Konfuzius (551 - 479 v. Chr.) ist nicht nur der einflussreichste Philosoph Ostasiens. Sein Name und viele seiner Gedanken sind auf der ganzen Welt bekannt. Schon vor 2500 Jahren stellte er die entscheidende Frage, die uns bis heute beschäftigt: Wie finde ich mein "Dao", den rechten Weg im Leben? Wo auch immer jemand einen Satz mit den Worten beginnt "Konfuzius sagt", hören die Menschen aufmerksam zu, in Erwartung einer zeitlos gültigen Lebensweisheit, an der sie sich orientieren können. Tatsächlich ist sein Kerngedanke bis heute von erstaunlicher Aktualität. Die Menschen, so Konfuzius, sind von Natur aus alle gleich. Jeder, ob reich oder arm, sollte daher freien Zugang zu Bildung haben und die Chance, sein "Dao" zu finden. Wie aber finde ich meinen Weg? Die Antwort von Konfuzius klingt zunächst einfach. Wir müssen unseren Charakter schulen, unsere besten Eigenschaften entfalten, dabei aber unbedingt auch die Entfaltungsmöglichkeiten unserer Mitmenschen im Auge behalten. "Was du selbst nicht wünscht, das tue auch anderen nicht an", so Konfuzius. Die Mitmenschlichkeit zu leben, das sogenannte "ren" ist für ihn das höchste Gut, das wir anstreben sollen. Allerdings weiß er, dass wir alle keine Heiligen sind. So bemerkt er selbstkritisch: "Gewissenhaft (...) sein und alle Pflichten (...) erfüllen! Sich nicht vom Wein überwältigen lassen! Was davon gelingt mir schon?"Auf der Suche nach dem Dao, dem rechten Weg, so Konfuzius, macht jeder von uns Fehler. Wir verletzen andere, sagen nicht immer die Wahrheit oder treffen falsche Entscheidungen. Das alles kommt vor. Wichtig ist es aber, daraus zu lernen: "Einen Fehler machen und nicht korrigieren - das erst heißt wirklich einen Fehler machen." Konfuzius war ein aufrechter und unbestechlicher Denker, verfügte aber auch über viel Witz und Ironie. Vielleicht haben sogar letztere Eigenschaften mit dazu beigetragen, dass er unsterblich wurde. Im Buch "Konfuzius in 60 Minuten" wird anhand von über 100 der besten Zitate sein Kerngedanke und die faszinierende Leichtigkeit seiner Person dargestellt. Das Buch erscheint weltweit in der beliebten Reihe "Große Denker in 60 Minuten", die inzwischen in 6 Sprachen übersetzt wird.

- 132 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Konfuzius in 60 Minuten
Über dieses Buch
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1 Million Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Information
Der Kerngedanke von Konfuzius
Das Geheimnis der Harmonie:
„Xiao“ und „Li“ – Respekt, Riten und
Rituale
Harmonie ist für Konfuzius nicht nur ein anzustrebendes Ideal, sondern vor allem eine Lebenspraxis, die wir umsetzen und verwirklichen können. Es gibt, so Konfuzius, zwei Wurzeln, beziehungsweise zwei uralte Verhaltensmuster, die im Alltag zur Harmonie beitragen: „Xiao“ und „Li“. Oft werden diese beiden Elemente von uns mit solcher Selbstverständlichkeit angewandt, dass uns ihre unterschwellige Wirkung auf geheimnisvolle Weise verborgen bleibt.
„Xiao“ bedeutet Respekt voreinander oder auch Pietät, Frömmigkeit, Pflichtgefühl. „Li“ ist das chinesische Wort für Riten, Rituale, Bräuche, Gesetze, Regeln, Übereinkünfte und Traditionen. „Xiao“ und „Li“ sind zwei Schlüsselbegriffe von Konfuzius. Mit „Xiao“ ist im Grunde etwas ganz Einfaches gemeint.
Der Respekt gegenüber den Eltern, und im weiteren Sinne gegenüber dem Vorgesetzten, der Regierung und dem Staat. Den ursprünglichen Sinn des Wortes erkennt man schon aus dem Schriftzeichen:

Es besteht zum einen aus dem Zeichen für „Alter“ beziehungsweise „Eltern“ oder „alt“:

und zum anderen aus dem Zeichen für „Kind“:

In der Zusammensetzung steht dann aber „alt“ oberhalb von „Kind“. Das Piktogramm für „Xiao“, für „Respekt“ bebildert also bereits, dass alte Menschen beziehungsweise Eltern über jungen Menschen und Kindern stehen und von diesen geachtet und fürsorglich behandelt werden sollen. Respekt und Fürsorge gegenüber den Eltern dürfen aber, so Konfuzius, auf keinen Fall missverstanden werden als bloß materielle Sicherstellung ihres Unterhalts, wenn die Arbeitskraft der Eltern nachlässt:

„Xiao“ bedeutet mehr. Es beinhaltet die Liebe der Kinder zu ihren Eltern, die Pflege im Alter, die Anwesenheit am Sterbebett, aber auch die Verehrung der Ahnen, die Folgsamkeit gegenüber Eltern, älteren Brüdern und Vorgesetzten. Jeder muss seine Rolle mit Respekt gegenüber anderen übernehmen:

