Der Boxer
eBook - ePub

Der Boxer

Theaterstück

  1. 104 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Der Boxer

Theaterstück

Über dieses Buch

DAS NEUE THEATERSTÜCK VON FELIX MITTERER ÜBER DAS SCHICKSAL DES DEUTSCHEN SINTO-BOXERS "RUKELI" TROLLMANN IN DER NS-ZEIT.JOHANN "RUKELI" TROLLMANN - DER WERDEGANG EINES AUSSERGEWÖHNLICHEN SPORTLERSIm Juni 1933 kommt es beim BOXKAMPF um den DEUTSCHEN MEISTERTITEL im Halbschwergewicht zum Eklat. JOHANN "RUKELI" TROLLMANN, der einer SINTI-FAMILIE entstammt, punktet mit seinem schnellen, für damalige Zeiten ungewöhnlichen Boxstil in jeder Runde. Doch die Jury betrachtet die Leistungen des Kämpfers als ungenügend und weigert sich den Kampf zu werten: Der Boxstil des "Zigeuners" entspreche nicht dem deutschen Faustkampf. Nur aufgrund massiver Proteste der Zuschauer wird Rukeli Trollmann schließlich doch zum DEUTSCHEN MEISTER ernannt, kurz darauf wird ihm der Titel "wegen schlechten Boxens" wieder aberkannt. Rukelis vielversprechende Boxkarriere ist unter dem nationalsozialistischen Regime jäh zu Ende, mit blankem Zynismus erinnert man sich ihrer. Im KZ wird Rukeli gezwungen, für die SS gegen andere Häftlinge zu boxen. Wer verliert, stirbt. Rukeli stirbt im Jahr 1944.ZUR ERINNERUNG AN DIE ROMA UND SINTI IN DER NS-ZEITUngefähr eine halbe Million Roma und Sinti aus dem Deutschen Reich und den besetzten Ländern wurden ermordet. Nach dem Krieg wurden sie sehr schnell zu den "vergessenen Opfern". In Deutschland und Österreich lehnte man eine Wiedergutmachung jahrzehntelang mit der Begründung ab, man habe die "Zigeuner" nicht aus "rassischen" Gründen umgebracht, sondern, weil sie als "Asoziale" galten. Felix Mitterer hat Rukelis - fast vergessenes - Schicksal zum Inhalt seines neuen Stückes gewählt. Rukelis Leidensweg steht dabei stellvertretend für den so vieler Roma und Sinti, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Dazu Felix Mitterer: "'Der Boxer' erinnert an die ermordeten Sinti und Roma und gibt ihnen und uns einen Helden, der sich von den Nazis niemals unterkriegen ließ, auch wenn sie ihn am Ende töteten. Rukeli lebt."

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu Der Boxer von Felix Mitterer im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Literatur & Europäisches Drama. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.

