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Die Konstruktion von ,eigen’ und ,fremd’ in ausgewählten Texten in Realismus, Früher Moderne und ,völkischer’ Literatur
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Die Konstruktion von ,eigen’ und ,fremd’ in ausgewählten Texten in Realismus, Früher Moderne und ,völkischer’ Literatur
Über dieses Buch
Nicht nur an der aktuellen Diskussion um die Frage "wer oder was 'gehört' zu Deutschland?" lässt sich erkennen: Vorstellungen von der Identität einer Nation, einer Gesellschaft oder einer Person sind stets Gegenstand des öffentlichen und des literarischen Diskurses. Ihre Verhandlung wird vermeintlich umso dringlicher, je bedrohter die Grenzen eines 'Ego'-Systems erscheinen, je mehr sich die 'Eigenen' also vor einem 'Fremden' fürchten.
Gerade am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert lassen sich auffällige Transformationen derjenigen soziosemiotischen Prozesse beobachten, die bei der Konstruktion von Fremd- und Eigenbildern ablaufen. Um sie zu rekonstruieren, nimmt die vorliegende Monographie neben ausgewählten literarischen Texten auch außerliterarische Diskurse in den Blick und erörtert die Interkorrelationen von Konzepten wie 'Volk', 'Nation', 'Rasse' und 'Geschlecht', die auch für gegenwärtig praktizierte Fremdheitszuweisungen noch von Bedeutung sind.
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Information
1 Einleitung
Die Vorstellungen von der Identität einer Nation, einer Gesellschaft oder einer Person sind stets Gegenstand des öffentlichen und des literarischen Diskurses. Sie werden vermeintlich umso dringlicher problematisiert, je bedrohter die Grenzen des ›Ego‹-Systems erscheinen (vgl. Titzmann. 1999: 1071), je mehr sich die ›Eigenen‹ also vor einem ›Fremden‹ fürchten.
Titzmann verwendet die Bezeichnungen ›Ego‹ und ›Alter‹, um die beiden oppositionellen Systeme folgendermaßen voneinander abzugrenzen:2
Es gibt ein mehr oder minder vertrautes und als eigenes interpretiertes System, dem der Betrachter des ›Fremden‹, er sei ein Individuum oder ein Kollektiv, angehört, dessen Regeln er mehr oder weniger befolgt, in jedem Fall aber kennt, und aus dessen Perspektive er ein anderes System, sei es ein Individuum oder eine soziale Gruppe, als Fremdes identifiziert, klassifiziert, interpretiert. Diesen Bezugspunkt der Wahrnehmung, von dem her jemand/etwas als fremd erscheint, nenne ich im folgenden Ego, den oder das, was Ego wahrnimmt, Alter (Titzmann. 1999: 91).
Das Kommunizieren über die Konstruktionsprozesse von ›fremd‹ und ›eigen‹ findet über Texte im weitesten Sinne statt – deutsche Politiker verhandeln aktuell (2015) wieder über das ›richtige‹, deutsche ›Eigene‹ und stellen es einem ›undeutschen‹ ›Fremden‹ gegenüber.3
Die vorliegende Arbeit macht es sich zur Aufgabe, mithilfe von Textanalysen die »(Voraus)Setzungen und [die] diskursiven textuellen Strategien, die bei der Verhandlung von ›Eigenem‹ und ›Fremdem‹ Anwendung finden«, (Arbeitskreis Mediensemiotik:4 2) zu rekonstruieren.
1.1 Fragestellung, Methoden und Begriffe
1.1.1 ›Eigen‹ vs. ›fremd‹
Kulturelle Entitäten versehen sich mit ›imagologischen Bildern‹, konstruieren also Merkmalskorrelationen, die sie als konstitutiv für die ›eigene‹ Identität erachten.5 Von ihnen grenzen sie ein ›Fremdes‹ ab, das in Opposition zu quasi-obligatorischen Merkmalen6 des Selbstbildes steht, also zu denjenigen ideologischen Annahmen, Werten und Normen, die den »Kern der Vorstellung Egos von der eigenen Identität« (ebd.: 95) konstituieren. Das Selbstbild Egos setzt sich laut Titzmann zusammen aus
quasi-fakultativen Merkmalen (›so bin ich, aber ich könnte mir denken, anders zu sein‹) und quasi-obligatorischen Merkmalen (›so bin ich, und anders sein könnte/möchte/dürfte ich nicht‹). Quasi-fakultativ sind nun aber bloß die pseudodeskriptiven Elemente der Selbstbildes: Ego könnte unter Umständen eine andere Nase oder ein anderes Outfit haben. Quasi-obligatorisch sind hingegen die gewissermaßen normativen Elemente des Selbstbildes: Ego glaubt, so oder so sein zu wollen/zu müssen/zu sollen; für ihn sind also diese oder jene ideologischen Annahmen, Wertvorstellungen, Normen unverzichtbar« (Titzmann. 1999: 95/96; Herv. i. O.).
›Fremd‹ ist also alles, was von den als unverzichtbar angesehenen Identitätselementen Egos abweicht. Fremd- und Eigenbilder sind immer ideologisch motivierte Konstrukte (vgl. Titzmann. 1999: 103), insofern sie auf Propositionen beruhen, die der jeweilige Text beziehungsweise die Kultur nicht weiter hinterfragt (vgl. Arbeitskreis Mediensemiotik: 2).
Um die wissenschaftliche Rekonstruktion von Eigen- und Fremdbildern bemühen sich die unterschiedlichsten Forschungsfelder wie Ethnologie, Soziologie, Psychologie und Historiographie (vgl. Titzmann. 1999: 89). Ihnen geht es beispielsweise um eine Definition des Fremden (so etwa Waldenfels 19977), um die Abgrenzung des Fremden vom Anderen (so etwa Turk 19908) oder um den hermeneutischen Zugang zum Fremden (Mecklenburg 19909).
