Die St. Johanniskirche in Ellrich
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Die St. Johanniskirche in Ellrich

Höhen und Tiefen, Licht und Schatten eines evangelischen Gotteshauses

  1. 256 Seiten
  2. German
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Die St. Johanniskirche in Ellrich

Höhen und Tiefen, Licht und Schatten eines evangelischen Gotteshauses

Über dieses Buch

Das Schicksal der St. Johanniskirche zu Ellrich war und ist mit der wechselvollen Geschichte der Stadt verbunden. Sowohl die Kirche als auch der Ort erlebten seit ihrer Entstehung unzählige freudige Momente und wohl ebenso zahlreiche Tiefpunkte.In einer Urkunde aus dem Jahre 927 wird die St. Johanniskirche das erste Mal erwähnt. Die Kirche fiel mehrfach Stadtbränden zum Opfer und wurde immer wieder aufgebaut. Nach einem Blitzeinschalg in das Gotteshaus brannte der Kirchturm nieder, auch das Kirchenschiff wurde in Mitleidenschaft gezogen. Unzulänglichkeiten beim Wiederaufbau veranlassten die Behörden, den markanten Glockenturm der St. Johanniskirche, der fast 1000 Jahre lang die Silhouette der Stadt bestimmte abtragen zu lassen.Immer wieder bauten die Ellricher ihre Kirche auf. So ist einem Förderverein die Erhaltung der St. Johanniskirche und die Sanierung des Kirchenschiffs zu verdanken. Auch für den Wiederaufbau des doppelspitzigen Glockenturms gibt es bereits von der Stadt, der Kirchengemeinde und dem Förderverein recht konkrete Pläne.Vielleicht gehört ja eines nicht mehr allzu fernen Tages, dieser Turm wieder ganz selbstverständlich zum Stadt bild von Ellrich.

