Die Generation Y hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Das Buch leistet einen Beitrag zu einer differenzierten Sichtweise auf die Generation. Es macht deutlich, dass sie Eigenschaften und Kenntnisse aufweist, die für das Krankenhaus unverzichtbar sind. Denn die zukünftigen Ärztinnen und Ärzte der Generation Y werden die Zukunft des Krankenhauses an vorderster Front mitgestalten. Welche Vorstellungen dazu bestehen, zeigen die zahlreichen Einzelbeiträge des Buches von Medizinstudierenden und ärztlichen Neueinsteigern mit dem Fokus auf die Notwendigkeiten, die ein Krankenhaus zukunftsfähig machen.

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Die junge Ärztegeneration zeigt Flagge
Vorschläge zu Studium, Weiterbildung und Arbeitsbedingungen im Krankenhaus
- 162 Seiten
- German
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Die junge Ärztegeneration zeigt Flagge
Vorschläge zu Studium, Weiterbildung und Arbeitsbedingungen im Krankenhaus
Über dieses Buch
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Information
II Forderungen der Generation Y an das Krankenhaus
Das Kapitel enthält Beiträge4, die wichtige Felder eines innovativen und zukunftsorientierten Krankenhausmanagements aus Sicht von fortgeschrittenen Medizinstudieren, Ärzten in Weiterbildung oder auch jungen approbierten Ärzten betrachten. Ziel der Beiträge ist vor allem für Arbeitgeber aufzuzeigen, welche Vorstellungen der genannte Personenkreis, der die Zukunft von Krankenhäusern maßgeblich mit prägen wird, zu einschlägigen Managementfunktionen und Strukturveränderungen des Krankenhauses hat.
4 Der Inhalt der Beiträge liegt ausschließlich in der Verantwortung der Autoren und Autorinnen. Dieser wurde vom Herausgeber umfassend geprüft, Vorschläge zur inhaltlichen Optimierung gemacht und, wenn erforderlich, formal modifiziert. Inhaltliche Aussagen wurden durch den Herausgeber ohne Zustimmung der Autoren und Autorinnen nicht vollzogen. Vorschläge und Sichtweisen, die mit Überlegungen des Herausgebers nicht redundant sind oder von diesem eher als realitätsfern eingeschätzt werden, wurden in den jeweiligen Beiträgen bewusst belassen. Denn es soll in der Beitragsfolge der jungen Autoren ja ausschließlich um deren Vorstellungen zum Krankenhaus gehen.
2 Anforderungen an ein zeitgemäßes Studium der Medizin
Peter Jan Chabiera
Abstract
Seit der Professionalisierung des Medizinstudiums und der Ansiedlung dessen an den Universitäten besteht eine andauernde Auseinandersetzung zwischen der Gewichtung berufsqualifizierender praktischer Ausbildung und theoretischem Wissenserwerb sowie wissenschaftlicher Qualifikation (Duffy 2011; Thiede 2018). Dieser Konflikt besteht auch heute noch fort; so beklagt der ehemalige Direktor des Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen eine zu starke Fokussierung auf den Erwerb praktischer Kompetenzen im Studium und fordert »[…] erneut nachzudenken, dem Wissenserwerb in der medizinischen Ausbildung einen hohen Stellenwert einzuräumen und den Erwerb von theoretischen Kenntnissen einerseits und praktischen Fertigkeiten andererseits nicht in Konkurrenz, sondern in komplementärer Ergänzung zu sehen« (Neuser 2009). Demgegenüber prägt dessen Nachfolgerin den »Paradigmenwechsel« der medizinischen Ausbildung in Deutschland und greift »[die] Stärkung der Handlungskompetenz der Studierenden durch interaktive und praxisorientierte Unterrichtsformate« in neuen entsprechenden Prüfungsformaten auf (Jünger 2018).
