Ausgehend von den Grundideen und -modellen der Transaktionsanalyse zeigt die Autorin, wie diese Theorien in die Praxis umgesetzt werden, um Beeinträchtigungen in unserem Fühlen, Denken und Handeln zu beseitigen.Ute Hagehülsmann macht die Leser mit den transaktionsanalytischen Gedanken zur Struktur eines Menschen und den daraus resultierenden Verhaltensweisen ebenso vertraut wie mit transaktionsanalytischen Ansichten zu zwischenmenschlichem Verhalten. Auch unser angeborenes Bedürfnis nach Zuwendung und den sich daraus ergebenden sozialen Abhängigkeiten sowie der Umgang mit Gefühlen sind Themen dieses praxisnahen Buches. Zudem verdeutlicht die Autorin, wie die Erfahrungen unserer Kindheit zu bestimmten Ansichten über uns, die anderen und die Welt führen und damit eine Art Lebensplan bilden, der unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst.

eBook - ePub
Transaktionsanalyse - wie geht denn das?
Transaktionsanalyse in Aktion. Überarbeitete Auflage
- 112 Seiten
- German
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Transaktionsanalyse - wie geht denn das?
Transaktionsanalyse in Aktion. Überarbeitete Auflage
Über dieses Buch
Information
Thema
Psychologie1. Verträge, Diagnosen und Skizzierung möglicher Therapieverläufe
1.1 Peter H.
Peter H. kommt zum Erstgespräch, weil er über seine Schlafstörungen besorgt ist. Er ist 32 Jahre alt, nicht verheiratet und von Beruf Lehrer an einer berufsbildenden Schule. Er fühlt sich insgesamt sehr erschöpft und niedergeschlagen, kann jedoch nur schwer einschlafen und schläft dann höchstens vier Stunden.
Objektiv gesehen sei er in der Schule erfolgreich, die jungen Erwachsenen schätzten ihn, aber er selbst habe ständig den Eindruck, nicht genug zu tun, sich zu wenig vorzubereiten und nicht auf dem neuesten Stand zu sein. Wenn er nachts nicht einschlafen kann, wird er von Fantasien „überfallen“, in denen der Schulleiter oder Schulrat unangemeldet einen Unterrichtsbesuch macht und über seine Schwächen entsetzt ist. In diesem Zusammenhang machen ihm dann die Schlafstörungen besondere Angst, da er fürchtet, auf die Dauer nicht mehr leistungsfähig zu sein.
Peter H. lebt zurzeit allein und meint, dass er über die Trennung von seiner Freundin ganz gut „hinweg“ sei. Er habe fünf Jahre mit ihr zusammengelebt. Dann habe sie sich in einen anderen Mann verliebt. Das sei ihm nach wie vor unverständlich, da er sich sehr um sie bemüht habe, z.B. im Zusammenhang mit ihrer Diplomarbeit. Sie hätte ihm auch immer signalisiert, wie sehr sie dies schätze. Im Augenblick habe er kein Interesse an Frauen, lebe sehr zurückgezogen und nehme außerhalb der Schule kaum von sich aus Kontakt mit anderen Menschen auf. Ab und zu besuche er seine jüngere Schwester und deren Familie. Seine Mutter lebe im Altersheim nahe der Schwester. Er besuche sie ab und zu. Der Vater sei gestorben, als er gerade das Studium begonnen habe.
Insgesamt erlebt er sich „wie abgestorben“ und außer den Ängsten, die seine Leistungen betreffen, wie dumpf und gefühllos.
Seine Kindheit ist nach seiner Schilderung problemlos verlaufen. Es hätte z.B. nie Schulschwierigkeiten gegeben. Die Familie habe in gesicherten materiellen Verhältnissen gelebt (Mutter Hausfrau, Vater Bankbeamter). Seines Wissens sei er auch ein Wunschkind gewesen.
Auf meine Frage, ob er sich denn erinnern könne, woher sein besonderer Leistungsanspruch käme, erinnert er sich an die hohen Leistungsanforderungen seines Vaters, der – selbst sozialer Aufsteiger – schon im Kindergartenalter das Studium seines Sohnes vorplante. Beim Stichwort „Kindergarten“ erinnert er, dass die Mutter „irgendwann noch vorm Kindergarten“ sehr lange (vermutlich mehrere Monate) im Krankenhaus lag, da die Geburt der jüngeren Schwester sehr komplikationsreich war. Er erinnert nicht mehr genau, wer ihn in dieser Zeit versorgte (er vermutet irgendwelche Verwandte), weiß jedoch, dass die Mutter nach dem Krankenhausaufenthalt immer kränklich und häufiger ruhebedürftig war.
