FiktionalitĂ€t ist ein zentrales und vieldiskutiertes Konzept der Literaturwissenschaft, spielt aber auch in zahlreichen anderen gesellschaftlichen Diskursen und Praktiken eine Rolle, von Moraldiskussionen ĂŒber Politik und Recht bis hin zu den Wissenschaften. Der Band erschlieĂt im ersten Teil PhĂ€nomene und Begriffe von FiktionalitĂ€t aus literaturwissenschaftlicher Sicht systematisch und historisch, wobei BeitrĂ€ge aus verschiedene Philologien vertreten sind.
Im interdisziplinĂ€r angelegten zweiten Teil lotet er die Bedeutung von FiktionalitĂ€t in nicht-literarischen ZusammenhĂ€ngen, Praktiken und Theorietraditionen aus und versammelt Artikel aus Ethnologie, Theologie, Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie. Insgesamt rĂŒcken Aspekte der MedialitĂ€t und sozialen Praktiken in den Vordergrund, und Begriffe wie 'fiktional' und 'FiktionalitĂ€t' werden in ihrer Differenz zu anderen Konzepten wie AuthentizitĂ€t, nicht-fiktional, real etc. verstanden.
Damit verschafft das Handbuch einen Ăberblick ĂŒber vielfĂ€ltige Aspekte von FiktionalitĂ€t fĂŒr ein breites Fachpublikum literaturwissenschaftlicher und anderer Disziplinen von fortgeschrittenen Studierenden bis zu Spezialisten.

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Grundthemen der Literaturwissenschaft: FiktionalitÀt
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Grundthemen der Literaturwissenschaft: FiktionalitÀt
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LiteraturkritikIV InterdisziplinÀre Implikationen und Konzepte
IV.1 FiktionalitÀt und Philosophie/PhÀnomenologie/Ontologie
Maria E. Reicher
1 Einleitung
Bach, Kent (1985/86). âFailed Reference and Feigned Reference: Much Ado about Nothingâ. Grazer Philosophische Studien 25/26 (1985/86): 359â374. Demmerling, Christoph und Ăngrid Vendrell Ferran (Hgg., 2014). Wahrheit, Wissen und Erkenntnis in der Literatur. Berlin. In diesem Beitrag wird FiktionalitĂ€t aus philosophischer Perspektive behandelt. Im Zentrum werden dabei einige Paradoxien stehen. Es wird jeweils zunĂ€chst gezeigt, wie diese entstehen, und dann werden verschiedene LösungsansĂ€tze fĂŒr sie vorgestellt und diskutiert. Den Beginn machen die ontologischen Paradoxien der Fiktion (Abschnitt 2), gefolgt von dem Paradoxon der emotionalen Reaktionen auf Fiktionen (Abschnitt 3). Abschnitt 4 beschĂ€ftigt sich mit der erkenntnistheoretischen Frage, ob fiktionale Werke eine Erkenntnisquelle sein können und wenn ja, in welcher Hinsicht und wie das möglich ist.
ZunĂ€chst mĂŒssen jedoch einige terminologische KlĂ€rungen vorgenommen werden. Die erste terminologische KlĂ€rung betrifft die Termini âfiktionalâ und âfiktivâ. Der Ausdruck âfiktionalâ wird als ein (im weitesten Sinn) sprechakttheoretisches PrĂ€dikat fĂŒr Sprechhandlungen bzw. Sprachwerke gebraucht. Der Terminus âfiktivâ fungiert hingegen als ein ontologisches PrĂ€dikat fĂŒr jene GegenstĂ€nde, die in fiktionalen Werken reprĂ€sentiert werden. In diesem Sinne kann man von fiktionalen ErzĂ€hlungen, fiktionalen Romanen und fiktionalen Filmen sprechen, im Gegensatz etwa zu Tatsachenberichten, Biografien und Dokumentarfilmen. Hingegen spricht man von fiktiven Figuren, fiktiven Orten und fiktiven Ereignissen. Was genau der Gegensatz zu âfiktivâ ist, ist bereits eine ontologische Frage, auf die im Folgenden zurĂŒckzukommen sein wird. Kandidaten sind etwa ârealâ bzw. âreal existierendâ und âkonkretâ.
