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Training und Seminare im digitalen Wandel
Der E-Learning-Kompass für erfolgreiche Schulungskonzepte
- 176 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
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Training und Seminare im digitalen Wandel
Der E-Learning-Kompass für erfolgreiche Schulungskonzepte
Über dieses Buch
Eine Kombination aus Online- und Präsenzlernen als neue Normalität
Dem Bildungs- und Weiterbildungssektor steht ein radikaler Wandel bevor. Digitale Konzepte werden immer wichtiger und Zukunftsforscher prognostizieren, dass kein Stein auf dem anderen bleiben wird.
Dies erfordert einen neuen, flexiblen Zugang aller Beteiligten und ein Überdenken der bisher bekannten Prozesse.
Es geht um neu gedachte und innovativ konzipierte Seminarkonzepte, eine völlige Neuausrichtung der Rolle der Trainer*innen, eine offene Unternehmenskultur zur Unterstützung dieser Konzepte und um die erforderlichen technischen Voraussetzungen.
Bei der Fülle an Möglichkeiten gilt es in erster Linie, für die jeweilige Zielgruppe und die verfügbaren Ressourcen passende Lernarrangements zu entwerfen.
Und diese Frage gilt es nun bei jedem Lernprojekt neu zu bewerten.
- Das Buch führt diejenigen, die digitale Lernkonzepte entwickeln und umsetzen, durch die wichtigsten Bereiche.
- Es liefert eine verlässliche Schritt-für-Schritt-Anleitung für die professionelle Umsetzung aller Lernprojekte.
- Es leitet Trainer*innen dazu an, selbst zukunftsweisende Lernarrangements zu entwickeln.
Information
Thema
Business1. Lernen im digitalen Wandel – anderes Denken und Handeln
Kapitelübersicht:
1.1 Geänderte Rahmenbedingungen für das Lernen
1.2 Lernen am Arbeitsplatz der Zukunft
1.3 Potenziale virtueller Bildungsangebote
Das allumfassende Thema Digitalisierung wird speziell den Bildungssektor in den nächsten Jahren noch weiter revolutionieren. Zukunftsforscher sagen schon seit Jahren in diesem Zusammenhang eine Disruption höchsten Ausmaßes voraus und prognostizieren, dass gerade im Bereich Bildung und Weiterbildung kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Der Umfang des E-Learning-Marktes wird laut Global Insights von 190 Mrd. USD im Jahr 2018 auf 300 Mrd. USD im Jahr 2025 ansteigen. Deshalb ist für Unternehmen genau jetzt der Moment gekommen, an dem sie die Zukunft ihrer Schulungskonzepte überdenken und sich radikal neu ausrichten müssen.
Radikal deswegen, da erfolgreich implementiertes E-Learning von allen Beteiligten ein völlig neues Denken und Handeln erfordert. Wie auch eine vollkommen neu konzipierte Vorgangsweise im Sinne einer gelungenen, wirksamen und zielorientierten Content-Entwicklung, bei der der Gedanke des kollaborativen Arbeitens im Mittelpunkt steht. Learning- und Development-Verantwortliche wie auch die Schulungsteilnehmer der Zukunft müssen erkennen und verstehen, dass es von jetzt an um das Bilden von „Learning Communities“ geht und auch um das Prinzip des „On-Demand-Learning“, und das in einem völlig anderen Setting als bisher.
Dies erfordert einen neuen, flexiblen Zugang aller Beteiligten und ein Überdenken der bisher bekannten Prozesse. Es geht um neu gedachte und innovativ konzipierte Seminarkonzepte, um eine völlige Neuausrichtung der Rolle der Trainer*innen, um eine andere, offene Unternehmenskultur, die dieses Lernen der neuen und anderen Art unterstützt, und schlussendlich um das Zur-Verfügung-Stellen der für die digitalen Konzepte erforderlichen Technik.
Diese Umstellung ist äußerst komplex und kann nicht von heute auf morgen und ohne weitere Vorbereitung bewerkstelligt werden.
TIPP!
Lassen Sie sich von dieser Komplexität nicht abschrecken. Zögern wäre jetzt ein Fehler. Sie könnten zum Beispiel mit einem Pilotprojekt starten, auf diese Weise erste Erfahrungen sammeln und später entsprechend nachjustieren.