Ich erlebe Peter H. in unserem ersten Gespräch gleichzeitig angespannt und müde. Er sitzt leicht nach vorn gebeugt, eher an der Kante des Sessels, als dass er sich zurücklehnt. Seine Stimme ist leise und er nimmt sehr wenig Blickkontakt mit mir auf. Dabei atmet er wenig tief. Es ist, als dürfe die Luft nicht bis in seinen Bauch vordringen. Insgesamt wirkt er gleicherweise apathisch wie angespannt.
Ich habe mit Peter H. zunächst fünf diagnostische Gespräche geführt. Am Ende des letzten Gesprächs vereinbaren wir, dass er in Zukunft an einer Therapiegruppe teilnehmen wird, die einmal in der Woche stattfindet, zwei Stunden dauert und acht Teilnehmer hat.[1] Darüber hinaus legen wir das Honorar fest und besprechen, dass Peter H. generell zu jeder Sitzung kommen und, sei er ausnahmsweise einmal verhindert, persönlich absagen muss. Außerdem bitte ich ihn, mir nach jeder Sitzung einen kurzen Bericht über sein Erleben und seine Erfahrungen in der Sitzung zuzusenden. Durch dieses – nicht bei allen Transaktionsanalytikern übliche – Verfahren kann ich überprüfen, ob Peter H. das erlebt hat, was meinen Annahmen entspricht, oder ob ich diese ändern muss.
Ich meinerseits erkläre ihm, dass ich mein Wissen und Können, meine Energie und meinen Schutz zur Verfügung stellen werde, um ihn auf seinem Weg zu begleiten.
Außerdem legen wir ein Ziel für die gesamte Therapie fest. D.h., wir schließen einen vorläufigen Langzeitvertrag ab. Für Peter H. lautet er: „Ich will meine Schlafstörungen überwinden und mich lebendig fühlen.“
Sowohl der Vertrag über die Bedingungen der Therapie als auch die Festlegung eines Zieles sind wichtige transaktionsanalytische Methoden. Ersterer dient dazu, sich nicht in ungute gegenseitige Abhängigkeiten – die manchmal gar nicht offen zutage treten – zu begeben (sogenannte „Spiele“), Letzteres, um ein klares Ziel bzw. Thema vor Augen zu haben, an dem sich Klientin und Therapeutin orientieren können. Die Verträge in sich stellen bereits Veränderungsschritte in Richtung Autonomie dar, da der/die Klient/in zum erwachsenen Nachdenken über sich selbst aufgefordert und zur Selbstverantwortlichkeit ermutigt wird.
Allerdings finden nicht alle Klientinnen das Ziel ihrer Therapie im Sinne eines Vertrags so problemlos wie Peter H. Und das ist auch nicht notwendig. Wie schon im Vorwort erwähnt, kommt eine Anzahl von Klientinnen nur mit einem Unbehagen, Unglücklich-Sein oder Leiden. Diese Personen müssen entweder erst ein Gespür dafür entwickeln, in welche Richtung sie sich verändern möchten, oder aber überhaupt erst einmal erfahren, dass man sich Ziele für seine persönliche Entwicklung setzen kann. Und wieder andere erarbeiten zuerst den Zusammenhang zwischen psychosomatischen Erkrankungen, wie z.B. einem Magengeschwür, dessentwegen sie vom Arzt überwiesen worden sind, und psychischen Gegebenheiten, bevor sie einen Vertrag machen bzw. ein Therapieziel festlegen. Zudem ist es für eine Großzahl von Klientinnen, hauptsächlich solche, deren Beeinträchtigungen in der frühen Kindheit begründet wurden, anfangs auch viel wichtiger, einfach nur da sein zu können, sich angenommen zu fühlen und Vertrauen zu entwickeln. Das heißt, hier ist es sinnvoll, ein genaues Therapieziel erst sehr viel später zu bestimmen.
