Der französische Jesuit Jean Hardouin (1646-1729) hatte weit über seine Zeit hinaus den Ruf eines Universalgelehrten und war berühmt für sein ungeheuer vielseitiges Werk und eine schier überbordende Produktivität. Von seinen vielen provozierenden Äußerungen waren nur wenige so kühn wie die These, die sich wie ein roter Faden durch sein 1766 posthum veröffentlichtes Manuskript AD CENSURAM SCRIPTORUM VETERUM PROGEGOMENA (Vorrede zu einer Kritik der antiken Schriften) zieht. Er behauptete, dass ein Großteil der Werke der Antike - darunter sowohl die Schriften vieler griechischer und römischer Autoren als auch Texte der Kirchenväter - von humanistischen Gelehrten und in Kloster-Skriptorien zwischen dem 13 und 15. Jahrhundert gefälscht worden sei. Seine Fälschungshypothese löste eine Welle der Kritik und Empörung aus, die seine wissenschaftliche Reputation nachhaltig beschädigte und bis heute nachwirkt.Die einzige bisher verfügbare Übersetzung dieses lateinischen Textes war eine englische, die noch aus dem Jahr 1909 stammte. Die vorliegende Ausgabe ist die erste deutsche Übersetzung. Eine ausführliche Einführung und umfangreiche Erläuterungen helfen dem heutigen Leser, die im Buch erwähnten Namen, Fakten, Ereignisse und eingestreute Andeutungen, die sonst oft unverständlich bleiben würden, besser einzuordnen und zu verstehen.

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Prolegomena zu einer Kritik der antiken Schriften
Nach der Handschrift des Verfassers
- 304 Seiten
- German
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Über dieses Buch
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Information
Inhaltsverzeichnis
- INHALT
- VORBEMERKUNG
- EINFÜHRUNG: Jean Hardouin in seiner Zeit
- VORWORT (zur englischen Ausgabe von 1909)
- EINLEITUNG (zur englischen Ausgabe von 1909)
- AN DEN LESER
- I. Die Echtheit der meisten antiken Schriften wird in Frage gestellt, deren Verfasser seien Atheisten. Hardouin erklärt, warum sie bisher der Zensur entgangen sind. Es sei notwendig, dass ein Jesuit diese Aufgabe übernimmt. Denn alle älteren religiösen Orden hätten Schriften als angebliche Belege gefälscht, allen voran die Benediktiner. Es wird kurz berichtet, wie er die Betrügereien in den Jahren 1690-1692 aufdeckte.
- II. Der Vorwurf des Atheismus gegen die frühen Kirchenschriftsteller wird wiederholt. In den ersten dreizehn Jahrhunderten sei der katholische Glaube in Ermangelung von Literatur allein durch die „viva vox“, das lebendige Wort, tradiert worden. Hardouin erläutert das Wesen dieser kirchlichen Tradition mit Bezug auf die Dreifaltigkeit und den Leib Christi. Die Gestalt der Religion bei den angeblichen Vätern sei reines Heidentum.
- III. Hier wird die Methode der klösterlichen Fälscher erläutert: die Notwendigkeit, eine große Anzahl von Büchern zur Stützung ihrer Lehren zu schreiben, verschiedene Arten von Büchern, darunter angeblich apokryphe Bücher. Das Interesse der Fälscher an der Akademie von Paris. Ihre Beherrschung des Lateinischen unterscheide sich von der des Plinius.
- IV. Der Heilige Stuhl urteile nicht über die Echtheit von Büchern, die Augustinus, Hieronymus und anderen zugeschrieben werden. Niemand dürfe es wagen, die Urheberschaft des Matthäusevangeliums gegen das Zeugnis der Kirche und des Heiligen Geistes in Frage zu stellen. Ähnliches gelte für die Schriften, die Petrus, Paulus, Lukas oder Markus zugeschrieben werden. Darstellung des Systems der Fälschungen, die unter den Namen der „erlauchten Männer“ veröffentlicht wurden. Versuch nachzuweisen, dass die Protestanten mehr Grund haben, die Entlarvung der Väter zu fürchten als die Katholiken, denn die mündliche Tradition sei gewichtiger als alle Schriften. Hardouin würde die Grundschriften der Kirche auf die Vulgata und einige wenige andere Autoritäten beschränken. Fortsetzung des Angriffs auf die Schriften des Augustinus als Quelle aller Häresie.
