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Das Alte Spital und die Spitalapotheke in Solothurn
- 64 Seiten
- German
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Das Alte Spital und die Spitalapotheke in Solothurn
Über dieses Buch
Das Alte Spital mit der Kirche zum Heiligen Geist in Solothurn ist ein eindrückliches Beispiel eines Spitalbaus aus dem 18. Jahrhundert. 1788 kamen die in Frankreich und im Jura ausgebildeten Sœurs grises nach Solothurn. Dank dem Engagement der Schwestern ist die einzigartige Spitalapotheke von 1789 aussergewöhnlich gut erhalten und zeugt vom einstigen Spitalbetrieb. Nach drei Standortwechseln ist sie nun im heutigen Kultur- und Kongresszentrum, wieder im ehemaligen Spitalbau am Oberen Winkel, öffentlich zugänglich.
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Information

Blick über die Aare auf die Nordfassaden der Spitalbauten in Solothurn. Von links: Arbeitshaus, Bürgergemeindehaus (Wengi-Spital, Waisenhaus), Wengibrücke, Hotel an der Aare (Bettelstube, Schwesternhaus) und das Alte Spital neben der Eisenbahnbrücke.
Das Spital
Vom Armenspital zum Krankenhaus
In seiner architektonischen Gestalt zeigt sich das Alte Spital mit dem Hotel an der Aare in Solothurn heute als Spitalgebäude des 18. Jahrhunderts. Darin wurden folgende für Christen wichtige «Werke der Barmherzigkeit» ausgeübt: den Armen Speis und Trank sowie Kleider zu geben, die Fremden zu beherbergen und die Kranken zu pflegen. Diese Leistungen erbrachten die städtischen Spitäler bis Ende des 18. Jahrhunderts an Arme, die unfähig zum Selbsterwerb ihres Unterhalts waren. Es fehlte ihnen nicht nur an familiärer Unterstützung, sondern ihnen war selbst das Betteln verwehrt. Die wissenschaftliche Medizin hatte in der Eidgenossenschaft erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts einen Einfluss auf den Spitalbau.
Die Spitalbewohner wurden vor 1788 von Mägden, dem Brudermeister und seiner Frau betreut. Diese waren den Spitaldirektoren unterstellt, die durch den städtischen Rat beaufsichtigt wurden. Das Spital finanzierte sich selbständig über diversen Grundbesitz, Spenden, Stiftungen und Hinterlassenschaften. Nur in Ausnahmefällen steuerte der Stadtsäckel etwas bei.
Mit dem Einzug der religiösen Spitalschwestern, Soeurs grises, die ab 1788 im Solothurner Spital die Krankenpflege ausübten, wandelte sich das Spital für Bedürftige zu einem Krankenhaus, spezialisiert auf die Heilung und Pflege aller – nicht nur armer – Kranken, Verunfallten und Wöchnerinnen.
Die Spitalbedürftigen vor 1788
Zu den Spitalbedürftigen gehörten einerseits die Einheimischen als dauernde Bewohner, andererseits die Auswärtigen und Verunfallten als «Kurzaufenthalter». Die einheimischen Betagten, Waisen, Geisteskranken und Schwerbehinderten wurden gegen eine vertraglich festgelegte Summe – Mittel- oder Herrenpfrund – vom Spital unterhalten und überdies bei Krankheit gepflegt. Als Akt der Nächstenliebe war die unentgeltliche Aufnahme – die Armenpfrund – ebenfalls üblich.
Am zahlreichsten waren in den Spitälern bis Ende des 18. Jahrhunderts die Durchreisenden: wandernde Handwerker, Wöchnerinnen, Dienstboten, Pilgersleute und vor allem Bettler sowie Kleindelinquenten. Im Spital empfingen sie ihr Mus, Brot oder einen Zehrpfennig. Zuweilen fanden sie auch Unterkunft für eine Nacht. Die meisten Durchreisenden waren arm und wurden deswegen unentgeltlich, aber nur befristet einige Tage aufgenommen.

Reich ausgestattetes Krankenzimmer mit Einzelbetten und Kachelofen. Vorne ein Arzt bei der Harnschau und zwei Chirurgen beim Operieren. Hinten Magd und Christus bei der Krankenbetreuung. Holzschnitt von Jost Ammann, aus dem Opus Chirurgicum von Paracelsus, 1566.