Bei Peter H. habe ich zu diesem Zeitpunkt einige vorläufige diagnostische Überlegungen, die ich in der zukünftigen Arbeit ergänzen, ändern, untermauern oder verfestigen werde:
Am deutlichsten ist seine übermäßige Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft, die starken innerpsychischen Druck bewirkt. Weiterhin schildert er Angst als vorherrschendes Gefühl. Ich vermute jedoch, dass es neben dieser Angst auch Trauer und Ärger gibt, Gefühle, zu denen er im Augenblick noch keinen Zugang hat. Auch in seinem Wert scheint er sich anderen gegenüber unterlegen zu fühlen. Es ist deutlich, dass er durch seinen sozialen Rückzug zu wenig Zuwendung erhält. Darüber hinaus sehe ich, dass „Trennung“ ein wichtiges Thema für ihn ist: Es gibt eine frühe Trennung von der Mutter und jetzt hat sich seine Freundin von ihm getrennt. Da er in den Sitzungen wenige Gefühle zeigt und er sich ja auch selbst wie „dumpf und gefühllos“ schildert, vermute ich, dass ihm der Umgang mit seinen Gefühlen schwerfällt und dass die Ursache dafür vielleicht mit dem Thema Trennung zu tun hat. Bei diesen Überlegungen hüte ich mich vor globalen Zuschreibungen wie z.B. „depressive Persönlichkeitsstruktur“, sondern ich lerne die Welt des Patienten und die Welt seines Erlebens immer besser kennen und schaue, ob ich einiges von dem, was P. H. mit mir bespricht, mit transaktionsanalytischen Konzepten erklären kann. Das heißt, ich schaue, welche Elemente seines Lebensplanes (seines Skriptes) ich beispielsweise bereits jetzt erkennen und wie mir dieses Wissen für die weitere Zusammenarbeit nützlich sein kann.
Beispielhafte Elemente solcher Lebenspläne – und deren individuelle Ausprägungen bei Peter H. – werden Sie in diesem Buch als sogenannte „Grundkonzepte der Transaktionsanalyse“ beschrieben finden. Die Abfolge, in der diese Grundkonzepte dargestellt sind, entspricht in groben Zügen dem Verlauf einer Therapie bei vielen Transaktionsanalytiker/inne/n: Vom Kennenlernen der eigenen Person geht es zu einem Lernen darüber, wie man zusammen mit anderen reagiert und ob diese Reaktionsweisen das Ergebnis haben, das die Person sich wünscht bzw. was gegebenenfalls zu Veränderungen dieser Reaktionsweisen führen kann. Bei vielen Klient/inn/en, z.B. bei Personen mit einer Leistungsstörung, kann die Therapie nur die Veränderung dieses Bereiches beinhalten und muss keine weiteren Teile des Lebensplanes umfassen.
Sind Veränderungen im Hier und Jetzt dagegen nur sehr mühsam zu erreichen oder nur kurz anhaltend, so lernen die Klientinnen, in ihre Kindheit zurückzuschauen und zu erinnern, welche Bedingungen zu jenen frühen Entscheidungen führten, die ihre Lebensplanung und damit heutiges Unbehagen, Leiden oder Verzweiflung bedingen. Die Bewusstmachung dieser Entscheidungen und sog. Neuentscheidungen, die durch die verschiedensten Wege, zu denen der/die Therapeut/in anleitet, erreicht werden können, gehören dann in die fortgeschrittene Therapie. Den Abschluss der Therapie dagegen stellt häufig die Auseinandersetzung mit der Zukunft dar. Die Klientinnen fragen sich, wie sie in Zukunft, nach der intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst, leben wollen.
Diese Reihenfolge ist keine Bedingung, sondern sie ergibt sich meiner Erfahrung nach häufig wie von selbst, wenn ich mich an den Bedürfnissen und aktuellen Themen orientiere, die die Klientinnen in die Therapie einbringen. Mit meiner Sichtweise des Therapieverlaufs repräsentiere ich allerdings hier jenen Teil transaktionsanalytischer Therapeutinnen, die eher tiefenpsychologisch orientiert arbeiten. Eine große Anzahl von Transaktionsanalytiker/inne/n arbeitet z.B. unter Einbeziehung systemischer Konzepte ebenso erfolgreich mehr oder ausschließlich im Hier und Jetzt.
