
Die Geburt des 'Christentums' als 'Religion' am Ende des 19. Jahrhunderts
Ernst Troeltschs Theologie und ihre Quellen im Kontext einer globalen Religionsgeschichte
- 530 Seiten
- German
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Die Geburt des 'Christentums' als 'Religion' am Ende des 19. Jahrhunderts
Ernst Troeltschs Theologie und ihre Quellen im Kontext einer globalen Religionsgeschichte
Ăber dieses Buch
In der gegenwĂ€rtigen religionswissenschaftlichen Diskussion ist die Frage einer angemessenen Historisierung ihrer GegenstĂ€nde hoch umstritten. Die Begriffe "Religion" und "Christentum" gelten als Produkte der europĂ€ischen Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts. Andererseits hat die Postkolonialismus-Forschung und die Globalgeschichtsschreibung die Entstehung eines globalen Religionsdiskurses im 19. Jahrhundert herausgearbeitet, in dessen Verlauf sich "Buddhismus", "Hinduismus" und "Islam" als "Religionen" konstituierten. Bislang fehlt eine detaillierte historische Untersuchung zur Frage, ob sich auch das VerstĂ€ndnis des "Christentums" als "Religion" in diesen globalen Aushandlungsprozess in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts eintragen lieĂe. Die vorliegende Studie fokussiert auf die Religionstheologie Ernst Troeltschs (1865-1923), der von der liberalen Theologie fĂŒr die KontinuitĂ€t von "Religion" und "Christentum" seit dem 18. Jahrhundert in Anspruch genommen wird. Die historische Kontextualisierung der Religionstheologie Troeltschs und ihrer Quellen zeigt, dass hier ein VerstĂ€ndnis vom "Christentum" als "Religion" entwickelt wird, das nur im Rahmen des neuen globalen Religionsdiskurses im ausgehenden 19. Jahrhundert zu verstehen ist.
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Information
1 Einleitung
Diese ideale Definition befördert eine psychologische und hochgradig individualistische Zielvorstellung. Sie reduziert Religion auf ein inneres GefĂŒhl, das zwangslĂ€ufig aus der Erfahrung von Transzendenz herrĂŒhrt, [âŠ]. Dieses Konzept, das im 20. Jahrhundert im Zuge der PhĂ€nomenologie wiederentdeckt wurde, verdankt sich gröĂtenteils [âŠ] theologischen Ăberzeugungen lutherischer Herkunft: Johann Herder, Friedrich Schleiermacher [âŠ] und viele weniger bekannte Namen haben seit dem Ende des 18. Jahrhunderts zum Erfolg dieser einprĂ€gsamen Pseudo-Reduktion beigetragen.6
Die frĂŒhen Christen in Rom nannten sowohl ihren eigenen Glauben als auch den heidnischen Kult religio; erst spĂ€ter wurde der christliche Glaube als vera religio (âwahre Religionâ) abgehoben, und erst in der AufklĂ€rung wurde âReligionâ zu einem den Religionen ĂŒbergeordneten Begriff. [âŠ] Nicht-westliche Sprachen kennen den Begriff religio nicht.8
Jedenfalls haben verschiedene Autoren wie die Deisten spĂ€testens seit dem 18. Jahrhundert im Verlauf eines historischen Prozesses [âŠ] bewusst versucht, die Bedeutung von âReligionâ zu verĂ€ndern, indem sie ihre spezifisch christlichen Elemente abschwĂ€chten; dadurch erweiterten sie sie zu einer kulturĂŒbergreifenden Kategorie.9
Wenn man das unscharfe und doch ideologisch aufgeladene Konzept von âReligionâ und âReligionenâ zum Ausgangspunkt seiner Forschung macht, kann dies einerseits das Ergebnis der Analyse entstellen und wertlos machen und andererseits wichtige Verbindungen verdecken, die andernfalls sichtbar geworden wĂ€ren. SchlieĂlich fördert es die unkritische Anwendung jĂŒdisch-christlicher Anschauungen auf nicht-westliche Sachverhalte und maximiert generell die Möglichkeiten des Missverstehens.10
Das Konzept âReligionâ ist das Ergebnis kulturspezifischer, diskursiver Entwicklungen der westlichen Christentumsgeschichte und wurde im Feuer interreligiöser Konflikte und Auseinandersetzungen geformt. Der Ausdruck impliziert daher einen pluralistischen Kontext. Wie [der Leidener Indologe; M. T.] Balagangadhara betont, diente dabei das Christentum als prototypisches Beispiel einer Religion und bildete daher den grundlegenden MaĂstab oder den paradigmatischen Fall fĂŒr die Untersuchung âanderer Religionenâ. Unter dieser Voraussetzung sollte anerkannt werden, dass die vergleichende Religionswissenschaft weiterhin auf einem Fundament ruht, das in seiner Ausrichtung unzweifelhaft theologisch und christlich ist.13
Obwohl der Religionsbegriff seine Karriere erst unter den Bedingungen der Neuzeit und der Moderne antritt, wird doch auch die Geschichte seiner antiken Entstehung und mittelalterlichen Verwendung zumindest ĂŒberblicksweise einbezogen, um so den entscheidenden VerĂ€nderungen seiner Verwendungsweise gewahr zu werden. Diese bahnen sich in der Renaissance, Reformation und altprotestantischer Orthodoxie an und erreichen in der europĂ€ischen AufklĂ€rung mit ihrem VerstĂ€ndnis natĂŒrlicher Religion allgemeine Geltung, die bis in die Gegenwart bestimmend geblieben ist. Die Grundlagenbedeutung, die dem Religionsbegriff seit der AufklĂ€rung und seit Herder, Schleiermacher und Hegel insbesondere fĂŒr die protestantische Theologie und Religionsphilosophie zukommt, wird zwar in kritischer Absetzung vom VerstĂ€ndnis natĂŒrlicher Religion formuliert. Gleichwohl ist nicht zu ĂŒbersehen, daĂ diese bis in die Gegenwart als konstitutiv geltende NeubegrĂŒndung des Religionsbegriffs auch dem Interesse an der Allgemeinheit der Religion verpflichtet bleibt, das zum VerstĂ€ndnis natĂŒrlicher Religion als entscheidendes Kriterium zugrunde liegt.16
Der Wortbedeutung nach verweist der Ausdruck ,Religionâ in die römische Antike und wurde als solcher vom Christentum ĂŒbernommen. Unmittelbare semantische Ăquivalente in anderen Hochkulturen lassen sich nicht leicht ausmachen, obwohl es natĂŒrlich sachliche Entsprechungen in HĂŒlle und FĂŒlle gibt. Innerhalb der vorneuzeitlichen Geschichte des Christentums spielte er allerdings eine erstaunlich geringe Rolle. Seine eigentliche Geburt fĂ€llt in die Epoche der europĂ€ischen AufklĂ€rung. Hier erlangt er den Status einer reflexiven Darstellungskategorie mit vergleichender, kontrastierender oder integrativer Funktion.17
Inhaltsverzeichnis
- Title Page
- Copyright
- Contents
- Vorwort
- 1âEinleitung
- Teil I: Ernst Troeltschs Religionstheologie
- Teil II: Die Quellen der Religionstheologie Ernst Troeltschs
- Literaturverzeichnis
- Personenregister