Nachfolgend wird der Versuch einer Vision des Medizinstudiums und der Ausbildung angehender Ärzte gewagt. Dabei sollen beide Extreme miteinander vereinbar bleiben und genügend Freiräume zur individuellen Profilbildung von Fakultäten und Studierenden ermöglicht werden, um beiden Polen gerecht werden zu können. Ziel soll es sein, die Medizinstudierenden in ihrer persönlichen Entwicklung voranzubringen und mit den verschiedenen Fähigkeiten auszustatten, die als Basis dienen, um in den verschiedenen Bereichen der Medizin anzuknüpfen. Darüber hinaus sollen Interessen an verschiedenen Forschungs- und Versorgungskontexten gefördert werden und das Zusammenspiel zwischen Forschung und Versorgung hervortreten.
Kompetenzorientierung und Arztrollen
Nachdem die Kompetenzorientierung in den Bildungswissenschaften und im Schulbereich bereits seit längerem ein zentrales Element darstellt, fand in den vergangenen Jahren in ebenso begrüßenswerter Weise deren Siegeszug in der medizinischen Ausbildung statt. Im Deutschen wird regelmäßig die Definition des Entwicklungspsychologen Franz Weinert angeführt, wonach Kompetenzen »die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten [sind], um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen [die willentliche Steuerung von Handlungen und Handlungsabsichten] und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können« (Weinert 2014, S. 27 ff.).
Diese Definition greift mehrere Ebenen auf. Zum ersten »verfügbare oder erlernbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten«. Dies inkludiert das einleitend bereits erwähnte Wissen. Entgegen der Kritik einiger Gegner stellt die Kompetenzorientierung den Wissenserwerb in keiner Weise in den Hintergrund. Allerdings wird dieses Wissen, welches auch prozedurales Wissen umfasst, nicht alleinstehend betrachtet, sondern es dient einer (nicht zwangsweisen, aber zumeist kontextspezifischen) Problemlösung.
Diese Fähigkeit zur Translation von Wissen und Fertigkeiten wird dabei in die individuellen Werte, Emotionen und Motivationen (Leisen 2011) eingebettet. Durch die Fokussierung auf in verschiedenen Kontexten anwendbares Wissen und Fertigkeiten dient die Kompetenzorientierung der Ausbildung und nicht nur der Festlegung von Lehrinhalten, sondern bietet ebenso das Grundgerüst für professionelle Prüfungen. Wenngleich die Kompetenzorientierung im Medizinstudium häufig mit einer stärkeren Praxisorientierung gleichgesetzt wird, stellt diese eigentlich die Brücke dar, welche die bereits erwähnten Pole miteinander zu verbinden versucht.
Ein kompetenzorientiertes Medizinstudium setzt das vermittelte Fachwissen und Handlungswissen also in direkten Bezug zu verschiedenen Anwendungskontexten. Diese können selbstverständlich sowohl auf Forschungstätigkeiten wie auch auf klinische und gesamtgesellschaftliche Settings bezogen sein. Im besten Falle sind die Bezüge und Vernetzungen sogar in verschiedene Kontexte übertragbar. Dieser Transfer lässt sich in Prüfungen als Lernerfolgskontrolle messen.
Diese doch abstrakte Darstellung bedarf im Weiteren einer Konkretisierung hinsichtlich der zu vermittelnden Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen. Diesen wird sich im Folgenden auf Basis der in den 1990er Jahren erstmalig entwickelten CanMEDS Rollen (Frank u. a. 2015) genähert. Es handelt sich dabei um sieben zentrale Rollen, in denen angehende Ärzte sich im Laufe des Studiums professionalisieren sollen. Diese sind – ins Deutsche übersetzt – aufgelistet im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) (MFT e. V. 2015).
Der NKLM beinhaltet jedoch nicht nur die CanMEDS Rollen in ihrer deutschen Version, sondern stellt auch einen Lernzielkatalog dar, der für das Medizinstudium entwickelt wurde und in dem die zu erlernenden Kernkompetenzen in entsprechende Lernziele aufgegliedert, systematisch geordnet und entsprechend einer Lernspirale einem sinnvollen Zeitpunkt im Studium zugeordnet sind.
