auch dampfförmig wie die Luft. Möglicherweise – überlegten manche dieser Naturphilosophen weiter – ließen sich am (unerkennbaren oder noch unerkannten) Ende Übergänge aller Elemente ineinander feststellen. Die simple Anschauung der Natur wurde mit konsequenten Gedanken verknüpft und geriet so zum Beginn der uns heute bekannten Naturwissenschaften.
Um es nochmals zu betonen: Was uns aus heutiger Sicht vielleicht naiv oder abwegig erscheint, war aus damaliger Sicht alles andere als töricht oder banal. Sämtliche festgehaltenen Erkenntnisse beruhten auf der konsequenten Beschreibung der beobachtbaren Welt aus dem damaligen Kontext des Möglichen.
Ein experimentell tätiger Naturphilosoph konnte beispielsweise beobachten, dass ein Stein, den er in das Wasser warf, dort so lange herabsank, bis er zu seinem »eigenen Element« zurückgefunden hatte. Luft hingegen, die man unter Wasser freigab, stieg aus dem Wasser herauf, bis sie sich mit der anderen Luft darüber wieder verbunden hatte. Derartige Beobachtungen führten zu der Annahme von der Existenz eines »oikos topos«: Jedes einzelne Element schien dieser Beobachtung zufolge zu seinem eigenem »Heimatort« zurückzustreben. Folglich – so spekulierte man weiter – könnten diese einzelnen Elemente allesamt in sich eine Art gemeinsame Seele haben, die, mit eigener Energie versehen, ein jedes von ihnen wieder zu seinem eigenen »oikos topos« zurückgeleitete.
Soweit bekannt, war es dann zuerst Aristoteles, der den genannten vier Grundelementen gleichsam zur Erklärung für das Streben zum je eigenen Heimatelement ein weiteres, fünftes Seiendes hinzufügte, eine »quinta essentia«. Jener wesenhafte Kern eines jeden Elementes war demgemäß – das heißt dieser erweiterten Theorie zufolge – von so feiner Beschaffenheit, dass er den menschlichen Sinnen unmittelbar verborgen blieb. Gleichwohl musste eine solche fünfte, unsichtbare Wesenheit in dieser Weltsicht irgendwie existieren. Denn auch der Mensch konnte schließlich die gegenständliche Welt sinnlich wahrnehmen und sie anschließend – verinnerlicht – intellektuell erfassen. Diese menschliche Fähigkeit, zu denken, schien mit dem Geist, dem Nous, erklärt werden zu können.
Wenn nun aber Erde, Wasser, Luft und Feuer als die vier sinnlich wahrzunehmenden Grundelemente der Welt in einer beobachtbaren Ordnung zueinander bzw. übereinander feststellbar waren – die Erde zuunterst, das Wasser darüber, darüber wieder die Luft und zuletzt, über allem, die Flammen eines Feuers –, dann sprach alles dafür, jene fünfte Wesenheit an einem noch höheren Ort vermuten zu müssen, nämlich im Äther. Der Äther (»aither«) war der sogenannte Oberhimmel. Er umschloss wie eine Art »Himmelszelt« den gesamten Erdkreis, der sich zu dieser Zeit bekanntlich noch auf einer Scheibe befand.
Neben den körperlichen Dingen, als welche die vier Grundelemente verstanden wurden, gab es also ein fünftes Seiendes jenseits des für den Menschen sinnlich wahrnehmbaren Weltbereiches. Erwägungen zu dieser fremden Welt jenseits der Körper wurden dann, ganz konsequent, Gegenstand der philosophischen Disziplin namens Metaphysik.
Es ist nicht zu verkennen, dass diese ganz ursprünglichen Überlegungen der seinerzeitigen Naturphilosophen bis heute in unser Denken und in unseren Sprachgebrauch hineinragen. Den »oikos topos« verwendet die Landschaftsökologie sinngemäß unter dem Begriff des »Ökotops«. Die Suche nach dem zentralen Kern einer Botschaft bezeichnen wir als die Frage nach der Quintessenz eines Textes. Und bis vor nicht allzu langer Zeit sandten Menschen ihre (unsichtbaren) Radiowellen durch den (unsichtbaren) Äther.
Unser gegenwärtiges, vermeintlich besonders aufgeklärtes und weltkluges Wissenschaftsbild und unser täglicher Sprachgebrauch sind weit mehr von diesen ursprünglichen philosophischen Grundlagen geprägt, als dies gemeinhin im alltäglichen Bewusstsein erkannt wird. Denn auch für die seinerzeitigen Naturphilosophen und ihre Nachfolger wurde die gemeinsame, richtige Überzeugung aller Menschen, die – möglichst mit der göttlichen Vernunft übereinstimmende – menschliche Vernunft, als diejenige feinste Materie verstanden, die alles, namentlich alle Materie, durchdrang. Die für den Lateiner erkennbare Verwandtschaft zwischen einer Mutter (»mater«) und der Materie bzw. dem Material kommt folgerichtig etymologisch nicht von ungefähr.
Aristoteles unterschied bei seiner Ursachenlehre zwischen der »causa materialis«, welche die Mutter setze, und der »causa formalis«, die vom Vater beigesteuert werde. Die Formprinzipien des Männlichen gestalten demzufolge aus der (selbst prinzipiell trägen) Materie einen neuen Menschen, sofern und sobald Gott diesen beiden Ursachen seine Beseelung als weitere Wirkursache hinzugibt. Matthias Mahlmann zeigt diese Zusammenhänge anschaulich:
»Der Zweck des Dinges bewirke seine Veränderung, bis sein Wesen, seine Form, verwirklicht sei. Anschauungsmaterial für den Gedanken, der hinter dieser Idee steckt, liefert die organische Welt, das Wachstum von Tieren und Pflanzen. Ein ausgewachsener Baum ist der Möglichkeit nach im Samen enthalten, der Zweck, dass der Baum seine Gestalt erreicht, ist nach dieser Vorstellung der Grund, der diesen Prozess vorantreibt. Auch die Bewegung von Körpern wird auf diese Weise erklärt: Körper besäßen natürliche Orte, die von der Bewegung wiederhergestellt würden. Gott erscheint dabei als erster Grund und deswegen als ›unbewegter Beweger‹.«1
Kein Zufall ist es, dass in der biblischen Weltsicht Gott zunächst aus einem Klumpen Erde Adam erschuf (Adam ist das hebräische Wort für Erde) und dieser Erde anschließend die Seele einhauchte. Erst dieses Zusammenspiel aus Körper und Geist – auf das später zurückzukommen sein wird – ließ den Menschen entstehen.
Während sich beinahe unzählbare Naturphilosophen in immer neuen Varianten, Abgrenzungen und Mischformen darum bemühten, die »richtige« Elementelehre und das tunlichst unangreifbar zutreffende Zusammenspiel dieser Grundelemente miteinander zu beschreiben, zeichnete sich doch über alles gesehen mehr und mehr ein Grundkonsens zu den wesentlichen Rahmenbedingungen der menschlichen Existenz auf der Welt ab. Dem »Oben« wurde das Göttliche und dem »Unten« dessen Gegenteil – das Teuflische – zugeordnet.
Je schwerer ein Gegenstand war, desto weniger schien er beseelt. Je mehr der Geist in ihm herrschte, desto mehr strebte er nach oben. In der Helligkeit des Tages und bei der Sonne wurde das Gute vermutet und in der Dunkelheit das Böse. Jedwede Substanz trug in der Folge das lateinische »sub« – also das »Unten« – in sich. Der Geist wurde fortan mehr geschätzt als die Materie. Die aus heutiger Sicht scheinbare Naivität dieser Überlegungen kennzeichnete nicht nur jene historische Periode vor 2500 Jahren. In Ermangelung entsprechender Überprüfungstechniken waren modernere Naturwissenschaftler noch bis in das 18. Jahrhundert davon überzeugt, dass alle Körper – jedenfalls aber die, die brennbar waren – zugleich eine weitere, unsichtbare Substanz namens »Phlogiston« enthielten. Verbrannte man also einen Gegenstand, wich diese vermeintliche Substanz Phlogiston aus dem Körper. Anschließend war sie diesem Körper auch nicht wieder zuführbar. Allenfalls ganz edle Metalle – zum Beispiel Gold – sollten nach Erhitzung jenes Phlogiston wieder so in sich aufnehmen können, dass sich ihr Ursprungszustand durch die zwischenzeitliche Erhitzung nicht auf Dauer veränderte.
Es wäre nach alledem vermessen, wollte man annehmen, dass diese ganz grundsätzlichen Überlegungen und Entstehungsvoraussetzungen eines wissenschaftlichen Weltbildes sich nicht auch zugleich auf alles übrige Denken außerhalb der Naturwissenschaften ausgewirkt hätten. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die beschriebenen philosophischen Grundüberlegungen haben ihren Eingang sowohl in theologisches Denken als auch – wie zu zeigen sein wird – in rechtliches und staatstheoretisches Denken genommen und gefunden.
Schon in den Ursprüngen jenes philosophischen Denkens findet sich immer wieder die Tendenz, verschiedene plausibel wirkende Einzelaspekte unterschiedlicher Ansätze miteinander zu verbinden und überzeugende Mischformen zu schaffen. Das, was in der Philosophie als »Eklektizismus« bezeichnet wird, nennen Theologen »Synkretismus«. Das darin liegende »Crossover« prägt auch – wie zu zeigen sein wird – die aktuelle verfassungsrechtliche Lage in weiten Teilen Europas. Die Suche nach dem ursprünglichsten, höchsten und richtigsten Begriff, der in der Philosophie mit den Transzendentalien verbunden ist, feiert in der Suche nach der gemeinsamen Herrschaft über (am liebsten) alle Völker fröhliche Urstände.

II.) Theologische Wurzeln der Herrschaft

Die Über- und Unterordnung der Elemente, welche die beschriebenen Naturphilosophen um 500 v. Chr. in Kleinasien zu entwickeln begonnen hatten, fand – rund 800 Jahre später – mit dem sogenannten Neuplatonismus eine besondere Ausprägung. Teilweise in Widerspruch, teilweise in Übereinstimmung mit dem jungen Christentum waren die Vertreter dieser philosophischen Strömung bestrebt, die ihnen erkennbaren Erscheinungen der Welt zu gliedern, zu ordnen und in eine hierarchische Stellung zueinander zu bringen.
Im Ergebnis entstand die neuplatonische Seinshierarchie: Der höchste Begriff, das Hellste und Beste alles Denkbaren war diesen Neuplatonikern, die mit ihrem Denken an Platon anknüpfen, was ihnen diesen Namen gab, Gott. Unter ihm standen die Engel und unter diesen die Seelen. Aus diesen r...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhalt
  2. Einleitung
  3. Hauptteil
  4. Anhang
  5. Über den Autor

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