Dieses Buch ist eine praxisgerechte Begleitung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT).Nach einer grundlegenden theoretischen Einführung in die KVT mit Kindern und Jugendlichen präsentiert der Autor in 10 Modulen rund 60 Arbeitsblätter, die durch ihre kindgerechte Aufbereitung direkt in der Therapie eingesetzt werden können. Thematisiert werden das Zusammenspiel von Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen, zentrale Denkfehler, dysfunktionale Überzeugungen sowie effektive Problemlösetechniken.

eBook - ePub
Kognitive Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen
Ein Arbeitsbuch
- 184 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Kognitive Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen
Ein Arbeitsbuch
Über dieses Buch
Information
Thema
Psychologie1. Kognitive Verhaltenstherapie: theoretische Ursprünge, Behandlungsprinzipien und -techniken
Als Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) werden psychotherapeutische Interventionen bezeichnet, die psychischen Disstress und fehlangepasstes Verhalten reduzieren sollen, indem sie kognitive Prozesse verändern (Kaplan et al., 1995). Der KVT liegt die Annahme zugrunde, dass unsere Affekte und unser Verhalten in hohem Maß durch Kognitionen erzeugt werden. Das bedeutet zugleich, dass kognitive und verhaltensorientierte Interventionen unser Denken, Fühlen und unser Verhalten beeinflussen können (Kendall, 1991). Deshalb stützt sich die KVT auf zentrale Elemente der Kognitions- sowie der Verhaltenstheorien. Kendall und Hollon (1979) definieren ihre Ziele wie folgt: Die Kognitive Verhaltenstherapie macht sich
„die Wirksamkeit der verhaltenstherapeutischen Techniken zunutze, gestaltet den Behandlungskontext jedoch weniger doktrinär, um der Art und Weise, wie Kinder Ereignisse kognitiv interpretieren und ihnen Bedeutung zuschreiben, Rechnung zu tragen.“
Im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie findet die KVT wachsendes Interesse. Angeregt wurde es durch Forschungsberichte, die sie als vielversprechende und effektive Intervention zur Behandlung psychischer Probleme im Kindesalter beschreiben (Kazdin & Weisz, 1998; Roth & Fonagy, 1996; Wallace et al., 1995). Sie ist nachweislich geeignet zur Therapie generalisierter Angststörungen (Kendall, 1994; Kendall et al., 1997; Silverman et al., 1999a), depressiver Störungen (Harrington et al., 1998; Lewinsohn & Clarke, 1999), interpersonaler Schwierigkeiten und sozialer und anderer Phobien (Spence & Donovan, 1998; Spence et al., 2000; Silverman et al., 1999b), der Schulverweigerung (King et al., 1998b) und der Folgen von sexuellem Missbrauch (Cohen & Mannarino, 1996, 1998). Die KVT hat sich im Schmerzmanagement (Sanders et al., 1994) bewährt und wird darüber hinaus zur Behandlung mannigfaltiger weiterer Probleme empfohlen, etwa der adoleszenzspezifischen Verhaltensstörungen (Herbert, 1998), der Essstörungen (Schmidt, 1998), der Posttraumatischen Belastungsstörung (March et al., 1998; Smith et al., 1999) und der Zwangsstörungen (March, 1995; March et al., 1994).

