Geniale Gegensätze
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Geniale Gegensätze

Wie Introvertierte und Extrovertierte effektiv zusammenarbeiten

  1. 112 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Geniale Gegensätze

Wie Introvertierte und Extrovertierte effektiv zusammenarbeiten

Über dieses Buch

Am Arbeitsplatz treffen sehr verschiedene Charaktere zwangweise aufeinander: die Extrovertierten die sich zeigen, und die introvertierten Stillen, die nicht weniger kompetent sind, aber sich eher im Hintergrund halten.Wie können diese beiden so unterschiedlichen Charaktertypen sich ergänzen und effektiv zusammenarbeiten?"Geniale Gegensätze" richtet sich sowohl an introvertierte als auch an extrovertierte Menschen, die im beruflichen Kontext aktiv für eine harmonische und effektive Zusammenarbeit mit "dem Anderen" eintreten wollen.Im Buch werden die bevorzugten Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen Introvertierter und Extrovertierter näher beleuchtet und herausgestellt, wie sie voneinander profitieren können, wie eine gemeinsame Basis gefunden werden kann. Aufgrund eigener Erfahrungen erklärt die Autorin, welche Situationen Konfliktpotenzial beinhalten und warum. Mit dem Wissen um die Besonderheiten des Gegenübers lassen sich brenzlige Momente entschärfen, und ein kollegiales, ergebnisorientiertes Arbeiten wird wieder möglich.

Information

Jahr
2016
ISBN drucken
9783955715007
eBook-ISBN:
9783955715137

TEIL II: DIE SCHRITTE

3. Den anderen akzeptieren

„Sie müssen akzeptieren, dass Ihr Partner eine Nervensäge ist, genau wie Sie selbst, und Sie beide daher wie füreinander geschaffen sind. Akzeptieren Sie, dass die Eigenschaften Ihres Partners, die Sie oft fuchsteufelswild machen, im Grunde dieselben sind wie die, die Sie an ihm begeistern. Nur macht das, was Sie an Ihrem Partner am meisten lieben, Sie an schlechten Tagen eben verrückt.“6
(Joshua Wolf Shenk, Autor von Power of Two)
Den anderen akzeptieren: Ändern können Sie Ihren gegensätzlichen Partner nicht, aber Sie können ihn verstehen. Sobald Sie diese Tatsache akzeptieren, haben Sie sehr viel weniger Stress.
Anthony Morris und Errol la Grange führen in Melbourne, Australien, ein expandierendes Unternehmen für Onlinebildung. In den Köpfen dieser gegensätzlichen Partner explodieren die kreativen Ideen wie Popcorn.
Anthony ist ein besonnener und sanftmütiger Introvertierter. Auf meine Fragen zu ihrer Zusammenarbeit schickte er mir Antworten, die bis ins Letzte durchdacht waren. Errol hingegen ist ein Extrovertierter, stets mit einem Lächeln im Gesicht. Von ihm sind täglich neue Postings auf Facebook zu finden, die ihn mit Leuten auf der ganzen Welt zeigen. Er genießt es, Cafés zu besuchen und sich mit so gut wie jedem zu unterhalten. Als ich die beiden zum ersten Mal traf, war mir auf den ersten Blick klar, wie gut sich diese so unterschiedlichen Menschen ergänzen. Anthony trug seine, wie er sie nannte, „guten, alten braunen Latschen“, die er sich im Schuhgeschäft um die Ecke gekauft hatte. Errol machte mit türkisfarbenen Cowboystiefeln aus San Francisco auf sich aufmerksam – ein guter Aufhänger für unser Gespräch.
Mit ihren innovativen Konzepten sorgen diese erfolgreichen Partner für das stetige Wachstum ihres globalen Unternehmens. Sie nutzen die Vorteile modernster Technologien und liefern ihren Kunden die besten E-Learning-Lösungen. Zudem sind sie angesehene Persönlichkeiten der „Massiv-Open-Online-Course“-Bewegung (MOOC) und führen in diesem neuen und expandierenden Bereich weltweite Initiativen an.
Im Laufe der letzten zehn Jahre haben die beiden nicht nur ein Unternehmen, sondern auch eine Freundschaft aufgebaut. Sie empfinden großen gegenseitigen Respekt und tiefe Zuneigung füreinander. Anthony muss seinem Partner nur zulächeln, und schon unterbricht Errol seinen Redeschwall und gibt ihm Raum, seine Gedanken einzubringen.
Errol berichtet, wie das Ausdiskutieren von Konflikten ihre gute Partnerschaft stärkt. „Zu bestimmten Strategien haben wir oft unterschiedliche Ansichten. Wir sprechen das Ganze dann durch und kommen gemeinsam zu noch besseren Lösungen. Wir wissen, dass im Kern jedes Konflikts der Schlüssel zu neuen Möglichkeiten steckt. Unser Umgang miteinander ist in vielem auch von Intuition geleitet.“ Errol sagt: „Oft spüren wir, was der andere denkt.“ Es kommt vor, dass einer der beiden einer Idee nur deshalb zustimmt, weil der andere von dieser besonders fest überzeugt ist.
Sie haben Meinungsverschiedenheiten, doch zweifeln sie nie daran, dass sie ihre Spannungen und zwangsläufigen Enttäuschungen überwinden werden. Sie akzeptieren den jeweils anderen, und das hilft ihnen, jede Aufgabe zu bewältigen.

