Seit einigen Jahren wird der Bildungsauftrag des Kindergartens intensiv diskutiert. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund aktueller Erkenntnisse aus Hirnforschung und Psychologie, die im ersten Teil des vorliegenden Buches präsentiert werden. Aus ihnen lassen sich Konsequenzen für die vorschulische Bildungsarbeit ableiten.Im zweiten Teil werden drei Formen der frühkindlichen Bildung beschrieben: die Selbstbildung, die Ko-Konstruktion und das Lehren. Dann wird auf die Bedeutung von Beobachtung und Bildungsplanung sowie auf das Freispiel und Charakteristika einer effektiven pädagogischen Praxis eingegangen.Im dritten Teil des Buches wird am Beispiel der Förderung der kognitiven Entwicklung die Umsetzung des Bildungsauftrags des Kindergartens konkretisiert. Es wird beschrieben, wie Erzieherinnen relevante Kompetenzen wie z.B. Sinneswahrnehmung, Sprache, Literacy, Denken, Wissensaneignung und Gedächtnis stärken können. Ferner wird auf die mathematische, die naturwissenschaftliche und die informationstechnische Bildung eingegangen.Im Schlussteil wird die Bedeutung einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung betont, durch die z.B. auch das Gefühlsleben, die Persönlichkeit und das Wertesystem eines Kindes beeinflusst werden.

- 116 Seiten
- German
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Über dieses Buch
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Information
Die Förderung kognitiver Kompetenzen
Bransford, Brown und Cocking (1999) haben in ihrem Buch „How people learn“ vier Faktoren unterschieden, die eine lernfördernde Umwelt in Kindergärten kennzeichnen:
- Wissensvermittlung: Ein Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit ist das Lehren von nach bestimmten didaktischen Prinzipien (z.B. Lebensnähe, exemplarisches Lernen) ausgewählten Kenntnissen. Die Kinder sollen Wissen in verschiedenen Lernfeldern erwerben, wobei sie die vermittelten Informationen verstehen, durchdenken und in das bereits vorhandene Wissen integrieren sollen. Es geht dabei nicht um Spezialkenntnisse, sondern um das Gewinnen eines vertieften Überblicks über bestimmte Themenbereiche (Grundlagenwissen).
- Orientierung am Kind: Ausgangspunkt der pädagogischen Arbeit sollte das einzelne Kind sein: seine Kenntnisse, Fertigkeiten, Einstellungen, Werte usw. Die Erzieherin sollte (a) das Kind mit neuen Situationen, Problemen und Fragestellungen konfrontieren, (b) erfragen, was es darüber weiß, denkt und vermutet, (c) falsche Vorstellungen hinterfragen bzw. fehlerhafte Vermutungen durch die weitere Beschäftigung mit dem Objekt oder Thema offensichtlich werden lassen und auf diese Weise kognitive Konflikte erzeugen. So wird das Kind nicht nur fortwährend zum Nachdenken angeregt, sondern es muss auch immer wieder sein Wissen umstrukturieren.
- Kontinuierliche Beurteilung des Kindes: Damit ist keinesfalls die Benotung der Leistungen eines Kindes durch die Erzieherin gemeint. Vielmehr geht es darum, dass die Entwicklung und das Lernen eines Kindes nur allseitig gefördert werden können, wenn die Fachkraft seinen Entwicklungs- und Wissensstand genau kennt. Und da sich dieser bei Kleinkindern sehr schnell ändert, verlangt das fortwährende Beobachtung! Da sich falsche Vorstellungen, Fehlinformationen, Denkfehler usw. in der Regel erst in Interaktionen zeigen, müssen Erzieher/innen viel mit den Kindern diskutieren – im Sinne eines themenorientierten, sachlichen Gesprächs – und dabei die Aussagen der Kinder hinsichtlich der dahinter liegenden Denkprozesse analysieren. Die Beobachtungen der Fachkräfte müssen dann wieder in die pädagogische Arbeit einfließen: durch Feedback, das Aufzeigen von Fehlern, das Herausstellen von Lernerfolgen (Lob) usw., aber auch durch das Stellen neuer entwicklungsgemäßer Fragen und Aufgaben. So passen Erzieher/innen ihre Angebote immer besser dem Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes an – das aber auch lernen sollte, selbst seine Fortschritte zu beurteilen...
