Carl Jakob Iken als Vorreiter der Neogräzistik
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Carl Jakob Iken als Vorreiter der Neogräzistik

Mit einer Edition von Dokumenten und Briefen

  1. 317 Seiten
  2. German
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Carl Jakob Iken als Vorreiter der Neogräzistik

Mit einer Edition von Dokumenten und Briefen

Über dieses Buch

Der Philhellene Carl Jakob Iken (1789-1841) gilt als Begründer des Faches Neogräzistik. Erstmals liegt eine Darstellung über sein Leben und Werk vor. Dabei demonstriert die Autorin, wie ein passionierter Forscher des Griechischen im 19. Jahrhundert sein Wissen ordnete, visualisierte und Netzwerke der Vermittlung etablierte. Der Anhang enthält u. a. Briefe an bedeutende Zeitgenossen wie Goethe, Schopenhauer und Thiersch.

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Information

Jahr
2020
ISBN drucken
9783110600827
eBook-ISBN:
9783110599275

II Dokumente und Briefe

Zur Auswahl der Dokumente

Die bisher im Ganzen oder als Bruchstücke veröffentlichten Briefe von oder an Carl Jakob Iken wurden viel zitiert und waren der Forschung von großem Nutzen; die hier vorliegende Edition bietet erstmals ein breites Korpus an Briefen, das Teilveröffentlichungen, schwer zugängliche und bisher unbekannte oder unveröffentlichte Briefe umfasst. Dazu werden erstmals auch weitere Dokumente ans Licht gebracht und ausgewertet, wie beispielsweise Ikens Vertonungen von griechischen Texten, seine Promotionsakte, sein Testament sowie Dokumente, die die Verwaltung seines Nachlasses betreffen. Dazu gehören außerdem die Informationen aus dem Verzeichnis der Nachlassbibliothek.
Ediert wurde zudem Ikens Werkliste. Die Liste umfasst die bis 1829 von Iken veröffentlichten oder in Manuskriptform verbliebenen Werke, deren Großteil als verschollen anzusehen ist und über deren Überlieferungszustand Unklarheit besteht. Die Entscheidung, diese Liste im Editionsteil aufzunehmen, hat zwei miteinander verbundene Gründe: erstens war sie bisher kaum bekannt und zweitens nur schwer zugänglich. Die Werkliste ist in den Königlichen Regesten zu Merseburg in einer der Akten, die die Stiftung Ikens betrafen, eingebunden und diente den Stiftungsverwaltern als Übersicht bei der Realisierung der von Iken angeordneten Schulstiftung.433 In diesen Akten ist reichhaltiges Material zur Geschichte der Stiftung enthalten, die jedoch nicht im thematischen Fokus der vorliegenden Untersuchung liegt.434
Aus der gelehrten Korrespondenz Ikens wurden vor allem jene Briefe ausgewählt, in denen die Geschichte, Sprache und Literatur Griechenlands thematisiert wird. Die Auswahl gründet zudem auf der Überlieferungssituation, dass die unveröffentlichten Korrespondenzen Ikens vorwiegend in den Briefnachlässen seiner Briefpartner erhalten sind, jedoch sein eigener Briefnachlass wohl verlorengegangen ist. Bis auf einzelne Ausnahmen sind die Briefe an Iken nicht in den Archiven erhalten, sondern wurden seinem veröffentlichten Oeuvre entnommen.
Den Philologen Carl August Böttiger (1760 – 1835) lernte Iken zusammen mit Arthur Schopenhauer in Dresden kennen, als sie als Studenten 1812 „eine Fußreise durch die sächsische Schweiz machten“.435 Beiden Gelehrten schrieb Iken Briefe, um sie über die Fortschritte seiner Forschungen zur neugriechischen Literatur zu informieren und ihnen Proben zuzusenden. Böttiger bestätigte zudem Ikens Vorhaben, einen Überblick der neugriechischen Literatur und Kultur zu verfassen, indem er zu einer „Geschichte der Neugriechen“ aufforderte.