Zweitens ist es im Folgenden wichtig, zwischen fiktionaler Rede einerseits und Rede ĂŒber Fiktionen andererseits zu unterscheiden. (Der Ausdruck âRedeâ wird hier allgemein fĂŒr sprachliche ĂuĂerungen aller Art verwendet, egal ob mĂŒndlich oder schriftlich und unabhĂ€ngig von ihrer KomplexitĂ€t). Der Text eines fiktionalen Romans ist ein Fall fiktionaler Rede; wenn sich hingegen Leser ĂŒber die Figuren, die SchauplĂ€tze oder die Handlung eines solchen Romans unterhalten, ist dies ein Fall von Rede ĂŒber Fiktionen.
Der Gegensatz zu fiktionaler Rede ist ernsthafte Rede. Das entscheidende Merkmal zur Unterscheidung von ernsthafter und fiktionaler Rede ist nicht der Wahrheitsgehalt der sie konstituierenden ĂuĂerungen. Rede, die aus falschen ĂuĂerungen besteht bzw. falsche ĂuĂerungen enthĂ€lt, kann durchaus ernsthafte Rede sein. Entscheidend sind die AnsprĂŒche der Sprecher. In nichtfiktionaler Rede erheben die Sprecher in der Regel Wahrheitsanspruch fĂŒr ihre Behauptungen; zusĂ€tzlich erheben sie epistemische RechtfertigungsansprĂŒche, d. h., sie beanspruchen, ihre Behauptungen mit guten GrĂŒnden fĂŒr wahr zu halten. Auf der Seite der Adressaten gibt es in der Regel die entsprechenden Erwartungen: Es wird in der Regel erwartet, dass die ĂuĂerungen des Sprechers wahr und epistemisch gerechtfertigt sind.
Freilich werden diese normativen Regeln auch in ernsthafter Rede manchmal gebrochen. Aber wenn das der Fall ist, dann ist das ein Mangel, und wir sind berechtigt, dem Sprecher dies vorzuwerfen. Doch in fiktionaler Rede sind die erwĂ€hnten normativen Regeln grundsĂ€tzlich auĂer Kraft gesetzt. Daher wĂ€re es unangemessen (und ein Zeichen dafĂŒr, dass jemand das Sprachspiel der fiktionalen Rede nicht verstanden hat), etwa einen MĂ€rchenerzĂ€hler dafĂŒr zu tadeln, dass er Dinge erzĂ€hlt, die nicht den Tatsachen entsprechen, oder vom Autor eines fiktionalen Romans zu verlangen, dass er Belege fĂŒr seine Schilderungen beibringt.
Soweit eine Kurzfassung der Standardanalyse fiktionaler Rede. In Abschnitt 4 dieses Beitrags (âDas erkenntnistheoretische Paradoxon der Fiktionâ) wird jedoch gezeigt werden, dass diese Standardanalyse einer Verfeinerung bedarf, um bestimmten PhĂ€nomenen gerecht zu werden.
2 Ontologische Paradoxien der Fiktion
Von einer Paradoxie spricht man in der Philosophie, wenn aus anscheinend wahren bzw. unmittelbar einleuchtenden PrĂ€missen etwas offenkundig Falsches oder Unsinniges folgt. Ein besonders deutlicher Fall einer Paradoxie liegt dann vor, wenn aus den anscheinend wahren PrĂ€missen ein logischer Widerspruch folgt. Das Folgende ist ein Beispiel fĂŒr einen solchen Fall:
OntP1
- Pegasus ist ein geflĂŒgeltes Pferd.
- Pegasus existiert. (1)
- Pegasus existiert nicht.
PrĂ€misse 1 scheint eine Feststellung zu sein, die als Antwort auf die Frage âWer oder was ist Pegasus?â in vielen Kommunikationskontexten vollkommen akzeptabel wĂ€re. (Die Frage könnte etwa bei einem Quiz gestellt werden oder im Zuge einer PrĂŒfung ĂŒber griechische Mythologie oder von einer Person, die etwas ĂŒber Pegasus hört oder liest und damit nichts anfangen kann.)