- Orientierung an der Gruppe: Wichtig ist, dass die Erzieherin Gruppenprozesse steuert. So sollten sich alle Kinder geborgen und wohl fühlen, vor allem aber das gemeinsame Lernen, Experimentieren, Diskutieren und Erforschen wertschätzen. Die Gruppe wird somit zu einer Gemeinschaft von Lernenden, deren Atmosphäre durch wechselseitiges Motivieren und Kooperationsbereitschaft gekennzeichnet ist. Die Kinder müssen auch die Gewissheit haben, dass sie Fehler machen oder mangelnde Fertigkeiten eingestehen können, ohne von den anderen ausgelacht oder verspottet zu werden.
Deutlich wird, wie wichtig die kompetente Bildungsbegleitung eines jeden Kindes ist. Es muss dort abgeholt werden, wo es steht!
Bei den vier Schwerpunkten – die sich natürlich überschneiden und wechselseitig beeinflussen – steht das kognitive Lernen der Kinder im Vordergrund. Im letzten Teil des Buches werden nun Vorschläge gemacht, wie Erzieher/innen Kinder bei der Aneignung kognitiver Kompetenzen unterstützen können.
Sprachförderung3
Eine außerordentlich wichtige, aber oft wenig bewusste Aufgabe von Kindertageseinrichtungen ist die Spracherziehung. Für den späteren Schul- und Berufserfolg ist jedoch mitentscheidend, wie gut die jeweilige Person die deutsche Sprache beherrscht. Während die Bedeutung der Sprachförderung für ausländische Kinder inzwischen allgemein anerkannt ist und in den Bundesländern durch Sonderprogramme unterstützt wird, werden vielerorts die Chancen der Spracherziehung bei deutschen Kindern noch nicht voll ausgeschöpft. Es mangelt an gezielten Aktivitäten zur Erweiterung des Wortschatzes, zur Förderung des Begriffsverständnisses, zur Ausdifferenzierung von Bezeichnungen und zum Erlernen komplexer grammatikalischer Strukturen. Die Spracherziehung verläuft quasi nebenher anstatt gezielt angegangen zu werden. Sie sollte jedoch zum Kernbereich der Bildung in Kindertageseinrichtungen werden.
Die Bedeutung des Gesprächs
Sprachförderung erfolgt weitgehend im Gespräch. Somit sind die Intensität und die Qualität der Kommunikation zwischen Erzieher/innen und Kindern entscheidend: Je mehr Einzel-, Kleingruppen- und Gesamtgruppengespräche stattfinden, je vielfältiger die Themen sind, je komplexer und reichhaltiger die verwendete Sprache ist, umso besser ist die Sprachförderung. Kleinkinder sind neugierig, stellen viele Fragen, haken endlos nach – und so gibt es nahezu kontinuierlich Gesprächsanlässe. Erzieher/innen müssen sie nur erkennen, nutzen, ausbauen und sprachlich bereichern, indem sie z.B. neue oder selten verwendete Wörter einführen, zur Differenzierung von Begriffen anleiten („Ist das nicht eher hellblau als blau?“, „Wie nennt man diese Hundeart?“) oder durch Nachfragen eine komplexere bzw. verständlichere Darstellung von Gesprächsinhalten aufseiten der Kinder erreichen. Natürlich können Erzieher/innen ebenfalls interessante Gesprächsthemen einbringen, insbesondere solche, auf die Kinder nicht von selbst kommen (würden). Und dies ist z.B. auch in Freispiel-Situationen möglich...
Deutlich wird, dass eine gute Sprachförderung große kommunikative Kompetenzen bei den Erzieher/innen voraussetzt. Diese müssen beispielsweise ein Sprachvorbild sein, gut zuhören können und möglichst viele Fragetechniken beherrschen. Sie sollten Kinder bei Fehlern nicht unterbrechen und diese eher selten direkt korrigieren, da dies den Gesprächsfluss unterbricht und frustrierend wirkt. Stattdessen sollten sie deren Aussagen in ein „besseres“ Deutsch umformulieren (paraphrasieren) oder ein falsch ausgedrücktes bzw. verwendetes Wort etwas später korrekt aussprechen bzw. richtig einsetzen.
