
- 224 Seiten
- German
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eBook - ePub
Schreie und Flüstern
Über dieses Buch
"Ich bin keine Freundin von Gewissheiten, aber eine Sache will ich dir doch schon jetzt, ganz am Anfang, mit auf den Weg geben: Egal, was die anderen sagen: Nichts, was du fühlst, ist banal. Die Welt ist voller Zeichen. Und du hast die Gabe, sie zu lesen."
Die Schriftstellerin Vera und der Maler Claus leben mit ihrem Sohn Siggi in Leipzig. Doch in der Stadt sind ihre Ideen ins Stocken geraten. Überraschend bekommt Claus von seinen Eltern eine große Summe Geld geschenkt. Kurzerhand entscheiden sich die beiden, einen alten Hof in der westdeutschen Provinz zu kaufen und ihn von Grund auf zu renovieren. Während Claus sich in der neuen Umgebung befreit fühlt, fehlen Vera ihre Freunde, die Zerstreuung des städtischen Lebens, die unverbindliche Leichtigkeit. Das Dorf, die Landschaft, Claus – alles scheint sich ihr entgegenzustellen.
Doch als Vera wieder schwanger wird, wächst nicht nur ein neuer Mensch in ihrem Innern heran, auf wundersame Weise verbindet sie sich auch mit der Natur. Frühling, Sommer, Herbst und Winter weisen ihr den Weg zur Versöhnung mit der eigenen Vergänglichkeit.
Mit einem guten Gespür für Dialoge und Details erzählt Lisa Kreißler in ihrem neuen Roman SCHREIE & FLÜSTERN von einer Wirklichkeit im Wandel und davon, wie wichtig es ist, den eigenen Gefühlen zu vertrauen.
Häufig gestellte Fragen
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Literature GeneralBlut
»Also«, Harry hebt die Hände vom Tisch und wackelt dämonisch mit den Fingern: »Ich habe die Firma jetzt doch verkauft. Und da habe ich mir gedacht: Davon müssen doch auch meine Kinder profitieren. Ihr bekommt jeder 200 000 Euro. Dafür kauft ihr euch eine Wohnung oder ein Haus! Sucht euch einfach was Schönes aus!«
*
Ich sitze in der Notaufnahme des Uniklinikums Eppendorf. »Monika, der Drucker spinnt wieder.« Die Stimmen der Schwestern klingen beschwingt. »Musste draufhauen. Guck mal, so!« Die unverbrauchte Energie des neuen Tages ist ihren Schritten anzuhören. Das Telefon klingelt. Ein Lachen fliegt hinter dem Tresen auf, vermengt sich mit der Luft, die vom scharfen Geruch der Desinfektionsmittel erfüllt ist. Und von oben fällt dieses schneidende künstliche Licht herab, das keiner Zeit des Tages ähnelt.
Ein Pfleger läuft an mir vorüber. Seine Kleidung knistert, seine Dusche weht ihm hinterher. Ich bin mir sicher, dass er mich bemerkt hat. Nur ist es ihm zu anstrengend, den Blick zu heben und in dieses Gesicht zu schauen, das ihn schon ein paar Schritte weiter nichts mehr angehen wird.
Die Uhr an der Decke zeigt 7:06. Ich sitze allein auf dem langen Flur und fühle mich gleichzeitig todkrank und wie eine Simulantin. Wer rennt denn sofort in die Notaufnahme wegen dem bisschen Blut? Aber da ist dieser Schmerz in meinem Rücken. Ich blute nun schon seit drei Tagen – und habe kein Gefühl für die Wahrheit. Wenn ich es jetzt entscheiden müsste, würde ich sagen, dass kalte Luft hereinströmt, dass etwas Dunkles sich in mir ausbreitet wie ein Tintenfleck.
Die Ärztin, die mich schließlich bittet, ihr zu folgen, ist nett. Sie hat etwas von der sinnlichen Schönheit Scarlett Johanssons. Durch viele Flure laufe ich ihr hinterher, bis sie in eine Tür abbiegt und sich in den Drehstuhl hinter dem Schreibtisch schwingt. Ich sinke in den Stuhl ihr gegenüber, meinen Rucksack auf dem Schoß wie ein Kuscheltier. Ein blasses Mädchen im Kittel betritt den Raum durch eine andere Tür und positioniert sich hinter der Ärztin.