PrÀmisse 2 folgt logisch aus 1, gemÀà weithin anerkannter fundamentaler logischer Prinzipien. (Ich folge hier einer in der Logik verbreiteten Konvention, wonach in einem Argument jeweils durch Zahlen in runden Klammern angegeben wird, aus welchen vorangegangenen SÀtzen ein Satz folgt.) Aufgrund welcher Prinzipien bzw. Annahmen diese Folgerungsbeziehung gilt, wird gleich nÀher erlÀutert werden.
PrĂ€misse 3 ist anscheinend eine empirische Wahrheit. Wir wissen, dass es keinen Sinn hat, sich auf die Suche nach Pegasus zu machen: Wir können âihnâ unter den Dingen in der Welt nicht finden. PrĂ€misse 3 widerspricht jedoch PrĂ€misse 2, welche ihrerseits aus der anscheinend wahren PrĂ€misse 1 logisch folgt, also auch wahr sein mĂŒsste. (Denn die logische Folgerungsbeziehung ist wahrheitserhaltend: Jeder Satz, der aus einem wahren Satz logisch folgt, ist selber auch wahr.) Doch von zwei einander widersprechenden SĂ€tzen muss mindestens einer falsch sein.
Ăhnlich gelagert â nur auf einem anderen fundamentalen logischen Prinzip basierend â ist folgende Paradoxie:
OntP2
- Pegasus ist ein geflĂŒgeltes Pferd.
- Es gibt FlĂŒgelpferde. (1)
- FlĂŒgelpferde gibt es nicht.
Auch hier folgt 2 aus 1 (unter Anwendung eines weithin akzeptierten logischen Prinzips), widerspricht jedoch einer augenscheinlich wahren empirischen Aussage (3). OntP1 und OntP2 sind ontologische Paradoxien, weil sie Fragen der Existenz betreffen. (Die Ontologie ist jene philosophische Disziplin, die sich mit der Frage beschÀftigt, was es gibt.)
Die philosophische Herausforderung besteht darin, die Paradoxien aufzulösen und damit die WidersprĂŒche zu vermeiden. Es wurde gesagt, dass die Paradoxien aus allgemein bzw. weithin akzeptierten Annahmen und Prinzipien entstehen. Daher erfordert deren Auflösung, dass wir mindestens eine der relevanten Annahmen aufgeben. Aus dieser Ăberlegung ergeben sich drei grundsĂ€tzlich mögliche LösungsansĂ€tze:
- a.
- Man könnte PrĂ€misse 1 aufgeben, also âPegasus ist ein geflĂŒgeltes Pferdâ als falsch verwerfen.
- b.
- Man könnte PrĂ€misse 3 aufgeben, also âPegasus existiert nichtâ bzw. âFlĂŒgelpferde existieren nichtâ als falsch verwerfen.
- c.
- Man könnte die Schlussfolgerung von PrĂ€misse 1 auf PrĂ€misse 2 verwerfen, also die Annahme aufgeben, dass aus âPegasus ist ein FlĂŒgelpferdâ logisch folgt, dass Pegasus existiert bzw. dass FlĂŒgelpferde existieren.
Die LösungsansĂ€tze lassen sich grob in realistische und antirealistische Theorien fiktiver GegenstĂ€nde einteilen. Antirealistische Theorien halten daran fest, dass es weder FlĂŒgelpferde im Allgemeinen noch Pegasus im Besonderen gibt. Diese Theorien mĂŒssen Wege finden, die Ableitung der ExistenzsĂ€tze (PrĂ€misse 2) zu vermeiden. Dies kann entweder durch ein Aufgeben bzw. Modifizieren von PrĂ€misse 1 geschehen oder durch ein Aufgeben bzw. Modifizieren der betreffenden logischen Prinzipien. Realistische Theorien hingegen erkennen an, dass es fiktive GegenstĂ€nde gibt, und mĂŒssen daher erklĂ€ren, warum der Widerspruch zu den empirischen Wahrheiten (PrĂ€misse 3) nur ein scheinbarer ist. AuĂerdem mĂŒssen realistische Theorien eine Reihe von Fragen in Bezug auf die besondere Natur fiktiver GegenstĂ€nde klĂ€ren.
