Schloss Schadau, Thun
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Schloss Schadau, Thun

  1. 64 Seiten
  2. German
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Schloss Schadau, Thun

Über dieses Buch

Das im Stil der französischen Loire-Schlösser des 16. Jahrhunderts in Verbindung mit Elementen der englischen Tudorgotik gehaltene Schloss Schadau wurde 1847–1852 für ein Mitglied der neuenburgischen Adels- und Bankiersfamilie de Rougemont erbaut. An leicht erhöhter Lage in einem weitläufigen englischen Landschaftspark inszeniert, dominiert der Solitärbau den Uferbereich am Ausfluss der Aare aus dem Thunersee. Sowohl das von Türmen und Kaminen beherrschte und mit reichem Sandstein-Schmuckwerk überzogene Äussere als auch die exquisite Innenausstattung zeugen von höchster Handwerkskunst. Als eines der bedeutendsten Werke des romantischen Historismus in der Schweiz stellt das Schloss ein Kulturgut von nationalem Rang dar.

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Information

Jahr
2020
ISBN drucken
9783037976227
eBook-ISBN:
9783037976234
Auch die belebte Dachlandschaft weist vielfältige Material- und Farbkontraste auf. Der Inschrift auf dem Kamin nach zu urteilen dürfte das Schloss 1848 im Rohbau fertiggestellt worden sein.

Rundgang

Das Äussere

Die vielleicht spektakulärste Ansicht des Schosses bietet sich den Besuchenden bei einer Anfahrt mit dem Schiff vom See aus. Auf einer sanft ansteigenden, bereits für die alte Schadau künstlich aufgeschütteten Erhebung präsentiert sich hier die Schauseite des als mächtiger Solitär in der Parklandschaft inszenierten Gebäudes. Gleichzeitig lässt sich aus dieser Perspektive der additiv komponierte Baukörper gut erfassen. Dem dreigeschossigen, symmetrischen Kubus des zentralen Corps de logis unter dem steilen Walmdach sind auf der einen Schmalseite ein schlanker Rundturm mit Kegeldach sowie ein rechteckiger, gedrungener Turm mit abgeflachtem Walmdach angefügt, während auf der anderen Schmalseite rechtwinklig ein zweiter Palas-ähnlicher Kubus mit steilem Walm und beigestelltem Turm über quadratischem Grundriss liegt. Die gesamte Volumetrie des Baus, seine giebelbekrönte Seefassade mit portikusartiger Veranda und die klassische Lisenengliederung des Rundturmes gemahnen unmittelbar an die während der Regentschaft von König François I. (1515–1547) erbauten Loire-Schlösser der frühen französischen Renaissance. Neben Blois und Chenonceaux ist dabei Azay-le-Rideau zu nennen, wo Pierre-Charles Dusillion – möglichweise auch James Victor Colin – 1845/46 bei der Restaurierung mitgewirkt hatte. Die zahlreichen Vor- und Rücksprünge des Gebäudekomplexes tragen im Zusammenspiel mit der aufgelösten Dachlandschaft zum romantisch-malerischen Gesamteindruck des Schlosses bei.
Lieferschein vom 18. September 1847 für eine Sendung von je 300 Mauer- und Kamin(back)steinen durch die Ziegelei der Gebrüder Schrämli in Hofstetten.
Dieser Eindruck wird durch das dem Bau von Dusillion mit enormem Material-, Formen- und Farbreichtum applizierte festliche Gewand zusätzlich ins beinahe Märchenhafte gesteigert. Über dem durch seine leichte Schrägstellung betonten Gebäudesockel aus gräulichem Alpenkalkstein wurden gelblich-weisser Tuff, graugrüner Berner Sandstein und rötliche Backsteine zu einem komplexen Farbmuster zusammengefügt. Den Abschluss bilden die silbern schimmernden Dachflächen aus Zinkblechziegeln mit Aufsätzen in Form von Gittern, Knäufen, Blumen und Windfahnen auf den Firstlinien. Die verwendeten Materialien stammen mehrheitlich aus der näheren Umgebung und wurden vornehmlich auf dem Wasserweg zur Baustelle transportiert. Die Backsteine etwa wurden in der zu diesem Zeitpunkt nur wenige Hundert Meter aareabwärts in Hofstetten gelegenen Ziegelei der Gebrüder Schrämli gefertigt und in zahlreichen Schiffsladungen angeliefert. Die unverputzte Verwendung verschiedenartiger und -farbiger Steinsorten an den Aussenflächen und deren Gliederung durch unterschiedlichste Reliefelemente – Gesimse, Lisenen, Blendbogen und Fensterrahmungen – ist typisch für die europäische Strukturpolychromie der 1840er Jahre. Die einzelnen Farbflächen stehen dabei in wirkungsvollen Kontrasten zueinander, besonders augenfällig im Bereich der vom Sandstein-Schmuckwerk umfassten Backsteinflächen. Die durch die Versetzung der roten Steine und die akzentuierenden weissen Fugenstriche gebildeten Treppen-, Kreuz-, Fischgrat- und Übereckmuster wirken in den von Flamboyant-Masswerk überzogenen Sandsteinrahmungen wie kostbare Intarsien. Die der englischen Tudorgotik verwandte Sandstein-Ornamentik selber zeugt von höchster Handwerkskunst der beteiligten Arbeiter, unter denen Joseph Hubert Verbunt nur der Primus war. Gespinstartig überziehen die äusserst reichen Steinmetzarbeiten das ganze Gebäude. Neben Blendbogen und -masswerk in allen Variationen finden sich Blüten und Blattwerke sowie allerorten kleinere und grössere Fabelwesen, namentlich als Konsolenträger der Balkone. An der seeseitigen Schaufassade wird das Schloss zudem in persönlicher Hinsicht verortet. Am grossen Wimperg über den zentralen Fensterachsen des Corps de logis prangt das Allianzwappen der Bauherrschaft de Rougemont-de Pourtalès mit den Baudaten 1847–1852. Es wird flankiert vom Wappen des Schultheissen Franz Ludwig von Erlach am Giebelchen der westlichen und dem Berner Kantonswappen an demjenigen der östlichen Lukarne. Mit der Reminiszenz an den Erbauer der alten Schadau wird die geschichtliche Kontinuität des Schlosses, mit dem Berner Bär das Bekenntnis zur neuen Heimat betont.
Schloss Azay-le-Rideau im Departement Indreet-Loire (F), erbaut 1518–1527.
Zentraler Wimperg an der Südfassade mit dem Allianzwappen de Rougemont-de Pourtalès über dem Balkon des 1887 neu eingerichteten Rauchzimmers.
Aufwendiges Backsteinmuster am «Palas» in einer von Flamboyant-Masswerk überzogenen Sandsteinumfassung.
Blick in den grossen Salon mit der aufwendig gestalteten Stuckdecke und dem Eichentäfer mit eingelegter Ledertapete.

