Von Kindern lernen
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Friedrich Fröbel und die Erfindung des Kindergartens

  1. 30 Seiten
  2. German
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Von Kindern lernen

Friedrich Fröbel und die Erfindung des Kindergartens

Über dieses Buch

In der letzten Zeit ist viel diskutiert worden über Formen der Kinderbetreuung, über den Ausbau der Kita-Plätze auf der einen und die Einführung des Betreuungsgeldes auf der anderen Seite, über Bildungsgerechtigkeit und familiäre Bindung. Die Diskussionen zeigen zum einen den bildungspolitischen Handlungsbedarf, der seit der ersten PISA-Studie 2001 offenbar wurde, zum anderen die Pluralität der gesellschaftlichen und politischen Auffassungen von der "richtigen" (Klein-)Kinderbetreuung.So hitzig die Diskussion vor allem um die "Herdprämie" ist, so unangetastet ist die Forderung nach einem Mehr an professioneller Kinderbetreuung. Der Besuch einer Kindertagesstätte ist in Deutschland zwar (noch) nicht Pflicht aber im 21. Jahrhundert fester Bestandteil nahezu jeden Kinderlebens in diesem Land. Dass uns die Existenz des Kindergartens in seiner heutigen Form so selbstverständlich erscheint, liegt wohl daran, dass er inzwischen eine über 170-jährige Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte vorzuweisen hat. Wer hinter der Idee des Kindergartens jedoch steckt, ist weitgehend unbekannt: Friedrich Fröbel, der 1840 im thüringischen Blankenburg den ersten deutschen Kindergarten gründete und damit eine Institution ins Leben mit internationaler Strahlkraft rief. Das Leben Fröbels wird in diesem Buch knapp und prägnant erzählt, wichtige Quellen der Zeit werden zitiert und zeichnen so ein buntes Bild über die Entstehung des Kindergartens.Die Reihe "Geschichte kompakt" bietet einen zeitgemäßen Zugriff auf Themen und Fragen der Weltgeschichte - geeignet für Schule und (Eigen-)Studium, zum Nachlesen, Nachschlagen, Lernen, auf den aktuellen Stand bringen und Bescheidwissen.