»Setz dich doch«, sagt die Ärztin sanft, und das Mädchen setzt sich.
»Dann erzählen Sie mal!«
»Ich bin nur zu Besuch hier«, sage ich.
»Ist das Ihre erste Schwangerschaft?«
»Nein!«, sage ich. »Ich habe einen Sohn.«
»Wie alt ist er?«
»Zwei.«
Die Ärztin macht sich Notizen.
»Was machen Sie beruflich?«
»Ich bin Schriftstellerin.«
»Ah, und was schreiben Sie?« Da liege ich schon auf dem Stuhl und suche mit hitzigem Blick nach einer Form auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes.
»Briefe«, antworte ich leise.
»Was?«
Über den Bildschirm wabern unlesbare Zeichen.
»Ich schreibe Briefe«, sage ich. Meine Stimme ist noch leiser geworden.
»Aha.« Die Ärztin hört mir nicht zu. Sie ist ganz bei den Tatsachen auf dem Bildschirm.
»Also, eine achte Woche ist es nicht. Hier, die Fruchthöhle ist leer, kein Herzschlag.«
Als wir uns wieder gegenübersitzen, sagt sie: »Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie sind später schwanger geworden, als Sie annehmen, oder die Chromosomenkombination ist nicht lebensfähig. In dem Fall wird alles in den nächsten Tagen abbluten.«
Das Mädchen im Kittel hat das Ultraschallgerät zurück in die Ecke des Zimmers geschoben. Jetzt baut es sich wieder hinter der Ärztin auf und schaut mich ausdruckslos an. Die Ärztin hingegen fängt meinen fragenden Blick so liebevoll auf, dass ich einen Moment lang damit rechne, sie würde gleich nach meiner Hand greifen.
»Was denken Sie denn?«, frage ich. »Sie ganz persönlich?«
»Ich habe eher das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist«, sagt sie.
»Mhm.« Ich schaue runter auf meine bunten Turnschuhe. Und je weiter sich das Schweigen zwischen der Ärztin und mir im Raum ausbereitet, desto mehr habe ich das Gefühl, diese Schuhe würden jemand anderem gehören, nicht mir.
»Wenn Sie dann keine Fragen mehr haben …« Die Ärztin ist aufgestanden. Lächelnd streckt sie mir die Hand entgegen.
»Danke«, sage ich und lächele zurück.
Erst als ich ihr den Rücken zudrehe, aus dem Krankenhaus hinauslaufe in einen karggrünen Parkabschnitt und in meinem Rucksack nach dem Handy suche, kommt die Botschaft bei mir an: Niemand kann dir sagen, wie es weitergeht.
*
»Stau? ... Ja, ich bin jetzt auf dem Weg zum Bahnhof! … Nein, ich will da nicht alleine hin! … Es ist dein Vater, Claus! Ich kenne ihn doch überhaupt nicht. Ich bin ganz durcheinander … Schläft Siggi? Nein, ja, ich höre ihn … Sollen wir Schluss machen? … Keine Ahnung! … Ich weiß es wirklich nicht … Ach, die Buchhändlerin tat mir so leid. Sie hat sogar ihren Mann gezwungen, sich in die leeren Reihen zu setzen. Der Arme hat tapfer durchgehalten. Ich konnte ihm ansehen, wie sehr er gelitten hat. All die Gefühle! All das Pathos! Nein, das war nichts für ihn. Er ist Jurist ... Sechs Personen, insgesamt. Die Mitarbeiterinnen aus der Buchhandlung, eine verwirrte ältere Dame und zwei angetrunkene Mütter. Ich habe die Vermutung, die Buchhändlerin hat die beiden Frauen für ihre Anwesenheit bezahlt. Nach der Lesung kamen sie zum Signieren zu mir, waren dabei aber ganz distanziert, irgendwie angeekelt sogar … Es war schlimm! Ich habe gelesen und mich in jeder Sekunde für alles geschämt. Claus, weißt du was? Ich glaube, ich höre jetzt wirklich auf zu schreiben … Wie geht es dir denn? … Ja, … ja. Wirklich? … Ja, okay … Jahaaa ... Wo wohnen sie denn? ... Nein, er soll mich auf keinen Fall vom Bahnhof abholen ... Claus? ... Bist du noch da? Wir fahren jetzt in einen Tunnel. Es ist ganz dunkel hier – und still.«
*
Willst du in diesem Garten Brombeeren pflücken, mach dich darauf gefasst, dich zu verletzen. Denn obwohl die Sträucher schwer behangen sind mit Früchten, ist ihre Gestalt alles andere als zuvorkommend. Die Dornen halten sich an allem fest, was sie zu fassen kriegen. Sie wachsen hoch empor und fließen weit über die Erde hin, um dir die Füße zu fesseln. Streckst du die Arme aus, sind sie nicht lang genug. Die schönen dunklen Beeren glänzen. Du hast bei ihrem Anblick schon die erdige Süße auf der Zunge, spürst die Steinchen sich zwischen den Zähnen verhaken. Wag dich langsam vor, gegen den Widerstand der Zweige. Wie ein Haken dringt dir der Dorn in die Haut. Du musst dich losreißen, auch wenn es wehtut. Und wenn du deine blutende Hand dann einer Stelle näherst, wo deine Finger die Beeren endlich berühren, dann pflücke so viel du kannst und lass die Beeren in dir verschwinden wie eine kostbare Medizin.