Erzählen, Vorlesen und Betrachten von Bilderbüchern
Eine große Bedeutung hinsichtlich der Sprachförderung kommt dem Erzählen und Vorlesen zu. Diese Angebote können durchaus ein- bis zweimal pro Tag gemacht werden, wobei sie vorzugsweise in Kleingruppen erfolgen sollten, da sich die Kinder dann leichter konzentrieren. Das Erzählen hat gegenüber dem Vorlesen die Vorteile, dass die Fachkräfte besser Augenkontakt zu den Kindern halten, deren Gemütszustand wahrnehmen und dementsprechend Erzählweise und -tempo variieren können. Dann hören die Kinder genauer und konzentrierter zu, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie unruhig werden oder sich ablenken lassen.
Durch das Erzählen und Vorlesen lernen die Kinder neue Wörter und Begriffe kennen. Außerdem ist die Schriftsprache reichhaltiger und komplexer als die gesprochene Sprache (z.B. mehr Adjektive, mehr Nebensätze und Einschübe). Gedichte, Reime und Wortspiele (wie „Fischers Fritz fischt...“) fördern zudem die phonologische Bewusstheit. Roskos, Christie und Richgels (2003) empfehlen, das Vorlesen und Erzählen mit Aktivitäten der Kinder zu verbinden: „Das laute Lesen hat maximales Lernpotenzial, wenn die Kinder Gelegenheiten haben, aktiv teilzuhaben und zu reagieren (...). Dies verlangt, dass [Erzieher/innen] drei Arten von Hilfestellung oder Unterstützung bieten: (a) Aktivitäten vor dem Lesen, die das Interesse und die Neugier der Kinder hinsichtlich des zu lesenden Buches wecken; (b) Denkanstöße und Fragen während des Vorlesens, die Kinder mit dem gelesenen Text aktiv beschäftigt halten; sowie (c) Fragen und Aktivitäten nach dem Vorlesen, die Kindern die Möglichkeit bieten, die gerade gelesenen Bücher zu diskutieren“ (S. 57). Beispielsweise können Erzieher/innen während des Erzählens innehalten und die Kinder raten lassen, wie die Geschichte wohl weitergehen wird. Oder sie können nach dem Vorlesen die Kinder z.B. fragen, was ihnen am besten gefallen hat oder wie sie sich in einer vergleichbaren Situation verhalten hätten.
Besonders viele Sprachanlässe ergeben sich beim Betrachten von Bilderbüchern. Diese Aktivität sollte nur mit einigen wenigen Kindern (abgeschirmt von den anderen) durchgeführt werden, sodass jedes die Bilder von nahe sehen kann. Die Erzieherin liest nicht nur den Text vor und zeigt den Kindern das jeweilige Bild, sondern spricht auch mit ihnen über das einzelne Bild. Bei ganz kleinen Kindern kann sie z.B. Dinge auf dem Bild benennen lassen, den Begriff erklären oder erweitern („Welche anderen Haustiere kennt ihr?“, „Wozu kann noch ein Feuer verwendet werden?“). Etwas ältere Kinder können bereits Bilder deuten oder Beziehungen zwischen einzelnen Bildern „konstruieren“. Bei sehr guten Bilderbüchern können sie sogar die ganze Geschichte selbst anhand der Bilder erschließen; anstatt vorzulesen stellt die Erzieherin also nur Fragen.
Die vielen Details auf den Bildern lassen Kinder oft lange bei einzelnen Bildern verweilen. Hier kann ein Karton mit einem Loch hilfreich sein, der über das Bild bewegt wird. Da immer nur ein kleiner Ausschnitt des Bildes durch das Loch wahrgenommen wird, wird die Aufmerksamkeit auf kleinste Details gelenkt. Die Bilddeutung und die Beschreibung der Details fördern Wortschatz und Sprachbeherrschung; Rückfragen, Erklärungen und Kommentare der Erzieher/innen tragen dazu bei. Zugleich werden neben der Sprachkompetenz auch Beobachtungsfähigkeit, Fantasie und Vorstellungskraft gefördert.
Kinder erzählen lassen
Im Verlauf eines Tages sollten Erzieher/innen die Kinder immer wieder zum Erzählen motivieren. Da Kleinkinder „geborene Erzähler“ sind, ergeben sich viele Anlässe von selbst, z.B. wenn ein Kind von einem Familienausflug, einer Fernsehsendung oder einem Traum berichtet. Es kann seine Gedanken und Gefühle in die Geschichte einfließen lassen, Fantasie und Kreativität zeigen, ja sogar über „Gott und die Welt“ philosophieren. Durch Rückfragen wird es dazu bewegt, seine Geschichte immer weiter „auszuschmücken“. Zugleich werden andere Kinder angeregt, ähnliche Geschichten zu erzählen.
