
Theodor Fontane und das Erbe der Aufklärung
- 258 Seiten
- German
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Theodor Fontane und das Erbe der Aufklärung
Über dieses Buch
In seinen Romanen beschreibt Theodor Fontane eine Gesellschaft, die durchdrungen ist von einem Gefühl der Unsicherheit angesichts der wechselseitigen Relativierung konkurrierender ethischer und religiöser Orientierungsangebote. Viele seiner Figuren, und nicht nur der alte Stechlin, sind dazu übergegangen, hinter alles ein Fragezeichen zu setzen, denn unanfechtbare Wahrheiten scheint es nicht mehr zu geben. In dieser Krisensituation scheint das große Projekt der europäischen Aufklärung, das Streben nach einer vernunftgeleiteten Einrichtung der menschlichen Verhältnisse, zum Erliegen gekommen zu sein. Die Anerkennung der zeitlichen und sozialen Bedingtheit aller Wahrheiten entzieht der Vorstellung einer durch Kritik, Dialog und Erziehung schrittweise sich entfaltenden Vernunftordnung den Boden. Das Vertrauen in die Tragfähigkeit und relative Berechtigung bestehender Normsysteme lässt alle Versuche überflüssig erscheinen, die jeweiligen Geltungsansprüche kritisch zu hinterfragen. Aber ist diese fundamentale Aufklärungsskepsis tatsächlich in Fontanes Texten zu spüren? Oder weiß er im Gegenteil das Erbe der Aufklärung produktiv zu nutzen, etwa in der Kritik an dogmatischer Versteifung, in der Ablehnung von Absolutheitsansprüchen und in der Kultivierung der dialogischen Praxis? Der Band widmet sich den komplexen und mitunter verschlungenen Bezügen zwischen Fontanes Werk und dem Zeitalter der europäischen Aufklärung. Dieses bisher nur unzureichend aufgearbeitete Beziehungsgeflecht wird vor einem breiten Hintergrund und unter Berücksichtigung inner- wie außerliterarischer Faktoren durchleuchtet.
Häufig gestellte Fragen
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Information
Inhaltsverzeichnis
- Inhalt
- Vorwort
- Zur Einführung
- »Was kann preußischer sein als Nathan« Dimensionen der Aufklärungsrezeption bei Theodor Fontane
- Hinter alles ein Fragezeichen Theodor Fontane ‒ Aufklärer, Verklärer, Erklärer
- »... und spielt sich trotzdem auf Aufklärung und Liberalismus aus« Politisches und Polemisches bei Theodor Fontane
- Freiheit bei Fontane
- Naturen und Normen Fontanes Wahrheitsdiskurs im Kontext des Spätrealismus
- »› … und sie wird die letzte nicht sein‹« Fontanes realistisches Erzählen und Lessings bürgerliches Trauerspiel
- »Ich will ein Lied Euch singen« Fontane und die patriotische Liedkultur der Aufklärung
- Aufklärerisch-empfindsame Geselligkeit bei Theodor Fontane? Eine Spurensuche
- Das Maß der Dinge Zur Funktion der Homöopathie in »Unwiederbringlich«
- »Und möchten wir von der entkirchlichten Zeit / Auch nicht das Gute missen…« Glaubensdinge des 18. und 19. Jahrhunderts im Werk Theodor Fontanes
- Doppeltes Erbe Erzählte Aufklärungsskepsis und ›erlebte Judenfrage‹ bei und nach Fontane
- Siglenverzeichnis
- Personenregister