Kognitive Verhaltenstherapie fokussiert auf die Beziehung zwischen
- Kognitionen (was wir denken),
- Affekten (wie wir fühlen),
- Verhalten (was wir tun).
Kognitive Verhaltenstherapie kann eine Reihe häufig auftretender psychischer Schwierigkeiten im Kindes- und Jugendlichenalter nachweislich positiv beeinflussen.
1.1 Die empirischen Grundlagen der Kognitiven Verhaltenstherapie
Zur Entwicklung der theoretischen Grundlagen der Kognitiven Verhaltenstherapie trugen bedeutsame wissenschaftliche Erkenntnisse bei. Dieses Forschungsgebiet vorzustellen würde den Rahmen des Buches sprengen. Unbedingt zu erwähnen sind jedoch die zentralen Konzepte und Überlegungen, die das Fundament der KVT bilden und sie maßgeblich geprägt haben.
Zu den ältesten Einflüssen zählen Iwan Petrowitsch Pawlows Arbeiten über die klassische Konditionierung. Pawlow demonstrierte, dass natürliche Reaktionen (z. B. der Speichelfluss) mit spezifischen Reizen (z. B. einem Glockenton) assoziiert (d. h. konditioniert) werden können, wenn man das Zusammentreffen nur häufig genug wiederholt. Seine Experimente mit Hunden belegten, dass emotionale Reaktionen (z. B. Angst) durch spezifische Ereignisse und Situationen konditioniert werden können.

Emotionale Reaktionen können an spezifische Ereignisse gekoppelt (konditioniert) werden.
Joseph Wolpe (1958) erforschte die klassische Konditionierung in Bezug auf das menschliche Verhalten und auf klinische Probleme. Er entwickelte das Verfahren der systematischen Desensibilisierung: Indem er angsterregende Reize mit einem zweiten Stimulus paarte, der eine antagonistische Reaktion (Entspannung) auslöst, konnte er die Angstreaktion reziprok hemmen. Das Verfahren kommt in der klinischen Praxis nach wie vor häufig zur Anwendung, und zwar in Verbindung mit einer allmählichen – direkten oder imaginären – Exposition an eine Hierarchie von Angstsituationen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des entspannten Zustandes.

Emotionale Reaktionen können reziprok gehemmt werden.
Der zweite bedeutsame Einfluss, den die Verhaltensforschung auf die Entwicklung der KVT ausübte, ging von der Arbeit B. F. Skinners (1974) aus. Er wies nach, welche große Bedeutung der Umwelt für unser Verhalten zukommt. Bekannt wurden seine Studien unter dem Stichwort operante Konditionierung; sie konzentrierten sich auf die Beziehung zwischen Antezedenten (Rahmenbedingungen), Konsequenzen (Verstärkung) und Verhalten, kurz: Wenn ein bestimmtes Verhalten immer öfter auftritt, weil es positive Konsequenzen zur Folge hat oder keine negativen nach sich zieht, spricht man davon, dass es „verstärkt“ wurde.

- Verhalten wird durch antezedente Bedingungen und durch seine Konsequenzen beeinflusst.
- Konsequenzen, die die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Verhaltens erhöhen, sind Verstärker.
- Die Veränderung der antezedenten Bedingungen und der Konsequenzen kann das Verhalten verändern.
Mit der Entwicklung der Theorie des sozialen Lernens führte Albert Bandura (1977) eine wichtige Erweiterung der Verhaltenstherapie ein, die der Vermittlungsfunktion kognitiver Vorgänge Rechnung trägt. Seine Theorie erkennt die Bedeutsamkeit der Umwelt an, unterstreicht aber die Vermittlerrolle der zwischen Reiz und Reaktion intervenierenden Kognitionen. Laut Bandura erwerben wir Fertigkeiten, indem wir andere Menschen bei deren Ausführung beobachten. Er entwarf ein Modell der Selbstkontrolle, das auf Selbstbeobachtung, Selbstbeurteilung und Selbstverstärkung beruht.
Ins Zentrum rückten die Kognitionen schließlich im Werk von Donald Meichenbaum (1975), der das Selbstinstruktionstraining entwickelte. Meichenbaum ging davon aus, dass ein Großteil unseres Verhaltens der Kontrolle durch unsere Gedanken oder durch „inneres Sprechen“ unterliegt. Infolgedessen können veränderte „Selbstinstruktionen“ es uns ermöglichen, angemessenere Techniken der Selbstkontrolle zu entwickeln. Das Modell ist entwicklungspsychologisch orientiert und spiegelt den Prozess wider, durch den Kinder ihr Verhalten zu steuern lernen. Dieser Prozess besteht aus vier Schritten: Beobachtung eines anderen Menschen, der eine vorgegebene Aufgabe löst, Durchführung derselben Aufgabe mithilfe der verbalen Instruktionen durch eine andere Person, Durchführung der Aufgabe mithilfe eigener Anweisungen, die man sich laut vorsagt, und schließlich die Durchführung mithilfe geflüsterter bzw. stummer Selbstinstruktionen.

