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Bergbausammlungen in Deutschland
Eine Bestandsaufnahme
- 729 Seiten
- German
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Bergbausammlungen in Deutschland
Eine Bestandsaufnahme
Über dieses Buch
Eine methodisch reflektierte Auseinandersetzung mit dem materiellen Erbe des deutschen Steinkohlenbergbaus fehlte bislang. Die vorliegende Publikation beschäftigt sich in ihren Beiträgen daher sowohl mit den Prozessen einer bergbaubezogenen Musealisierung als auch exemplarisch mit der Erforschung und Erfassung einzelner Objekte und Sammlungen aus dem Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok) des Deutschen Bergbau-Museums Bochum. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf technischen Innovationen des 20. Jahrhunderts, die beispielsweise im Bereich der Grubenrettung, des Transports unter Tage oder der Kohlengewinnung einen wichtigen Abschnitt der Geschichte des industriellen Bergbaus illustrieren. Hinzu kommt erstmals eine Übersicht aller auf den Steinkohlenbergbau bezogenen musealen Einrichtungen in Deutschland, deren Spektrum von Vereinen über Stadtmuseen bis hin zu überregionalen Museumsverbünden reicht. Das Buch wendet sich einerseits an Historikerinnen und Historiker auf dem Gebiet der material culture studies, anderseits an all diejenigen, die aus historischer Perspektive eine Übersicht zur bergbaubezogenen Museumslandschaft in Deutschland suchen.
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Information
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GeschichteThema
SozialgeschichteHerleitungen und Kontexte
Vom Erbe des deutschen Steinkohlenbergbaus zum mining heritage. Das Projekt „Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung“ als Basis einer Strategie des montan.dok im 21. Jahrhundert
Michael Farrenkopf
Michael Ganzelewski
Stefan Przigoda
Einleitung
Der deutsche Steinkohlenbergbau ist über Jahrhunderte ein entscheidender Faktor ökonomischer und sozialer Wertschöpfung gewesen.1 Er hat dabei zugleich materielle wie immaterielle Werte produziert. Aufgrund gewandelter Rahmenbedingungen des globalen Energiesektors unterlag er seit Ende der 1950er-Jahre einem stetigen Anpassungsprozess und ist gemäß dem 2011 novellierten Steinkohlefinanzierungsgesetz bis Ende 2018 als produzierende Industrie endgültig ausgelaufen. Das Jahr 2018 stellte somit eine Zäsur im langanhaltenden Strukturwandel besonders an der Ruhr dar. Zwar wird der Bergbau auf Grund der Bewältigung der so genannten Ewigkeitsaufgaben vor allem Maßnahmen der Wasserhaltung, die auch nach Beendigung der Steinkohlenförderung dauerhaft fortbestehen, auch über 2018 hinaus aktiv und sichtbar bleiben. Für die Bevölkerung in den Bergbaurevieren bilden aber andere Werte das Fundament für eine relevante Gedächtnisfunktion. Diese reichen von früheren Bergbauarealen, Industriestandorten, materiellen Hinterlassenschaften unterschiedlichster Art über Produktionsverfahren und Anlagentechnik bis hin zu speziellem fachlichem Know-how in differenzierter Ausprägung. Nicht zu vergessen sind die Bildungsinstitutionen und sozialen Strukturen. Besagte Werte haben mindestens in den ehemaligen Montanregionen Deutschlands eine vielfältige kulturelle Bindungskraft.
Es scheint deshalb sehr bedeutend, dass neben der kostenintensiven Bergbaunachsorge gleichzeitig auch Chancen für eine langfristige kulturelle und historisch-reflektierte Auseinandersetzung mit dem geschichtlichen Erbe des deutschen Steinkohlenbergbaus ergriffen werden. Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) kann und will dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Es gilt aufgrund seiner Geschichte, Lage und der existierenden Sammlungen und Ausstellungen als die führende Gedächtnisinstitution des Bergbaus in Deutschland. Es sieht seine Aufgabe daher auch und gerade in der Sicherung, Erschließung und Vermittlung des Erbes des deutschen Steinkohlenbergbaus, zumal die Institution DBM durch den Steinkohlenbergbau zusammen mit der Stadt Bochum gegründet wurde.
