Versuch Aloys Gügler aus dem Horizont der Frühromantik zu ergründen.

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Eine Poesie des Lebens - Die Offenbarung
Die Frühromantik im Werk von Aloys Gügler: Die "Heilige Kunst"
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Eine Poesie des Lebens - Die Offenbarung
Die Frühromantik im Werk von Aloys Gügler: Die "Heilige Kunst"
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Thema
Teologia e religioneThema
Teologia ebraicaTitel
Teil II:Theologie im Horizont der Frühromantik: Aloys Gügler
- 2.1 Aloys Gügler – Leben, Werk und Wirkung
2.1.1Aloys Gügler – eine Konjekturalbiographie
Güglers Maxime des »Aus-sich-selbst-Verstehens« erfordert in der Theologie (Exegese) die Vorarbeit der historisch-kritischen Methode: Sie ist die Vorschule zur Kunst. Aber auch seine Biographie und sein Denken muß aus seiner Zeit heraus verstanden werden.
Die Wirren der französischen Revolution griffen auch auf die Schweiz über1. Am 12. April 1798 wurde die Helvetische Republik gegründet bis Napoleon 1803 in der »Mediationsakte« wieder die Restaurierung der Kantone anordnete. Nach dem Eindämmen Napoleons hatte Metternich die Restaurationspolitik unter einem konservativ-katholischen Vorzeichen weitergeführt.
Einer der prägendsten Gestalten in der Schweiz war – der von Gügler geschätzte – Karl Ludwig von Haller. Dessen Absage an die Ideen der Aufklärung schlug sich in seinem vielbeachteten Werk »Restauration der Staatswissenschaften« (1806-25) nieder.
Das Luzerner Volk, der Kanton Luzern selbst, wird als fromm und klerikal, aber auch demokratisch gesinnt, charakterisiert.
Auf eine Person muß noch eingegangen werden, die in einem polaren Verhältnis zu Gügler steht: Ignaz Freiherr von Wessenberg (1774-1860), dessen äußere biographische Lebensdaten die von Gügler umfassen, hatte die kirchlichen Verhältnisse im Bistum Konstanz entscheidend geprägt und sein Gewährsmann in Luzern war Stadtpfarrer Thaddäus Müller. In der Pastoral gab es durchaus große Gemeinsamkeiten zwischen Gügler und Wessenberg, aber in der Frage nach einer – moralisch reduzierten - Aufklärung hatten sie divergierende Auffassungen. Wessenberg war von 1800-1815 Generalvikar und ab 1817 Bistumsverweser von Konstanz bis zum Erlöschen des Bistums 1827. Zu dessen »Landkapiteln« gehörte Luzern bis 1814: Am 7.10.1814 wurde es in der päpstlichen Bulle »Iucundissima nos« vom Bistum Konstanz losgetrennt und der schweizerische Anteil einem apostolischen Generalvikar unterstellt bis es im Jahre 1828 dem Bistum Basel zugesprochen wurde. Zwei Persönlichkeiten prägten Wessenberg zutiefst: Einmal seine Bekanntschaft mit Johann Michael Sailer (1751-1832) in Dillingen, der Gügler den »Geist« der Pastoral erschloß; und die Begegnung mit Carl Theodor von Dalberg2 (1744-1817), der als Fürstprimas des Rheinbundes - von Napoleons Gnaden - Wessenberg mit der »...umfassenden religiös-kirchlichen Erneuerung in der Tradition der katholischen Aufklärung...«3 betraute, aber auch mit der diplomatischen Mission in der Schweiz beauftragte. Eine »Verbesserung der kirchlichen Zustände« als Aufgabe der Pastoraltheologie brächten ein neues Priesterbild als »Geistes –und Seelenbildner« (Wessenberg) mit sich. Auf Pastoralkonferenzen wurde die umfassende Erneuerung der Seelsorge, die Reform der Liturgie und das »Auslaufen« des Kirchenvolkes angemahnt. Besonders letzteren Punkt greift A. Gügler auch immer wieder auf, obwohl er die traditionelle Frömmigkeit – so sein Biograph Schiffmann – überaus schätzte. So ist nicht verwunderlich, daß Wessenberg in einem Brief an Th. Müller das Lob Sailers für seine Schüler Widmer und Gügler sich zu Eigen machte: »Gügler und Widmer schätze ich sehr«4, denn die »Gabe, selbst zu denken« ist ihnen zu Eigen.
