Geschichte des Geldes
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Geschichte des Geldes

Verpflichtung versus Verschuldung

  1. 178 Seiten
  2. German
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Geschichte des Geldes

Verpflichtung versus Verschuldung

Über dieses Buch

David Graeber sieht in Schulden eine Ursache für Kriege, was historisch vielfach stimmt. Doch Schulden werden auch Verbindlichkeiten genannt. Tatsächlich können Schulden auch Verpflichtungen darstellen, die eine soziale Gemeinschaft binden, statt sprengen. Dieses Buch geht den Unterschieden von Geschenkwirtschaft, Tauschwirtschaft und Geldwirtschaft nach und wirft auch einen Blick auf das Kerbholzsystem. Es rekonstruiert die Entstehung, Entwicklung und Veränderungen des Geldes vom prähistorischen Tauschhandel bis zum heutigen Kreditgeld. Diese Geldgeschichte ermöglicht einen neuen Blick auf die Zukunft.

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Information

1. Vorwort

Geschichte eröffnet neue Horizonte
Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.
André Malraux2
Wer über Geld schreibt, steht vor einem Dilemma, denn das Thema ist komplex. Aspekte weglassen, diskreditiert das Buch in den Augen der Fachleute. Zu viele Aspekte berücksichtigen, macht es für Fachfremde verwirrend. Diese Geschichte des Geldes wagt den Spagat. Beim Streifzug durch die Jahrtausende blickt das Buch nur soweit nötig auf die vielfältigen Erscheinungsformen des Geldes. Es sucht jedoch immer nach dem Wesen der jeweils verwendeten Zahlungsmittel. Ziel ist es, Entstehung, Entwicklung sowie die verschiedenen Veränderungen des Geldes bis hin zum heutigen Kreditgeld zu rekonstruieren.
Wie alles was existiert, ist auch Geld dem ewigen Wandel unterworfen. Geld hat gewissermaßen eine Evolution durchlaufen. Die Spuren dieser Entwicklung finden sich bis heute in den finanztechnischen Regelwerken. Diese Geschichte des Geldes ist deshalb kein Selbstzweck. Erst das Wissen über die Entwicklung des Geldes macht die Gegenwart verständlich. Nur auf dieser Grundlage können tragfähige Reformen geplant werden. Erst ein Verständnis der Vergangenheit ermöglicht, Zukunft zu gestalten. Doch die Gegenwart wird uns erst im 3. Teil und die Zukunft erst im 4. Teil dieser Tetralogie (siehe S. ) beschäftigen.
Bevor wir unsere Reise durch die Geschichte des Geldes beginnen, möchte ich einen Überblick über die Entwicklung der Austauschverhältnisse geben. Ich glaube, auch hier eine Entwicklung zu sehen. Nach meinem Verständnis haben sich die Austauschverhältnisse in Wechselwirkung mit den Produktionsverhältnissen entwickelt. Ursachen der entstehenden Ausbeutung sehe ich sowohl in den Produktionsverhältnissen als auch in den Austauschverhältnissen.
Unsere Geschichte beginnt lange vor Entstehung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. In grauer Vorzeit lebten Menschen als Nomaden von der Hand in den Mund. Ihr Überleben war von der Natur, aber auch von der Gemeinschaft ihrer Horde, ihres Clans abhängig. Die Abhängigkeiten innerhalb der Menschengemeinschaften schufen Verbindungen, gegenseitige Verpflichtungen. Im Laufe des Prozesses des Sesshaftwerdens wurden Personenbindungen immer stärker durch Sachbindungen verdrängt. Aus Geschenken wurden Tribute. Verpflichtungen wurden zur Pflicht. Indem Verpflichtungen festgeschrieben wurden, entstanden erdrückende Schulden. Dazu war nicht zwingend Geld erforderlich.