Das Innere

Der Haupteingang des Schlosses befindet sich auf der Stadtseite. Vom gekiesten Vorplatz wird das Gebäude über eine ausladende Treppe und einen vorspringenden Portalrisaliten betreten.

Historistischer Überschwang

So erlesen wie die Gebäudehülle präsentiert sich auch das Innere, das gleichermassen von einem bis ins letzte Detail gehenden, vom Gedankengut des Historismus durchdrungenen Gestaltungswillen geprägt ist. Das Raumkonzept umfasst insgesamt 78 Räume, vornehmlich verteilt auf die zwei rechtwinklig zueinanderstehenden, aussen klar ablesbaren Hauptvolumen, die im Inneren zu einer Einheit verschmelzen. Bei genauerem Hinsehen zieht sich indessen eine zweifache Hierarchisierung durch das gesamte Gebäude. Sie zeigt sich zum einen in der Vertikalen mit einem nach oben von Stockwerk zu Stockwerk abnehmenden – aber stets ausserordentlichen – Ausstattungsreichtum. Eine entsprechende Abstufung ist zum anderen auch in der Horizontalen zwischen der zum See hin gerichteten Süd- und der zur Stadt hin orientierten Nordseite spürbar; die südseitigen Räume sind nicht nur kostbarer ausgestaltet, sondern verfügen auch auf allen Wohngeschossen über besonnte Aussenräume und eine unbeeinträchtigte Aussicht auf Wasser und Gebirge.
Cremonen-Verschlüsse im grossen Salon (li) und im ersten Obergeschoss (m); im Billardzimmer wurde ein vollständig in der Schlagleiste eingebauter Verschluss verwendet, um die inneren Klappläden bündig verriegeln zu können (re).
Die Innenausstattung der Schadau spiegelt den höchsten Stand der Wohnkultur um die Mitte des 19. Jahrhunderts, wie er etwa an den französischen Industrieausstellungen in Paris von 1844 bis 1849 und den danach aufkommenden Weltausstellungen präsentiert wurde. Es ist davon auszugehen, dass gewisse Gegenstände und Halbfabrikate direkt aus Frankreich importiert wurden. ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. «Architektonisches Monstrum» oder «Perle am Thunersee»?
  4. Scherzligen und die Schadau
  5. Bau- und Besitzergeschichte
  6. Denkmalgerechte Restaurierungen
  7. Rundgang
  8. Park und Umgebung
  9. Würdigung
  10. Anhang
  11. Pläne
  12. Über das Buch
  13. Impressum

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