Enkelkinder und Großeltern Eine wichtige Beziehung für´s Leben
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Enkelkinder und Großeltern Eine wichtige Beziehung für´s Leben

  1. 232 Seiten
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Enkelkinder und Großeltern Eine wichtige Beziehung für´s Leben

Über dieses Buch

Dieses Buch behandelt das komplexe Beziehungsgeflecht Familie, analysiert und deckt dessen kontroverse Mechanismen auf. Zerwürfnisse entwickeln sich häufig langsam und unmerklich. Rechtzeitiges Erkennen ermöglichen Abwehr und Schutz.Die Auflösung traditioneller Familienstrukturen zeigt eine steigende Tendenz und ist häufig verbunden mit einem von den Kindeseltern erzwungenen Kontaktabbruch zwischen den Generationen. Untersuchungen belegen die tiefe und weitreichende Bedeutung dieses emotionalen Bandes für Großeltern und Enkelkinder.Langjährig gewachsene Bindungen zu zerschneiden, bringt großes Leid für Großeltern und gefährdet die psychische Gesundheit der Enkelkinder. Das Buch legt diese Nöte offen und bietet Hilfestellung bei deren Bewältigung.

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Information

Jahr
2021
ISBN drucken
9783752627282
eBook-ISBN:
9783752653762

Teil II Dokumentation der Thematik „Kontaktabbruch Enkelkinder/Großeltern“

1. Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Sozialpädagogik der Universität Bamberg

Die Voraussetzung, um einen Plan dieser Art – eine Dokumentation zur Thematik – in die Praxis umzusetzen, war die Frage, ob sich eine Möglichkeit finden lässt, das wachsende Phänomen einer erzwungenen Trennung von Enkelkindern und Großeltern durch die Eltern oder einen Elternteil nach wissenschaftlichen Kriterien zu untersuchen.
Die Inhaberin des Lehrstuhls für Sozialpädagogik an der Universität Bamberg begegnete dem Vorschlag, über die Thematik des Kontaktabbruches Enkelkinder/Großeltern an ihrem Lehrstuhl zu forschen, mit großer Aufgeschlossenheit.
Sie erkannte sofort, dass in den entwicklungspsychologischen Belastungen für die heranwachsenden Kinder, die einem derart feindlichen Familienklima ausgesetzt sind, eine Zeitbombe mit unabwägbaren Folgen für die Gesellschaft zu sehen ist.
Ohne zu zögern nahm sie die Problematik des Kontaktabbruchs Enkelkinder/Großeltern als Projekt in das Lehrangebot für das WS 2015/16 auf. Eigentlich war die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl im Rahmen dieser Thematik nur für ein Semester vorgesehen. Aber die Dichte interessanter Ergebnisse, wie auch der Wunsch der Studenten1 nach einer Vertiefung dieser Problematik, ließen ein weiteres Semester (SS 2016) folgen.
Ein weiteres, drittes Semester (WS 2016/17) beschäftigte sich der Lehrstuhl mit der Bearbeitung dieser Familienproblematik in Form einer quantitativen Befragung volljähriger Enkelkinder. Diese Befragung hinsichtlich der persönlichen Wertschätzung ihrer Großeltern diente dazu, eine Einschätzung der gegebenen Problematik aus einem anderen Blickwinkel zu erhalten. Der Fokus lag sozusagen auf der Retroperspektive, aus der die inzwischen erwachsenen Menschen ihr Verhältnis zu den Großeltern beurteilten.
Mit einer zweisemestrigen qualitativen sowie einer einsemestrigen quantitativen Datenerhebung war die Materialsammlung am Lehrstuhl für Sozialpädagogik der Universität Bamberg zu diesem Thema zunächst abgeschlossen.
Es ist der Anfang einer Dokumentation, die jederzeit fortgesetzt und ergänzt werden kann.

