Unendlich viele Menschen leiden unter Kopfschmerzen und Migräne und dennoch gibt es kein Patentrezept, diese Beschwerden zu kurieren.Das Buch gibt einen Überblick über die möglichen Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne und bietet zahlreiche Tipps zur Selbsthilfe. Es wird erläutert, was Triggerpunkte sind: in der Regel oft nur erbsengroße verkrampfte Zonen der Muskulatur, vergleichbar einem kleinen Dauerkrampf. Der Leser erfährt, wie man Triggerpunkte behandeln kann und welche Rolle sie bei Kopfschmerzen und Migräne spielen. Auch auf die Gründe, warum und wie Triggerpunkte entstehen, wird eingegangen. Das können z.B. ungünstige Körperhaltungen sein, aber auch unvorteilhaft konstruierte Möbel, ernährungsbedingte Faktoren, Stress, Schlafstörungen sowie akute oder chronische Krankheiten.

eBook - ePub
Triggerpunkt-Therapie bei Kopfschmerzen und Migräne
Ein Arbeitsbuch zur Selbstbehandlung und Schmerzlinderung
- 176 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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Triggerpunkt-Therapie bei Kopfschmerzen und Migräne
Ein Arbeitsbuch zur Selbstbehandlung und Schmerzlinderung
Über dieses Buch
Information
1. Was sind Triggerpunkte?
In diesem Kapitel werden Sie erfahren, was Triggerpunkte sind, wie sie entstehen und wie es sich anfühlt, wenn man Druck auf sie ausübt. Sie werden außerdem erfahren, wie Triggerpunkte Schmerzen auf andere Teile des Körpers ausstrahlen, die weit entfernt vom jeweiligen Triggerpunkt liegen, welche anderen Symptome – neben Schmerzen – sie verursachen können und was geschieht, wenn sie nicht behandelt werden.
1.1 Typische Eigenschaften von Triggerpunkten
Die Muskulatur ist das größte Organ des menschlichen Körpers, auf das in der Regel etwa 50 Prozent des Körpergewichts entfallen. Es gibt ungefähr 400 Muskeln im menschlichen Körper (erstaunlicherweise variiert diese Zahl von einer Person zur anderen), und jeder von ihnen kann Triggerpunkte entwickeln, die möglicherweise ausgestrahlte Schmerzen und Funktionsstörungen verursachen. Die Symptome können von schmerzfreier Behinderung von Bewegungen und schiefer Körperhaltung bis hin zu unerträglichen, quälenden Schmerzen variieren.
Knoten, Hartspannstränge und Überempfindlichkeit im Muskel
Muskeln bestehen aus zahlreichen Muskelzellen (oder Muskelfasern), die durch Bindegewebe gebündelt und davon umgeben sind. Jede Faser enthält zahlreiche Myofibrillen (Muskelfibrillen). Die meisten Skelettmuskeln enthalten etwa ein- bis zweitausend Myofibrillen, und jede Myofibrille besteht aus einer Kette von Sarkomeren (Muskelfasersegmenten), die an ihren Enden miteinander verbunden sind. Muskelkontraktionen finden in den Sarkomeren statt. Wenn ein Triggerpunkt vorhanden ist, sind viele Sarkomere in einem kleinen, verdickten Bereich kontrahiert (zusammengezogen), und die restlichen Sarkomere der betreffenden Myofibrille sind überdehnt und daher schmal. Mehrere solcher Kontraktionen im selben Bereich machen sich häufig als „Knoten“ oder „Hartspannstränge“ im Muskel bemerkbar. Diese Muskelfasern können nicht mehr genutzt werden, da sie bereits kontrahiert sind, und daher können Muskeln, die Triggerpunkte enthalten, nicht gekräftigt werden.
Triggerpunkte sind normalerweise sehr druckempfindlich. Die anhaltende Kontraktion einer Fibrille führt wahrscheinlich zur Freisetzung von sensibilisierenden neurochemischen Botenstoffen (körpereigenen Substanzen, die auf das Nervensystem wirken), die den Schmerz erzeugen, den man spürt, wenn Druck auf den Triggerpunkt ausgeübt wird. Die Intensität solcher Schmerzen kann variieren – abhängig davon, wie stark der Muskel belastet wird. Die Schmerzintensität kann auch als Reaktion auf das Einsetzen eines der anderen chronifizierenden Faktoren schwanken – durch emotionale Faktoren, eine Krankheit oder durch Schlaflosigkeit.
Gesunde Muskeln enthalten normalerweise keine Knoten oder Hartspannstränge, sind nicht druckempfindlich und fühlen sich – wenn sie nicht im Einsatz sind – weich und nachgiebig an, im Gegensatz zu der verhärteten und angespannten Muskulatur, die sich bei Menschen findet, die unter chronischen Schmerzen leiden. Häufig erzählen mir Patienten, ihre Muskeln würden sich hart und angespannt anfühlen, weil sie trainieren und Kraftübungen machen, aber gesunde Muskulatur fühlt sich weich und nachgiebig an – auch dann, wenn man trainiert.