Antirealistische Theorien fiktiver GegenstÀnde
Vertreter antirealistischer Theorien halten also an der dritten PrĂ€misse (âPegasus existiert nichtâ bzw. âFlĂŒgelpferde existieren nichtâ) fest. Diejenigen von ihnen, die zugleich an der ersten PrĂ€misse (âPegasus ist ein FlĂŒgelpferdâ) festhalten wollen, mĂŒssen daher Wege finden, die Ableitung von âPegasus existiertâ aus der ersten PrĂ€misse zu blockieren. Um zu verstehen, wie dies gelingen kann, ist es erforderlich, sich genauer anzusehen, aufgrund welcher Annahmen und Prinzipien diese Ableitung zulĂ€ssig ist.
Einige grundsĂ€tzliche Anmerkungen mögen fĂŒr das VerstĂ€ndnis des Folgenden hilfreich sein: Logische Folgerungsbeziehungen gelten stets im Rahmen eines bestimmten logischen Systems. Logische Systeme enthalten Regeln, die festlegen, welche SĂ€tze man aus einer gegebenen Menge von SĂ€tzen ableiten kann. FĂŒr OntP1 und OntP2 ist jeweils eine solche Ableitungsregel relevant. Es gibt jedoch nicht nur eine Logik (ein logisches System), sondern viele. Logische Systeme sind Menschenwerk. Es ist letztlich eine Frage der Entscheidung (idealerweise getroffen aufgrund sorgfĂ€ltiger Ăberlegung und AbwĂ€gung von Vor- und Nachteilen), welches logische System man akzeptiert. Es gibt aber so etwas wie ein âStandardsystemâ, das heute von den meisten Philosophen und Logikern akzeptiert und verwendet wird. Es wird oft als âklassische Logikâ bezeichnet. Dieses ist der Ausgangspunkt der folgenden AusfĂŒhrungen.
ZunĂ€chst zu OntP1: Warum folgt â in der klassischen Logik â âPegasus existiertâ aus âPegasus ist ein geflĂŒgeltes Pferdâ? â ZunĂ€chst einmal folgt âPegasus existiertâ in der klassischen Logik aus jedem beliebigen Satz, weil es sich dabei um eine logische Wahrheit handelt. D. h., âPegasus existiertâ ist aus logischen GrĂŒnden wahr, unabhĂ€ngig vom Zustand der Welt.
Dies ist auf den ersten Blick ĂŒberraschend, da es doch eine Frage der Empirie und nicht eine Frage der Logik zu sein scheint, welche Lebewesen und andere Dinge auf der Welt existieren. Die klassische Logik geht jedoch davon aus, dass AusdrĂŒcke wie âPegasusâ (so genannte âsingulĂ€re Termeâ, von denen Eigennamen eine wichtige Unterkategorie sind) stets einen Gegenstand in der Welt bezeichnen (wobei âGegenstandâ hier im weitesten Sinn zu verstehen ist). In diesem Sinne macht die klassische Logik eine Existenzvoraussetzung.