1 Um den Text gut lesbar zu halten, wird für Berufs- bzw. Funktionsbezeichnungen regelmäßig die generisch-maskuline als neutrale Form verwendet, die im Zweifel stets Menschen jeden Geschlechts meint.

2. Einführung in die Methodik der Arbeit und Darstellung der einzelnen Entwicklungsschritte

Jede Untersuchung steht und fällt mit der Frage nach der Verfügbarkeit jener Objekte, die im Zentrum des geplanten Projektes stehen sollen.
Im vorliegenden Fall handelt es sich um Menschen, um Großeltern und Enkelkinder, die auf dem Feld des familialen Miteinanders tief verletzt und von dem erlittenen Erleben schwer traumatisiert, nach neuer Orientierung suchen. Es handelt sich um Großeltern, die mutig den Schritt gewagt haben, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, um in der Gemeinschaft gleichermaßen Betroffener Hilfe und Unterstützung zu finden.
Würde es gelingen, möglichst viele betroffene Großeltern zu finden, die bereit wären, sich über ihre Problematik des Kontaktverbotes Enkelkinder/Großeltern mit jungen, ihnen unbekannten Studenten auszutauschen?
Selbst als Betreuerin einer solchen Selbsthilfegruppe tätig zu sein, wirkte sich im Hinblick auf den Kontakt zu anderen Selbsthilfegruppen sehr hilfreich aus. Die erwartbare Abwehr in gegenseitiges Vertrauen umzubauen, konnte aus diesem Grunde bald geleistet werden. Betreuer auch anderer Gruppen vermittelten den Kontakt zu jenen Großeltern, die sich zum einen dazu bereit erklärten, dieses Projekt der Dokumentation mit der Darstellung ihrer speziellen Situation zu unterstützen, zum anderen aber auch sprachlich dazu in der Lage waren, ihre individuellen Nöte zu analysieren und in Worte zu kleiden.
Wir sind uns darüber im Klaren, dass es sich bei den Großeltern, sowohl Großelternpaare als auch Großmütter, die sich für ein Interview zur Verfügung stellten, um eine hochselektive Auswahl handelt.
Sie zeichnen sich aus durch eine innere Unabhängigkeit von der Meinung anderer, durch großen Mut, sich einer Befragung in einem höchst privaten und sensiblen Familienbereich durch junge Menschen zu stellen, durch viel Engagement in der Verantwortung, für nachfolgende Kinder und Großeltern aktiv zu werden und dadurch aus, im Vertrauen auf die zugesicherte Anonymität den Studenten offen und vorbehaltlos zu begegnen.
Für die Interviews mit den Studenten stellten sich 15 Großeltern aus Selbsthilfegruppen zur Verfügung. Die Betreuerin selbst befragte außerdem 14 betroffene Großeltern, die sich mit ihrem Problem einer Selbsthilfegruppe angeschlossen hatten. Weiterhin konnte sie sechs Großmütter anlässlich eines Symposiums am 21.4.2018 in Euskirchen befragen.
Von den teilnehmenden Studenten kam der Vorschlag, als Kontrapunkt auch die Befragung betroffener Kinder in die Untersuchung aufzunehmen.
Minderjährige Kinder mit einer derart heiklen Familiensituation zu konfrontieren, erfordert stets die Einwilligung der betreffenden Kindes- oder Pflegeeltern. Diese Einschränkung erwies sich als eine erhebliche Hürde für dieses Vorhaben. Immerhin gelang es uns, 13 Kinder für ein Interview zu gewinnen.
Wie bereits erwähnt, erschien es uns wichtig, die Bedeutung einer Großeltern-Enkelbeziehung mit einer quantitativen Erhebung weiter zu erschließen. Deshalb beschäftigte sich die 3. Projekteinheit mit der Erarbeitung eines Fragebogens, der sich an erwachsene Enkelkinder wandte und sie nach ihren Erinnerungen, Erlebnissen und Vorlieben im Zusammensein mit ihren Großeltern um Auskunft bat.