Erzieher/innen können sich verschiedener Methoden bedienen, um Kinder zum Erzählen anzuhalten. Dazu gehören beispielsweise:
- In einer Kleingruppe nennt jedes Kind ein Wort, das in einer Geschichte vorkommen soll. Die Erzieherin beginnt mit dem Erzählen, die Kinder fahren fort. Mit zunehmender Erfahrung erzählen die Kinder von Anfang an.
- „Jedes Kind malt auf ein Kärtchen einen Gegenstand seiner Wahl, eine Figur, ein Tier. Dann werden alle Kärtchen umgedreht, vermischt und verdeckt in eine Reihe gelegt. Wer einen Ball zugeworfen bekommt, beginnt mit dem Erzählen. Das Kind deckt die erste Karte auf und beginnt eine Geschichte, in der die Abbildung vorkommt. Wenn es keine Lust mehr hat, dann wirft es den Ball einem anderen Kind zu. Die folgende Karte wird aufgedeckt und die Geschichte fortgesetzt“ (Becker-Textor 1992, S. 126). Mit zunehmender Erfahrung kann der Ball durch einen Würfel ersetzt werden: Das jeweilige Kind muss so viele Karten aufdecken, wie der Würfel Augen zeigt, und alle Abbildungen in seinem Teil der Geschichte erwähnen.
- Die Erzieherin legt Kindern in einer Kleingruppe mehrere Bilder oder Fotos vor. Die Kinder erfinden dazu eine Geschichte.
- Das Erzählen ist Teil eines Projekts oder ergibt sich „automatisch“ aus anderen Aktivitäten. Wurde z.B. mit Kindern eine Burg besichtigt, werden diese hoch motiviert sein, Rittergeschichten zu erfinden. Oder im Rahmen eines Projekts „Indianer“ werden Kinder erzählen, wie Indianer wohl Tiere gejagt, ihre Tipis ausgestattet oder mit Weißen Kontakt aufgenommen haben...
Geschichten der Kinder (oder der Erzieher/innen), Bilderbuchtexte, Märchen, Sagen etc. können im Rollenspiel dargestellt oder gemeinsam zu Theaterstücken (auch für das Puppentheater oder Schattenspiel) erweitert werden. Mit Unterstützung der Fachkräfte werden die Rollen weiter ausgestaltet, eventuell sogar Kostüme, Requisiten und Kulissen gebastelt. Die Theaterstücke können auch den Eltern vorgespielt werden – relativ informell nach Vorankündigung zu Beginn der Abholzeit bzw. eher formell bei Festen oder anderen Veranstaltungen. Dies ist zugleich ein Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit der Kindertageseinrichtung.
Literacy-Erziehung4
Das Fördern von Literacy, der Lese- und Schreibkompetenz, bedeutet nicht, dass Kindergartenkinder Lesen und Schreiben lernen sollen. Erfahrungen wie mit dem „Frühlesen“ (Lückert) haben schon in den 1970er Jahren gezeigt, dass dies nicht sinnvoll ist. In Kindertageseinrichtungen können aber erste Erfahrungen mit der Erzähl-, Buch- und Schriftkultur vermittelt und auf diese Weise wichtige „Vorläuferkompetenzen“ gezielt gefördert werden: Freude an (Bilder-) Büchern, Vertrautheit mit der literarischen bzw. Schriftsprache, Wissen um die Schrift, Interesse am (späteren) Erlernen von Lesen und Schreiben etc.