Einig sind sich alle darin, dass das Fremde immer nur relational zum Eigenen bestehen kann. Ein »radikal« (Waldenfels. 1997: 16) Fremdes ist laut Waldenfels nicht denkbar. Diese Einschätzung muss ich relativieren: ein radikal Fremdes lässt sich nur als mystische Kategorie denken, wie etwa die Analyse von Thomas Manns Tonio Kröger zeigen wird.
Es besteht außerdem ein Konsens über die Bedeutung der Abgrenzung eines irgendwie gearteten Eigenen zu einem von ihm unterschiedenen Fremden für die Konstruktion einer »Identität« (vgl. u. a. Nies. 2008: 1610). Fremdes, das dem Selbst beziehungsweise dem Eigenen entgegengesetzt wird, geht stets hervor aus einer gleichzeitigen Ein- und Ausgrenzung (Waldenfels. 1997: 21); erst durch diese Prozesse kann ›Identität‹ entstehen. Das Eigene grenzt sich ab von demjenigen, was es nicht sein möchte oder sein kann.
Anders als die genannten Spezialdiskurse widmet sich diese Arbeit jedoch nicht der wissenschaftlichen Rekonstruktion von ›eigen‹ und ›fremd‹, sondern der Rekonstruktion von sozialen Konstruktionen, die ausgewählte literarische Texte in Hinblick auf ›eigen‹ und ›fremd‹ vornehmen (vgl. Titzmann. 1999: 89). Dennoch müssen die verhandelten Konzepte natürlich soweit wie möglich definiert werden. Insbesondere das Prinzip des ›Fremden‹ stellt die Wissenschaft aber vor eine schwierige Aufgabe. »Die Rede vom Fremden verführt zur Hypokrisie«, postuliert Waldenfels (1997), »[m]an redet von ihm und tut gleichzeitig so, als wüßte man nicht, wovon man redet« (ebd.: 9). Der Begriff werde so lange problematisiert, bis am Ende jeder sich selbst fremd sei (vgl. Kristeva. 199011), um das ›Fremde‹ anschließend doch auf die Weise zu verwenden, wie es im alltäglichen Gebrauch üblich ist.
Waldenfels (1997) differenziert die Fremdheit nach den Aspekten ›Ort‹, ›Besitz‹ und ›Art‹ (vgl. ebd.: 20); eine Aufteilung, die ich für recht willkürlich halte, denn der strukturelle Unterschied zwischen einem ›Fremdling‹, der aufgrund des ihm zugeordneten ›Ortes‹ fremd sei, und jemandem, der wegen seiner ›fremden‹ Art ›fremdartig‹ sei, erschließt sich mir nicht (vgl. ebd.: 20). Auch Titzmann betont, dass seine Unterscheidung zwischen ›der‹ Fremde, der fremden Person, ›die‹ Fremde, die als fremd beurteilten Umweltbedingungen, und ›das‹ Fremde, also fremde soziale Strukturen oder Verhaltensweisen »keinen systematischen Anspruch« (Titzmann. 1999: 91) erhebt. Wenn der Text oder eine Gruppe im Text eine andere als ›fremd‹ setzt, dann fließen zumeist mehrere Aspekte in das Konstrukt ein, etwa der des ›Ortes‹ und der ›Art‹ oder die ›Fremdheit‹ von Verhaltensweisen. Mitunter überlagern sich diese Aspekte; die ›Fremde‹ des Ausgangsraumes wird oberflächlich als Ursache für die ›Befremdung‹ der ›Eigenen‹ gesetzt, während die ›Eigenen‹ implizit die ›Art‹ der als fremd wahrgenommenen Entität als am ideologisch ›fernsten‹ bewerten.12
1.1.1 ›Anders‹ vs. ›fremd‹
Problematisch ist auch die Abgrenzung von ›Fremdheit‹ zu ›Andersheit‹13 beziehungsweise von ›Alienität‹ zu ›Alterität‹ (vgl. Nies. 2008: 15); wenn die Relation zwischen ›eigen‹ und ›fremd‹ in ihrer Differenz begründet liegt, wie lässt sich dann das ›Andere‹ vom ›Fremden‹ abgrenzen? Eine systemtheoretische Unterscheidung liefert Turk (1990; vgl. auch Nies. 2008: 16);
[D]as lateinische alienus drückt im Unterschied zu peregrinus (ausländisch), externus (auswärtig) und barbarus (nicht römisch) die fremde Zugehörigkeit aus (einem anderen gehörig). Ähnlich funktioniert auch das deutsche fremd in der Opposition zu eigen […]. Das lateinische alter wie other im Englischen und autre im Französischen bezeichnet den anderen von zweien im Unterschied zum einen ohne markierte differente Zugehörigkeit (Turk. 1990: 10/11; Herv. i. O.).
Das ›Andere‹ und das ›Eigene‹ seien zwei Teilsysteme in einem System, während ›Alienität‹ »auf differenten System- und Geschichtsreferenzen« (Nies. 2008: 16) basiere. Fragwürdig wird diese Definition dann, wenn man sich ein System auf höherer Ebene denkt – denn nichts anderes ist ja eine ›Realität‹, in der ›fremd‹ und ›eigen‹ zwei Teilsysteme eines Systems darstellen.
Titzmann postuliert dementsprechend, dass Andersartigkeit sich sowohl als »qualitative Kla...
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Textanalysen
- 3 Fazit
- 4 Literaturangaben