3. Vorbereitung der Studenten auf die Interviewsituation mit den Großeltern

Fast alle der teilnehmenden Studenten hatten noch Kontakt zu eigenen Großeltern und erlebten sie teils beeinträchtigt durch Krankheiten und körperliche Einschränkungen, teils aber auch in guter gesundheitlicher Verfassung mit aktiver Lebensgestaltung. Sie schilderten die Beziehung zu ihnen als vertraut, liebevoll und dennoch getragen von einer gewissen Distanz. Eine Vorstellung vom Begriff „Großeltern“ hatten sie sich bisher nur aus der „Innensicht Familie“ gemacht.
Der Blick aus anderen Perspektiven auf diese Generation musste ihnen erst anhand entsprechender Lektüre vermittelt werden. Die Wahrnehmung älterer Menschen wurde für die Kenntnisse einer persönlichen Begegnung erweitert durch Aneignung theoretischen Wissens in Gerontologie und Alterspsychologie. Damit erhielten die Studenten andere, neue Zugänge zu dem Terminus „Großeltern“.

4. Entscheidungskriterien für die Wahl des Messinstrumentes

Auswahl und Entscheidung für ein Messinstrument sollten sich an dem Sachverhalt orientieren, den es zu untersuchen gilt.
In dem vorliegenden Fall handelt es sich um ein gestörtes Verhältnis zwischen Enkelkindern und Großeltern. Im Fokus stehen die Kindeseltern, die den Kontakt ihrer Kinder in der Regel zu einer Großelternseite gezielt stören oder im schlimmsten Fall vollständig unterbinden.
Unser Forschungsinteresse zielte auf das Wissen um die Nachvollziehbarkeit jener Schritte, die im familiären Miteinander zu dieser schädigenden Entwicklung führen.
Diekmann (2016, S. 540) empfiehlt, eine qualitative Erhebungsmethode dann zu wählen, wenn es darum geht, subjektive Aussagen über besondere Ereignisse im Lebenslauf festzuhalten, wenn es sich um sogenannte Ereignisketten handelt, die den Weg einer Entwicklung markieren.
Da dieser Sachverhalt der vorgegebenen Thematik entspricht und sich mit unserer wissenschaftlichen Zielsetzung deckte, bot sich das Interview als geeignetes Forschungsinstrument an. Es handelt sich dabei um eine Methode der Befragung, in deren Verlauf die Subjektperspektive des Probanden sowie dessen individuelle Sinndeutungen des Geschehens im Mittelpunkt des Interesses liegen. Diese Form einer explorativen Untersuchung soll dazu verhelfen, Typologien im Geschehensablauf aufzudecken und damit greifbar zu machen.
Für eine Face-to-Face-Befragung, also eine Begegnung zwischen dem Befragten und dem Fragesteller können unterschiedliche Ausprägungen im Grad der Strukturierung gewählt werden. Zwischen dem standardisierten Interview, einer straff geführten Befragung, und dem offenen Interview, das nur durch minimale Vorgaben eingeengt wird, sind Misch- und Zwischenformen möglich (vgl. Diekmann, 2016)
Unser Untersuchungsinteresse zielte auf eine möglichst umfassende Selbstdarstellung der Probanden auch in Bezug auf ihre individuelle Position im Verlauf der Entwicklung ihrer familiären Problematik und ihre persönliche emotionale Involviertheit. Um diese Fakten zu erschließen, fiel die Entscheidung für die offene Form eines narrativen Interviews, allerdings von einem weitmaschigen Interviewleitfaden unterstützt.
Die offene Struktur der narrativ angelegten Befragung sollte einen möglichst freien Redefluss bei den Probanden anregen, der Leitfaden hingegen ein Minimum an Vorgaben treffen, um in der Analyse vergleichbare Ergebnisse zu ermöglichen und bei erzählenden Abschweifungen zur Thematik zurückführen zu können.