Warum es wichtig ist, den anderen zu akzeptieren

Kommunikation ist ein furchtbar bedeutungsschwangeres Wort. Dabei ist die Definition im Wörterbuch denkbar einfach: Kommunikation ist der Austausch von Informationen zwischen zwei Menschen. Wir alle wissen jedoch, Informationsaustausch kann zu Missverständnissen, Spannungen und Verdruss führen. Kommt es in der Zusammenarbeit von Introvertierten mit Extrovertierten zu Konflikten, bedeutet das in der Regel, dass der Austausch nicht funktioniert. Vielleicht ist Ihnen der Mensch, der Ihnen da am Tisch gegenübersitzt und merkwürdige Interpretationen eines Kundengesprächs von sich gibt, ja manchmal so fremd wie etwas, das gerade aus einem Raumschiff gekrochen kommt. Sollte das der Fall sein, müssen Sie den Reflex, zu fliehen oder zur Waffe zu greifen, unbedingt unterdrücken. Zur Belohnung winkt die Genialität.
Introvertierte und Extrovertierte kommentieren diese zwangsläufig auftretenden Situationen oft mit den Worten: „Aus ihm / ihr ist einfach nicht schlau zu werden.“ Sie gehen ihrem Partner dann aus dem Weg, was diesen verletzt oder verwirrt und ebenfalls auf Distanz gehen lässt. Aus einer solchen Sackgasse wieder herauszukommen, ist nicht einfach.
Erfolgreiche Intro-extro-Partner entscheiden sich bewusst, den anderen zu akzeptieren, und lassen sich durch ihre unterschiedliche Art, zu kommunizieren, auf ihrem Weg zum gemeinsamen Ziel – ein großartiges Produkt herzustellen, einen Durchbruch zu erzielen oder den bestmöglichen Service zu bieten – nicht aufhalten.
Es gibt zwei gute Gründe, weshalb es so wichtig ist, den anderen zu akzeptieren: Erstens erzeugt es Empathie und zweitens stärkt es die Partnerschaft.
Akzeptanz erzeugt bei beiden Partnern Empathie
Vielleicht haben Sie schon einmal an einer dieser Übungen teilgenommen, mit denen das Verständnis für Sehbehinderte geweckt werden soll. Ich erinnere mich, wie mein Partner John mich mit verbundenen Augen über einen Steg aus Holzplanken führte und ich mich bei jedem Schritt voll auf ihn verlassen musste. Ich hatte Angst, ohne ihn zu stolpern und zu fallen. Zudem bemerkte ich, wie sich all meine anderen Sinne – Geruchssinn, Gehör und Tastsinn – ebenfalls einschalteten, um mich zu leiten.
Diese Erfahrung vermittelte mir eine vage Vorstellung, wie es sein muss, blind zu sein. Außerdem erkannte ich, dass ich in der Lage war, auch andere Bereiche meines Gehirns zu nutzen, wenngleich ich natürlich nie dieselbe Wahrnehmung wie ein tatsächlich Blinder haben würde.
Dasselbe gilt für Intro-extro-Beziehungen. Arbeiten wir mit einem gegensätzlichen Partner zusammen, haben wir die große Chance, von dessen anderer Wahrnehmung zu profitieren – auch wenn wir nicht immer ganz verstehen, wie er die Dinge erlebt. Indem wir uns in seine Welt hineinversetzen, wecken wir jedoch ungenutzte Fähigkeiten in uns selbst, mit denen wir unsere Leistungen verbessern können. Und plötzlich erscheint uns der andere auch gar nicht mehr so fremd.