- V. In Analogie zu den Lehren von Rabbinern und Mönchen entsprechen den Propheten und Weisen die Väter und die Scholastiker. Die Lehren der Mönche werden lächerlich gemacht.
- VI. Weitere Hinweise auf die Verderbtheit der Schriften der Mönche. Hardouin hält starr an der Vulgata fest. Betrügereien in den griechischen Kodizes. Versuch, dem Einwand zu begegnen, dass die Echtheit der Vulgata nicht sicherer sei als die der benediktinischen Diplomata. Hardouin verteidigt dogmatisch die Bücher des Neuen Testaments und verurteilt jede allegorische Auslegung der Heiligen Schrift.
- VII. Stand der Archivalien um 1300 n. Chr.: kein Original einer griechischen Bibel blieb erhalten. Das Schisma der Griechen begann mit der ‚Klosterfraktion‘. Das Hervorgehen des Heiligen Geistes aus dem Vater sei allein ihre Erfindung, desgleichen die byzantinische Geschichte, die Fiktion der „Übertragung des Reiches” und dessen Gestaltung. Wann sind die Griechen vom römischen Ritus abgewichen? Der überwiegende Teil der griechischen Manuskripte finde sich in Frankreich und gerade nicht im Orient - dort, wohin sie nach Hardouins Ansicht nach von den Benediktinern verbracht wurden. Kritik des Stils der angeblichen griechischen Väter.
- VIII. Die Angriffe der ‚Mönchsfraktion‘ auf die Päpste. Die Fiktion des „Königreichs Italien“ und ihr Zweck. Das Kirchenzentrum in Rom sei bloß eine Legende, die durch eine Fülle von Münzfunden widerlegt wird. Die Theorie von Petrus und seinen Nachfolgern. Die Fabel von der Verteilung der Provinzen unter den Aposteln. Die Würde und Macht des Papstes gründet in der mündlichen Überlieferung. Die Mönche hätten sich bemüht, sein Primat zu kippen.
- IX. Hardouin behauptet, die katholische Tradition könne nicht irren, zumal die Katholiken unabhängig von allen Schriften seien. Er greift das Prinzip der schriftlichen Tradition an, wie es von den Sozinianern und anderen ‚Häretikern‘ vertreten wird. Erneute Verteidigung der „lebendigen“ und „ungeschriebenen“ Tradition.
- X. Das zweifache „Wort Gottes“, welche Bücher vom Heiligen Stuhl genehmigt werden. Hardouin bestreitet hartnäckig, dass die heiligen Sendschreiben durch seine Kritik gefährdet seien, denn ein guter Katholik würde sie bis aufs Blut verteidigen. Ganze Konzile seien erfunden worden. Die römischkatholische als einzig wahre Kirche. Die Calvinisten hätten keine sichere Glaubensgrundlage. Der katholische Glaube sei in Bischöfen, Mönchen und Klerikern gediehen, die nichts geschrieben haben. Einzig die ‚Literatenmönche‘ seien Atheisten gewesen.
- XI. Verfälschung der Liturgie, des Breviers und des Messbuchs. Die Unterscheidung zwischen dem Empfangen und Rezitieren von etwas in der Kirche. In welchem Sinne gibt es „keine Fehler im Messkanon“?
- XII. Der Apostolische Stuhl wird die Schriften der Pseudo-Väter nicht als heilig anerkennen. Diese Schriften seien die Quelle aller Irrlehren. Versuch einer Erklärung, der Beschlüsse des Konzils von Trient über die Väter und über das zweite Konzil von Nizäa.
- XIII. Erneuter Versuch, die Dekrete des Trienter Konzils umzudeuten. Die wahren und die falschen Väter. Die chinesischen Theologen im Vergleich zu den Ketzern. Forsetzung der Diskussion über die Bedeutung der Beschlüsse des Konzils von Trient: Was ist mit dem „gemeinsamen Einvernehmen der Väter“ gemeint? Weiterer Angriff auf unechte Schriften von Augustinus und Thomas von Aquin.
