"Es wäre wohl recht und billig, daß dies Buch ohne alle Vorrede und fremden Namen ausging, und nur sein selbst eigenen Namen und Rede führete. Aber dieweil durch manche wilde Deutung und Vorrede der Christen Sinn dahin vertrieben ist, daß man schier nicht mehr weiß, was Evangelium oder Gesetz, Neu oder Alt Testament heiße: fordert die Notdurft, eine Anzeige und Vorrede zu stellen, damit der einfältige Mann aus seinem alten Wahn auf die rechte Bahn geführet und unterrichtet werde, wes er in diesem Buch gewarten solle, auf daß er nicht Gebot und Gesetz suche, da er Evangelium und Verheißung Gottes suchen sollte." D. Martin Luther, Vorrede zum Neuen Testament.Die hier vorliegende Ausgabe des Neuen Testamentes folgt der Übersetzung D. Martin Luthers in der bewährten Textfassung 1912 und enthält zudem die Vorreden und Randglossen des großen Reformators zu den einzelnen Büchern und Versen.

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Das Neue Testament. Mit den Vorreden und Randglossen. Textfassung 1912.
- 548 Seiten
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Das Neue Testament. Mit den Vorreden und Randglossen. Textfassung 1912.
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Information
Vorrede
auf den 1. Brief des Paulus an die Korinther.
IN dieser Epistel vermahnet S. Paulus die Korinther, daß sie sollen einträchtig sein im Glauben und in der Lehre, und darauf sehen, daß sie das Hauptstück, nämlich, daß Christus unser Heil ist, wohl lernen, an welchem sich alle Vernunft und Weisheit stößet.
Denn gleichwie jetzt zu unsrer Zeit, so das Evangelium an Tag gekommen ist, finden sich der tollen Heiligen viel, welche man Rottengeister, Schwärmer und Ketzer heißt, die allzufrüh klug und gelehrt worden sind, und können vor großer Kunst und Weisheit sich mit niemand gleich oder einträchtig halten: einer will hie hinaus, der andere dort hinaus; als wäre es große Schande, wo nicht ein jeglicher ein Sonderliches vornähme, und seine eigene Weisheit aufwürfe; welche niemand wiederum kann zu Narren machen, so sie doch im Grunde gar nichts von der rechten Hauptsache wissen noch verstehen, ob sie gleich mit dem Maul viel davon plaudern: also ging’s S. Paulo auch. Da er seine Korinther hatte den christlichen Glauben und die Freiheit vom Gesetz gelehrt, fanden sich auch die tollen Heiligen und unzeitige Klüglinge, zertrenneten die einträchtige Lehre, und machten Spaltung unter den Gläubigen. Einer wollte Paulisch, der andere Apollisch, einer Petrisch, der andere Christisch sein; einer wollte die Beschneidung haben, der andere nicht; einer wollte die Ehe, der andere nicht; einer wollte Götzenopfer essen, der andere nicht; etliche wollten leiblich frei sein; etliche Weiber wollten in Haaren gehen, und dergleichen. Bis sie dahin gerieten, daß einer der Freiheit mißbrauchte, und nahm seine Stiefmutter zur Ehe, und etliche nichts von der Toten Auferstehung hielten, etliche nicht viel vom Sakrament. Und ging wüst und ganz unordentlich zu, daß jeglicher wollte Meister sein und lehren, und mit dem Evangelio, Sakrament und Glauben machen, was ihn gut däuchte. Und ließen dieweil das Hauptstück fein fahren und liegen, daß Christus unser Heil, Gerechtigkeit, Erlösung ist, als hätten sie es längst an den Schuhen zerrissen. Wie denn solch Stück nicht kann auf der Bahn bleiben, wo man beginnet zu klügeln und weise zu sein.
Allerdinge, wie es jetzt auch uns gehet: nachdem wir den Deutschen das Evangelium eröffnet haben von Gottes Gnaden, da will auch ein jeglicher der beste Meister sein und den heiligen Geist allein haben; gerade als wäre das Evangelium darum gepredigt, daß wir unsere Klugheit und Vernunft darinnen erzeigen und Ruhm suchen sollten. Daß diese Korinther wohl mögen sein ein Exempel oder Beispiel unsern Leuten zu dieser Zeit, welche auch wohl eine solche Epistel bedürften. Es muß aber also sein, und soll dem Evangelio so gehen, daß tolle Heilige und unzeitige Klüglinge Rotten und Ärgernis anrichten, auf daß die Bewährten, wie hie S. Paulus auch saget, offenbar werden.
Darum strafet und verdammt S. Paulus solche schädliche Weisheit gar ernstlich und machet solche naseweise Heiligen wieder zu Narren, spricht schlechtweg, daß sie nichts wissen von Christo, noch von dem Geist und Gaben Gottes, uns in Christo gegeben, und sollen noch anheben zu lernen. Es müssen geistliche Leute sein, die es verstehen sollen. Weise sein wollen und Klugheit vorgeben im Evangelio sei eben das rechte Ärgernis und Hindernis, Christum und Gott zu erkennen, Rotten und Zwietracht anzurichten. Da mag die kluge Vernunft und Weisheit wohl zu dienen, daß eitel tolle Heiligen und wilde Christen werden; aber unsern Herrn Christum mögen sie nimmermehr erkennen, sie werden denn wiederum zu Narren, und lassen sich demütiglich durchs einfältige Wort Gottes lehren und führen. Solches treibet er durch die ersten vier Kapitel.
