Wo Wasser gurgelt, sprudeln auch Mythen, Sagen und Geschichten.Im Herzen von Oberösterreich zwischen den Flüssen Enns und Krems liegt die kleine Kurstadt Bad Hall. Als hätte das Wasser dieser Gegend vieles zu erzählen, gluckst es in heilbringenden Quellen und Brunnen und durchzieht als Lebensader die Landschaft – selbst das Trinkwasser kommt aus einem sagenumwobenen Boden. Seit Jahrhunderten haben sich Menschen das wahrlich kostbare Gut zunutze gemacht und kommen heute wie damals nach Bad Hall, um Körper und Seele zu stärken und ihrer Gesundheit Gutes zu tun.Dieses Buch nimmt Sie mit auf eine Reise, um die Kurstadt Bad Hall und ihre Umgebung mit ihren Geschichten zu erleben. Bestimmt finden Sie Ihren Lieblingsplatz, entdecken Neues und sehen Vertrautes mit anderen Augen. Genießen Sie unbeschwerte Ausflüge zu sagenreichen Plätzen und lassen Sie sich von den Erzählungen wie vom Fluss des Wassers begleiten.- Sagen und Geschichten aus fünf Gemeinden: Bad Hall, Pfarrkirchen bei Bad Hall, Adlwang, Rohr im Kremstal und Kremsmünster- Hinweise zu markierten Wanderwegen und Sehenswürdigkeiten- Ideale Lektüre für Kurgäste, Ruhesuchende, Kulturinteressierte und Neugierige

- 176 Seiten
- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
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Information
Thema
Geschichte1 Die Salzquelle am Sulzbach

Der Traum vom ewigen Leben oder zumindest vom gesunden, hohen Alter begleitet die Menschheit seit jeher. So gelten Kraftorte und Kultplätze, die die Menschen auf ihrer Suche stärken, als sagenumwoben. Wasser ist ein Lebensquell. Schon das Wort drückt aus, was wir empfinden. Das wertvolle Element versorgt den Körper, reinigt den Geist und stärkt die Seele. Früher glaubte man, die Schöpfung selbst wähle besondere Plätze, um der Vergänglichkeit des Lebens mit heilbringenden Gaben zu begegnen. Und Quellen stehen am Beginn des ewigen Kreislaufs.
Zwischen dem Ennstal und dem Fluss Krems soll der Lauf des Lebens ein besonders guter sein. Menschen, die diese Gegend bewohnen, sei – so wird erzählt – ein gesegnetes Alter geschenkt. Selbst Hochbetagte erfreuen sich bester Gesundheit. Reisende aus längst vergangenen Tagen berichten von der wohltuenden Wirkung dieser Landschaft. Wundererzählungen füllen Bücher und werden über Generationen weitergegeben. Das heilbringende Wasser soll selbst den Bann der Zauberei oder die Fesseln des Teufels lösen.
Im Haller Raum verbindet der Sulzbach Gemeinden und Geschichten. Aus südlicher Richtung fließt er in sanftem Lauf durch die Ortschaften. Sein Name trägt das Salz im Wort. Geschichten hat er einige zu erzählen, bevor er im Kremstal in den gleichnamigen Fluss mündet. An der Stelle, wo heute Bad Hall und Pfarrkirchen aufeinandertreffen, geschah an seinem linken Ufer einst Sonderbares:
Eine sagenhafte Überlieferung aus alter Zeit erzählt von grasenden Tieren, die vom Ufer des Sulzbaches nicht mehr wegzubekommen waren. Kaum dreißig Schritte vom Bachbett entfernt schien eine Stelle die Herde magisch anzuziehen. Es waren Schafe oder Rinder, von beiderlei weiß der Volksmund zu berichten. Die Tiere drängten sich ungewöhnlich auf engstem Raum und keine Regung der Umgebung konnte sie beirren. Sie grasten unermüdlich an einem offenen Wiesenquell. Nicht nur das saftige Grün schien dort besser als anderswo zu schmecken, auch sollen die Tiere den feuchten Boden unermüdlich geleckt haben. Nicht einmal zum wenige Schritte entfernten Bachlauf ließen sie sich leiten. An besagter Stelle gab die Erde eine salzhaltige Quelle frei. Instinktiv hatten die Tiere den Weg dorthin gewiesen. Menschen wussten dieses Verhalten früh zu deuten und das Geschenk der Natur zu schätzen. Arme Leute nutzten das Wasser für Brot- und Speisenzubereitung, um teures Salz zu sparen. Esel wurden mit großen Holzgefäßen bepackt, um das wertvolle Gut in die Besiedlungen zu tragen. Die Stärkung der Gesundheit und manch heilende Wirkung schenkte Leidenden Linderung. Das Wasser wurde getrunken, in Flaschen abgefüllt und weit ins Land verschickt. Auch die vielen Pilger des nahen Wallfahrtsortes Adlwang trugen zur Verbreitung bei. Der offene Wiesenbrunn war Anziehungspunkt für viele Heilsuchende aus Nah und Fern.
Im Lichte der Sage glaubte man, die salzhaltige Quelle wäre mit Ebbe und Flut verbunden und würde im Tageslauf – dem fernen Meerwasser gleich – zweimal steigen und fallen. Durch die Kräfte der Natur im Innersten vereint, sagte man, würde das Wasser dem Rhythmus der Ozeane folgen. Für manche war es der frische Atem der Natur, andere nannten die Quelle pulsierend, einem Herzschlag gleich. Dass die Haller Sole auch Jod führte, entdeckte man erst im beginnenden 19. Jahrhundert. Mit der Erschließung neuer Quellen erblühte das Kurleben. So brachte die Quelle am Sulzbach über die Jahrhunderte unzähligen Kranken Heilung oder Linderung. Schwache fanden Stärkung und Ruhesuchende Kraft. Aus Sorge um Verunreinigung durch den nahen Wasserlauf des Sulzbaches wurde die Quelle gefasst. Aus ersten hölzernen Überdachungen entstand im Lauf der Zeit ein gemauerter Bau. Als Zeichen der Dankbarkeit für die Heilung ihrer Tochter ließ eine Wiener Handelsfrau ein prächtiges Gebäude errichten. Der Anbau einer Trinkhalle erweiterte die Nutzung.