- XIV. Frühe Kirchengeschichte als groß angelegtes Fälschungsvorhaben. Fiktive Päpste bei Pseudo-Augustinus. Die Kirchengeschichte der ersten zwölf Jahrhunderte sei eine einzige Erfindung, im Grunde allegorisch und dramatisch. Die verfälschte griechische und römische Geschichte sei das Ergebnis einer Gemeinschaftsarbeit. Man habe ungestraft jede Lüge schreiben können, es gab keine öffentlichen Verzeichnisse, keine Kritik, keinen Widerspruch. Fälschungen auf Bleiplatten, etc. Die Fälscher der Kirchengeschichte hätten auch griechische und römische Geschichte geschrieben, um jedem Verdacht zu entgehen. Es wird behauptet, dass moderne Lateiner genauso gut schreiben könnten wie die meisten der angeblich „klassischen“ Schriftsteller. Der Konsens der mönchischen Historiker untereinander sei der Beweis einer Verschwörung - und alle Variationen darauf angelegt, dass diese Verschwörung vertuscht wird.
- XV. Vor der Erfindung des Buchdrucks habe es keine wirklich katholischen Bücher gegeben, vor dem vierzehnten Jahrhundert auch keine Bibliotheken - und dass diese außer der Bibel und den Brevieren keine gefälschten Bücher enthalten hätten. Alle monastischen Bücher seien vordatiert worden. Bernard von Clairvaux sei als letzter der Väter eingeführt worden, mindestens 200 Jahre nach seinem Tod. Die erfundenen Manuskripte wurden von Ost nach West gebracht. Die Zeit, in der die griechischen und lateinischen Schriftsteller gefälscht wurden: die Wiederbelebung der Briefe. Einige Spuren der benediktinischen Fälscher würden Hinweise auf die Zeit geben, in der die Briefe gefälscht wurden. Die weitere Aufdeckung des Betrugssystems.
- XVI. Die Bibliotheken der Klöster, die vor der Zeit des Buchdrucks im vierzehnten Jahrhundert gegründet worden waren, seien Horte des Atheismus und der Ketzerei gewesen. Die griechischen Manuskripte wurden wahrscheinlich hauptsächlich in Frankreich geschrieben. Athanasius sei ein benediktinischer Autor. Die Hilfsmittel der Fälscher bei ihren Versuchen, ihren Schriften ein antikes Aussehen zu geben. Die hebräischen Manuskripte seien nicht sehr alt, sondern aus dem vierzehnten Jahrhundert. Nur wenige Büchern in der neuen Königlichen Bibliothek in Paris. Der Büchermangel in Konstantinopel steht im Widerspruch zu deren Zahl im Okzident nach 1453. Gefälschte Schriftarten und gefälschte Tinte.
- XVII. Die Verbindung zwischen Augustinus, Wyclif, Luther, Calvin und Jansen als Häretikern. Eine große Anzahl von Ketzereien in den Büchern aus Klosterbibliotheken seien Fiktionen: sie existieren nirgendwo. Erklärung des Zwecks ihrer Erfindung.
- XVIII. Das Leben der Heiligen und Märtyrer sei eindeutig legendenhaft. Erklärung, in welcher Absicht diese Legenden geschrieben wurden. Ihre Wirkung bei der Findung wahrer jesuitischer Märtyrer. Kirchengeschichten und das Leben von Heiligen - ein zeitgenössisches Phänomen bei der Entstehung der Romanik in Frankreich.
- XIX. Erneuter Angriff auf Augustinus als Lehrer des Atheismus. Die literarischen Verschwörer seien durchweg Nicht-Katholiken und würden unterschiedliche Auffassungen unter denselben Theologennamen vertreten. Die Pseudo-Väter seien die Quelle aller Irrlehren, deren gemeinsames Prinzip der Atheismus ist. Wer sich wie die Lutheraner und Calvinisten darauf berufe, stütze sich auf ein zerbrechliches Schilfrohr. Die katholische Lehre wird dargelegt. Der Glaube muss vom Hören kommen, nicht aus Büchern. Was die katholische Religion und Gemeinschaft ist.
- XX. Hardouin verteidigt seinen Misstrauensbeweis gegen die Bücher aus den Klostern, indem er aus Gallonio gegen Bellotti, den Benediktiner von Monte Cassino, zitiert.
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