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Information

Jahr
2021
ISBN drucken
9783751971447
eBook-ISBN:
9783752680881
Auflage
1

Geschichte der St. Johanniskirche

Ellrich umgeben von herrlichen Wäldern und Anhöhen liegt in einem lauschigen, weiten Südharztal 250 m über N. N. an einem Flüsschen, in dem das Wasser zwischen großen und kleinen Kieselsteinen langsam und an engen Stellen dann wieder wie wild dahinschießt - die Zorge.
Im Sommer eingebettet in das saftige Grün der Wiesen, Parzellen zahlreicher Gärten und das schon im hellen Gelb schimmernde Gewoge der Felder. In den Wintermonaten bedeckt ein weißes Schneekleid die Äcker und Grasflächen bis zu den schneebehangenen Bäumen des nahen Harzwaldes. Hin und wieder bläst dort ein kurzer Lufthauch, hier und da von den Bäumen etwas von ihrer weißen Pracht herunter. Der leise herabrieselnde Schnee hüllt den Waldboden ganz in weiß.
Weit sichtbar grüßten einst die zwei schlanken Türme der Johanniskirche in das weite Land, ergänzt von dem mit grünen Bäumen umrahmten alten Kirchlein auf dem Frauenberg. Das alte Wahrzeichen der Stadt, der Ravensturm, der sich immer mehr nach einer Seite neigte, und das Wernaertor geben dem Städtchen sein bekanntes Gepräge.
Gegen Osten grüßt der Riesenberg, dem sich anschließt der Galgenberg und das Zimmerbühl. Im Norden liegt der Frauenberg und aus der Ferne schauen die Harzberge herüber. Im Westen erblickt man die weite Aue. Sie dehnt sich bis an den Rand der grünen Harzwälder aus und bis zur Erhebung des Rain’s. Woran sich die Grenze zwischen der Ellricher und der Walkenrieder Flur hinzieht. Gegen Süden die Pontelteiche, hinter denen steile weiße Gipswände aufragen, welchen sich der Kammerforst anfügt.
Einst schützte den kleinen Harzort eine Stadtmauer. Sie zog sich vom Ravensturm nach Norden, der als Gefängnis diente, entlang dem Mühlengraben, der Zorge zum Mühlentor. Von dort führte die Mauer bis zum Ende der Kirchgasse. Hier bog das Gemäuer links ab und erreichte das Nordhäusertor. Etwas weiter schwenkte sie wieder nach links, um hier von einer Anzahl in gleichen Abständen errichteter Halbtürmen überragt zu werden. Längs der Hintergasse verlief die Mauer auf das Neue oder Wernaertor zu. Dort wandte sie sich dann abermals nach links und traf, nachdem diese den Stöckeys-Turm berührte, der gleichfalls ein grausiges unterirdisches Gefängnis besaß, wieder auf den Ravensturm.
Die paradiesische Natur der Ellricher Landschaft begeisterte den Heimatdichter Goeckingk und entlockte ihm folgendes Gelübde:
„Treu, Natur, verbleib ich dir,
bis ich deiner schönen Erde
Lebewohl einst sagen und mit ihr
eine Schönere tauschen werde.“
Ellrich besitzt vier evangelische Kirchen und Kapellen. Es sind dies die Marienkirche auf dem Frauenberg, die St. Johanniskirche, die Nikolaikirche und die Hospitalkirche zum Heiligen Geist.
Kommen wir zur Geschichte des größten Gotteshauses der Stadt, der St. Johanniskirche.
Kaiser Karl stellte nach der Niederlage des Sachsenkönigs Wittekind an das sächsische Volk die Bedingung, insgesamt zum christlichen Glauben überzutreten. Von dieser Zeit an nahm der römische Gottesdienst in der Gegend des Harzes immer mehr zu. Man baute Kirchen und Klöster.
Während die Entstehungszeit der Frauenbergskirche in Dunkel gehüllt ist, gibt es genauere Angaben von der Hauptkirche der Stadt Ellrich, der Pfarrkirche St. Johannis des Täufers.
Nach einer Urkunde aus dem Jahre 927 wurde der Neubau dieser Kirche durch Königin Mathilde, Gattin des ersten deutschen Königs Heinrich I, erwähnt. Gleichzeitig soll sie diese mit Gütern ausgestattet haben.
„Ecclesia nostra … quamque in honorem S.Joanis Baptiste aliorumque sanctorum a püssima olim MATHILDA imperatrice de novo extructam et dotatam …”, dies geht aus der Abschrift einer Urkunde im roten Buch des Pfarrarchivs hervor.
Da liegt die Vermutung nahe, dass vor dem Neubau der Kirche ein älteres Gotteshaus bestand.
Im 12. Jahrhundert ließ Graf Ludwig von Clettenberg das Gotteshaus durch einen neuen Chor - einen Vorgängerbau des heutigen Chores - erweitern und die Kirche restaurieren.
Graf Albert von Clettenberg schenkte der Kirche St. Johannis viereinhalb Hufen Land. Die Schenkungsurkunde dazu stellte er im Jahre 1229 aus.
Im Namen des Herrn Amen. Wir Albert von Gottes, Gnaden Graf von Clettenberg und - wollen allen gegenwärtigen und künftigen Getreuen zur Kenntnis geben, dass wir durch reifen Entschluss und mit Zustimmung des Bruders Berthold und unserer Erben zur Ehre des allmächtigen Gottes und seiner Allerheiligsten Mutter B. Maria sowohl zur Vergebung unserer Sünden als auch zu unserem und all unserer Nachkommen Seelenheil wie auch zum Gedächtnis unserer geliebten Adelheid in der Hoffnung auf ewige Belohnung im Himmel unserer Pfarrkirche in Ellrich, die einstmals unser Großvater seligen Andenkens wiederherstellen und vergrößern ließ und die nach unserem Wissen einst zu Ehre S. Johannes des Täufers und anderer Heiliger von der sehr gottesfürchtigen Gebieterin Mathilda von Neuem erbaut und beschenkt wurde, von unseren Feldern, die wir in dem genannten Ellrich besitzen, vier und eine halbe Hufe zu ruhigen und für alle Ewigkeit ungestörtem Besitz schenken, dafür, dass von dem jeweiligen Pfarrer der genannten Kirche jetzt und für alle Zeiten zum Gedächtnis unserer vorerwähnten Gattin Adelheid an ihrem Todestag jährlich Gottesdienste mit Vigilien und Messen nach rechten Brauch gefeiert werden. Und damit die Erinnerung an dieses Geschehen niemals aufhören möge, haben wir befohlen, dass diese Urkunde geschrieben und mit unserem Siegel bekräftigt wird. Geschehen in unserem Ort Ellrich im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1229 am Tage des Apostels S. Jacobs in Anwesenheit mehrerer vertrauenswürdiger Zeugen.
