
- 160 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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eBook - ePub
Hoffnung auf ein Morgen
Über dieses Buch
Albine, geboren 1913, ist das fünfte Kind einer Bauernfamilie, die im Sudetenland lebt. Ihr Leben ist geprägt von Arbeit und ihrer Rolle in der Großfamilie. Einer ihrer Brüder stirbt jung, ein anderer fällt im Zweiten Weltkrieg. Die beiden Weltkriege beeinflussen nicht nur die Politik des Landes, sondern auch die persönlichen Einzelschicksale der Familie. Jedes der Familienmitglieder wird mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Neben den Schicksalsschlägen gibt es aber auch immer wieder Momente des Glücks und das Wissen, dass niemand den Familienzusammenhalt zerstören kann.
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Information
Thema
HistoryThema
European HistoryNachkriegszeit
Zwei tote Amerikaner
»Da haben sie gelegen, einer auf dem Gesicht und einer auf der Seite! Die Augen waren noch offen von dem.«
»Franz, langsam! Haben sie noch eine Uniform angehabt?«
»Na freilich, Amerikaner waren es!«
Das Grauen, das der schreckliche Fund bei Franz ausgelöst hatte, ließ den einfachen Mann noch immer am ganzen Körper zittern. Noch nie in seinem ganzen Leben hatte er dem Tod so unmittelbar gegenübergestanden wie hier auf der Galitzwiese, wo er die getöteten Soldaten gefunden hatte. Mehr stolpernd als gehend war er nach Hause geeilt, ohne dabei an die Kühe zu denken, die grasend allein zurückblieben.
Ja, was war zu tun?
Hans schickte Lene zum Bürgermeister, damit dieser weitere Schritte veranlassen konnte, er selbst wollte sich sofort überzeugen, inwieweit der Bericht von Franz mit den Tatsachen übereinstimmte. Außerdem konnte er das Kühehüten unter diesen Umständen nicht weiter dem Knecht oder jemand anderem zumuten.
Noch hatten die Tiere bei seiner Ankunft die Leichen nicht entdeckt, und die Sorge darum erwies sich als unbegründet, dennoch entschied er, den Weideplatz zu wechseln.
Franz hatte die Uniformen richtig zugeordnet. Hans war froh darüber, dass sich Albine sofort des verstörten Knechtes angenommen hatte und ihm half, bei heißem Malzkaffee die Dinge erzählend oder schweigend zu verarbeiten.
Noch am gleichen Abend wurden die vier größten Bauern als Geiseln von der amerikanischen Militärpolizei abgeholt. Es hieß, sie würden in Haft bleiben, bis man die Schuldigen gefunden hätte.
Hans und seine amerikanische Eskorte hatten kaum den Hof verlassen, als Jetta laut schreiend zur Küchentür hereinstürzte und auf eine große Spinne zeigte, die hinter ihr im Hausflur auf den Dielen saß. Fast wäre sie mit den nackten Füßen draufgetreten!
»A Spinn«, stellte die Großmutter mit einem Seufzer der Erleichterung fest. Sorgfältig trug sie das Tier auf einer Kehrrichtschaufel in die Freiheit.
»Da kommt der Vater schon wieder«, beruhigte sie die wegen der Inhaftierung aufgeregte Familie – eine Logik, die die hinzugeeilte Frau Slapnik nicht verstand.
»Na, wir hatten doch eine Spinne im Haus, und das am Abend, das bringt Glück!«, klärte Lene auf. »Spinnen sind hier selten. Am Morgen wäre das weniger gut, also hat sie Mutter hinausgetragen, damit sie nicht morgen früh noch mal erscheint. Nun ja …«, erklärt sie auf Frau Slapniks verständnislosen Blick hin, »einen rechten Sinn hat’s nicht, und eigentlich heißt es auch ›Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen‹, womit aber die Tätigkeit gemeint ist: Wer sein Brot damit verdienen muss, leidet Not.«
Tatsächlich kam Hans am nächsten Morgen wieder nach Hause: Da er weder der NSDAP noch einer ihrer Organisationen angehört hatte, wie zum Beispiel der Reichsbauernschaft, hielt man ihn für unverdächtig und entließ ihn sofort, während die drei anderen eine Woche länger inhaftiert blieben, bis die Sache aufgeklärt werden konnte.
Brief nach Flossenbürg
7. 8. 1945
Lieber Franz-Josef!
Hab Dank für Deinen Brief aus dem Gefangenenlager! Es hat uns doch sehr beruhigt, dass Ihr wenigstens noch lebt. Hoffentlich übersteht Ihr die Hungerkur und fallt nicht der Schießwut Eurer Wachen zum Opfer.
Lucien ist in seine Heimat zurückgekehrt; er fehlt uns an allen Ecken und Enden.