In diese »Zeitläufte« wurde Aloys Josef Heinrich Gügler am 25. August 1782 als einziger Junge des Landwirtes Joseph Gotthard Gügler und seiner Frau Anna Maria Katharina Kaiser in der zu Luzern gehörigen Gemeinde Udlingswil hineingeboren. Schon anfangs hegte er den Wunsch, Welt– oder vielmehr Ordenspriester zu werden, was auf den anfänglichen Widerwillen seines Vaters stieß. Schon Güglers Kindheit beschreibt Schiffmann auf folgende Weise: »Ungewöhnliche Schüchternheit, ja Blödigkeit und ein stilles, in sich gekehrtes, sinniges Wesen...« (Schiffm I, 3) war ihm zu eigen. Sein Wesen war außerdem in dem »rätselhaften Gegensatz« zwischen »Geisteshöhe« und »Gemüthstiefe« befangen.
Mit 13 Jahren besuchte er vier 4 Jahre das Gymnasium des Klosters Einsiedeln, aber aufgrund der Wirren der französischen Revolution gelangte er – über St. Gerold – nach Petershausen bei Konstanz, wo er seine Schulbildung fortsetzte: Ein weiteres Jahr (1801) verbrachte er im Lyzeum von Solothurn, das von Exjesuiten (Aufhebung des Ordens 1773) geleitet wurde. Laut seinem Biographen hatte sich in Solothurn Güglers Wesen ganz verdunkelt: Er wurde trok- ken, finster, verschlossen und in sich gekehrt«. (ebd., I, 28). Er wurde m. a. W. depressiv und menschenscheu, bis ihm die Poesie den inneren Seelenfrieden und Seelentrost – wieder – zurückgab. Im darauffolgenden Jahr besuchte er das Lyzeum in Luzern und machte die Bekanntschaft mit Joseph Widmer mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, und der die nachgelassenen Schriften Güglers veröffentlichte. Später gesellte sich noch Franz Geiger dazu, der den französischen Traditionalismus rezipierte und Theologe der Nuntiatur wurde. Zusammen bildeten diese drei Theologen das sog. »Luzerner Kleeblatt‹.
Ein wichtiger Wendepunkt in seinem theologischen Werdegang bildete Güglers Aufenthalt von 1802-1804 an der Universität Landshut. Neben einer »Vermittlung« der Philosophie Schellings5 für die Theologie durch Patricius Benedikt Zimmer zog ihn vor allem die geistige Größe Johann Michael Sailers in Bann! Der Einfluß Sailers auf die katholische Theologie im 19. Jahrhundert war immens, deshalb wollen wir auf den »bayerischen Kirchenvater« (C. Amery) etwas näher eingehen.6 Zur selben Zeit als die Aufklärung in Bayern Einzug hielt, war er Professor für Ethik und Pastoraltheologie in Dillingen (seit 1784). Nach seiner Entlassung von der Universität Dillingen (1794) wurde er im Jahre 1800 von Montgelas an den Lehrstuhl für Moral– und Pastoraltheologie der Universität Landshut berufen, jedoch von der bayerischen aufgeklärten Seite, wie der römischen Amtskirche, begegnete man ihm mit Mißtrauen: für die einen war er «Obskurantist» und für die andere Seite »Illuminist«. Durch die Protegierung des späteren bayerischen Königs Ludwig, dessen Erzieher er war, wurde er noch im hohen Alter Bischof von Regensburg (1829). Seine Auffassung des pastoralen Wesens der Theologie hat Gügler – und vorher schon Wessenberg. – deutlich beeinflusst; - er wird zum »Seelenführer« Güglers. Auch in persönlicher Hinsicht dürfte sich Sailer, ein »Genie der Freundschaft« (C. Amery), um A. Gügler sehr verdient gemacht haben. In Landshut, stellt Schiffmann fest, erlebt Gügler sein »Frühlingserlebnis«: »Die Idee der Philosophie wird ein geistiger Sonnenaufgang in seiner Seele« (ebd., I, 39), und Gügler selber stellt enthusiastisch fest: es wird »Tag für die Menschheit«! Von da an wurde von ihm als dem »vollendesten Schüler Sailers« (Stadlbauer) gesprochen, und J. R. Geiselmann bezeichnet ihn »als den ersten ausgesprochenen Vertreter einer romantischen Theologie im katholischen Raum«7. Die Freundschaft mit Sailer dauerte bis zum frühen Tod Aloys Güglers. Nach seiner Diakonatsweihe im Jahre 1804 in Konstanz – Widmer wurde bereits zum Priester geweiht – ging Gügler nach Luzern, wo er im darauffolgenden Jahr vom apostolischen Nuntius Testaferrata zum Priester geweiht wurde und sich bis zu seinem Tod aufhielt. Sailer übte in seinen Landshuter Jahren den entschiedensten Einfluß auf Gügler aus, bis er sich – man ist geneigt zu ergänzen: aus dem Geist der Frühromantik - »beym Anbeginn seines Dozirens eine eigene Bahn bricht« (ebd., I, 142f). Sein pädagogischer Eros zielte nicht auf das treue Nachbilden des Lehrers, sondern er wollte seine Schüler zum Selbstdenken und