- Verhalten wird durch kognitive Vorgänge und Prozesse beeinflusst.
- Die Veränderung kognitiver Prozesse kann das Verhalten verändern.
Albert Ellis (1962) beschrieb den Zusammenhang zwischen Emotionen und Kognitionen im Kontext der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie. Sein Modell beruht auf der Annahme, dass Emotion und Verhalten nicht aus den Ereignissen an sich hervorgehen, sondern aus der Art und Weise, wie wir sie konstruieren. Das heißt, wir bewerten aktivierende Ereignisse (A) nach Maßgabe bestehender Überzeugungen (B = belief); diese Bewertung hat emotionale Konsequenzen (C = consequences). Überzeugungen können rational oder irrational sein; irrationale Überzeugen begünstigen negative emotionale Zustände und deren Langlebigkeit.
Die Rolle, die fehlangepasste und verzerrte Kognitionen für die Entwicklung von Depressionen und deren Chronifizierung spielen, wurde von Aaron Beck erforscht. Sein Buch Cognitive Therapy for Depression (Beck, 1976; Beck et al., 1979), in dem er seine Studien publizierte, avancierte zum Klassiker. Becks Modell postuliert, dass fehlangepasste Gedanken über das Selbst, die Welt und die Zukunft (kognitive Trias / kognitives Dreieck) zu kognitiven Verzerrungen führen, die wiederum negative Affekte auslösen. Besondere Aufmerksamkeit widmete Beck den Grundannahmen oder Schemata, das heißt relativ fest verankerten, schon in der Kindheit entwickelten Überzeugungen, nach deren Maßgabe wir Ereignisse beurteilen. Einmal aktiviert, setzen diese Grundannahmen eine Serie automatischer Gedanken in Gang. Solche automatischen Gedanken und Überzeugungen weisen zumeist Verzerrungen oder logische Fehler auf. Negative Kognitionen sind mit einer depressiven Stimmung assoziiert.

- Affekte und Gefühle werden durch kognitive Vorgänge beeinflusst.
- Irrationale Überzeugungen / Schemata oder negative Kognitionen sind mit negativem Affekt assoziiert.
- Die Veränderung kognitiver Prozesse kann den Affekt verändern.
Der Zusammenhang zwischen kognitiven Prozessen, emotionalen Zuständen und psychischen Problemen gilt mittlerweile als gesichert (Beck et al., 1985; Hawton et al., 1989). Seit etlichen Jahren richtet sich das Interesse vor allem auf die Erforschung der Beziehung zwischen verschiedenen Überzeugungen / Schemata, die sich im Kontext der Entstehung und der Aufrechterhaltung psychischer Probleme beobachten lässt. Repräsentativ dafür ist die Schematherapie von Jeffrey E. Young (1990). Er nimmt an, dass fehlangepasste (maladaptive) kognitive Schemata ihren Ursprung in der Kindheit haben und selbstdestruktiven Verhaltensmustern Vorschub leisten, die lebenslang wiederholt werden. Die fehlangepassten Schemata sind mit spezifischen Erziehungsstilen der Eltern assoziiert und entwickeln sich, weil die emotionalen Grundbedürfnisse des Kindes nicht befriedigt werden. Empirisch nachgewiesen wurden 15 primäre Schemata (Schmidt et al., 1995). Wobei dieses ursprüngliche Konzept inzwischen um weitere drei Schemata ergänzt worden ist. Loose, Graf und Zarbock (2013) beispielsweise unterscheiden 18 Schemata und die drei Bewältigungsstrategien Erdulden (freeze / fright), Vermeiden (flight) und Überkompensieren (fight).