Dies umfasst ebenso eine Zuordnung des entsprechenden Kompetenzniveaus (beispielsweise Faktenwissen oder Begründungswissen). Der Katalog wird aktuell auf Basis des Masterplans Medizinstudium 2020 (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2017) aktualisiert und steht voraussichtlich in zweiter Fassung ab 2021 den Fakultäten als Basis zur Entwicklung der eigenen Curricula zur Verfügung.
Hervorzuheben ist dabei, dass der Gesetzgeber vorsieht, den revidierten NKLM als verpflichtende Grundlage aller Kerncurricula vorzuschreiben (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2017). Es bleibt nun zu hoffen, dass diese Vorarbeiten umfassender als heute Einzug in die Ausgestaltung des Studiums an den Fakultäten und Kliniken erhalten.
Insbesondere in der Umsetzung abseits der nationalen Elfenbeintürme der Entwicklungskommissionen und Büros der Curricula-Verantwortlichen bestehen noch zahlreiche Herausforderungen. Die umfassenden Vorarbeiten können erst ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie auf breiter Basis als Grundlage eigener Lehrveranstaltungen und Prüfungen, insbesondere auch in Famulaturen und im Praktischen Jahr, genutzt werden.
Die aktuellen Entwicklungen lassen jedoch einen optimistischen Blick in die Zukunft zu. Damit dies gelingt, soll im Folgenden zuerst das inhaltliche Profil eines zeitgemäßen Medizinstudiums näher skizziert werden, bevor strukturelle Voraussetzungen zur Umsetzung dargestellt werden.
Inhalte des Studiums
Das klassische Fachwissen
Medizinisches Fachwissen wird auch weiterhin Grundlage und integraler Bestandteil des Medizinstudiums sein, auf dessen Basis der Kompetenzerwerb erfolgt. Ohne das entsprechende Fachwissen bleiben zahlreiche Fertigkeiten leere und zusammenhangslose Hülsen, deren Anwendung nicht gelingen wird.
Doch gerade in Zeiten, in denen der Wissenszuwachs stetig zunimmt und durch digitale Technologien nicht nur überall und jederzeit verfügbar ist, sondern auch automatisiert angewandt wird, muss die Auswahl der zu vermittelnden Wissensinhalte kritisch reflektiert werden.
Gerade dies ermöglicht eine Wissensreduktion auf Inhalte, die zum einen grundlegend und zum anderen wichtig sind, um exemplarisch Strukturen, Zusammenhänge oder spezifische Herangehensweisen zu verstehen.
Es ist nicht zweckmäßig, an dieser Stelle eine Liste der zu vermittelnden Inhalte aufzuführen. Bei der Gestaltung von Lehrveranstaltungen sollte zuerst auf Basis des übergreifenden Curriculums festgelegt werden, welche Lernziele erreicht werden sollen und welche Methode zur Verfügung steht. Diese müssen in der gegebenen Zeit erlernbar sein.
»Die Studierenden kennen die Diagnostik, Pathophysiologie, Therapie, Notfallmaßnahmen und Prävention der koronaren Herzkrankheit und können diese selbstständig und verantwortlich anwenden« eignet sich dementsprechend nicht als Lernziel für eine 45-minütige Vorlesung im fünften Semester, da der Wissensumfang zu groß ist und die Lehrmethode Vorlesung sich nicht eignet, um mehr als nur das Fachwissen zur KHK zu vermitteln.
