Spurensuche - Beethoven
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Spurensuche - Beethoven

in Wien und im Wiener Umland mit Berichten von Zeitzeugen

  1. 166 Seiten
  2. German
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Spurensuche - Beethoven

in Wien und im Wiener Umland mit Berichten von Zeitzeugen

Über dieses Buch

Die "Spurensuche" nähert sich dem Menschen Beethoven, indem sie Charakteristisches seines Denkens und Verhaltens aufdeckt und jene zu Wort kommen lässt, die ihn persönlich erlebt und gesprochen haben. Das, was sie berichten, zeigt ein facettenreiches Charakterbild einer Persönlichkeit, die fernab jeder heroischen Überhöhung mit einem starken Willen nach Lösungen sucht, gesellschaftliche Umbrüche seiner Zeit reflektiert und einen unbändigen Drang nach Freiheit bekundet. Dabei gibt sich Beethoven als Suchender und Verletzbarer, als Leidender und Verzweifelnder zu erkennen, als ein Mensch, der am Alltäglichen oft scheitert und bei allem Misstrauen kindlich Rührendes besitzt.Viele seiner emotionalen wie widersprüchlichen Äußerungen und Auftritte werden bestimmt durch den tragischen Verlust seines Hörens, wodurch er nicht der sein konnte, der er sein wollte.

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Information

Jahr
2021
ISBN drucken
9783752686647
eBook-ISBN:
9783752657036
Spurensuche 1

Beethoven als Pianist und Improvisator

»… die hiesigen Klawiermeister in verlegenheit zu se(t)zen«
Ludwig van Beethoven
Neuere Untersuchungen haben aufgedeckt, dass das musikalische Bonn in den Jahren zwischen 1780 und 1790 eine „Miniaturausgabe“, eine Art „Dependance“ des Wiener Musiklebens war. Der junge Beethoven bekam also bereits in Bonn zahlreiche in Wien aufgeführte Musikwerke zu hören. Gefördert wurde diese kulturelle Verbindung durch den Kurfürsten Maximilian Franz, den jüngsten Sohn der Kaiserin Maria Theresia.
Beethoven war in seinem Ehrgeiz nach Perfektion bestrebt, seine Ausbildung nach Wien zu verlagern, um dort bei kompetenten Lehrmeistern Kenntnisse und Anregungen zu erhalten. Die vielversprechende Zusage, von Joseph Haydn unterrichtet zu werden, hatte er bereits vor seiner Abreise bekommen. Vor allem wollte er sein Klavierspiel vervollkommnen, sich als Virtuose und Improvisator profilieren und sich unter den mehr als dreihundert im Musikleben der Stadt tätigen Pianisten behaupten.
In ihnen sah er die Konkurrenten, seine potentiellen Rivalen, wie er in einem Brief an Eleonore von Breuning bekennt. Deshalb beabsichtige er, »die hiesigen Klawiermeister in verlegenheit zu se(t)zen. Ma(n)che davon sind meine Todfeinde, und so wollte ich mich auf dieser Art an ihnen rächen.« 6)