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Information

Jahr
2012
eBook-ISBN:
9783864081415

1.Keimzeit – Kindheit und Jugend Friedrich Fröbels in Oberweißbach und Stadtilm

Als Friedrich Fröbel am 21.04.1782 im thüringischen Oberweißbach das Licht dieser Welt erblickte, war er das sechste und letzte Kind seiner Mutter, die nur wenige Monate nach seiner Geburt an einer Infektion starb. Ihren frühen Tod deutete Fröbel rückblickend in einem Brief an seinen Bruder Christoph als ein allzu plötzliches Entlassenwerden in die „Welt, mit all ihren Mängeln und Gebrechen, Verdorben- und Verkehrtheiten (…), deren Bild sich leicht in mir mit allen seinen Schattenseiten abdruckte.“1 Ein sperriger Start für den kleinen Spross, der fortan auf sich und seine älteren Geschwister gestellt aufwuchs.
Der Vater war viel beschäftigt als Pfarrer der örtlichen Gemeinde, ein „Theolog der alten Zeit“2, und streng in der Erziehung seiner Kinder. 1785 heiratete er ein zweites Mal, und Friedrichs Kindheit verdunkelte sich erneut: Die Stiefmutter hatte nicht viel übrig für den Kleinen, beschimpfte ihn und sprach ihn stets in dritter Person an.3 Ihm war weder gestattet, das elterliche Grundstück zu verlassen noch Kontakt zu den Kindern des Dorfes aufzunehmen, und so verbrachte er seine Kindertage vor allem im Garten des elterlichen Hauses. Über sein Aschenputtel-Dasein schrieb Fröbel: „In den viel bedeutenden herrlichen Jahren der Kindheit, wo sich dem Kinde die Welt gestaltet, d.h. wo es mit Bewußtsein Gegenstände außer sich wahrnimmt (wo das kindliche, unentwickelte Menschengemüth so gern seine Kraft an den Gegenständen außer sich versucht), wurde meinem Geiste verwehrt, aus sich herauszutreten.“4
Isoliert von der sozialen Außenwelt begann der Junge schließlich, sein „kindliches, unentwickeltes Menschgemüth“ an sich selbst5 und den Dingen seiner unmittelbaren Umgebung zu erproben. Und das waren die Erde, die Steine und die Blumen auf dem Grundstück des Pfarrhauses. In einem Brief an den damaligen Herzog von Meiningen schrieb Fröbel über sein einsames Gartenleben: „… die Natur, die Pflanzenwelt und die Blumenwelt wurde, soweit ich sie anschauen und begreifen konnte, bald ein Gegenstand meiner Beobachtung und meines Nachdenkens.“6 Die erhellende Kraft der Pflanzenwelt, ihre Formen und Farben und mannigfaltigen Erscheinungsformen verwurzelten sich tief in dem kleinen Weltentdecker und entfalteten im Laufe seines Lebens eine Naturverbundenheit, die sich durch sein ganzes Werk ziehen sollte.
Die gemeinsame Gartenpflege vermochte sogar, Vater und Sohn für kurze Zeit einander näher zu bringen.7 Jedoch konnten die Momente der trauten Einigkeit nicht darüber hinweg täuschen, dass das Bild des verstockten, wenig intelligenten Jungen an dem kleinen Friedrich haften blieb: „Ich galt frühe als bös.“8, ein Stigma, von dem er sich erst befreien konnte, als der Bruder seiner Mutter ihn, den inzwischen Zehnjährigen, nach Stadtilm holte und ihm dort ein unbeschwerteres und geborgeneres Aufwachsen ermöglichte. Der junge Fröbel „trank hier frischen Lebensmut in langen Zügen, (…) begann Freiheit des Gemüthes und erstarkte körperlich.“9 Und weiter schrieb er über sein neues Leben bei seinem Onkel: „Die Welt lag offen vor mir, so weit ich sie ausfüllen konnte. (…) Mein bisheriges stilles Leben in der Natur war nun mehr ein freies lebendiges in derselben.“10
In Stadtilm besuchte er die örtliche Knabenschule. Eine höhere Bildung auf einer Lateinschule kam nach Ansicht des Vaters für Friedrich nicht Frage. Über seine Schulzeit äußerte Fröbel wenig Gutes: Sie sei einseitig ausgerichtet gewesen auf den zukünftigen Beruf der Jungen, so dass „viel edle Menschenkraft unentwickelt“11 geblieben sei. Eine ernüchternde Erkenntnis, die wohl dazu betrug, dass Fröbel sein eigenes pädagogisches Konzept nach ganzheitlichen Lehr- und Lernprinzipien aufbaute und den Menschen als Ganzes stets im Blick behielt.

2.Wachstum – Jahre des Suchens und des Findens

Die Konfirmation im Jahre 1796 bedeutete für Friedrich nicht nur ein tiefes religiöses und emotionales Ereignis12 sondern läutete auch das Ende seiner Kindheit bei der Familie seines Onkels ein. Er begann eine Ausbildung zum Schreiber bei einem Rentsekretär, ein erster Versuch in Richtung zukünftiger Betätigung, der jedoch recht bald wegen „Erziehungsschwierigkeiten“13 endete. Die anschließende Feldmesser-Lehre bei einem Förster in Hirschberg trug dagegen reichere Früchte: Neben den üblichen und für Friedrich durchaus lästigen Lehrlingsaufgaben – er musste die Ställe sauber halten und Botengänge ausführen - gelang es ihm, sich erneut der Natur und ihren Erscheinungen zu w...

Inhaltsverzeichnis

  1. Deckel
  2. Titelblatt
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Einleitung
  6. 1. Keimzeit – Kindheit und Jugend Friedrich Fröbels in Oberweißbach und Stadtilm
  7. 2. Wachstum – Jahre des Suchens und des Findens
  8. 3. Blütezeit – Fröbels pädagogisches Schaffen
  9. 4. Früchte – die Spielgaben und Kindergarten-Konzeption
  10. 5. Herbst – die späten Jahre
  11. 6. Erntezeit – Was von Fröbel übrig blieb
  12. 7. Literatur
  13. Fußnoten

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