1.2 Das Ehepaar Bärbel und Jochen J.
Bärbel (32 Jahre) und Jochen (36 Jahre) wenden sich an mich, weil sie sich in einer tiefen Beziehungskrise erleben. Sie sind erschrocken und entsetzt über sich selbst, weil sie im vergangenen Monat eine tätliche Auseinandersetzung hatten. Anlass dazu war ein Streit zum Thema Sexualität, weil es nur im Abstand von vielen Wochen jeweils zu einer intimen Begegnung kommt.
Bärbel und Jochen sind seit fünf Jahren verheiratet und haben eine sechsjährige Tochter, die der Anlass zur Eheschließung war und an der heute beide sehr hängen. Bärbel ist Finanzbuchhalterin, halbtags berufstätig, Jochen kaufm. Angestellter. Sie lernten sich als Nachbarn kennen, als Bärbel in das Apartmenthaus einzog, in dem Jochen schon wohnte. Jochen bot beim Einzug handwerkliche Hilfe an, die Bärbel gern annahm. Aus diesen Begegnungen entwickelte sich dann eine Liebesbeziehung, die am Anfang harmonisch war, jedoch bereits nach wenigen Monaten Spannungen beinhaltete. Die Eheleute führen dies auf die frühe, ungewollte Schwangerschaft zurück.
Jochen J.
Jochen fühlt sich auch heute noch allein verantwortlich für die Schwangerschaft, da er nicht, wie vereinbart, „aufpasste“. Er erlebt sich sehr bemüht um seine Frau und die Tochter. Er hilft viel im Haushalt und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit dem Kind. Bei all seiner Bemühtheit kann er nicht verstehen, wieso seine Partnerin sich immer wieder von ihm zurückzieht und seinen Zärtlichkeiten ausweicht. Bei der erwähnten Auseinandersetzung um Sexualität sei ihm „die Sicherung durchgebrannt“ und er habe zugeschlagen. Er schämt sich sehr für sein Verhalten und möchte es am liebsten ungeschehen machen.
Jochen ist der Älteste von drei Kindern und stand schon als Zwölfjähriger dem elterlichen Haushalt vor. Seine Mutter sei liebevoll und gütig gewesen, der Vater ein „Hallodri“, der viel in Gaststätten gesessen und sich mit Frauen „rumgetrieben“ habe. Was wirklich gewesen sei, habe er nie erfahren, da der Vater an einem Hirntumor verstarb, als er 17 Jahre alt war, und er bis dorthin immer nur Andeutungen seiner Mutter gehört habe. Für diese sei er eine große Stütze gewesen, sowohl bei konkreten Arbeiten im Haushalt und der Beaufsichtigung der jüngeren Geschwister als auch als Gesprächspartner für ihre Sorgen. Häufig saß er abends mit ihr in der Küche und redete mit ihr. Sein Ziel war es dabei, dass sich Mutter von Vater trennen sollte. „Ich erreichte das jedoch nie und wunderte mich immer, warum sie doch jedes Mal wieder freundlich zu ihm war, wenn er nach Hause kam.“
Bärbel J.
Bärbel fühlt sich in der Beziehung zu Jochen „eingeengt“, obwohl sie nichts nennen kann, was sie wirklich stört. Sie fühlt ein dumpfes Unbehagen und will sich am liebsten in sich selbst zurückziehen. Manchmal sei sie auch ganz trotzig, und zwar gerade dann, wenn Jochen besonders viel für die Familie getan habe. Sie sieht diesen Zusammenhang und findet dafür keine Erklärung. Ebenso unerklärlich sind ihr gelegentliche Wutausbrüche gegenüber der Tochter, für die sie sich anschließend schämt. Häufig hat sie Kopfschmerzen oder fühlt sich müde und schlapp.