Im fünften strafet er die große Unzucht des, der seine Stiefmutter genommen hatte, und will ihn in Bann tun und dem Teufel übergeben. Zeiget damit an, eine rechte Weise des Bannes zu brauchen, daß er mit Bewilligung der gläubigen Gemeine gefället soll werden über die öffentlichen Laster; wie auch Christus Matth. 18, 17 lehret. Im sechsten strafet er das Hadern und Zanken vor Gericht, sonderlich vor den Heiden und Ungläubigen, und lehret, daß sie untereinander selbst sollen die Sachen schlichten, oder unrecht leiden. Im siebenten gibt er Unterricht von der Keuschheit und ehelichem Stande. Lobet die Keuschheit und Jungfrauschaft, daß sie nütze seien, des Evangelii desto baß zu warten; wie Christus auch lehret Matth. 19 von den Keuschen, die ums Evangelii oder Himmelreichs willen keusch sind. Aber Paulus will sie ungenötiget und ungezwungen, und ohne Gefahr größerer Sünde gehalten haben; sonst sei besser freien, denn Keuschheit, die in stetiger Brunst steckt.
Im achten bis aufs zwölfte handelt er mancherlei Weise, wie man die schwachen Gewissen führen und halten soll in äußerlichen Sachen, als da sind Essen, Trinken, Kleider, Sakrament haben. Und wehret allenthalben, daß die Starken nicht verachten sollen die Schwachen; sintemal er selbst, ob er wohl ein Apostel sei, dennoch viel sich enthalten habe, da er wohl Recht zu hätte. Dazu sich die Starken wohl fürchten mögen, dieweil vorzeiten in Israel so viel untergegangen sind, die doch allesamt durch Wunderwerk aus Ägypten geführet sind. Und machet daneben etliche Ausläufte heilsamer Lehre.
Im zwölften und dreizehnten handelt er, wie mancherlei Gaben Gottes sind, unter welchen doch die Liebe das beste sei: daß sie nicht sich erheben, sondern dienen sollen untereinander einmütig, dieweil es ist Ein Gott, Ein Herr, Ein Geist, und alles Ein, wie mancherlei es auch sei. Im vierzehnten lehret er die Prediger, Propheten und Sänger, daß sie ordentlich ihrer Gaben brauchen, und nur zur Besserung, nicht zu eigener Ehre ihre Predigten, Kunst und Verstand vorgeben. Im fünfzehnten strafet er die, so von der Auferstehung des Fleisches unrecht gelehret und geglaubet hatten. Im letzten vermahnet er sie zu brüderlicher Hilfe in zeitlicher Nahrung den Dürftigen. 1530.

Der 1. Brief des Paulus an die Korinther.
Das 1. Kapitel.
1. Paulus, berufen zum Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Bruder Sosthenes
2. der Gemeinde zu Korinth, den Geheiligten in Christo Jesu, den berufenen Heiligen samt allen denen, die anrufen den Namen unsers Herrn Jesu Christi an allen ihren und unsern Orten:
3. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
4. Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu,
5. daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntnis;
6. wie denn die Predigt von Christus in euch kräftig geworden ist,
7. also daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi,
8. welcher auch wird euch fest erhalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi.
9. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft328 seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn.
10. Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch den Namen unsers Herrn Jesu Christi, daß ihr allzumal einerlei Rede führt und lasset nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest aneinander329 in einem Sinne und in einerlei Meinung.
11. Denn es ist vor mich gekommen, liebe Brüder, durch die aus Chloes Gesinde von euch, daß Zank unter euch sei.
12. Ich sage aber davon, daß unter euch einer spricht: Ich bin paulisch, der andere: Ich bin apollisch, der dritte: Ich bin kephisch, der vierte; Ich bin christisch.
13. Wie? Ist Christus nun zertrennt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf des Paulus Namen getauft?
14. Ich danke Gott, daß ich niemand unter euch getauft habe außer Krispus und Gajus,
15. daß nicht jemand sagen möge, ich hätte auf meinen Namen getauft.
16. Ich habe aber auch getauft des Stephanas Hausgesinde; weiter weiß ich nicht, ob ich etliche andere getauft habe.
17. Denn Christus hat mich nicht gesandt, zu taufe...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis.
- Vorrede auf das Neue Testament.
- Vorrede auf die Apostelgeschichte des Lukas.
- Vorrede auf den Brief des Paulus an die Römer.
- Vorrede auf den 1. Brief des Paulus an die Korinther.
- Vorrede auf den 2. Brief des Paulus an die Korinther.
- Vorrede auf den Brief des Paulus an die Galater.
- Vorrede auf den Brief des Paulus an die Epheser.
- Vorrede auf den Brief des Paulus an die Philipper.
- Vorrede auf den Brief des Paulus an die Kolosser.
- Vorrede auf den 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher.
- Vorrede auf den 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher.
- Vorrede auf den 1. Brief des Paulus an Timotheus.
- Vorrede auf den 2. Brief des Paulus an Timotheus.
- Vorrede auf den Brief des Paulus an Titus.
- Vorrede auf den Brief des Paulus an Philemon.
- Vorrede auf den 1. Brief des Petrus.
- Vorrede auf den 2. Brief des Petrus.
- Vorrede auf die drei Briefe S. Johannis.
- Vorreden auf die Episteln an die Hebräer, S. Jakobi und S. Judae.
- Vorrede auf die Offenbarung S. Johannis.
- Impressum
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