Ehemalige Fürsorgebauten in der Vorstadt, 1546

Ehemalige Fürsorgebauten in der Vorstadt, 2005


Arbeitshaus (Unterer Winkel 7), Prison (Prisongasse 1),

Das Spital in der Vorstadt
Das Alte Spital steht in der Solothurner Vorstadt, dem kleineren Altstadt-Bereich auf der Südseite der Aare. Es lag bereits im Mittelalter verkehrstechnisch ideal an einer Hauptverkehrsachse und an einem Fluss, direkt bei der Aarebrücke (Vorgängerin der heutigen Wengibrücke), die hier spätestens ab 1252 die wichtige Verbindung mit der «meron stat» (grösserer Stadtteil, heute linksufrige Altstadt) und der Stiftskirche St. Ursen bildete.
Die Solothurner Vorstadt wurde von diversen sozialen Institutionen geprägt, wobei das Alte Spital den Kern einer eigentlichen Spitalvorstadt bildete. Schon 1350 befand sich das städtische Spital in der Vorstadt oberhalb der «Wasserbrugga» (Aarebrücke), wie heute am Oberen Winkel. Südlich der Gasse befanden sich dessen Wirtschaftsbauten, wie die Spitalscheune oder ein Stall. Langsam entwickelte sich östlich der dortigen Nord-Süd-Verkehrsachse zunächst mit dem Wengi-Spital und dann im 18. Jahrhundert eine Zeile mit Fürsorgehäusern, in die verschiedene Funktionen des Spitals ausgelagert wurden: 1467 Wengi-Spital, 1733 Waisenhaus, 1756 Prison und 1757 Arbeitshaus.
Die gute Verkehrslage des Spitals war wichtig, weil an einer stark frequentierten Ausfallstrasse umso mehr Passanten daran erinnert wurden, Armen Gutes zu tun und damit das Spital finanziell zu unterstützen. Zudem waren die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wichtig. Östlich des Spitals – vor dem Wengi- Spital – stand der Spitalbrunnen. Von dort her wurde das Wasser wohl bereits Ende des 18. Jahrhunderts ins Spital geführt. Im Waschhaus sowie auch in den Küchen waren Brunnen, d. h. fliessendes Wasser, vorhanden. 1794 wurde der Figurenbrunnen vom Waisenhaus an die Südseite des Spitals verlegt und schliesslich 1888 – vermutlich zusammen mit der neuen Wasserversorgung des Spitals – durch den einfachen Wandbrunnen an der Spitalkirche ersetzt. Die nahe Aare diente bis ins 20. Jahrhundert der schnellen Fäkalienwegleitung.

Das Alte Spital in der Vorstadt von Südwesten.
Im 17. Jahrhundert entstanden zwar beidseits der Aare grosse Verteidigungswerke, doch dadurch wurde das Spitalareal städtebaulich kaum berührt; die Krummturmschanze wurde dann 1891/92 zum Erholungsraum für die Rekonvaleszenten umgestaltet. Hingegen beeinträchtigte die seit 1855/56 sehr nah am Spital vorbeiführende Eisenbahnlinie die Westseite des Spitals. Lag zur Zeit der Errichtung im 14. Jahrhundert bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Spitalkomplex noch an der sehr regen Nord-Süd-Hauptverkehrsachse, ist die Vorstadt heute ein verkehrsberuhigtes, eher beschauliches Quartier – interessanterweise aber nach wie vor Standort von Fürsorge-Institutionen.
Hospitalgeschichte der Stadt Solothurn
Waren die Spitäler bis im Hochmittelalter zumeist noch an die Nachbarschaft eines Klosters oder Stifts gebunden, so entwickelten sich in der Eidgenossenschaft mit dem Erstarken der Bürgerschaft zahlreiche unabhängige, städtische Spitalbauten. Im 14. Jahrhundert wurden in Solothurn zwei Spitäler urkundlich erstmals erwähnt: einerseits das geistlich geführte Stiftsspital auf der linken Aareseite in der Nähe der St.-Ursen-Kirche 1328, andererseits das Spital der Bürgerschaft in der Vorstadt südlich der Aare 1350. In diesem Jahr wurden die beiden Fürsorgehäuser zusammengelegt.
1375 beschädigten die Gugler – französisch-britische Söldnerscharen – das städtische Spital in der Vorstadt durch Brandschatzung schwer. Die nun verarmte Institution wurde in ein unbekanntes Provisorium auf die linke Aareseite verlegt. Über vierzig Jahre später baten die Stadträte Papst Martin V. um Erlaubnis, ein Spital mit zugehöriger Kapelle errichten zu dürfen. Der Papst kam diesem Anliegen entgegen, weil die recht grosse Stadt Solothurn an einer wichtigen Verkehrsachse liege und trotz zahlreichen armen, fremden Bedürftigen und Pilgern keine angemessene Unterkunft bestehe. Bei der Inkraftsetzung der päpstlichen Urkunde am 21. Juni 1420 wurde dem St.-Ursen-Stift eingeräumt, dass es in der ganzen Stadt die lukrativen Pfarreirechte ausüben konnte, nicht nur im Gebiet de...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Inhalt
- Vorwort
- Das Spital
- Die Spitalkirche zum Heiligen Geist
- Die Geschichte der Solothurner Spitalschwestern
- Der Spitalbetrieb 1788–1930
- Die Spitalapotheke
- Das Alte Spital im 20. Jahrhundert
- Anhang
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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