Im Rahmen der Entwicklung zu einem der acht großen deutschen Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft sind die wissenschaftlichen Leistungen des DBM in ausgewählten Forschungsfeldern inzwischen stark ausgebaut worden und bereits weltweit anerkannt. Diese Leistungsfähigkeit wird auch für die vorbeschriebenen Aufgaben angestrebt. Um diese Qualitäten zu erreichen, ist im Jahr 2012 das Strategievorhaben „DBM 2020“ angestoßen worden.2
Unter dem operativen Begriff „Gedächtnis des deutschen Steinkohlenbergbaus“ wurden in diesem Vorhaben Szenarien entwickelt, wie der Beitrag des DBM zur Sicherung des materiellen Erbes des Steinkohlenbergbaus ausgestaltet werden kann.3 Das DBM will sich demnach sowohl hinsichtlich der Sicherung der dinglichen, schriftlichen und audiovisuellen Zeugnisse der Bergbau-Ära einbringen, eine wissenschaftliche Reflexion an und mit Hilfe dieser Zeugnisse leisten, als auch entsprechende Ergebnisse und Erkenntnisse der Öffentlichkeit in seinen Ausstellungen präsentieren. Dabei ist das DBM ein gut vernetzter Partner in diesem Themengebiet und will die Aufgabe in einer gezielten Zusammenarbeit mit anderen Akteuren vornehmen.
Vor diesem Hintergrund hat das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) als zentrale sammlungsbezogene Forschungsinfrastruktur des DBM im Jahr 2014 bei der RAG-Stiftung einen erfolgreich bewilligten Förderantrag für das zunächst auf mehr als zwei Jahre angelegte Vorhaben „Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung. Aufbau eines Informationszentrums für das Erbe des deutschen Steinkohlenbergbaus unter Berücksichtigung der Strategie ‚Sammeln im Verbund‘“ gestellt.4 Die vorliegende Veröffentlichung ist ein wesentliches Ergebnis dieses Projekts.
Die strategischen Dimensionen des Vorhabens sollen im Rahmen dieses einleitenden Beitrages näher erläutert werden, wobei insbesondere die historisch gewachsene Rolle des DBM und hierin vor allem seines montan.dok zunächst einmal ausführlich und bilanzierend darzustellen sind. Gemäß dem von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) im Juni 2012 veröffentlichten „Bund-Länder-Eckpunktepapier zu den Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft“ kommt dem DBM und im spezifischen Sektor insbesondere dem montan.dok im operativ-strategischen Sinne eine „Leuchtturmfunktion“ für das materielle wie immaterielle Kulturerbe des Steinkohlenbergbaus zu.5 Insofern muss zunächst ein Überblick über die Genese der sammlungsbezogenen Infrastruktur am DBM gegeben werden, um auf dieser Grundlage weitere aktuelle Handlungsrahmen verständlich zu machen.
Die abschließend skizzierte strategische Ausrichtung des montan.dok hat dabei ein gewandeltes Selbstverständnis zu spiegeln, denn sammlungsbezogene Infrastrukturen, vor allem in einem Leibniz-Forschungsmuseum, sind heute auch als Forschungseinrichtungen zu sehen. Eigene Forschungsleistungen treten so gleichberechtigt an die Seite „klassischer“ Aufgaben des Dokumentierens und Sammelns, was von hoher Bedeutung insbesondere für das mining heritage ist. Auch in dieser Hinsicht bildete das Projekt GBGV, gerade in Verbindung mit dem ebenfalls von der RAG-Stiftung geförderten Folgeprojekt „montan.dok 21“, das noch vorzustellen ist, einen zentralen Baustein für eine zukunftsfähige Strategie des montan.dok.
Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum
Das heutige DBM wurde 1930 in Bochum zunächst als Geschichtliches Bergbau-Museum von der Stadt Bochum und einer Gemeinschaftsorganisation des Ruhrbergbaus – der Westfälischen Berggewerkschaftskasse (WBK) – gegründet.6 In den ersten Jahrzehnten unterlag es insofern einer rein kommunalen und privatwirtschaftlichen Trägerschaft. Die Motive zur Etablierung eines solchen Museums standen in engem Bezug zur seinerzeitigen Lage des Ruhrbergbaus, der sich während der 1920er-Jahre in hohem Maße politischen wie wirtschaftlichen Krisen ausgesetzt sah und mit der Errichtung eines Museums durchaus positiv Bewusstsein bildend in die Öffentlichkeit wirken wollte.