Selbstsein anregen, was ihm aber auch viel Unverständnis seitens der Schüler einbrachte. Der unbesetzte Exegeselehrstuhl am Lyzeum wurde ihm übertragen (1805-1827) und ein Jahr später übernahm er die Pastoraltheologie (1806-1819). Das Verhältnis von Pastoral (»Zeichen der Zeit«) und Exegese (»Heilige Kunst«), von Prophetie und Poesie, ist das geistige Vermächtnis Güglers und macht seine bleibende Bedeutung aus. In ihm äußert sich aber auch ein gewichtiges ästhetisches Anliegen Güglers. Gügler befand sich mit seiner Exegese auf der Höhe der Zeit: Eine historisch-kritische Untersuchung der heiligen Schriften ist der Ausgangspunkt der Exegese, aber nicht ihr Sinn, Ziel und Ende. Da Gügler anfangs dem »Wessenbergisch-Müllerschen« Flügel zugerechnet wurde, mag es nicht verwundern, daß Gügler seitens der kirchlichen Behörden (Nuntiatur und Rom) des Rationalismus (v.a. Schelling'scher Prägung) – ebenso wie Widmer in der Philosophie – bezichtigt wurde. In seiner Eingabe an die kirchlichen Behörden (adressiert an Wessenberg) verteidigte Gügler seine Schriftauslegung: Exegese ist die Kunst der Schriftauslegung. Sie hat es mit dem »Geist« und nicht mit dem toten Buchstaben der Schrift zu tun und umfaßt in ihrer pastoralen Dimension alle Bereiche des menschlichen Lebens. Ihr Gewicht ist das der »romantischen Universalpoesie« (AF 116). Ebenso wie auch Sailer, wurde Gügler in dieser Zeit als Vertreter, ja sogar Exponent, der Aufklärung angesehen. Güglers erste Veröffentlichung »Ueber die Feyer des äußern Gottesdienst's« (1809) rührte aus der Kontroverse mit dem Luzerner Stadtpfarrer und bischöflichen Kommissär, Thaddäus Müller, der großen Einfluß auf die Lehrtätigkeit nahm und war zugleich der Beginn der Auseinandersetzung mit der Idee der Aufklärung. Müller griff die wessenberg'schen Reformen in seinem Sprengel auf und hatte, Gügler zufolge, die Idee der Pastoral (Sailer) gründlich mißverstanden, da er unter Aufklärung ausschließlich sittliche Vervollkommnung in Staat, Religion und Kirche verstand. Die Auseinandersetzung mit Stadtpfarrer Müller spitzte sich zu, als Gügler Schriften von ihm in der Neuen Oberdeutschen Allgemeinen Literaturzeitung rezensierte, d. h. kommentierte, kritisierte und karikierte. Eine Veröffentlichung dieser Schriften in überarbeiteter Form im Jahre 1810 trägt dann den Titel »Einige Worte über den Geist des Christenthums und der Literatur im Verhältnis zu den Thaddäus Müllerschen Schriften«. Gügler wurde von allen Seiten angegriffen: »Die Hetze war gegen den schüchternen, unbehülflichen und anscheinend wehrlosen Gügler von allen Seiten her los« (ebd., II, 27). Schiffmann betont das »anscheinend« und in der Tat war Gügler seinen Gegern – wie auch Gügler nicht wohlgesonnene Interpreten bekennen – intellektuell weit überlegen und die Schrift »Einige Worte...« avancierte mit einem Schlag zur ersten Programmschrift einer »theologischen Romantik« (Geiselmann). In dieser Schrift bekämpfte er einen veräußerlichten Begriff von Aufklärung – »entnervende Glückseligkeitslehre«8 – mithilfe romantischer Ironie und Polemik. Durch das Christusereignis lassen sich – idiomenkommunikatorisch - das Sichtbare und das Unsichtbare, das Endliche und das Unendliche, Ewige aufeinander beziehen, ohne es der Identität (Schelling) preiszugeben. Die Schrift kulminiert in dem Satz: »Der Geist [als Organ der Vermittlung; W.G.] des Katholizismus ist das Mystische« (EW, 106). Das absolut Originäre und Originelle in Gügler's Theologie ist sein Begriff von Kunst (Poesie). Sie verwaltet »ihr hohes Mittleramt zwischen Himmel und Erde« (ebd., 163). Das Gewicht des ästhetischen Anliegen Güglers wurde schon in der Tübinger Schule nicht mehr wahrgenommen.9 Während Gügler mit allen Mitteln romantischer Rhetorik und Stilistik sich als unerbittlicher Verfechter einer Sache bezeichnete, wird bis in die Gegenwart Güglers Kritik als persönliche Diffamierung verstanden.10 Seine Leidenschaft als Theologe galt einer »ächten Aufklärung«, deshalb fühlte er sich nicht gegenüber der Person, sondern dem Werk, d. h. der Wissenschaft, verantwortlich. Die Demissionierung vom Lehrstuhl für Exegese durch die Regierung und Widmers freiwillige Aufgabe der Lehrtätigkeit forderte den massenhaften Protest der Studenten heraus, so daß die Entlassung bald wieder rückgängig gemacht wurde.