Bei Unsicherheiten, ob der gewählte Lehrinhalt zu tiefgehend ist, sollte bedacht werden, ob man erwartet, dass ein gänzlich dem eigenen Fach fremder Arzt dieses Wissen besitzt. Hier kann zwischen aktivem Anwendungswissen (fachfremde Ärzte führen beispielsweise therapeutische Maßnahmen durch) oder passivem Wissen (fachfremde Ärzte können etwas in einen Kontext einordnen und verstehen die entsprechende Fachsprache) unterschieden werden. Wenn die genannte Frage für sich selbst mit Nein beantwortet werden kann, muss dies noch nicht bedeuten, dass dies nicht zu unterrichten ist, aber es sollte dann eine klare Festlegung erfolgen, welches Ziel mit der Wissensvermittlung intendiert wird (beispielsweise, weil es exemplarisch für regelmäßig auftretende Zusammenhänge ist).
Praktische Fertigkeiten
Viele der zum »Faktenwissen« genannten Kriterien für sinnvolle und wichtige Kompetenzen lassen sich in ähnlicher Weise auch für praktische Fertigkeiten aufzählen. Bei zahlreichen praktischen Fertigkeiten kommt hinzu, dass Strukturen und Bewegungsabläufe eingeübt werden müssen. Wie bei jeder Sportart oder einem Instrument benötigt dies Zeit und Übung. Während sich Wissensinhalte und theoretische Zusammenhänge bis zu einem gewissen Umfang auch in kurzer Zeit, durch sinnvolle Blended-Learning-Konzepte auch nicht zwingend im Präsenzunterricht, umfangreicher vermitteln lassen, bedürfen viele praktische Fertigkeiten regelmäßiger Wiederholung und eines konstruktiven Feedbacks. Daraus geht hervor, dass der Lernerfolg besser erzielbar ist, wenn der Fokus auf eine geringere Anzahl an Fertigkeiten gelegt wird, diese aber regelmäßig trainiert werden. Dem steht nicht entgegen, auch fachspezifische Techniken zu demonstrieren, um den Studierenden einen Einblick in die Diversität der Medizin zu geben. Diese sollten aber keine Prüfungsbestandteile sein. Insbesondere nicht, wenn sie in der regulären Versorgung ausschließlich von Ärzten des entsprechenden Fachgebiets praktiziert und/oder interpretiert werden.
In Famulaturen und Blockpraktika sollten Lehrende und Studierende vorab gemeinsam realistisch vereinbaren können, welche Fertigkeiten im entsprechenden Zeitraum intensiver geübt und evaluiert werden sollten.
Hierzu zählen insbesondere Techniken der körperlichen Untersuchung, grundlegende praktische Fertigkeiten für den Stationsbetrieb, Wundversorgung und wichtige Techniken wie Sonografie.
Im Vertiefungstrack eines Wahlpflichtbereichs können auch Forschungstechniken labor-experimenteller Tätigkeiten geübt werden. Bei allen Fertigkeiten ist es wichtig, regelmäßig kurzes strukturiertes Feedback anzubieten, damit falsche (Bewegungs-)Abläufe nicht tief trainiert werden und den Studierenden eine Rückmeldung über den Lernstand gegeben werden kann.
Dazu eignen sich insbesondere die Formate der Direct Observation of Procedural Skills (DOPS) und Mini-Clinical Evaluation Exercise (Mini-CEX) (Lörwald u. a. 2018). Jeder erfahrene Arzt ist vertraut damit, Untersuchungsergebnisse direkt in einen Kontext einzubetten und zu interpretieren.
Dies ist bei Studierenden nicht grundsätzlich gegeben. Es ist nicht selten, dass einige Untersuchungstechniken zwar fast das gesamte Studium praktisch vermittelt werden, ohne die korrekte Interpretation (deren statistische Aussagekraft) in verschiedenen Kontexten zu thematisieren.
Ein stetig weiter verbreitertes Netzwerk zur Strukturierun...
Inhaltsverzeichnis
- Deckblatt
- Titelseite
- Impressum
- Die Autorinnen und Autoren
- Geleitwort
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- I Die Generation Y im Krankenhaus
- II Forderungen der Generation Y an das Krankenhaus
- III Ausblick
- Weiterführende Literatur
Häufig gestellte Fragen
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