Quelle: Peter Kuhlbrodt „Das alte Ellrich - Geschichten einer Südharzstadt“, Verlag Neukirchner Nordhausen 2000, Seite 20/21.
Aus dieser Urkunde geht hervor, dass Alberts Großvater Ludwig die Ellricher Kirche wiederherstellen und vergrößern ließ.
Gleichzeitig schenkten der Graf von Clettenberg und seine Gemahlin Kunigunde der Kirche in Ellrich einen Kelch.
In dem Jahre 1229 erschien in einer Walkenrieder Urkunde ein Pfarrer - plebanus - Hermannus de Elriche - als Zeuge.
Ein Theodoricus, plebanus in Elriche und canonicus sancte Crucis in Northhusen, Pfarrer zu Ellrich und Kanoniker am Stift zum Heiligen Kreuz in Nordhausen wurde 1285 in einer Urkunde des Frauenberger Klosters Novi Operis genannt.
Im 13. Jahrhundert erfolgte die Errichtung der kleinen Kapelle zum Seelenheil der Bewohner des Hospitals. Der Pfarrer der St. Johanniskirche hatte die Pflicht, einmal wöchentlich in ihr Gottesdienst abzuhalten.
Bild 1: Das älteste Bild von Ellrich, dass aus der Zeit vor der Anfertigung des Stiches nach Merian, stammt (1578).
Im November 1307 ging die Erwähnung eines Pfarrers Conrad in Ellrich aus einer Urkunde der Grafen von Hohnstein hervor. Am 8. Juni 1318 soll Heynrich von Mulhusen als Schreiber des Grafen von Honstein zugleich Pfarrer in Ellrich gewesen sein. In den Jahren 1472 bis 1486 amtierte in Ellrich der Oberprediger Joachim Spangenberg.
Die Ellricher Kirche gehörte 1506 zum Archidiakonat Jechaburg, dass dem Dekanat Ober-Berga zugeordnet war. Für das Einsammeln der Steuergelder und deren Ablieferung an den Hauptkollektor wurde hier der Vikare Conradus Landgreffe genannt. Er war für die Vicaria Trium Regum in parochiali ecclesia (Pfarrkirche St. Johannis) zuständig und seine Einkünfte betrugen 6 Schock, 7 Groschen und 1 Scheffel Roggen.
Magister Johann Crusius, ein ehemaliger Walkenrieder Mönch, ließ sich 1525 als evangelischer Pfarrer in Ellrich nieder. Er war der erste Geistliche in Ellrich, der die Lehren Luthers vertrat. 1527 verheiratete er sich. Als er erblindete, geriet dieser in große Armut. Vom Walkenrieder Abt Holtegel, der im Überfluss schwelgte, erhielt er keine Unterstützung. Hilfe suchend wandte Crusius sich an Luther, worauf dieser 1542 einen zornigen Brief an Justus Jonas schrieb.
Der neue Glaube wurde unterdessen in der Grafschaft einstweilen nur geduldet. Der Graf von Hohenstein, Ernst V. blieb dem Papsttum ergeben. Er dachte nicht an eine allgemeine Einführung der lutherischen Lehren, besonders da ihm der Kaiser Ferdinand 1543 schrieb, die neue Religion nicht einzuführen, sondern die Alte zu erhalten.
Das Patronat über die Kirchen der Stadt stand dem Magistrat zu. Bei der Anstellung des ersten evangelischen Pfarrers Simon Kleinschmidt im Jahre 1551 heißt es dazu in einem Bericht:
„Damit nun eine gemeine Stadt mit einem rechtschaffenen evangelischen Pfarrherren wieder versorgt werde, hat ein ehrbar, ehrsamer und wohlweiser Rath durch viel und manichfaches demüthiges Ersuchen bei unserem gnädigen Herrn von Hohnstein so viel Gnade und Gunst erlangt, dass wir uns wieder können mit einem Pfarrherrn versorgen, denn seine Gnaden wüssten keinen zu bekommen; hat ein ehrbarer Rath darauf so viel Mittel und Wege gesucht und etliches Geld mit Mühe und Arbeit aufgebracht, damit ein evangelischer Pfarrerherr erhalten werden mochte.“
Quelle: „Chronik der Stadt Ellrich“ von K. Heine, Ellrich, Verlag der G.-Krause’schen Buchhandlung 1899.
Nach dem Tode des Grafen von Hohnstein, der im Jahre 1552 als Katholik starb, beriefen dessen Söhne, nachdem durch den Augsburger Religionsfrieden 1555 wenigstens den Regierenden die Freiheit des religiösen Bekenntnisses zugesichert wurde, am 27. März 1556 eine förmliche Synode nach Walkenried.
An der Synode in Walkenried, auf der die Einführung der evangelischen Religion nach der Augsburgischen Konfession in der Graf...

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweise
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. „Lass‘ die Kirche im Dorf!“
  4. Geschichte der St. Johanniskirche
  5. Gebet für Ellrich
  6. Dokumente
  7. Veranstaltungen
  8. Oberprediger
  9. Diakonat der Stadt Ellrich
  10. Abkürzungen
  11. Quellennachweis der Bilder
  12. Genutzte und weiterführende Literatur
  13. Genutzte Archive
  14. Bücher über Ellrich und Umgebung
  15. Impressum

Häufig gestellte Fragen

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