Er befürchtete, andere Pianisten könnten ihn beim Einüben seiner außergewöhnlichen Improvisationen belauschen, »viele von meinen Eigenheiten« übernehmen und sich damit brüsten, denn sein Klavierspiel unterschied sich von all den Klavierschulen und fand gerade deshalb in den Salons des Adels besondere Anerkennung.
Abb. 3
Das auf Elfenbein gemalte Miniaturbild von Christian Horneman ist ein Beethoven-Porträt, das ihn vor seiner Taubheit zeigt, als er elegant gekleidet auftrat.
Beethoven schenkte dieses Bild seinem Freund Stephan von Breuning als Zeichen der Versöhnung.
Dazu schrieb er: »Hinter diesem Gemälde mein guter lieber St.: sei auf ewig verborgen, was eine Zeitlang zwischen unß vorgegangen -« 7)
Zeitzeugen:
Carl Czerny über Beethovens Improvisationskunst
»Seine Improvisation war im höchsten Grade brillant und staunenswerth; in welcher Gesellschaft er sich auch befinden mochte, er verstand es, einen solchen Eindruck auf jeden Hörer hervorzubringen, daß häufig kein Auge trocken blieb, während Manche in lautes Weinen ausbrachen; denn es war etwas Wunderbares in seinem Ausdrucke, noch außer der Schönheit und Originalität seiner Ideen und der geistreichen Art, wie er dieselben zur Darstellung brachte.
Wenn er eine Improvisation dieser Art beendigt hatte, konnte er in lautes Lachen ausbrechen und seine Zuhörer über die Bewegung, die er in ihnen verursacht hatte, verspotten. 'Ihr seid Narren', sagte er wohl…» 8)
„Jahrbuch der Tonkunst von Wien und Prag“ (1796)
»Beethoven wird allgemein wegen seiner besonderen Geschwindigkeit und wegen den außerordentlichen Schwierigkeiten bewundert, welche er mit so vieler Leichtigkeit bemeistert. Seit einiger Zeit scheint er mehr als sonst in das innere Heiligtum der Kunst gedrungen zu sein, welches sich durch Präzision, Empfindung und Geschmack auszeichnet, wodurch er dann seinen Ruhm um ein Ansehnliches erhöhet hat.« 9)
Ignaz Pleyel über Beethovens Fertigkeiten
»Er hat unendliche Fertigkeit, aber er hat keine Schule, und seine Fertigkeit ist nicht vollendet, d.h. sein Spiel ist nicht rein. Er hat viel Feuer, aber er schlägt etwas zu sehr drauflos. Er bewältigt teuflische Schwierigkeiten, aber nicht ganz und gar sauber. Indessen hat mir sein Improvisieren viel Freude gemacht… Er macht alles, was ihm in den Kopf kommt, und wagt alles. Manchmal unternimmt er erstaunliche Sachen.« 10)
Johann Wenzel Tomaschek über Beethovens Übelstände (Prag 1798)
»Ich verfolgte diesmal mit ruhigem Geiste B.s Kunstleistung, ich bewunderte zwar sein kräftiges und glänzendes Spiel, doch entgingen mir nicht seine öfteren kühnen Absprünge von einem Motiv zum andern, wodurch dann die organische Verbindung, eine allmähliche Ideenentwicklung aufgehoben wird. Solche Übelstände schwächen oft seine großartigsten Tonwerke, die er in seiner überglücklichen Konzeption schuf. Nicht selten wird der unbefangene Zuhörer durch sie gewaltsam aus seiner überseeligen Stimmung herausgehoben.« 11)