Agil sein lautet auch hier die Devise! Mithilfe des E-Learning-Kompasses können Sie wichtige Weichen stellen.
Ein verlässlicher Kompass, der alle in dem Prozess beteiligten Verantwortlichen auf diesem Weg des digitalen Wandels begleitet und leitet und sie sicher durch alle Hürden navigieren lässt, ist dabei von höchster Bedeutung.
E-Learning in Unternehmen einzuführen stellt eine herausfordernde Change-Situation dar, an die es gilt, mit viel Expertise und Fingerspitzengefühl heranzugehen. Damit dieser Wandel gelingt, führt mein E-Learning-Kompass Unternehmen und ihre Bildungsverantwortlichen, aber auch alle Trainer*innen, die neue digitale Konzepte entwickeln und durchführen, trittsicher durch vier wichtige Bereiche: Lernarchitektur, Trainerrolle, Unternehmenskultur und Technik. Werfen wir dazu im ersten Schritt einen Blick in die Zukunft, um alle anstehenden Anforderungen zu erkennen, zu verstehen und darauf mit geeigneten Konzepten reagieren zu können.
1.1 Geänderte Rahmenbedingungen für das Lernen
Fakt ist, dass wir alle ständig lernen müssen, um in unseren beruflichen wie auch privaten Lebensbereichen anschlussfähig zu sein. Das Prinzip des „lebenslangen Lernens“ ist zwar definitiv nicht neu, hat aber durch die Digitalisierung eine völlig neue – und teilweise noch unbekannte – Dimension bekommen. Lernaufgaben wie Methoden verändern sich noch viel schneller, als wir das bisher je für möglich hielten. Im Detail geht es um eine Veränderung in den folgenden Bereichen:
1. Fähigkeiten werden wichtiger als reines Wissen
Es kommt hinzu: Die Halbwertszeit von Wissen nimmt dramatisch ab. Vor einem Jahrhundert noch dauerte es rund 35 Jahre, bis die Hälfte des Wissens eines Ingenieurs an der Hochschule „ersetzt“ wurde. Bereits in den 1960er-Jahren betrug diese Zeitspanne nur mehr ein Jahrzehnt. Nach neuesten Schätzungen liegt sie heute zwischen zweieinhalb und fünf Jahren (siehe Hart 2020a)! Es wird also zukünftig nicht mehr darum gehen, sich so viele Fakten wie möglich zu merken, sondern vielmehr darum, Fähigkeiten auszubauen – etwa genau zu wissen, wo man die digitalen Updates dieser Fakten findet, um Rechercheergebnisse jederzeit neu und flexibel validieren zu können. Die Speicherkapazitäten digitaler Medien schlagen unser Gedächtnis nun einmal bei Weitem!
2. Berufslaufbahnen werden vielfältiger
Bisher kennen wir relativ starre und geplante Berufslaufbahnen, mit in etwa folgenden Schritten: Ausbildung, Arbeit, Ruhestand. In Zukunft werden Menschen in ihrer Berufslaufbahn flexibel mehrfach ihren Karriereweg ändern (müssen). Es geht um ein agiles Karriere- und Weiterbildungsverhalten und ein Voranschreiten im Sinne ständiger persönlicher wie beruflicher Entwicklung.
3. Methodische Möglichkeiten erweitern sich
Unsere methodischen Möglichkeiten im Bildungsbereich haben sich durch die Digitalisierung rapide erhöht. E-Learning fördert die Individualisierung des Lernens, denn die Lernenden können ihre jeweiligen Lernphasen vollkommen frei einteilen. Sie können entscheiden, wie lange sie jeweils lernen oder wie oft sie etwas wiederholen. Zudem bietet digitales Lern-Tracking viele Möglichkeiten, den Lernerfolg zu steigern. Auf Basis von Trackingdaten können Anwendungen neue Materialien oder Lernstrategien vorschlagen.
Persönliche Betrachtung
Die Themen Lernen und Entwicklung sind meine absolute Passion. Schon seit meinem Studium erlebe ich die neuesten Erkenntnisse zum Thema Lernen und die Entwicklung von Lerntechnologien als sehr aufregend, vergleichbar mit einem Krimi.