2. Tauschsysteme

Tausch im sozioökonomischen Kontext
Solange das Volk, der Stamm, das Geschlecht die Wirtschaftseinheiten waren, gab es innerhalb derselben keinen Handel; ebensowenig innerhalb der Marktgenossenschaft, der Grundherrschaft, der ihr untertänigen Dorfgemeinschaft. … Handel fand bloß mit Angehörigen fremder Wirtschaftseinheiten statt, wenn solche gelegentlich mit Gütern nahten, mittels derer sie die Begehrlichkeiten und neue Bedürfnisse weckten, um das, wonach sie verlangten, zu erhalten.
Alfons Dopsch3
David Graeber ist wie Gunnar Heinsohn und Otto Steiger der Ansicht,
Geld und Schulden tauchen im selben Augenblick auf der Bühne auf.4
Heinsohn und Steiger vertreten diese Ansicht, weil sie das heutige Kreditgeldsystem in die Vergangenheit zurück projizieren. Wie wenig glaubwürdig mir dies erscheint, habe ich bereits im 1. Teil dieser Tetralogie (siehe S. ) im Zusammenhang mit der Geschichte des Eigentums skizziert.
Auch Graebers Ansicht, dass Geld und Schulden im gleichen historischen Augenblick entstanden sind, teile ich nicht. Zum einen sehe ich eine Wurzel der Verschuldung im Übergang von der Geschenkwirtschaft zur Tauschwirtschaft, im Verleihen von Saatgetreide. Zum anderen sehe ich nicht, dass Geldschulden zeitgleich mit dem Geld entstehen. Kreditaufnahme in Geld wird erst notwendig, wenn Geld notwendiges Tauschmittel geworden ist. Als Geld erstmals in die Welt trat, kann es aber noch kein notwendiges, sondern nur ein mögliches Tauschmittel neben anderen gewesen sein. Für eine Kreditaufnahme in Geld gab es daher im Augenblick der Geldentstehung keinen Grund. Kreditaufnahme in Geld wurde erst nötig, als Geld bereits übliches, wenn nicht sogar notwendiges Tauschmittel geworden war. Voraussetzung für die Kreditaufnahme war zudem, dass Geld inzwischen sehr ungleich verteilt war. Kredit konnte nur geben, wer Geld im Überfluss hatte und Kredit musste nur nehmen, wer unter Geldmangel litt. All das kann nicht bereits im Augenblick der Entstehung des Geldes da gewesen sein. Natürlich stellt sich die Frage, was ist Geld?
Tatsächlich tut sich hier ein weites Feld für Interpretationen auf. Wenn wir Schuldkontrakte Jahrtausende vor dem Prägen der ersten Münze finden, stellt sich die Frage, was waren das für Schulden? Um auf all diese Fragen Antworten zu finden, muss unsere Geschichte des Geldes vor dem Entstehen des Geldes beginnen. Wir müssen versuchen, die Welt vor dem Auftauchen von Geld zu verstehen.
Es gibt Theorien, die behaupten, Geld sei nicht aus dem Tauschhandel entstanden. Diese Theorien gründen sich mehr oder weniger darauf, unser heutiges Kreditgeldsystem in die Geschichte zurück zu projizieren. Danach soll Geld ursächlich aus Kreditaufnahme hervor gegangen sein. Wie oben skizziert, ergibt diese These für mich keinen Sinn. Ich halte das Naheliegende – Geld entstand im Tauschhandel – auch für das Logische. Allerdings denke ich, dass es vor dem Entstehen von Geld bereits zwei eigenständige Tauschsysteme gab. In beiden Tauschsystemen sehe ich die Wurzeln des Geldes. Beide haben ganz unterschiedlich zur Geldentwicklung beigetragen. Ein Blick in diese Vorgeschichte des Geldes ermöglicht uns, alle scheinbar absonderlichen Geldentwicklungen zu erklären.
Werfen wir also zunächst einen Blick auf die Geschenkwirtschaft. Diese Form des Austausches lässt sich bis ins Tierreich zurück verfolgen. Mit dem allmählichen Übergang zu einer sesshaften Lebensweise hat sich eine neue Austauschform entwickelt, die ich „Tauschwirtschaft“ nenne, siehe Kapitel 2.2. (S. ff.) Erst aus dieser Tauschwirtschaft ist im Fernhandel schließlich die Geldwirtschaft entstanden, wie die Geschichte zeigen wird. Nachfolgend werde ich genauer definieren, was ich unter Geschenkwirtschaft, Tauschwirtschaft und Geldwirtschaft verstehe.