Friedrich von Thierschs (1784 – 1860) Korrespondenz mit den Brüdern Georg und Carl Jakob Iken hat in der neogräzistischen Forschung schon einige Beachtung gefunden. Hier werden die Briefe erstmals komplett transkribiert. Über den Bezug der Brüder Iken zu Thiersch und ihre philhellenistischen Bestrebungen ist bereits in Kapitel 5.2. dieser Forschungsarbeit einiges gesagt worden.
Den Altertumsforscher Georg Friedrich Grotefend (1775 – 1853) schrieb Iken unbekannterweise an, um ihn von der Ankunft des griechischen Kapitäns Kosmas Angeli in Hannover zu informieren und darum zu bitten, dem Griechen bei seiner Rückreise in die Heimat behilflich zu sein. Dieser Brief gibt wertvolle Hinweise zu Reisemöglichkeiten, Stationen, Kontaktmännern und der Route einer solchen Reise.
Jeremias David Reuss (1750 – 1837) war als Bibliothekar in Göttingen tätig. Die Universitätsbibliothek stand zu dieser Zeit unter der Leitung des Altertumswissenschaftlers Christian Gotttlob Heyne (1729 – 1812), mit dem Iken auch verschwägert war. Iken tauschte sich mit Reuss über ausgeliehene Bücher und über bibliographische Fragen in der Leukothea aus. Aus den hier transkribierten Briefen gehen Ikens Bemühungen um Wissensbeschaffung und Wissenstransfer deutlich hervor.
Ikens Bestrebungen, noch wenig Bekanntes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, belegt auch seine Korrespondenz mit dem auflagenstarken Morgenblatt für gebildete Stände, das im Verlag der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung erschien. Der Brief vom 14. 1. 1817 an das Morgenblatt dürfte dabei auch für die Beethoven-Forschung von Interesse sein, da Iken sich hierin für die weitere Popularisierung Beethovens einsetzte, den er selbst sehr verehrte.436 Die weiteren Briefe vom 20. 12. 1829 und vom 12. 12. 1837 geben wichtige Informationen zum Honorar und zur Einreichung sowie Rücksendung von Manuskripten. Hieraus geht hervor, dass Iken meist das Originalmanuskript einreichte und selten eine Abschrift beibehielt. Solche Informationen gehen auch aus dem Schriftverkehr mit der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung hervor. Die ersten Briefe betreffen die Herausgabe des Werkes Touti Nameh, die weiteren Briefe sind Ersuche zum Abdruck von Proben seiner Publikationsprojekte im Morgenblatt oder Verlagsanfragen für Publikationen, von denen jedoch keine realisiert wurde. Darunter befindet sich die freie Nachdichtung der Odyssee (Irrfahrten des Odysseus, 1826) von Ikens Freundin Hedwig Hülle (1794 – 1861) und Ikens Übersetzung der griechischen Verfassung (Provisorische Staatsverfassung, 1822) die beide in Bremen bei Heyse gedruckt worden sind. Eine weitere Anfrage Ikens an Cotta bezüglich der Publikation seiner Übersetzung einer Textauswahl aus Korais’ Einführungsschrift zur Politik von Aristoteles wird nicht beachtet; Iken hat sie später bei Ernst Fleischer in Leipzig veröffentlicht (Vom alten und neuen Hellas, 1823). Das Großprojekt einer Anthologie neugriechischer, persischer, arabischer, türkischer und indischer Gedichte, das den Titel Asprospitia tragen sollte und gemeinsam mit Kosegarten geplant war, ist in dieser Form niemals realisiert worden. Zwei Tage nachdem er an die Cotta’sche Verlagsbuchhandlung seinen Verlagsantrag stellte, sandte Iken auch an Goethe ein Exposè und einige Textproben aus dieser Sammlung (s. Brief an Goethe vom 12. 2. 1826). Ikens Übersetzungen neugriechischer Gedichte sind dann wohl in geänderter Konstellation und in Zusammenarbeit mit Theodor Kind unter dem Titel Eunomia bei Göschen-Beyer erschienen.