Es ist unglaublich spannend, zu verfolgen, welche Lernszenarien derzeit in Entwicklung sind, und sich zu überlegen, wie ein Smart Learning Environment tatsächlich aussehen könnte: Stellen Sie sich vor, Sie nehmen an einer Konferenz in den USA teil und lauschen dort spannenden Vorträgen. Die gehörten Inhalte halten Sie auf einem digitalen Notizblock, einem sogenannten Smart Writing System, fest. Dadurch werden Ihre Notizen sofort in Ihrer persönlichen Lernumgebung hinterlegt. Diese Lernumgebung nutzt künstliche Intelligenz und durch alle hier zusammengeführten Daten lernt sie Sie immer besser kennen. Also auch anhand Ihrer Notizen von der Konferenz in den USA weiß die Umgebung, wofür Sie sich interessieren.
Diesen Mechanismus kennen wir schon von Streaming-Diensten wie Netflix und schätzen ihn. Doch jetzt wird es wirklich krass: Durch Ihren digitalen Terminkalender, der mit Ihrer persönlichen Lernumgebung verbunden ist, weiß diese, dass Sie in der kommenden Woche einen Vortrag über ein bestimmtes Thema halten müssen. Ihre Lernumgebung, die Sie nun in- und auswendig kennt, schlägt Ihnen sofort eine passende Schulungsmaßnahme zur perfekten Vorbereitung Ihres Vortrags vor. Außerdem hat Ihre Lernumgebung interessanten Content im Internet entdeckt, nämlich eine aktuelle Studie zu Ihrem Vortragsthema. Und weil die Lernumgebung durch Ihr Smartphone die Info erhalten hat, dass Sie gerade im Auto unterwegs sind und der passende Content sowohl als PDF als auch als Podcast zur Verfügung steht, schlägt sie Ihnen für Ihre Fahrt prompt diesen Podcast vor.
Ich bin zutiefst dankbar, in einer Zeit zu leben, in der sich uns in Bezug auf Lernen derartig gigantische und innovative Möglichkeiten eröffnen!
4. Lebensbereiche vermischen sich
Das Modell „Homeoffice“ wird sich – noch verstärkt durch die Corona-Krise – immer mehr verbreiten. Dadurch vermengen sich zunehmend die Bereiche Arbeit und Freizeit. Arbeiten wird flexibler werden und damit auch das Lernen. Lernende können sich heute praktisch überall und jederzeit mit ihren Lerninhalten beschäftigen.
1.2 Lernen am Arbeitsplatz der Zukunft
Berufliches Lernen wurde bisher meist als Einmal-Event, als Schulung (z. B. in Form eines ein- oder zweitägigen Seminars) oder als E-Learning-Kurs verstanden. In der heutigen Zeit, in der Wandel das einzig beständige Element zu sein scheint, muss Lernen als kontinuierlicher Prozess verstanden werden, der völlig neue Ideen und Denkweisen hervorbringt. Und dieser Prozess sollte sehr, sehr weit und breit gedacht werden. Denn es gibt inzwischen viele Wege, wie wir innerhalb und außerhalb einer Organisation lernen: durch das Ansehen von Videos oder den Austausch in Online-Netzwerken und Communities, in manchen Bereichen auch schon mittels Virtual Reality.
1. Traditionelle Trainingstools haben ausgedient
Laut einer Umfrage von Jane Hart (2020 b) war im Jahr 2019 das meistgenutzte Tool für Weiterbildung YouTube, gefolgt von Google Search. Das ist verständlich, denn um ein aktuelles Problem zu lösen, ist es weitaus flexibler und kostengünstiger, ein Video anzusehen, als eine Schulung zu organisieren.
Eine Untersuchung von Jane Hart (2020 c) zeigt, dass Menschen wesentlich mehr aus dem Selbststudium lernen: 39 % durch Internetsuche, Videos, Podcasts oder Blogs) und nur 12 % aus formalen Kursen (E-Learning, Präsenzseminare). Für weitere Lernformen ergaben sich folgende Werte: 29 % durch Anwenden (direkt bei der Arbeit, durch einen Mentor oder Coach) und 20 % aus Diskussionen mit anderen (sozialer Austausch, Netzwerken, Konferenzen, Events). Der Lernprozess muss also weitaus vielschichtiger werden als bisher und idealerweise als Kombination aus verschiedensten Bausteinen des Lernens zusammengestellt sein.