Information

Felix Mitterer
Vorwort

2003 erfuhr ich über das deutsche Fernsehen von der Existenz des Sinto-Boxers Johann »Rukeli« Trollmann. Der »Bund deutscher Berufsboxer« hatte ihm endlich – posthum – den Meisterschaftstitel, der ihm 1933 von den Nazis wegen »undeutschen Boxens« aberkannt worden war, wieder zuerkannt und übergab den Meisterschaftsgürtel symbolisch an seine noch lebenden Verwandten Louis und Manuel Trollmann.
Vor allem eine von den Medien überlieferte Szene ließ mich nicht mehr los: Nachdem die Nazis Rukeli mit Konsequenzen drohten, wenn er beim nächsten Kampf sein »zigeunerisches Herumgeflitze« nicht bleiben lasse, betrat er den Ring mit blond gefärbten Haaren und mehlbestäubtem Körper, stellte sich flachfüßig in den Ring und gab die Parodie eines »aufrechten deutschen Faustkämpfers«. Was folgte, war das Grauen, war der Tod, aber ich war wieder auf einen Unbeugsamen gestoßen, auf einen, den die Verbrecher, die Massenmörder nicht besiegen konnten. So wie Leo Reuss, den Schauspieler, der als Jude das Theater verlassen musste und als arisches Naturtalent Kaspar Brandhofer wiederkehrte, gefeiert von den Nazis, bis sie merkten, dass sie da einer grandios an der Nase herumgeführt hatte (»In der Löwengrube«, Uraufführung 1998 Volkstheater Wien).
Ich musste unbedingt über Rukeli schreiben. Und begann nachzuforschen. Der Maler, Satiriker und aufrechte Antifaschist Hans Firzlaff aus Hannover, der Heimatstadt von Rukeli, selbst Boxer in seiner Jugend und großer Verehrer von Rukeli, begann schon in den 1960er-Jahren zu recherchieren. Niemand interessierte sich, und so gab er schließlich sein Buch 1997 im Eigenverlag heraus. 2012 verstarb er. Danke, Hans Firzlaff!
Es folgte im Jahre 2000 das Buch »Kampftage – die Geschichte des deutschen Berufsboxens« von Knud Kohr und Martin Krauß, in dem Rukeli ausführlich vorkommt. Und dann der Durchbruch, der Rukeli endgültig einem größeren Publikum bekannt machte: »Leg dich, Zigeuner – die Geschichte von Johann Trollmann und Tull Harder« von Roger Repplinger (Piper 2008), wo wir nicht nur wichtige, neue Erkenntnisse über Rukeli erfahren, sondern wo der Autor dem Sportler und KZ-Häftling Johann »Rukeli« Trollmann einen anderen Sportler gegenüberstellt, nämlich den berühmten Fußballer Tull Harder, der Wächter im KZ Neuengamme bei Hamburg wurde, im selben KZ, in dem auch Rukeli inhaftiert war, zum Boxen gezwungen wurde und letztlich starb. Dank an Roger Repplinger!
Ich hatte schon 2005 zu schreiben begonnen, ein Drehbuch, denn Boxen am Theater schien mir ein Ding der Unmöglichkeit. Mein Vorfühlen beim Fernsehen, bei Filmproduzenten war nicht erfolgreich. Ich ließ es wieder bleiben.
2013 dann der Erfolg mit »Jägerstätter« (dem Bauern, der sich lieber enthaupten ließ, als für die Nazi-Verbrecher in den Krieg zu ziehen) im Wiener Theater an der Josefstadt. Hauptdarsteller Gregor Bloéb. Der Mann, der mit dem Motorrad Paris-Dakar fährt, der auch am Theater seinen Körper so einsetzt wie Robert de Niro den seinen im Film. Stephanie Mohr, die Regisseurin, Gregor, der Theaterdirektor Herbert Föttinger und ich setzten uns zusammen. Wie soll es mit uns weitergehen? Was machen wir als Nächstes? Never change a winning team! Ich schaute Gregor an, der mir immer (mitsamt seinen Brüdern) wie ein »Karrner« vorgekommen war, so nennt man bei uns in Tirol die »Jenischen«, die Fahrenden. Menschen, die – wie die Sinti und Roma – gesegnet sind mit großer Lebensfreude, mit großem Lebensmut, Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen, so widrig auch die Umstände sein mögen. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Gregor muss Rukeli spielen!
Allgemeine Zustimmung: Schreib das. – Boxen am Theater? Wie soll das gehen? Das schob ich beiseite. Steffi Mohr wird einen Weg finden. Tat sie auch schon beim »Jägerstätter«. Da gab es auch Regieanweisungen, Szenen von mir, die unmöglich 1 zu 1 umsetzbar waren. Steffi fand eine Umsetzung.
Und so schrieb ich das Stück. Wichtig war mir: über Rukeli erzählen heißt auch, dem Publikum Genaueres über die Verfolgung der Sinti und Roma zu erzählen. Aus diesem Grund habe ich einen Teufel in Menschengestalt zu einer der Hauptfiguren erwählt: Dr. Robert Ritter, Leiter der »rassenhygienischen Forschungsstelle« im Reichsgesundheitsamt in Berlin. Ritter beschäftigte sich geradezu obsessiv mit den Sinti und Roma in Deutschland, und nach dem Anschluss auch in Österreich. Das sogenannte »Zigeunerbuch« der Münchner Polizei vom Jahre 1905 als Vorbild und Grundlage nehmend, das bereits über 3000 Personenbeschreibungen enthielt, begutachtete Ritter mit seinem »fliegenden« Team 24.000 Sinti und Roma, indem er sie vermaß, ihnen Blut und Finger...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Felix Mitterer Vorwort
  4. Felix Mitterer
  5. Zum Autor
  6. Impressum
  7. Weitere E-Books aus dem Haymon Verlag