Am eindrucksvollen Quelltempel führen heute schöne Spazier- und Wanderwege vorbei. Der nahe Tassiloweg und die Bezeichnung „Tassiloquelle“ erinnern daran, dass vor über 1 200 Jahren Baiernherzog Tassilo III. die Salzquelle am Sulzbach seiner Klostergründung Kremsmünster zum Geschenk machte. Heute liegt die Salzquelle am Sulzbach in der Nachbargemeinde Pfarrkirchen, die den Schatz der Natur auch im Gemeindewappen trägt. Eine zweite Quelle andernorts wurde nach Tassilos sagenumwobenem Sohn aus der Gründungssage des Kremsmünsterer Klosters „Guntherquelle“ genannt. Mit dem Namen des Herzogssohns aus der Gründungssage des Stiftes führt auch die Guntherstraße durch Bad Hall.
2 Das Geschenk des Herzogs

Das Wasser einiger Quellen in der Gegend von Bad Hall ist salzhaltig und wurde schon in alter Zeit genutzt. Auch Herzog Tassilo, der im 8. Jahrhundert die Geschicke des Landes lenkte, schätzte die nahe des Sulzbaches hervorsprudelnde Gabe der Natur. Die Gegend um Bad Hall soll ihm gut vertraut gewesen sein. Wer kennt sie nicht, die uralte Gründungslegende des benachbarten Stiftes Kremsmünster? Die Freude an der Jagd und die Verfolgung eines mächtigen Ebers führten seinen jugendlichen Sohn Gunther in die dichten Wälder. Doch der Kampf mit dem Wildschwein endete für Mensch und Tier tödlich. Der trauernde Vater ließ an der Unglücksstelle zur Erinnerung an seinen Sohn und zur Ehre des Welterlösers eine hölzerne Kirche bauen. Daraus erwuchs im Laufe der Jahrhunderte das bis heute weithin bekannte Benediktinerkloster Kremsmünster. Seine Stiftung bedachte er mit großzügigen Schenkungen. Der sagenumwobene Herzogssohn Gunther bleibt so wie sein für die Geschichte des Landes bedeutsamer Vater mit den nach ihnen benannten Quellen in und um Bad Hall unvergesslich.
Der Haller Sagenschatz erzählt, dass Herzog Tassilo in dieser Gegend einst ein Jagdschloss besessen habe. Das alte Geschlecht der Agilofinger soll in Hall eine heute versunkene Burg bewohnt haben, die den Herzögen für ihre Jagdausflüge diente. Manch einer glaubt, aus deren Grundfesten könnte das heutige Schloss Hall hervorgegangen sein. Unterirdische Gänge nähren Spekulationen. Andere wiederum vermuten im alten Flurnamen „Jägerfeld“ Richtung Sulzbachtal den uralten Burgstall. Das sagenumwobene Jagdschloss soll am Standort des einstigen Kaiserin-Elisabeth-Kinder-Spitals, dem späteren Bauplatz der Tassilo-Therme, gelegen sein. Der Boden bewahrte bislang sein Geheimnis.