Abbildung 1: Das Vier-D-Modell des Lernens (Hart 2020 c)
2. Lernen wird autonomer und selbstorganisierter
Wir waren es bisher gewohnt, dass Unternehmen, und damit auch die berufliche Weiterbildung, sehr hierarchisch, also top-down organisiert war. Der neue Weg des Lernens verläuft in die entgegengesetzte Richtung: sehr autonom, selbstorganisiert, individuell und bottom-up. Jeder Mensch hat nun einmal unterschiedliche Lernvorlieben. Es wird in Zukunft vermehrt beim Lernenden liegen, zu erkennen, wie er am besten lernt und wie er sich innerhalb des Lernprozesses organisieren möchte. Daraus resultiert: Didaktische Konzepte und das Rollenverständnis von Lehrenden und Lernenden sind in einem absoluten Wandel begriffen. Unternehmen müssen flexibler werden und Ressourcen zur Verfügung stellen, die das neue Lernen unterstützen.
3. Lernen on Demand
Der sich ständig wandelnde Markt braucht zukünftig ein bedarfsorientiertes Lernen. Es macht schließlich wenig Sinn, vorab Wissen und Kompetenzen „auf Vorrat“ zu vermitteln. Sehr viel effektiver ist es, Wissen und Informationen punktgenau dann bereitzustellen, wenn sie gebraucht werden.
Persönliche Betrachtung
Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Seit Jahrzehnten halte ich ein- bis zweitägige Konfliktmanagementseminare und bezweifle seit jeher deren Sinnhaftigkeit. Warum? Weil das Szenario des Ablaufs sehr häufig folgendermaßen aussieht: Einmal pro Jahr erstellt die Personalentwicklung für das Folgejahr einen Schulungskatalog mit Seminarthemen, inklusive Beschreibungen und Terminen. Bis zu einem bestimmten Datum, zum Beispiel bis Jahresende, sollen sich die Mitarbeitenden in Absprache mit ihren Vorgesetzten für ein bis zwei dieser Seminare anmelden. Vielleicht hat nun ein Mitarbeiter wegen eines getrübten Klimas mit einem Kollegen gerade Bedarf an Wissen zum Konfliktmanagement. Das Seminar findet allerdings erst viele Monate später statt.
Aufgrund dieser Herangehensweise haben zwei Drittel der Teilnehmenden im Seminar keinen aktuellen Bedarf (mehr) für ein Thema, wenn es dann endlich auf dem Programm steht. Im Idealfall sind es motivierte Lerner*innen. Auf die Frage nach der persönlichen Seminarzielsetzung meinen sie: „Das Thema ist im Moment nicht mehr so ganz aktuell für mich, aber man kann ja immer was Neues dazulernen!“ Prinzipiell gebe ich ihnen recht. Aber wie effizient ist Lernen auf Vorrat? Würden Sie es für sinnvoll erachten, im Sommer in einem Seminar ein paar Gitarrenakkorde zu lernen, sozusagen auf Verdacht, weil Sie vielleicht zu Weihnachten Ihr Kind beim Weihnachtsliedersingen begleiten wollen? Und wie viel von dem Gelernten wäre Weihnachten noch präsent, wenn Sie nicht regelmäßig üben?
Als ebenso fragwürdig empfinde ich Grundausbildungen für neue Mitarbeiter*innen, an denen ausnahmslos alle – egal, welche Vorerfahrungen sie zu den vermittelten Themen mitbringen – teilnehmen müssen. So kann es zu der skurrilen Situation kommen, dass eine studierte Betriebswirtin an einem Basisseminar für Betrie...
Inhaltsverzeichnis
- Über dieses Buch
- Vorwort – persönliche Einleitung
- 1. Lernen im digitalen Wandel – anderes Denken und Handeln
- 2. Blickrichtung Lernarchitektur
- 3. Blickrichtung Trainerrolle
- 4. Blickrichtung Unternehmenskultur
- 5. Blickrichtung Technik
- 6. Der Mensch im Mittelpunkt
- Anhang: Materialien und weiterführende Unterlagen
- Nachwort: Jetzt sind Sie dran!
- Literatur
- Index
- Die Autorin
375,005 Studierende vertrauen auf uns
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