2.1. Geschenkwirtschaft

Seit Anbeginn
Ein Netzwerk aus Verbindlichkeiten und Verpflichtungen
Kaufen und Verkaufen kennen sie allerdings nicht: Sie bitten um Hilfe. Großzügigkeit ist die höchste Tugend in Samoa. Man macht Geschenke, damit andere Geschenke machen können.
Gabriele Hoffmann5
Einst lebten alle Menschen als Nomaden. In den immergrünen Tropen war es leicht von der Hand in den Mund zu leben. In warmen Klimazonen, in denen Bäume das ganze Jahr Früchte tragen, hat sich diese Lebensweise deshalb oft bis in die Neuzeit erhalten. Für Nomaden machte es keinen Sinn, Vorräte zu horten. Sinn machte es, heutigen Überfluss an Früchten und Jagdbeute zu teilen, denn das förderte Freundschaften und Bündnisse. Solche sozialen Bindungen waren nicht nur von sozialer, sondern auch von entscheidender ökonomischer Bedeutung. Sammlerinnen und Jäger waren deshalb stets bereit, schwankendes Sammelund Jagdglück durch wechselseitige Geschenke auszugleichen. Das stärkte die Position in der Gruppe und damit die Überlebenschancen aller. Für Nomaden waren persönliche Bindungen lebenswichtig. Sie fortwährend durch gegenseitige Geschenke zu pflegen, war deshalb sozial und ökonomisch sinnvoll.
Da jedes Geschenk die Aufforderung zu einem späteren Gegengeschenk enthielt, bestand ein kontinuierliches Geflecht gegenseitiger Verpflichtungen. Aus diesem Netzwerk verstoßen zu werden, war die härteste Strafe, die über Nomaden verhängt werden konnte. Es kam einem Todesurteil gleich, denn allein zu überleben war kaum möglich.
Mit der beginnenden Sesshaftigkeit begann sich das Verhältnis der Menschen zueinander zu verändern. Neben sozialen Bindungen entstanden nun auch Sachbindungen. Trotz dieses Wandels hat sich Geschenkwirtschaft als älteste Austauschform bis heute erhalten. Noch heute machen wir Geschenke um soziale Bindungen zu pflegen bzw. auf- oder auszubauen. Noch immer gehört es zum Wesen eines Geschenks, dass sein Preis unerwähnt bleibt. Ein Geldgeschenk ist deshalb eine (faktische) Unmöglichkeit; es kann sich nur um eine finanzielle Unterstützung handeln. Einer Geldgabe fehlt die Seele eines Geschenks, das Individuelle, das unbestimmt Verpflichtende. Geschenke sollen Verbindungen schaffen, stärken oder erhalten. Sie sind eine (mehr oder weniger) sanfte Aufforderung zu gegenseitiger Verpflichtung. Sie sollen auch Eindruck machen, zuweilen nicht nur auf die oder den Beschenkte*n, sondern ggf. auch auf das soziale Umfeld. Sie sind nicht nur eine Gabe, sondern auch ein Statement der oder des Schenkenden.
Dieser Aspekt des Schenkens hatte im Ritual des Potlatch bei den kanadischen Einheimischen eine besondere Entwicklung erfahren. Halliday schreibt darüber:
Gradually the privilege of giving began to be abused and distorted...6
Das Vorrecht zu schenken wurde zunehmend missbraucht und verdreht... [Ü. d.A.]
Potlatch stellte eine Art Geschenkewettkampf dar und kann als entfesselte Form von Imponiergehabe und Prestigestreben verstanden werden. Während eines Potlatchs wurden die Geschenke der Schenkenden öffentlich vernichtet und diese zugleich mit Gegengeschenken überhäuft, die jene ebenfalls vernichteten. Man kann das als Versuch verstehen, sich der sozialen Verpflichtung zu entledigen, die aus dem Annehmen eines Geschenkes erwächst. Mit dem Zurückweisen der Geschenke war wohl auch ein Prestigegewinn verbunden, weil sich nur ein starker Clan leisten konnte, das durch die Geschenke ausgedrückte Angebot von Freundschaft, Zusammenarbeit oder Frieden abzulehnen. Das Zerstören von Geschenken im Ritual des Potlatch kann als Demonstration sozialer und ökonomischer Stärke verstanden werden. Schenken wiederum ist nicht nur Ausdruck eigener Leistungsfähigkeit, sondern kann die Beschenkten auch demütigen. Indem beide die Geschenke zerstörten, bewiesen sie ihre soziale und ökonomische Unabhängigkeit. Auch zeigten sie durch Überreichen von Geschenken, von denen sie wussten, dass sie nicht angenommen werden, ihre Fähigkeit, ohne erkennbaren Nutzen zu produzieren.
Das Potlatch könnte auch als Ausdruck kulturell geformter Ehrbegriffe verstanden werden. Vielleicht waren in grauer Vorzeit, aus welchen Gründen auch immer, Geschenke durch Zerstören zurück gewiesen worden. Um einen Gesichtsverlust zu vermeiden, konnten dann auch die Schenkenden keine Gegengabe annehmen.7 Sollte es ein solches „erstes“ Potlatch gegeben haben, kann das Festhalten an diesem Ritual als Bemühen verstanden werden, trotzdem eine Verbindung aufrecht zu halten. Denn auch wenn die Geschenke im Potlatch demonstrativ zurück gewiesen wurden, so hielt die Begegnung als solche sowie das gemeinsame Ritual eine Verbindung lebendig.
Die gegenseitige Ehrerbietung zeigte sich trotz des Aktes der Zerstörung in der Größe der dargebrachten Geschenke. Das Potlatch könnte so auch als soziales Lehrstück gelesen werden. Es könnte uns unter anderem lehren, dass Rituale niemals vereinfacht, sondern eher verkompliziert werden. Die starke soziale Bindungskraft von Ritualen zeigt sich immer wieder in der Schwierigkeit ihrer Überwindung. So bedurfte es harter Repressionen seitens der neuen Kolonialmächte, um das Potlatch in Nordamerika abzuschaffen.1
Schenken entspringt uralten Riten. Es ist eine Form des Austausches, die es mindestens schon unter Primaten gibt. Geschenke hatten und haben oft primär soziale Funktionen. Doch für Nomaden ließen sich soziale Rückversicherungen kaum von existenzsichernden ökonomischen Funktionen trennen. Damals wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, Menschen als homo oeconomicus zu beschreiben. Menschen waren und sind sozioökonomische Wesen.
Die Idee menschliches Verhalten rein ökonomisch erklären zu können, konnte erst im Kapitalismus entstehen, als selbst die Zeit zu Geld wurde. Das Credo dieses neuen Zeitalters lautet nicht: Zeit kostet Geld, sondern schonungslos: Zeit IST Geld. Doch bis zum Entstehen der Geldwirtschaft sollte noch viel Zeit vergehen. Zeit, in der Menschen anfingen sesshaft zu werden. Zeit, in der Menschen anfingen sich auf bestimmte Hauptnahrungsmittel und Kulturgüter zu spezialisieren.