Der Standort des geplanten Museums war anfänglich umstritten; insbesondere Essen als Sitz der entscheidenden unternehmerischen Spitzengremien wie beispielsweise des Bergbau-Vereins oder des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats (RWKS) galt neben Bochum als geeigneter Standort. Mitentscheidend für Bochum war letztlich die geografische Nähe zur WBK.7 Dieses Gemeinschaftsunternehmen war bereits 1864 im Zuge der Überführung des Bergbaus von eher ständischen in wirtschaftsliberale Strukturen gegründet worden, um Querschnittsaufgaben aller Bergbauunternehmen vorrangig in zwei Bereichen zu übernehmen: Diese waren erstens die Ausbildung des mittleren technischen Managements sowie zweitens Forschungs- und Prüfungsaufgaben im Rahmen des bergtechnischen Fortschritts. Das immense Wachstum des Ruhrbergbaus im Zuge der Hochindustrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bewirkte einen enormen Bedarf an Arbeitskräften, der zu einer außerordentlich hohen Zuwanderung meist bergbauunkundiger Arbeitskräfte in das Ruhrgebiet führte.
Hieraus ergab sich der Ausbildungsbedarf, den die WBK als Trägerin mehrerer Bergschulen stillte. In diesem Zusammenhang entstanden nun umfangreiche Sammlungen an Modellen und Gerätschaften für den Bergschulunterricht, die im Rahmen des anhaltenden technischen Fortschritts selbst sukzessive veralteten. Auf diese Weise waren bei der WBK bis in die 1920er-Jahre bereits umfangreiche bergtechnische Sammlungen vorhanden, die man nun als Grundstock der musealen Sammlungen in das Geschichtliche Bergbau-Museum Bochum einbrachte.8
Dieses zog nach seiner Gründung zunächst auf dem Gelände, auf dem es sich auch heute befindet, in einzelne Hallen des vorherigen Bochumer Schlachthofes ein. Allerdings existierten von Beginn an Planungen für die Errichtung eines grundlegenden Neubaus, die in Teilen auf die sicher wichtigsten Architekten für den Bergbau in Deutschland im 20. Jahrhundert, Fritz Schupp und Martin Kremmer, zurückgehen. Mit der Essener Zeche Zollverein 12 und dem Erzbergwerk Rammelsberg in Goslar am Harz gehören heute gleich zwei Projekte dieser Architektengemeinschaft zum UNESCO-Weltkulturerbe; der zeichnerische Nachlass beider Architekten wird im Übrigen mit weit über 17 000 Plänen seit einigen Jahren im Bergbau-Archiv Bochum als Teil des montan.dok verwahrt.9
Ohne der Entwicklung des Museums nun im Einzelnen zu folgen, soll nur erwähnt werden, dass bereits in den 1930er-Jahren damit begonnen worden ist, unterhalb des Museums ein Anschauungsbergwerk anzulegen. Dieses ist heute auf einer Länge von rund 2 km für die Museumsbesucher begehbar und zeigt vorrangig die Entwicklung des Steinkohlenbergbaus vom späten 19. Jahrhundert bis zur hochmodernen Maschinentechnik der Gegenwart.10
Seit Mitte der 1970er-Jahre steht über dem eigentlichen Museumsgebäude sodann eines der größten Fördergerüste, die jemals im Ruhrbergbau zur Aufstellung gelangt sind. Es war ursprünglich auf der Dortmunder Schachtanlage Germania Anfang der 1940er-Jahre errichtet und nach deren Stilllegung Anfang der 1970er-Jahre dort abgebaut und nach Bochum transloziert worden. Diese Maßnahme gilt als ein frühes Beispiel für die seitdem erheblich ausgeweitete Industriedenkmalpflege nicht nur, aber insbesondere auch im Ruhrgebiet.
Bis zur Mitte der 1970er-Jahre hatte sich das heutige DBM bereits weit über den Charakter eines reinen Industriemuseums hinaus entwickelt. Inzwischen waren auf Basis der Kuratorentätigkeit eigene wissenschaftliche Schwerpunkte entstanden, insbesondere im Bereich der eher klassisch quellenbasierten Bergbaugeschichte sowie auf dem Feld der so genannten...
Inhaltsverzeichnis
- Title Page
- Copyright
- Contents
- Herleitungen und Kontexte
- Objektporträts
- Sammlungsporträts
- Anhang
- Personenregister
- Sachregister
Häufig gestellte Fragen
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