Die Partnerschaft wird gestärkt
Im Verlauf einer engen Zusammenarbeit können gegensätzliche Partner zu einer starken Einheit werden. Gemeinsame Erfolge und Misserfolge schweißen zusammen. Das stärkt nicht nur den Einzelnen, sondern es entwickeln sich exponentielle Kräfte, die den Partnern helfen, sich zukünftigen Herausforderungen und Chancen zu stellen.
Kämpfen wir gemeinsam mit schwierigen Entscheidungen oder Problemen, lernen wir dabei nicht nur, wie wir als Team besser vorankommen, sondern wir entwickeln gleich mehrere kreative Lösungsansätze.
In der Unterhaltungsbranche sind Zurückweisungen und Enttäuschungen das tägliche Brot. Stephen Sondheim erklärte zu seiner Zusammenarbeit mit James Goldman im 1971 uraufgeführten Musical Follies: „Der große Vorteil eines Mitarbeiters ist, dass man nie alleine die ganze Breitseite abkriegt. Es gibt immer einen Mitschuldigen.“7
Eine funktionierende Kommunikation macht die gute Zusammenarbeit mit Ihrem Partner – zu der jeder sein Bestes beisteuern kann – erst möglich. Anthony, von dem weiter oben schon einmal die Rede war, war früher Musiker. Seine Freundschaft mit Errol sieht er als eine Art Harmonie, als ein Arrangement aus unterschiedlichen Tönen, die gemeinsam etwas erschaffen, wozu gleiche Töne nicht fähig wären. „Gleiche Töne erzeugen einen Einklang, keine Harmonie.“
Ein weiteres kreatives Paar, der Komponist John Williams und der Regisseur Steven Spielberg, hat vier Jahrzehnte lang zusammen an preisgekrönten Filmen wie E. T. und Der Soldat James Ryan gearbeitet. Ein Interview aus dem Jahr 2011 zeigt, wie wohl sich die beiden miteinander fühlen. Während die beiden ihre gemeinsame Arbeit beschreiben, fließt das Gespräch leicht dahin.8
Williams scheint der introvertiertere der beiden zu sein. Er äußert sich nur verhalten, während der extrovertierte Spielberg deutlich mehr Sendezeit in Anspruch nimmt. Beide betonen: Je länger man zusammenarbeitet, umso einfacher wird es. Spielberg erklärt: „Je besser ich selbst werde, umso besser weiß ich auch ihn einzusetzen.“ Wie Errol und Anthony beschreibt John Williams eine Dynamik in ihrer Partnerschaft, die durch Freude an der Arbeit entsteht. Er erkennt an Spielbergs Gesichtsausdruck, ob dieser etwas „kapiert hat“ oder nicht. „Aber egal, ob ich es kapiert habe oder nicht, Spaß haben wir in jedem Fall“, fügt Spielberg noch hinzu.
Wie Williams und Spielberg lernen Partner aus allen Bereichen mit der Zeit, sich nicht über den anderen aufzuregen, sondern stattdessen seine nonverbalen Signale zu lesen. Diese Signale funktionieren wie Codewörter, die den Partnern Zugang zur Sichtweise des anderen gewähren und ihnen einen problemlosen Perspektivenwechsel ermöglichen.