1 Möglicherweise ist die Geschichte des Potlatchs aber auch eine ganz andere und europäische Er ­oberer haben uralte Rituale der native americans missverstanden und deshalb falsch überliefert. Neue Theorien besagen, dass kulturelle Überfremdung durch europäische Invasoren alte Rituale deformiert haben. Fakt bleibt, dass Potlatchrituale von 1884 bis 1950 verboten waren.

2.2. Tauschwirtschaft

Wahrscheinlich seit 10 000 Jahren
Wertausgleich ohne Maßstab
Jeder legt seine Waare, die er mit einem Zeichen versehen, an einen Ort und lässt sie da zurück. Dann kommt er wieder und findet eine Waare, die er für sein Land brauchen kann, daneben gelegt. Ist er damit zufrieden, so nimmt er das zum Tausch Gebotene und lässt seine Waare dafür zurück; ist er es nicht, so nimmt er diese wieder weg. Käufer und Verkäufer bekommen einander dabei nicht zu sehen.
Christian Martin Frähn8
Im Zuge der neolithischen Revolution veränderte sich die Wirtschaftsweise der Menschen grundlegend. Das Aneignen von Nahrung durch Sammeln und Jagen wurde allmählich ersetzt durch Nahrungsproduktion. Diese Revolution war kein eruptives Ereignis, sondern ein Jahrtausende währender Prozess. Ackerbau und Viehhaltung veränderten das Verhältnis der Menschen zur Natur radikal. Mit dem Übergang von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise entstanden Nahrungsvorräte. Mit dem Sesshaftwerden entwickelte sich auch erstmals so etwas wie Hausrat. Nomaden besaßen nicht mehr, als sie tragen konnten. Sesshafte konnten Vorräte an Werkzeugen, Kleidung oder Tongeschirr anlegen. Besitz bestand nun nicht mehr nur aus dem Tragbaren. Besitz ließ sich nun absetzen und besetzen. Es entstanden Sachbindungen, die über den Augenblick der direkten Inbesitznahme hinausgingen.
Das Aufgeben der nomadischen Lebensweise brachte nicht nur Vorteile. Die Ernährung wurde einseitiger. Archäologische Funde beweisen, dass der Gesundheitszustand der ersten sesshaften Menschen schlechter war als...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über das Buch
  2. Technische Hinweise
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. TEXTKÄSTEN
  5. 1. Vorwort
  6. 2. Tauschsysteme
  7. 3. Entwicklung des Münzgeldes
  8. 4. Münzwert
  9. 5. Münzerfolg
  10. 6. Münzversagen
  11. 7. Brakteaten
  12. 8. Entstehen des Kreditgeldes
  13. 9. Kreditfalle
  14. 10. Entwicklung des Kreditgeldes
  15. 11. Geldstoff
  16. 12. Zinsen
  17. 13. Machtwechsel
  18. 14. China
  19. 15. Geldschöpfungsmacht
  20. 16. Anhang
  21. Impressum