5. Voraussetzungen für die Durchführung eines narrativen Interviews

Das Interview, in welcher Form auch immer konzipiert, ist als wissenschaftliches Instrument an gewisse Bedingungen geknüpft und mit bestimmten Problemen verbunden.
Auch wenn das narrative Interview eine offene Erzählform darstellt, ist es in keiner Weise mit dem Erzählstil vergleichbar, wie er im Alltagsgeschehen üblich ist. Es handelt sich um eine künstliche Gesprächssituation, in deren Verlauf die Perspektive des Fragestellers dominiert.
Diese Konstellation erfordert für das Gelingen des Interviews die Beachtung bestimmter Voraussetzungen.
In der Regel begegnen sich die beiden Parteien zum ersten Mal. Dieses Treffen geschieht nach Diekmann (2016, S. 439) unter der stillschweigenden Vereinbarung, dass keine dauerhafte Beziehung eingegangen wird, und unter der Bedingung, dass die Auskünfte im Interview für den Befragten ohne Folgen bleiben, womit die Wahrung der Anonymität auf jeden Fall angesprochen werden muss.
Die beiden Gesprächspartner, die sich zunächst als Fremde begegnen, benötigen einen gewissen Zeitraum, um in die ungewohnte Situation hineinzufinden. Eine anfängliche Redehemmung überwindet ein geschickter Interviewer am leichtesten, wenn er mit einem „warm up“ beginnt.
Die Bringschuld des Probanden besteht in seiner Kooperationswilligkeit, d. h. seiner Bereitschaft, das wissenschaftliche Anliegen mit Auskünften zu unterstützen. Mit der Darstellung seiner Meinung, seiner Einschätzung des Sachverhaltes, seinem Interesse an der Thematik drückt er dem Interview seinen individuellen Stempel auf. Ein bestimmter normativer Grad an Aufrichtigkeit ist die Basis für die Verwertbarkeit des Gesprächsinhaltes für eine spätere inhaltliche Analyse.

6. Die Erarbeitung eines Interviewleitfadens

Im Verlauf der Diskussion über Inhalt, sprachliche Form und Fragegestaltung schälten sich einige grundlegende Forderungen heraus, denen der Aufbau des Interviewleitfadens genügen sollte:
  • Stimuli bieten, die den Erzählfluss anregen und weiterführen,
  • auf Themenbereiche hinlenken, die eine Linie hinsichtlich Aktivität und Handlungsgeschehen erkennen ließen,
  • emotionale und gesundheitliche Befindlichkeiten ansprechen, die sich als Folge des veränderten familialen Miteinanders einstellten,
  • die Intensität des Kontaktes Enkelkinder/Großeltern hinterfragen,
  • den betroffenen Großeltern den Blick für eine Zukunftsvision zu öffnen und Wünsche für sich und die Enkelkinder auszusprechen.
Wir haben uns lange damit beschäftigt, wie es gelingen könnte, an das erwünschte Wissen zu gelangen, ohne in der Fragestellung zu direktiv darauf hinzudeuten.
Die Eingangsfrage mit der gleichzeitigen Funktion eines „warm up“ wurde im Wintersemester von den Studenten mit der Frage nach der Gestaltung der Weihnachtstage thematisiert; im Sommersemester hingegen trat an diese Stelle die Frage nach der Gestaltung der Osterfeiertage. In beiden Fällen handelt es sich um betont familiennahe Festtage, an denen sich die Familie zusammenfindet.
Die Frage: „Wie haben sie die Feiertage verbracht?“, ist neutral...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Vorwort
  3. Einleitung
  4. Teil I: Theoretische Grundlagen
  5. Teil II: Dokumentation der Thematik „Kontaktabbruch Enkelkinder/Großeltern“
  6. Teil III: Rechtliche Betrachtungen
  7. Teil IV: Blick nach vorn
  8. Dank
  9. Literatur
  10. Lebensstationen
  11. Impressum

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