Streng genommen betrifft diese Existenzvoraussetzung freilich nicht solche natĂŒrlichsprachliche Namen wie âPegasusâ, denn diese sind nicht Bestandteile eines logischen Systems. Logische Systeme bedienen sich vielmehr sogenannter formaler Sprachen. Diese enthalten nicht die Wörter unserer natĂŒrlichen Sprachen, sondern an ihrer Stelle etwa einzelne Buchstaben. So werden die Buchstaben a, b, c ⊠fĂŒr singulĂ€re Terme verwendet, die Buchstaben F, G, H ⊠fĂŒr PrĂ€dikatausdrĂŒcke (z. B. âist ein FlĂŒgelpferdâ), die Buchstaben x, y, z fĂŒr sogenannte Variablen (deren Bedeutung ungefĂ€hr dem deutschen âetwasâ entspricht). Doch in der Philosophie werden logische Systeme in der Regel dafĂŒr verwendet, sich Klarheit ĂŒber die Struktur philosophischer Argumente zu verschaffen. Diese Argumente sind meist ursprĂŒnglich in natĂŒrlichen Sprachen formuliert. Dies bedeutet, dass es fĂŒr eine grĂŒndliche logische Analyse oft erforderlich ist, die PrĂ€missen und Konklusionen der natĂŒrlichsprachlichen Argumente sozusagen in die formale Sprache des logischen Systems zu âĂŒbersetzenâ (zu âformalisierenâ). Dazu muss man sich zuerst ĂŒber die logische Struktur der natĂŒrlichsprachlichen PrĂ€missen und Konklusionen klar werden: Handelt es sich um einen einfachen Subjekt-PrĂ€dikat-Satz oder ist die Struktur komplexer? Wenn Ersteres, was ist das Subjekt, was das PrĂ€dikat? EnthĂ€lt der Satz singulĂ€re Terme, und wenn ja, welche?
Es scheint nun (zumindest auf den ersten Blick) klar zu sein, dass âPegasusâ in âPegasus existiertâ ein singulĂ€rer Term ist. Folglich wĂ€re dieser Satz halbformal als âa existiertâ darzustellen, und dies muss â aufgrund der erlĂ€uterten Existenzvoraussetzung in der klassischen Logik â wahr sein.
Es ist also zunĂ€chst die Existenzvoraussetzung der klassischen Logik, die fĂŒr die problematische Ableitung von âPegasus existiertâ aus PrĂ€misse 1 verantwortlich ist. Daraus könnte man ein Argument gegen diese Existenzvoraussetzung schmieden: Wenn eine bestimmte Annahme in einem logischen System zur Ableitung offensichtlich falscher SĂ€tze aus augenscheinlich wahren SĂ€tzen fĂŒhrt, dann sollte diese Annahme aufgegeben werden.
In der Tat gibt es logische Systeme, die diese Existenzvoraussetzung nicht enthalten. Man nennt sie existenzfreie Logiken. In diesen ist nicht vorausgesetzt, dass jeder singulĂ€re Term etwas bezeichnet; daher wĂ€re âPegasus existiertâ in einem solchen System keine logische Wahrheit. Dennoch kann auch in einer existenzfreien Logik âPegasus existiertâ aus âPegasus ist ein FlĂŒgelpferdâ abgeleitet werden, und zwar aufgrund eines Prinzips, das â in halbformaler Schreibweise â lautet:
(PP) a ist F â a existiert.[Lies: Wenn a F ist, dann existiert a.]
Ich nenne dieses Prinzip das PrĂ€dikationsprinzip (kurz: PP). âaâ fungiert hier, wie gesagt, als singulĂ€rer Term der formalen Sprache, âFâ als PrĂ€dikatausdruck. Dem PrĂ€dikationsprinzip liegt die Intuition zugrunde, dass man einem Gegenstand, der nicht existiert, nicht wahrheitsgemÀà ein PrĂ€dikat zusprechen kann. Mit anderen Worten: Das Haben einer Eigenschaft scheint Existenz zu implizieren. Daher scheint es, dass jemand, der behauptet, dass Pegasus ein FlĂŒgelpferd ist, nicht zugleich leugnen kann, dass Pegasus existiert.
Wenn man also den Schluss von âPegasus ist ein FlĂŒgelpferdâ auf âPegasus existiertâ blockieren möchte, genĂŒgt es nicht, die Existenzvoraussetzung der klassischen Logik aufzugeben. Man mĂŒsste auch das PrĂ€dikationsprinzip verwerfen. Wenn man die dem PrĂ€dikationsprinzip zugrunde liegende Intuition teilt, wird man das als sehr hohen Preis fĂŒr die Auflösung von OntP1 e...
Inhaltsverzeichnis
- Title Page
- Copyright
- Contents
- IâEinleitung
- IIâHistorische Entwicklungslinien
- IIIâAllgemeine Fragestellungen
- IVâInterdisziplinĂ€re Implikationen und Konzepte
- VâAnhang
HĂ€ufig gestellte Fragen
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