Klavierduelle

»In dem jungen Menschen steckt der Satan. Nie hab' ich so spielen gehört!«
Abbé Joseph Gelinek, Komponist und Pianist
Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts bot der Wiener Adel den zahlreich in der Stadt auftretenden Pianisten die Möglichkeit, in den adeligen Häusern ihre Kunstfertigkeit im Klavierspiel unter Beweis zu stellen und gleichzeitig eigene Kompositionen darzubieten. Dabei kam es mehrfach zu einem Wettstreit zwischen den populären Virtuosen.
Auch Ludwig van Beethoven hat sich in seinen ersten Jahren in Wien mehrmals, wenn auch widerwillig, auf pianistische Wettstreite eingelassen, so mit dem Salzburger Joseph Woelfl und dem Berliner Daniel Steibelt.
Abb. 4
Die im barock-klassizistischen Stil erbaute Villa »Xaipé« nahe am Meidlinger-Eingang des Schönbrunner Schlossparks ist äußerlich weitgehend noch so erhalten, wie sie 1793 Raimund Wetzlar von Plankenstern erbauen ließ.

Das Klavierduell zwischen Beethoven und Joseph Woelfl

Das bekannteste dieser Klavierduelle fand Ende 1798 in der nahe Schönbrunn gelegenen Villa »Xaipe« des Freiherrn Raimund von Wetzlar statt. Damals traten Joseph Woelfl und Ludwig van Beethoven, die berühmtesten Pianisten im damaligen Wien, gegeneinander an, um einem musikerfahrenen Publikum ihre Virtuosität zu beweisen.
Dabei wurde auch die unterschiedliche Ansicht vom richtigen Klavierspiel vorgeführt. Sollte ein Komponist die Tradition aufgreifen und diese gesellschaftsbezogen weiterführen, davon war Woelfl überzeugt, oder sollte er das breite persönliche Spektrum an Emotionen, Gedanken und Visionen auf dem Klavier zum Ausdruck bringen, wie es Beethoven zu verwirklichen suchte? Darin sahen sich diese beiden Virtuosen des Klaviers durchaus als Rivalen.
Abb. 5
Der festlich runde Salon in der Beletage mit dem im Original noch erhaltenen Intarsien-Fußboden verfügt über eine erstaunlich gute Akustik. Am 1. Februar 2019 brachte die Pianistin Luisa Imorde in diesem historischen Saal einige Musikstücke zur Aufführung, die wahrscheinlich seinerzeit beim Klavierduell zwischen Beethoven und Woelfl gespielt wurden. Es wird beabsichtigt, diesen Saal als eine musikalische Begegnungsstätte wieder aufzuwerten.
Zeitzeugen
Der anwesende Ignaz von Seyfried, der Jahre später die Uraufführung von Beethovens Fidelio dirigierte, berichtet:
»Dort (im Hause Wetzlars) verschaffte der höchst interessante Wettstreit der beyden Athleten nicht selten der zahlreichen, durchaus gewählten Versammlung einen unbeschreiblichen Kunstgenuß.
Jeder trug seine jüngsten Geistesproducte vor; bald ließ der Eine und der Andere den momentanen Eingebungen seiner glühenden Phantasie freyen, ungezügelten Lauf; bald setzten sich Beide an zwey Pianoforte, improvisirten wechselweise über gegenseitig sich angegebene Themas, und schufen also gar manches vierhändige Capriccio, welches, hätte es im Augenblicke der Geburt zu Papier gebracht werden können, sicherlich der Vergänglichkeit getrotzt haben würde.
Im Phantasieren verleugnete Beethoven nicht seinen mehr zum unheimlich Düstern hinneigenden Charakter; schwelgte er einmahl im unermeßlichen Tonreich, dann war er auch entrissen dem Irdischen…
Wölfl hingegen, in Mozart’s Schule gebildet, blieb immerdar sich gleich; nie flach, aber stets klar, und eben deswegen der Mehrzahl zugänglicher; die Kunst diente ihm bloß als Mittel zum Zwecke, in keinem Falle als Prunk- und Schaustück trockenen Gelehrtthuens; stets wußte er Antheil zu erregen und diesen unwandelbar an den Reihengang seiner wohlgeordneten Ideen zu bannen.« 12)
Die »Allgemeine Musikalische Zeitung« vom 15. Mai 1799 schreibt:
»Beethovens Spiel ist äußerst brillant, doch wenig delikat und schlägt zuweilen in das Undeutliche über. Er zeigt sich am allervor...

Inhaltsverzeichnis

  1. Motto
  2. Widmung
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Vorwort
  5. Einleitung
  6. Beethovens Fahrt von Bonn nach Wien – eine Fahrt ohne Wiederkehr
  7. Wien um 1795 – eine Porträtskizze
  8. Immer wieder auf Wohnungssuche
  9. SPURENSUCHE 1 - Beethoven als Pianist und Improvisator
  10. SPURENSUCHE 2 - Die Lehrmeister Beethovens
  11. SPURENSUCHE 3 - Beethovens adelige Förderer
  12. SPURENSUCHE 4 - Aufführungen in bürgerlichen Räumen
  13. SPURENSUCHE 5 - Das Gehörleiden
  14. SPURENSUCHE 6 - Auftritte in Adelspalais
  15. SPURENSUCHE 7 - Das »Pasqualati-Haus«
  16. SPURENSUCHE 8 - Beethoven im »Theater an der Wien«
  17. SPURENSUCHE 9 - Die Bergkirche in Eisenstadt
  18. SPURENSUCHE 10 - Triumphale Erfolge
  19. SPURENSUCHE 11 - Beethovens Frauenfreundschaften
  20. SPURENSUCHE 12 - Sommerdomizile in Heiligenstadt
  21. SPURENSUCHE 13 - Die Wohnungen in Mödling und Baden
  22. SPURENSUCHE 14 - Gedenktafeln an Wohnhäusern Beethovens
  23. SPURENSUCHE 15 - Das Haus in der Laimgrubengasse Nr. 22
  24. SPURENSUCHE 16 - Beethoven und die Landschaft
  25. SPURENSUCHE 17 - Beethovens letzter Landaufenthalt
  26. SPURENSUCHE 18 - Die letzten Lebensmonate
  27. Anhang
  28. Impressum

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