Gügler selbst verspürte zunehmend in sich ein sehr frühes Veralten, ihm kommt alles »abgeschmackt und armselig« vor, wie er in einem Brief bekennt. Seine eigene Seelenstimmung beschreibt Gügler als ein »mißmuthiges Verzweifeln« an sich selbst und alle »Poesie des Lebens« sei erloschen. Aber zuletzt entlarvt Gügler seine Stimmung als Selbsttäuschung und übt Selbstironie, indem er zum Ausdruck bringt, daß er dafür den um so heiteren Frühling (Motiv: goldene Zeit) erwarte.
Der nächste Konflikt ereignete sich im Jahre 1813/14, als Thaddäus Anton Dereser (Vertreter einer Exegese nach Michaelis) zum Regens und Professor für Pastoral an das Priesterseminar berufen wurde und gleichzeitig die Professur für eine neu geschaffene Stelle für biblische Sprachen an der höheren Lehranstalt ausüben sollte. Diese »Doppelprofessur« mußte zu einem Konflikt mit Gügler führen, da die Methoden divergierten und der Vorlesungsgegenstand Deresers - »praktische Exegese« - Güglers Gegnerschaft herausforderte. Nachdem die Studenten die Vorlesungen Deresers mieden, wurde aufgrund einer Eingabe Deresers, der bei Stadtpfarrer Müller und Wessenberg jetzt Rückhalt erhielt, Gügler durch die kirchlichen Behörden, wie dem Erziehungsrat, die Rechtfertigung, Sinn und Ziel seines Unterrichts abverlangt. Gügler beantwortete die Eingabe, und die »Heilige Kunst« ist als eine »Frucht« dieser Auseinandersetzung erwachsen. Güglers Schriftprinzip und Methode der Auslegung sei hier an dieser Stelle noch einmal erwähnt: Er war mit der formgeschichtlichen Fragestellung (Sitz im Leben) vertraut und forderte eine universale Behandlung der Schrift, ohne dem rein Philologischen, dem Buchstaben, zu verfallen. Dieser »Geist« der Schriften ist in der Tradition der Kirche vernehmbar, und die »Heilige Kunst« ist die Geschichte ihrer Darstellung. Das Künstlerische selbst ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Form und Inhalt (Materie) und eröffnet eine geschichtliche (und geschichtsphilosophische) Dimension.11 Im Jahr 1814 entstand der I. Band12 der »Heiligen Kunst – Die heilige Kunst oder die Kunst der Hebräer«, 1817 folgte der II. Band und im folgenden Jahr erschien der III. Band. Die letzten beiden Bände tragen den Untertitel »Die Darstellung und Erklärung der Heiligen Schriften aus ihnen selbst« und lassen eine mögliche Interpretation erahnen. Der erste Band kann in Jean Pauls Worten als »Vorschule der Ästhetik« bezeichnet werden, was H. Urs von Balthasars Vorwurf der Zusa...
Inhaltsverzeichnis
- Titelseite
- Titel
- Exkurs I: Walter Benjamin und die Frühromantik
- Titel - 1
- Titel - 2
- Exkurs III: Gügler und die Tübinger Schule
- Titel - 3
- Titel - 4
- Teil IV: Teil und Ganzes – Das Fragment
- Titel - 5
- Literaturverzeichnis
- (A) Siglen
- Bücher mit beigesetztem Ladenpreis ohne Einband
- Impressum
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