Aus dem Brief des Verlegers Georg Joachim Göschen (1752 – 1828) gehen die finanziellen Probleme dessen Sohnes hervor, der den Verlag Göschen-Beyer leitete. Der Brief ist ein wertvoller Hinweis für die Absatzzahlen von Ikens Werk Eunomia, das in diesem Verlag 1827 publiziert wurde. Im Jahr seines Erscheinens sind nur wenige Exemplare verkauft worden und in den ersten zwei Monaten des Jahres 1828 kein einziges. Trotzdem fand das Werk Beachtung; möglicherweise befolgte Iken den Ratschlag Göschens, die Eunomia über einen anderen Buchhändler zu verkaufen.
Dem Maler Johann Heinrich Meyer (1760 – 1832) der wegen seinem engen Verhältnis zu Goethe auch als „Goethemeyer“ bezeichnet wurde, schrieb Iken, um ihm ein Exemplar seiner aus dem Französischen übersetzten Tabelle der Maler für Goethe zukommen zu lassen (Chronologische Übersicht der berühmtesten Maler von der Wiederherstellung der Kunst bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, 1824). Aus diesem knappen Brief und auch aus den folgenden Briefen erkennt man das stetige Abnehmen von griechischen Themen in Ikens Forschungen und Publikationen. Auch der Brief an den Kunsthistoriker Johann Karl Ludwig von Schorn (1793 – 1842) zeigt, dass sich Iken nun vermehrt mit den Künstlern und der Erarbeitung von Tabellen beschäftigte, hier die Übersicht der preußischen Kunstgeschichte oder kurze Übersicht über Preußens Künstler der älteren und neueren Zeit in Tabellen. Aus dem Brief an den Lyriker Karl Ludwig von Knebel (1744 – 1834) geht hervor, dass Iken weiterhin in seinen literarischen Unternehmungen aktiv war und sich auch noch für die griechische Sache interessierte. Der Brief ist auch deshalb von Bedeutung für die vorliegende wissensgeschichtliche Untersuchung, als er detaillierte Informationen zu den Beförderungswegen, -zeiten und -kosten von Briefen, Bücherpaketen und anderen Paketen liefert, auch zu solchen Sendungen, die etwas ungewöhnlich erscheinen, wie beispielsweise ein Melonenkaktus, der an den Botaniker Friedrich Voigt (1781 – 1850) verschickt werden sollte.
Der Gräzist und Paläograph Karl Benedikt Hase (1780 – 1864) ist einer der wenigen Korrespondenten Ikens, der neben der Byzantinistik auch in der Neogräzistik spezialisiert war. Hase, der 1801 aufgebrochen war, um an der Revolution auf der Peloponnes als Freiwilligenkämpfer teilzunehmen, kam nur bis Paris; 1805 bekam er dort in der Manuskriptabteilung der Bibliothèque impériale (die spätere Nationalbibliothek) eine Anstellung, und 1819 übernahm er den von Napoleon Bonaparte eingerichteten Lehrstuhl für Neogräzistik, dessen Vorgänger kein geringerer als der Gräzist Jean-Baptiste Gaspard d’Ansse de Villoison (1750 – 1805) war. Aus ihrer Korrespondenz, die vorwiegend vom Austausch von Lektürematerial handelt, geht ein sehr freundschaftliches Verhältnis hervor. Ikens Gesundheit schien allerdings angeschlagen zu sein, er klagte über die Folgen einer Grippe und über Zahnschmerzen.
Um dem Leser ein möglichst vollständiges Bild von Ikens Gelehrtennetzwerk zu geben und die Facetten seiner Persönlichkeit und seinen Wirkungskreis zu verdeutlichen, werden darüber hinaus auch bereits edierte Korrespondenzen mit den Originalbriefen abgeglichen, ergänzt und neu veröffentlicht. Eine Neuveröffentlic...

Inhaltsverzeichnis

  1. Title Page
  2. Copyright
  3. Contents
  4. I Von der Gräzistik zur Neogräzistik
  5. II Dokumente und Briefe
  6. Abbildungsverzeichnis
  7. Register

Häufig gestellte Fragen

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