Sozialphilosophie, Teil 1
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Sozialphilosophie, Teil 1

Der Einzelne in der Gesellschaft

  1. 12 Seiten
  2. German
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Sozialphilosophie, Teil 1

Der Einzelne in der Gesellschaft

Über dieses Buch

Was ist Gesellschaft? Sie ist unser Raum und unsere Zeit, ihr gehören wir untrennbar an und stehen doch auch immer außerhalb von ihr. Ihre hierarchische Ordnung und ihr Gedächtnis spiegeln sich in den unvermeidbaren Konflikten, die in Wirtschaft und Politik besonders weitreichend sind. Unverzichtbar für ihre Lösung ist es dabei, sich über sozialethische Maßstäbe wie Gerechtigkeit zu verständigen. Zwei Brennpunkte dieser Debatte sind die Fragen nach der Gestaltung der Globalisierung und der Rolle von Religion in demokratischen Gesellschaften. DER EINZELNE IN DER GESELLSCHAFT Gesellschaft ist nicht nur Raum. Sie ist vielmehr Zeit-Raum und unablässige Begleitung auf unserem Weg durch die Zeit. Erst sie ermöglicht Sinnsuche und Sinnerprobung, und lässt uns zu Tätern und Opfern werden. Es wird auf das bleibend-unabtrennbare "Außerhalb-der-Gesellschaft-Sein" des Menschen eingegangen. Ebenso auf die Eigenart des menschlichen Geistes, der zu allem und jedem (auch zu sich selbst) in Distanz zu treten vermag. Drei Überlegungen sind anzuschließen: 1) Was ist die Grundeinstellung um "Gesellschaft" zu erkennen? 2) Wie gefährdet oder erfolgreich ist dieses Erkennen?

Häufig gestellte Fragen

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1. Einführung in eine Philosophie des gesellschaftlichen Lebens

In den Vorlesungen beschäftigen wir uns mit Sozialphilosophie. Der Untertitel, den ich gewählt habe, ist: Eine Philosophie des gesellschaftlichen Lebens.
Ich werde ihnen zuerst eine Einführung geben. Danach werden wir uns mit dem Verhältnis von Mensch und Gesellschaft beschäftigen, bevor wir – nach der Auseinandersetzung mit einigen Wissenschaften, die sich mit Gesellschaft beschäftigen – zu einer Definition kommen.
Zuerst also die Einführung. Wir können sie nennen: Der Fall Heinz Rühmann. Das Leben des Schauspielers Heinz Rühmann, der von 1902 bis 1994 gelebt hat, zeigt uns, wie sich Gesellschaft im technischen und besonders medialen Bereich gewandelt hat. Vom Stummfilm über den Tonfilm, schließlich hin zum Farbfilm verlief die Entwicklung, die man begeistert begrüßt und auch heftig bekämpft hat. Diese Entwicklung hob die einen empor und ließ andere fallen, machte einige reich und ließ viele leer ausgehen. Die Zeit besorgte sich begabte Vollstrecker, brandmarkte Mitwirker als unbrauchbar, ernährte die einen ausreichend, gab andere dem Hunger preis und trieb so ein grausames, vom Einzelnen gar nicht einflußbares Spiel.
Es entschied sich für Rühmann als Mitspieler und entließ ihn eines Tages als müde gewordenen Sieger. Dieser Entwicklung lag keine ausgetüftelte Blaupause zugrunde, auf die sich Menschen im Voraus geeinigt hatten. Erst allmählich gelang es, auf den Begriff zu bringen, was hier abgelaufen war.
Heinz Rühmanns Leben wurde in Zerreißproben hinein gerissen, die er selbst weder verursacht noch herbei gewünscht hatte. Nur eine sei genannt: Das nationalsozialistische Regime stellte ihn vor die Entscheidung, entweder seiner jüdischen Frau die Treue zu halten und dann von der Bühne verbannt zu werden oder nach Scheidung von seiner Frau weiterspielen zu können. Später gestand Rühmann ein, dass der Spieltrieb, ja geradezu die Sucht, auf den Brettern zu stehen und Rollen zu gestalten, den Sieg in diesem Konflikt davongetragen und er sich von seiner Ehefrau getrennt hatte.
Schließlich begegnen wir 1956 Heinz Rühmann als Hauptmann von Köpenick im gleichnamigen Stück von Carl Zuckmayer aus dem Jahre 1930. Mit seiner klaren und unendlich traurigen Stimme liest der arbeitslose, verarmte Schuster Wilhelm Voigt, der spätere Hauptmann, dem sterbenden Liesken das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten vor, in dem der Esel zum Hahn sagt: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall.“ So wie Rühmann die Worte in diesem Satz betont, werden wir vom Gegenteil überzeugt. Dass nämlich der Tod dem vorzuziehen ist, was die Gesellschaft den Menschen anbietet. Worauf deutet nun dieses Beispiel hin?
In ihm werden Wandlungen der Gesellschaft sichtbar. Vorgänge, welche uns wie ein ungebärdiger Fluss in ihre Gewalt reißen, in Strudel ziehen oder ans Ufer ausspeien. So hat es Niccolò Machiavelli im 25. Kapitel seiner Schrift Der Fürst aus dem Jahre 1513 ausgedrückt.
Wir sehen aber auch, dass inmitten solcher Mächte Menschen handeln, Verantwortung übernehmen und zu Folgen stehen können. Sie vermögen es, um noch einmal Machiavelli zu bemühen, Vorkehrungen zu treffen, Dämme und Deiche zu errichten, überflutbare Flächen zu öffnen oder den einen aus den Fluten zu retten und den anderen in diese zu stoßen.
Wer eine solche Situation nicht direkt geschaffen hat, wird von ihr und in ihr zu Entscheidungen gezwungen. So werden Menschen zu Opfern von Konflikten, die sie nicht selbst erzeugt haben. Oder sie leiden ebenso unter der Unterdrückung durch ein Regime wie der Erkenntnis, dass sie lange vor dessen Machtergreifung den Aufstieg des Regimes hätten blockieren müssen. Wem aber steht das Recht zu, ihnen vorzuwerfen, einen Parteiführer und seine Partei nicht verhindert zu haben? Machiavelli warnt bereits im 3. Kapitel des Fürsten:
„Gegen das Übel, das man von Ferne sieht, kann man leicht ein Mittel finden. Wartet man aber, bis es da ist, so kommt die Arznei zu spät, weil die Krankheit unheilbar geworden ist. Es verhält sich hiermit wie mit der Schwindsucht, die, wie die Ärzte sagen, im Anfang des Leidens leicht zu heilen, aber schwer zu erkennen ist. Wird sie aber anfangs nicht erkannt und behandelt, so lässt sie sich in der Folge leicht erkennen und schwer heilen.“
Solche Hellsichtigkeit und Tatkraft findet sich nur bei Wenigen und wenn, wird man auf diese Wenigen hören?
Die uns aufgezwungenen Entscheidungen verletzen uns, doch nicht ...

Inhaltsverzeichnis

  1. 1. Einführung in eine Philosophie des gesellschaftlichen Lebens
  2. 2. Zugänge zur Gesellschaft
  3. 3. Verhältnis von Mensch und Gesellschaft
  4. 4. Erkennen der Gesellschaft. Anmerkungen zum sozialen Konstruktivismus