Bärbel ist das mittlere von drei Kindern. Das familiäre Milieu war geprägt durch einen großen Hotel- und Gaststättenbetrieb, den beide Eltern leiteten. Die Ehe der Eltern erlebte sie als äußerst angespannt. Es sei sehr oft nachts zu lauten Wortwechseln gekommen. Der sonst eher wortkarge Vater habe sich schon bei kleinsten Anlässen sehr über die Kinder geärgert und dann laut gebrüllt. Die Mutter versuchte, solchen Verhaltensweisen, die den Vater ärgern konnten, vorzubeugen, indem sie die Kinder immer wieder mit Hinweisen auf seinen Jähzorn zur Zurückhaltung mahnte. Andererseits erinnert sich Bärbel, dass der Vater sie häufig mitnahm, wenn er Kollegen in Nachbarorten aufsuchte und dort einkehrte. Sie habe sich dann ganz wohlgefühlt und fühle noch heute ihren Stolz darauf, bei den Erwachsenen sitzen zu dürfen. Die Mutter sei sehr oft müde und mit sich selbst beschäftigt gewesen, den Gästen gegenüber jedoch immer sehr freundlich und zugewandt. „Ich wusste nie, ob ich meine Mutter mit dem Hotel- oder dem Familiengesicht wiedersehen würde, und die beiden waren sehr unterschiedlich.“
Wir vereinbaren Einzelsitzungen in vierzehntägigem Abstand für den Anfang und später dann ein Überwechseln in eine Paargruppe.[2] Die äußeren Rahmenbedingungen werden ansonsten genauso festgelegt wie bei Peter H.
Auch bei Bärbel und Jochen habe ich nach den ersten Gesprächen Annahmen über die spezifischen Probleme der beiden und insbesondere über das gegenseitige „Sich-Verhaken“, was die Spannungen nach und nach zur Beziehungskrise eskalieren ließ: Es wurde deutlich, dass Jochen zur Überfürsorge neigt und sich seiner Partnerin gegenüber eher väterlich verstehend, ich vermute jedoch, auch einengend und durch Ratschläge bestimmend verhält. Vermutlich bezieht er aus dieser Hilfe seinen persönlichen Wert. Er scheint dabei weniger auf eigene Bedürfnisse zu achten und zentriert sich sehr auf Bärbel. Dies scheint seinem kindlichen Verhalten seiner Mutter gegenüber sehr ähnlich. Obwohl der Anlass zur Therapie in einer aggressiven Handlung bestand, vermutete ich, dass er wenig Zugang zu seinem Ärger hat und sich insgesamt sehr bemüht, ein anständiger“ Ehemann und Vater zu sein und nicht so ein „Hallodri“ wie sein eigener Vater.
Bärbel scheint sich in der Beziehung häufig wie ein Kind zu verhalten und sich als Schutz in sich selbst zurückzuziehen. Die Ursache dafür mögen die vielfältigen Unsicherheiten sein, die sie in der Kindheit erlebt hat. Ich vermute, dass sie versucht hat, diese Unsicherheiten durch Überanpassung zu bewältigen, und dass sie gleichzeitig gegen diese Überanpassung rebelliert. Aus der Art und Weise, wie sie ihre Probleme schildert, entnehme ich, dass sie manchmal Schwierigkeiten hat, klar zu denken. Weiterhin ahne ich, dass sich Bärbel gerade durch Jochens Überfürsorge in die Überanpassung im Sinne von „brav sein“ gedrängt fühlt und dann rebellisch wird. Im daraus resultierenden Konflikt wird beiden vermutlich immer wieder deutlich, dass sie es sich gegenseitig nicht „recht“ machen können.
Wie sich diese vorläufigen Annahmen erhärten und wie sie in den Elementen der jeweiligen Lebenspläne deutlich werden, werde ich ebenso wie bei Peter H. im Zusammenhang mit den theoretischen Grundkonzepten vorstellen. Anfänglich wird die Abfolge der therapeutischen Themenbereiche wahrscheinlich ähnlich der bei Peter H. sein. Allerdings werden zusätzlich die spezifische Kommunikationsstruktur in der Beziehung und die gegenseitige Abhängigkeit Thema sein.
Inwiewe...
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Zur Einleitung eine kurze Vorausschau
- 1. Verträge, Diagnosen und Skizzierung möglicher Therapieverläufe
- 2. Grundkonzepte der Transaktionsanalyse
- 3. Therapieverläufe
- 4. Probleme bei der transaktionsanalytischen Theorie und Therapie
- 5. Einige Anmerkungen zum „Gebrauch“ von transaktionsanalytischer Therapie
- Anhang
- Literaturhinweise
- Anmerkungen
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