Maladaptive kognitive Schemata entwickeln sich in der Kindheit und hängen möglicherweise direkt mit dem Erziehungsstil der Eltern zusammen.
Die empirische Überprüfung dieses Zusammenhangs wird unter anderem bei Loose, Graf und Zarbrock (2013) thematisiert. Für alle, die beruflich für das psychische Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen verantwortlich sind, ergibt sich also die spannende Aufgabe, zu klären, ob besser angepasste kognitive Prozesse gefördert und künftige psychische Schwierigkeiten verhindert werden können.
1.2 Das kognitive Modell
Die Kognitive Verhaltenstherapie versucht zu verstehen, wie Ereignisse und Erfahrungen interpretiert und durch welche Verzerrungen oder Defizite kognitive Verarbeitungsprozesse beeinträchtigt werden.
Abbildung 1.1 zeigt in Anlehnung an das Werk von Aaron Beck, wie dysfunktionale kognitive Prozesse erworben und aktiviert werden und wie sie das Verhalten und die Emotionen beeinflussen.

Abbildung 1.1: Das kognitive Modell
Auf der Grundlage früher Erfahrungen sowie des Erziehungsstils der Eltern entwickeln sich diesem Modell zufolge relativ fixierte, starre Denkweisen (Grundüberzeugungen / Schemata). Neue Informationen und Erfahrungen werden anhand dieser Grundüberzeugungen / Schemata (z. B.: „Ich muss erfolgreich sein“) bewertet; Informationen, die diese Überzeugungen verstärken und aufrechterhalten, werden selektiv registriert und akzeptiert. Grundüberzeugungen / Schemata werden durch bedeutsame Ereignisse (z. B. eine Prüfung) „getriggert“; ihre Aktivierung ruft die entsprechenden Annahmen auf den Plan (z. B.: „Ich bekomme nur dann eine gute Note, wenn ich den ganzen Tag lang lerne“). Die Annahmen aktivieren wiederum einen Strom automatischer Gedanken, die sich auf die Person selbst beziehen (z. B.: „Ic...
Inhaltsverzeichnis
- Über dieses Buch
- 1. Kognitive Verhaltenstherapie: theoretische Ursprünge, Behandlungsprinzipien und -techniken
- 2. Kognitive Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche
- 3. Übersicht der Materialien
- 4. Gedanken, Gefühle und wie du dich verhältst
- 5. Automatische Gedanken
- 6. Denkfehler
- 7. Ausgewogenes Denken
- 8. Grundüberzeugungen
- 9. Wie du deine Gedanken kontrollieren kannst
- 10. Wie du dich fühlst
- 11. Wie du deine Gefühle kontrollieren kannst
- 12. Ändere dein Verhalten
- 13. Probleme lösen lernen
- Literatur
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1,5 Millionen Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Pläne an: Essential und Complete
- Essential ist ideal für Lernende und Fachkräfte, die es genießen, eine Vielzahl von Themen zu erkunden. Greife auf die Essential Library mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften zu. Enthält unbegrenzte Lesezeit und Standard-Vorlesestimme.
- Complete: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forschende, die vollen, uneingeschränkten Zugriff benötigen. Entsperre über 1,5 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen, einschließlich akademischen und spezialisierten Titeln. Der Complete-Plan enthält außerdem fortschrittliche Funktionen wie Premium Vorlesen und Forschungsassistent.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abonnement-Service, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buchs pro Monat Zugriff auf eine gesamte Online-Bibliothek erhältst. Bei über 1,5 Millionen Büchern zu mehr als 990 Themen bist du bestens versorgt! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du kannst auf Kognitive Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen von Paul Stallard, Elisabeth Vorspohl im PDF- und/oder ePUB-Format sowie auf andere beliebte Bücher in Psychologie & Angewandte Psychologie zugreifen. In unserem Katalog stehen über 1,5 Millionen Bücher zur Verfügung.