*
Als ich einen Motor wie einen Orkan auf den Bahnhof zustürmen höre, weiß ich sofort, dass ich gemeint bin. Ich drehe mich um und sehe den goldenen Maserati, seine Kräfte drosselnd, in eine Parklücke gleiten, dann Harrys gelharte Igelfrisur, seine winkende Hand. Ich laufe auf seinen Sportwagen zu, ich laufe direkt in seine Arme, schmiege mich an seinen großen Bauch, an seine schwer parfümierte Brust – und fange sofort an zu weinen (als wäre er mein Papa). Dann rasen wir durch die Straßen von Bremen. Der Maserati ist ein brüllendes, schlecht erzogenes Raubtier, das an jeder Ampel Bewunderern und Feinden begegnet. Harry plappert und lässt mich weinen.
»Ach, Mensch!«, sagt er.
Bei Susi und Harry kommt gekühltes Sprudelwasser direkt aus der Leitung. Sie haben drei Backöfen und einen Weinschrank, der sich automatisch öffnet, wenn er das Gefühl hat, man bräuchte einen Schluck. Alles ist aufgeräumt und sauber, sorgfältig mit Dekoartikeln dekoriert. Claus’ Bilder hängen dort, wo niemand sie sieht. Meine Schuhe hinterlassen sofort Dreck auf dem Parkett, mein Mantel ist alt und knittrig, mein verheultes Gesicht sowieso unordentlich.
»Sag einfach, was du brauchst«, sagt Susi. »Ich könnte es gut verstehen, wenn du jetzt deine Ruhe haben möchtest.«
»Nein, Quatsch!« Ich lache ihr über die Kochinsel hinweg zu, so laut, dass es mich selbst ein wenig erschreckt.
Ehrfurchtsvoll blickt sie mir entgegen.
»Wie du dich der Sache stellst, ist wirklich stark.« Ihre Augen füllen sich mit Tränen.
»Na ja«, sage ich.
»Es mag dir vielleicht nicht helfen, aber so frühe Fehlgeburten sind nicht ungewöhnlich. Fast jede Frau muss so etwas einmal durchmachen.«
Ich nicke.
»Wir werden für dich beten«, sagt sie. »Aber jetzt machen wir dir erst mal ein bisschen den Fernseher an.«
Ich durchquere die Länge des Neubaulofts und lasse mich auf die weiße Couchgarnitur sinken. In der Küche geht ein Alarm. Kurz darauf ist Susi mit einer Tasse Kamillentee bei mir.
»Was möchtest du denn gucken?«, fragt sie, während sie neben mir Platz nimmt und sich ein Kissen auf den Schoß legt.
Auf dem wandfüllenden Flatscreen läuft eine Kochsendung.
Lächelnd überreicht Susi mir die Fernbedienung.
Ich ziele auf den Koch und schieße.