Ich weiß nicht, ob die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz zu Euch durchgedrungen sind. Was uns betrifft, so dürfen wieder einmal wir – wie schon 1919 – die Suppe auslöffeln, die uns die Berliner Politiker eingebrockt haben. Wir werden ›geregelt ausgesiedelt‹ ins Reich, was für uns Bauern heißt, dass wir nicht nur der Heimat, sondern auch unserer Existenz beraubt werden – schließlich können wir unsere Felder nicht mitnehmen. Na ja, sie gehören uns ja eh nicht mehr, schon Mitte Juni hat man uns enteignet, und tschechische Siedler sollen sie bekommen, aber noch ist kein Arbeitswilliger da – nur Plünderer! Jeder Tscheche darf jetzt seine brutalsten Triebe ausleben. Beim Feistl, droben im Kaiserwald, stand letzte Woche ein Sechzehnjähriger mit Pistole im Anschlag in der Haustür und forderte: »In zehn Minuten haben alle das Haus verlassen!«
Was blieb ihnen übrig, als zu gehen? Die kranke alte Mutter hat der Fritz auf dem Rücken mitgenommen. Hoffentlich konnten sie die deutsche Grenze erreichen. Da haben es Leute wie Du, die ihr Kapital im Kopf tragen, besser!
Ein Dekret von Benesch besagt auch, dass aller bewegliche und unbewegliche Besitz der Sudetendeutschen entschädigungslos beschlagnahmt wird. Rache, Vergeltung an Unbeteiligten wegen der Taten eines verrückten Österreichers – das kann doch keine Grundlage für einen gerechten Frieden sein!
Solange die Amerikaner hier waren, bis Anfang Juli, fühlten wir uns noch etwas sicherer vor den Tschechen. Sie hatten ihre Zelte auf dem Volterbühl aufgeschlagen, mitten in deren Gerstenfeld, und Baumgartels Waschküche haben sie zu einer Feldküche umfunktioniert. Bis Karlsbad hatten sie das Land besetzt. Jetzt, seit sie weg sind, fürchtet man jeden neuen Tag, und was er Übles bringt.
Bei der Ernte müssen Lene und ich auch mitarbeiten, die beiden Alten schaffen es nicht allein, und Franz ist auch nur noch eine halbe Kraft. Dass wir das »Staatseigentum« auch richtig abführen, darüber wacht ein »Erntekommissar« namens Vaclav Novak, ein Prager Kellner ohne jede Ahnung von der Landwirtschaft.
Im Juni haben wir neue Lebensmittelkarten bekommen. Die für uns Deutsche orientieren sich an den ehemaligen KZ-Rationen. Das spüren natürlich die Städter ganz besonders. Die Tante Therese und unsere anderen früheren Milchkunden versuchen wir, auf Schleichwegen mit Kartoffeln, Milch und Getreide zu unterstützen, so gut es halt geht. Am Hau muss man den Kontrollen ausweichen. Glücklicherweise nehmen es die Tschechen mit ihren Vorschriften nicht so preußisch genau. Auch Herr Novak selbst schleppt am Wochenende nach Prag ab, was in seine Taschen passt (die von Mal zu Mal größer werden).
Die Tante Therese leidet besonders darunter, dass sie nicht weiß, wo Mimi ist. Sie war doch in Prag in einer Apotheke beschäftigt, und dort sollen ja an den Deutschen furchtbare Massaker verübt worden sein. Hoffentlich konnte sie sich retten!
Onkel Adolf, der Mann von Tante Albine in Wudingrün, ist gestorben. Es ist schlimm, denn nun ist sie ganz allein. Die Vicki Mitlöhner besucht sie öfter; von Elbogen aus ist es näher als von uns. Wenn wir wirklich nach Deutschland ausgesiedelt werden – wir hoffen natürlich, dass das noch revidiert wird –, wäre es gut, wenn die beiden zusammenbleiben könnten. Sie sind doch beide allein. Wir kommen nicht mehr so oft zusammen, weil wir ja keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen dürfen, und die Fahrräder hätten eigentlich abgegeben werden müssen. Meines habe ich im Stroh versteckt, falls Kontrolleure oder Plünderer kommen. Dieses Gesindel strömt Sonntag für Sonntag in unsere Dörfer und durchsucht die Häuser. Anständige Tschechen beteiligen sich natürlich daran nicht, aber sie sind leider in der Minderzahl und trauen sich auch nicht, etwas gegen den Pöbel zu sagen. Diejenigen, die einen ordentlichen Beruf und eine Wohnung besitzen, fallen in der Regel nicht wild über fremdes Eigentum her. Auch unsere Musikinstrumente und das Radio sind beim Fahrrad. Den Schmuck haben ja schon die Amerikaner gestohlen.
Seit dem ersten Juni haben wir wieder die tschechische Währung, die Krone, mit der wir aber auch nicht alles kaufen können. Sogar Salz ist Mangelware!
Nun müssen wir halt warten, was die Zukunft bringt. Niemand glaubt hier, dass die Potsdamer Beschlüsse wirklich durchgeführt werden. Es wäre zu ungeheuerlich. Erst 1941 haben Churchill und Roosevelt selbst die Atlantik-Charta unterschrieben – sie würden ...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titelseite
- Impressum
- Worum geht es im Buch?
- Inhalt
- Kindheit
- Jugend
- Im »Reichsgau Sudetenland«
- Der Zweite Weltkrieg
- Kriegsende im Egerland
- Nachkriegszeit
- Epilog
- Weitere E-Books im Rosenheimer Verlagshaus
- www.rosenheimer.com