Eine große Bedeutung hinsichtlich der Literacy-Erziehung kommt dem Vorlesen zu. Die Erzieher/innen können Märchen, Sagen oder Mythen erzählen, Gedichte vortragen oder aus Kinder- und Bilderbüchern vorlesen. Aber auch Auszüge aus Büchern für andere Altersgruppen, informative Texte oder Lexikonartikel sind geeignet, wenn sie für Kleinkinder interessant und verständlich sind bzw. von den Erzieher/innen entsprechend elementarisiert werden. Durch das Vorlesen lernen Kinder nicht nur Bücher kennen, sondern auch die Schriftsprache. Vor allem aber werden sie mit der „de-kontextualisierten“ Sprache vertraut gemacht. Diese ermöglicht die Übermittlung von Informationen, ohne dass „Sender“ und „Empfänger“ einander kennen bzw. ohne dass der „Empfänger“ die beschriebene Situation bzw. den Kontext miterlebt. Während in der alltäglichen Kommunikation der Zuhörer rückfragen und der Sprecher seine Aussagen klarifizieren kann, muss ein Autor so schreiben, dass seine Geschichte, sein Märchen oder der informative Text noch nach Jahren für andere Menschen verständlich ist. So muss er beispielsweise eine Landschaft, ein Gebäude oder einen Gesichtsausdruck genau beschreiben. Das verlangt ein anderes Vokabular, als wenn man zu seinem Gesprächspartner sagt: „Schau ‘mal, so eine schöne Blüte!“
Während der gesamten Schulzeit werden sich Kinder überwiegend mit Texten und Aussagen in der de-kontextualisierten Sprache auseinandersetzen – deshalb sollten sie diese bereits aus dem Kindergarten kennen. Aber auch wenn sie z.B. Wochenend- oder Urlaubserlebnisse in der Kindergruppe erzählen wollen, müssen sie diesen Sprachstil beherrschen.
Insbesondere Bilderbücher, aber auch Fotobände und Sachbücher mit vielen Abbildungen, können von den Kindern alleine oder zu zweit in der Leseecke betrachtet werden. Ungestört von anderen können sie sich in einzelne Bilder hinein vertiefen. Deshalb sollte die Leseecke im Raum klar abgegrenzt und gemütlich ausgestattet sein. Selbstverständlich sollten alle Bücher für die Kinder frei zugänglich sein. Können sie auch ausgeliehen werden, dann können sie daheim zusammen mit den Eltern angeschaut bzw. gelesen werden. Auf diese Weise werden bildende Aktivitäten in die Familie hineingetragen. Zugleich machen die Kinder erste Erfahrungen mit einem Büchereisystem (Karteikarten, Ausleihfristen usw.).
Das Vorlesen und insbesondere das Betrachten von Büchern fördern Literacy auch dadurch, dass Kinder in die Buch- und Schriftkultur eingeführt werden: Sie lernen die Bestandteile von Büchern (Einband, Titelseite, Inhaltsverzeichnis, Kapitel, Abschnitte, Sätze, Wörter usw.) und den Umgang mit ihnen kennen (richtiges Halten von Büchern, Umblättern...). Wichtig ist, dass sie eine generell positive Einstellung zu Büchern entwickeln, da dies später zu Lesemotivation und -freude führen wird.
Beim Vorlesen und bei der Beschäftigung mit Büchern erkennen Kinder ferner den Zusammenhang zwischen Buchstaben und dem gesprochenen Wort. Diese Erkenntnis kann von den Erzieher/innen laut Roskos, Christie und Richgels (2003) beispielsweise auf folgende Weise gefördert werden: „Wenn sie erklären: ‚Dies meint Goldfisch. Erinnert ihr euch an unseren Goldfisch? Wir nannten ihn Baby Flipper. Wir schrieben seinen Namen auf das Aquarium’, dann helfen sie Kindern, den Zusammenhang zwischen geschriebenen Wörtern, Sprache und realen Erfahrungen zu verstehen“ (S. 53). Die Kinder fragen dann nach dem Alphabet, malen eventuell einzelne Buchstaben nach oder erfinden ihre eigene „Schrift“. Das Interesse am Schreiben und an der Schrift kann z.B. noch dadurch gefördert werden, dass Rollenspiele mit Schreibszenen angeregt werden, im Gruppenraum ein „Büro“ eingerichtet wird, in Anwesenheit der Kinder Notizen und Einkaufslisten erstellt oder Briefe geschrieben werden, Wochenpläne ausgehängt und mit den Kindern besprochen werden oder bei Ausflügen nach Geschriebenem Ausschau gehalten wird (Straßenschilder, Autokennzeichen, Werbung...).
Wie bereits erwähnt, sollten Erzieher/innen Kleinkinder zum Erzählen motivieren. Ferner können sie sich z.B. von den Kindern erfundene Geschichten diktieren lassen (auch an der Schreibmaschine oder am Computer). Die Kinder erkennen hier den Zusammenhang zwischen Gesprochenem und Geschriebenem bzw. Get...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Die frühkindliche Entwicklung aus Sicht von Hirnforschung und Psychologie
- Bildung im Kindergarten
- Die Förderung kognitiver Kompetenzen
- Zum Schluss: Kinder ganzheitlich fördern
- Literatur
- Autor
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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