*
Das Schaf läuft den Hang hinauf und wieder hinunter. Es legt sich ins Gras und springt wieder hoch. Seine Schreie klingen dunkel. Dabei ist es mitten am Tag. Die Sonne scheint. Die Luft riecht gut. Eine Amsel landet auf dem Zaun. Die Hühner sind bester Laune. Das Schaf schleppt sich in der Nähe des Haselstrauchs umher. Es legt sich in eine Kuhle, streckt die Beine vom Körper weg und schreit – schon wieder. Unter dem Schwanz wölbt sich die Haut. Blut tropft heraus, Schleim, dann zeigt sich etwas Festes. Hufe, Fesseln. Aber die Öffnung ist zu klein. Das Schaf ist wieder aufgestanden. Die Beine gucken aus ihm hervor, aber es fehlt ja noch der ganze Körper, es fehlt ja noch das Gesicht. Wie lange darf das Wesen so feststecken zwischen den Welten, bis es sich entscheidet, wieder umzukehren? Wie lange darf das Schaf so geöffnet und unerlöst umhergehen, bis es hinfällt und liegen bleibt? Lange. Und lange ist nicht sicher, wie diese Geschichte zu Ende geht. Oh, aber dann passiert es: Ein dunkler, glänzender Körper fällt auf die Erde unter dem Haselstrauch. Er rührt sich nicht. Erst die Mutter erweckt ihn zum Leben. Sanft berührt sie mit der Nase ihr Kind, und da ertönt eine zitternde Stimme.
*
»Nein!«, kommt es aus dem Innern des Fahrstuhls.
Claus steht, die Hand an die Aufzugtür gedrückt, in Harrys und Susis Treppenhaus. Er sieht erschöpft aus, fast krank.
»Na los, Siggi!«
»Nein!«
Mit verschränkten Armen steht Siggi mitten im Aufzug, bockig wie am ersten Tag.
»Siggi?«, frage ich erstaunt. »Was machst du denn hier?«
Siggi lächelt, macht aber keinen Schritt auf uns zu. Hinter mir klatscht Susi begeistert in die Hände: »Siggi! Der Osterhase war hier. Willst du mal gucken?«
Einen Augenblick lang tut Siggi noch so, als könnte er seinen Widerstand aufrechterhalten, dann schießt er in die Wohnung, springt auf den rollenden Tiger, den Susi an der Garderobe für ihn geparkt hat, und fährt neben ihr, einer Riesin auf einer winzigen rollenden Kuh, zu seinem Geschenkeberg im Wohnzimmer.
Claus’ Pupillen sind groß und unruhig.
»Wie geht’s dir?«, fragt er, legt mir die Hand ans Gesicht.
»Keine Ahnung«, sage ich.
Claus dreht sich zu Harry, und vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber es klingt, als würde er ihn um etwas bitten, als er seine Arme ausbreitet und sagt: »Hallo Papa!«
Während die anderen Gin Tonic in der Sauna trinken, sitze ich neben der Badewanne im Gästebad und angele mit Siggi Plastikfische aus den duftenden Schaumbergen. Siggis Augen strahlen. Susis und Harrys Welt ist Disneyland für ihn, und auch ich fühle mich verwöhnt und geborgen. Nach dem Bad jage ich dem nackten Kind durch die Wohnung hinterher. Siggi springt auf das Sofa, versteckt sich unterm Couchtisch und kriecht ins Regal. Ich ergebe mich wie ein gefallener Boxer, liege mit ausgestreckten Armen und Beinen auf dem Fußboden. Es ist so schön, wieder in Siggis Nähe zu sein, sein Gewicht zu spüren, seinen Duft und seinen Widerstand.
»Hast du denn mal wieder ein Bild verkauft?«, fragt Susi beim Essen.
»Nein«, antwortet Claus.
»Wie schade! Du hast doch früher so reizende Landschaften gemalt. Die kommen doch bestimmt gut an!«
»Das ist altes Zeug.«
»Also bitte, mein Lieber! Alle unsere Freunde beneiden uns um die schönen Bilder ...
Inhaltsverzeichnis
- Table of Contents
- Widmung
- Prolog - Lieber Siggi
- 1. Kapitel - Blut
- 2. Kapitel - Die Baustelle
- 3. Kapitel - Der Garten
- Danksagung
- Biografie - Lisa Kreißler
- Mehr von Lisa Kreißler
- Impressum