Woran das Akzeptieren des anderen scheitern kann

Nicht erkennen, dass die Stärken des einen die Schwächen des anderen sind
Wenn Sie im Arbeitsprozess nicht immer mal wieder innehalten und Ihre Persönlichkeitsunterschiede mit einbeziehen, kann es leicht zu Problemen kommen. Jessie Kahnweiler, meine jüngste Tochter, ist Filmemacherin in L. A. und hatte in ihren Filmcrews schon oft Gelegenheit, mit introvertierten Profis zu arbeiten. Einmal heuerte sie für eine komplizierte Videoaufnahme Liam an, einen erfahrenen und renommierten Kameramann. Während die beiden die Einstellungen besprachen, sprudelten die Ideen aus der extrovertierten Jessie nur so hervor. Ihr Enthusiasmus war kaum zu bremsen. Doch sie spürte, dass Liam ihre Begeisterung nicht in dem Maße teilte, wie sie es sich erhofft hatte. Jessie schickte ihm immer wieder Textnachrichten mit Ideen für Drehorte, aber er reagierter nur kurz angebunden.
Am Tag der Dreharbeiten tauchte Liam dann mit einem großen Notizbuch auf, in dem präzise durchdachte Einstellungen notiert waren, die auch viele der Ideen, die Jessie ihm geschickt hatte, berücksichtigten. Sie erkannte, dass Liam ihr die ganze Zeit über zugehört hatte und voll bei der Sache war – nur eben auf seine ruhige zurückhaltende Art. Tatsächlich war er von dem Projekt sehr angetan und ging ganz darin auf, nur dass er die Sache auf seine nach innen gerichtete, methodische Art angegangen war. „Liams Stärken sind meine Schwächen“, ließ Jessie mich wissen. „Er ist ein sorgfältiger Planer und brauchte Zeit, um die Dinge in seinem Kopf zu ordnen. Und genau das war auch nötig. Ich glaube, Introvertierte sind so selbstsicher, weil sie sich ganz auf ihren Verstand verlassen. Sie verbringen sehr viel Zeit alleine und denken die Dinge durch. Er wird sich nicht ändern und ich auch nicht. Aber eine von meiner Sorte genügt ja auch!“
Es passiert immer wieder: Selbst die tolerantesten Partner verlieren ab und an die Geduld. Aber woran liegt das? Meist am Stress.
Stress kann durchaus positiv sein. Er gibt uns Energie und treibt uns an. Doch oft reagieren wir auf Stress auf eine Art und Weise, die für unsere Partnerschaft und damit letztendlich für uns selbst unproduktiv ist. Hier ein paar Beispiele, wie Stress das Bestreben eines Intro-extro-Paares, den anderen zu akzeptieren, untergraben kann.
Introvertierte verschließen sich, Extrovertierte reden mehr
Haben wir Stress, kommt es oft zu einer Übersteuerung unserer charakterlichen Eigenheiten. Introvertierte verschließen sich vollständig und Extrovertierte reden noch mehr. Es entstehen Spannungen. Der Introvertierte denkt vielleicht: Hört die denn nie auf zu reden? Während die extrovertierte Kollegin sich fragt: Was geht eigentlich in seinem Kopf vor?
Die australischen Geschäftspartner Errol und Anthony hatten einen ihrer wenigen ernsten Streite, als Errol seinen Partner bat, einem Design, an dem Anthony mit seinem Team schon seit geraumer Zeit arbeitete, noch eine weitere Farbe hinzuzufügen. Der introvertierte Anthony zog sich zurück und redete nicht mehr mit Errol. „Ich war ziemlich sauer deswegen. D...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über dieses Buch
  2. Vorwort
  3. Einführung
  4. TEIL I: DIE GRUNDLAGEN
  5. TEIL II: DIE SCHRITTE
  6. TEIL III: DIE RESULTATE
  7. Danksagung
  8. Anmerkungen
  9. Über die Autorin

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