Konfuzius warnt uns, vorschnell den Konflikt zu suchen und in Revolutionen, Revolten und Aufständen die gewachsene Hierarchie in Frage zu stellen. Er empfiehlt uns, maßvoll zu bleiben:

In der Familie soll der Respekt des Sohnes primär dem Vater, dann den älteren Brüdern entgegengebracht werden. Die Stellung der Frau wird von Konfuzius an dieser Stelle nicht thematisiert, unterscheidet sich aber wohl von unseren heutigen Vorstellungen. Konfuzius sieht im Respekt gegenüber Eltern und Großeltern eine Grundlage für die Harmonie in der Familie und indirekt der gesamten Gesellschaft:

Mit „Li“ beschreibt Konfuzius die seit Jahrhunderten gewachsenen Sitten, Regeln, Riten und Rituale, die es zu befolgen gilt. Diese verändern sich zwar im Laufe der Zeit, bieten aber dennoch Orientierung, gerade weil sie sich über lange Zeit herausgebildet und immer weiter verfeinert haben. Als ein Schüler Konfuzius fragt, ob nicht unsere derzeitigen Riten und Sitten spätestens nach zehn Generationen vergessen sein werden, antwortet Konfuzius:

Man kann also voraussehen, dass jede Generation die Sitten weiter verfeinern wird, dabei aber auf der jeweils vorausgegangenen aufbaut. Zur Zeit von Konfuzius gab es noch keine schriftlich verfassten Gesetze oder Gesetzesbücher, weshalb die Einhaltung der überlieferten Rechtsgrundsätze und Sitten eminent wichtig war. Die „Li“, also die Sitten sind für die Menschen zudem ein wichtiges Orientierungssystem im Alltag. Denn zu den „Li“ gehören auch große und kleine Rituale, die unser Zusammenleben harmonisieren. Konfuzius erklärt dies am Beispiel des Bogenschießens. Die Schüler des Konfuzius lernten nämlich neben Schreiben, Rechnen, Literatur, traditionellen Bräuchen und Musik auch Bogenschießen und Wagenlenken. Das Zielen und Treffen mit dem Pfeil, so Konfuzius, fördert zum einen die Konzentration und dient der Selbstdisziplinierung. Darüber hinaus aber fördert es vor allem die gegenseitige Anerkennung und Respekterweisung. So wie sich heute noch Boxer vor Beginn des Kampfes gegenseitig ihre Fäuste abklopfen und sich Karate-Kämpfer verbeugen, verneigten sich bereits die Schüler des Konfuzius voreinander und reichten, wenn sie siegreich waren, dem Unterlegenen einen Trunk:

Konfuzius legte auf solche Rituale großen Wert, denn er erkannte deren Bedeutung für die Harmonie unter den Menschen. Bei aller Konkurrenz und aller Rivalität im Sport, im Alltag, in der Familie oder der Gesellschaft, schaffen Gesten gegenseitiger Anerkennung zumindest einen Augenblick des sich Besinnens auf das gemeinsame Menschsein. Dies gilt für Beerdigungen als ritualisierte Anteilnahme an der Trauer der Hinterbliebenen, für den feierlichen Amtsantritt von Regierenden, für ritualisierte Feste und Feiertage, aber auch für ganz einfache alltägliche Grußrituale. Bis heute werden bei internationalen Sportereignissen und Wettkämpfen wie Fußballweltmeisterschaften Hände geschüttelt, Hymnen und Lieder gesungen sowie Wimpel ausgetauscht. Konfuzius weiß, warum dies so wichtig ist:

Ohne dass es uns noch auffällt, begrüßen sich Menschen auf der ganzen Welt, ob sie sich nun schon lange kennen oder zum ersten Mal sehen, mit rituellen Handlungen – in Asien meist mit einer Verbeugung, in Europa oder Amerika mit einem Handschlag. Franzosen mit Wangenküsschen, Inder mit dem bekannten Grußwort „Namaste“, was übersetzt heißt: „Ich verbeuge mich vor Dir“. Dabei werden auch real die Handflächen aneinandergelegt, in Brusthöhe gehoben und der Kopf leicht gesenkt.
Mit diesen einfachen Gesten signalisieren wir dem Adressaten des Grußes, dass er sich sicher fühlen kann und dass wir ihm höflich, respekt- und vertrauensvoll im Rahmen wertschätzender Umgangsformen begegnen werden. Konfuzius legt also großen Wert auf „Xi...
Inhaltsverzeichnis
- Danksagung
- Inhaltsverzeichnis
- Die große Entdeckung von Konfuzius
- Der Kerngedanke von Konfuzius
- Was nutzt uns die Entdeckung von Konfuzius heute?
- Zitatverzeichnis
- Weitere Informationen
- Der Autor
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
- Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
- Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abo, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 990 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du hast Zugang zu Konfuzius in 60 Minuten von Walther Ziegler im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Philosophie & Geschichte & Theorie der Philosophie. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.