Jedenfalls wusste und schätzte Tassilo die Gaben der Natur rund um Bad Hall. Große Ländereien zur Rodung und Bewirtschaftung sollten seine bedeutende Klostergründung Kremsmünster stärken. Im historischen Stiftungsbrief, der Jahr für Jahr am 11. Dezember, dem Stiftertag des Klosters, in feierlichem Rahmen verlesen wird, zählt der Herzog seine umfassende Schenkung auf. Allen voran die Haller Salzquelle am Sulzbach. Auch das Salzsieden, das Erhitzen und Eindampfen von Sole in großen Pfannen, wird bereits erwähnt und gilt als Zeugnis alter Siedlungstätigkeit. Die Menschen wussten das Wasser zu nutzen – für das Vieh, als wertvolle Nahrungsbeigabe und zum Wohle der Gesundheit.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entstand die erste Badeanstalt und aus dem „Herzogenhall“, das um 1287 das Marktrecht erhielt, erwuchs die Kurstadt Bad Hall.
Immer schon empfinden viele Menschen den Aufenthalt, das Leben und den Besuch der Haller Gegend als wohltuend und heilend. Kranke erfahren Linderung, Erholungssuchende atmen Ruhe, Generationen finden wertvollen Lebensraum. Das Geschenk des Herzogs wurde zum Geschenk für viele. Und der Name Tassilo bleibt lebendig: Die sprudelnde Quelle trägt seinen Namen, der nahegelegene Tassiloweg in Pfarrkirchen lädt zum Spazieren ein. In Bad Hall erinnert die Guntherstraße an den sagenumwobenen Herzogssohn und eine Quelle mit seinem Namen schenkt wertvolles Wasser. Der hiesige Theaterverein heißt Tassilo-Bühne Bad Hall und zur sportlichen Betätigung lädt der Golfclub Herzog Tassilo. Bis vor wenigen Jahren waren die Tassilotherme und das Kurhotel Herzog Tassilo weit bekannt, bekamen aber beide nach umfangreichen Sanierungen neue Namen. In der Stadtpfarrkirche Bad Hall erinnert ein Glasfenster über dem Westportal an die Schenkung des Herzogs, am Kirchplatz davor wacht Tassilo – im Volksmund auch weißer Riese genannt – überlebensgroß über das Treiben der Kurstadt. Auch im Foyer des Gästezentrums kommt man nicht an Tassilo vorbei und selbst die Farben der Stadtfahne sind heute noch bayrisch blau-weiß.
3 Die Haller Zuckerdose

Aus der Zeit der Franzosenkriege wird für die Haller Gegend eine Geschichte überliefert, die es wert ist, erzählt zu werden:
Vor über 200 Jahren zogen durch das heutige Bad Hall zahlreiche französische Soldaten. Einige Erinnerungen an diese Zeit wie die sogenannten Franzosenkreuze am Blankenberg und Furtberg oder die Franzosenkugel im Stadtmuseum Forum Hall erinnern noch daran. Die Bevölkerung bekam die kämpferischen Truppen auf bitterste Weise zu spüren. Plünderungen prägten das Alltagsleben. Aus Häusern und Kirchen wurde geraubt, was nicht niet- und nagelfest war. Während es bei den von Armut und Not gezeichneten Menschen oft wenig zu holen gab, glichen Gotteshäuser wahren Schatzkisten. Seit jeher wurde Symbolen des christlichen Glaubens viel Aufmerksamkeit geschenkt. Messgegenstände wurden aus wertvollen Materialien gefertigt, mit Edelsteinen, Ornamenten und aufwendigen Verzierungen geschmückt. Tiefer Glaube, Verehrung und Dankbarkeit kommen in der glanzvollen Verarbeitung zum Ausdruck. In Bad Hall aber wird in alten Zeitungskorrespondenzen von einem außergewöhnlichen Hostienbehälter, Ziborium genannt, berichtet – ohne Glanz, ohne Schmuck, allerdings mit einer ganz besonderen Geschichte:
Es war – wie gesagt – die Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts. Gut 20 Jahre zuvor war Hall unter Joseph II. zur eigenen Pfarre und die alte Margarethenkapelle zur Pfarrkirche erhoben worden. Das Gotteshaus, auch „Kirche unter den sieben ...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Impressum
- Title
- Inhalt
- Sprudelnde Geschichten
- 1 Die Salzquelle am Sulzbach
- 2 Das Geschenk des Herzogs
- 3 Die Haller Zuckerdose
- 4 Mythos Wasser
- 5 Im Garten der Bäume
- 6 Eine Teufelssage im Zauber der Lichtbäume
- 7 Der Himmelsschlüssel
- 8 Viertel nach zwölf
- 9 Der Brunnen des heiligen Georg
- 10 Der rettende Feuerbusch
- 11 Das Ende der Zeit
- 12 Ritter Adelwange
- 13 Der Heilige Brunnen von Adlwang
- 14 Maria im Ameisenhaufen
- 15 Die Goldenen Samstage
- 16 Kraftort St. Nikolai
- 17 Das Rätsel der Kugelsteine
- 18 Die uralte Sage von Babos Söhnen
- 19 Der Teufel von Achleiten
- 20 Das Bergmännlein
- 21 Kraftplatz St. Blasien
- 22 Der Teufelsturm
- 23 Das versunkene Schloss
- 24 Der Spuk beim Kalchmair
- 25 Der Baum mitten in der Welt
- Quellen und Literatur
Häufig gestellte Fragen
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