Ausgestrahlte Schmerzen
Triggerpunkte können Schmerzen sowohl in die nähere Umgebung als auch in andere Bereiche des Körpers ausstrahlen. Die häufigsten Ausbreitungswege sind ausführlich dokumentiert und grafisch dargestellt worden; sie werden als Ausstrahlungsmuster oder Schmerzfelder bezeichnet. Etwa 50 Prozent aller Triggerpunkte befinden sich nicht dort, wo Sie die Symptome spüren. Das bedeutet, dass Sie wahrscheinlich keine Linderung erreichen, wenn Sie nur die Bereiche behandeln, in denen Sie Schmerzen haben. Teil III enthält Abbildungen der häufig auftretenden Ausstrahlungsmuster, die Sie mit Ihren eigenen Schmerzfeldern vergleichen können; das hilft Ihnen, die Triggerpunkte zu finden, die Ihre Schmerzen verursachen. Ohne zu wissen, dass Sie an einer bestimmten Stelle suchen müssen, werden Sie wahrscheinlich keine Linderung erreichen. So können zum Beispiel Triggerpunkte im oberen Bereich des Trapezmuskels (M. trapezius oder Kappenmuskel, verläuft zwischen Nacken und Schulter) Schmerzen in den Schläfen, an der Schädelbasis, im Kiefergelenk und in manchen Fällen über den Ohren oder über den Augen verursachen.
Wenn Sie auf einen solchen Triggerpunkt Druck ausüben, können Sie häufig den ausgestrahlten Schmerz oder andere Symptome reproduzieren. Wenn das allerdings nicht gelingt, bedeutet das keineswegs, dass dieser spezifische Triggerpunkt nicht an der Entstehung der Schmerzen beteiligt ist. Versuchen Sie trotzdem, den Triggerpunkt zu behandeln, der möglicherweise das Problem verursacht, und falls sich eine Besserung einstellt – auch vorübergehend –, können Sie davon ausgehen, dass dieser Triggerpunkt tatsächlich zumindest ein Teil des Problems ist. Aus diesem Grund sollten Sie nicht in ein und derselben Sitzung sämtliche infrage kommenden Triggerpunkte behandeln, denn in diesem Fall können Sie, falls sich Linderung einstellt, nicht wissen, welcher der behandelten Triggerpunkte tatsächlich die Ursache war.
Ausgestrahlte Kribbel-, Taubheits- oder Hitzegefühle werden häufig von Triggerpunkten verursacht, die einen Nerv einengen oder drücken. So verläuft zum Beispiel der Hüftnerv (N. ischiadicus) entweder unter dem birnenförmigen Muskel (M. piriformis) oder durch ihn hindurch und verursacht dadurch einen ischiasartigen Hüftschmerz, der einem echten Ischias sehr ähnlich ist (Travell & Simons, 1983).
Muskelschwäche und -ermüdung
Triggerpunkte führen zu Schwäche und Koordinationsverlust in den betroffenen Muskeln bis hin zur völligen Einschränkung der Muskelbewegung. Viele Menschen deuten dies als Zeichen, dass sie die geschwächten Muskeln kräftigen sollten. Wenn aber die Triggerpunkte nicht vorher deaktiviert worden sind, werden Kraftübungen (Konditionierung) wahrscheinlich die umgebenden Muskeln dazu anregen, die Arbeit der von Triggerpunkten betroffenen Muskeln zu verrichten, wodurch diese Muskeln noch mehr geschwächt und dekonditioniert werden.
Muskeln, die Triggerpunkte enthalten, ermüden leichter und entspannen sich nicht so schnell, wenn sie nicht mehr eingesetzt werden. Außerdem können Triggerpunkte bewirken, dass sich in den Bereichen, in denen Sie ausgestrahlte Schmerzen spüren, andere Muskeln anspannen und geschwächt werden – sogar ein ganzer Körperbereich kann sich als Reaktion auf den Schmerz verspannen.
Weitere Symptome
Triggerpunkte können Symptome verursachen, die normalerweise nichts mit Problemen der Muskulatur zu tun haben, zum Beispiel Schwellungen, Ohrgeräusche (Tinnitus), Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühle, häufigen Harndrang, Einknicken der Knie, starkes Schwitzen oder Tränen der Augen. Sie können zu steifen Gelenken, Müdigkeit, allgemeiner Mattigkeit, Zuckungen, Zittern, lokalen Taubheitsgefühlen oder anderen ungewöhnlichen Empfindungen führen. So kann zum Beispiel der Kopfwendermuskel (M. sternocleidomastoideus) nicht nur Spannungskopfschmerz verursachen, sondern auch Schwindel- oder Übelkeitsgefühle, Verstopfung der Nasennebenhöhlen, Zuckungen der Augenlider, Hörstörungen, Sehstörungen, chronische Halsschmerzen und andere Symptome. Wahrscheinlich würden Sie nicht auf die Idee kommen, dass solche Symptome durch einen Triggerpunkt in einem Muskel verursacht werden können.
Aktive Phase versus latente Phase
Ein Triggerpunkt kann sich entweder in einer aktiven oder einer latenten Phase befinden, je nachdem, wie gereizt er ist. Wenn der Triggerpunkt aktiv ist, strahlt er Schmerzen und andere Empfindungen aus und schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Wenn der Triggerpunkt latent ist, kann er die Bewegungsfreiheit beeinträchtigen und Schwäche verursachen, aber keine Schmerzen. Je häufiger und intensiver Ihre Kopfschmerzen sind, desto mehr aktive Triggerpunkte haben sie wahrscheinlich.
Triggerpunkte, die durch äußere Einwirkung auf einen Muskel entstehen, etwa durch eine Verletzung, sind normalerweise zunächst aktiv. Auch durch ungünstige Körperhaltung oder Bewegungsabläufe, wiederholte Beanspruchung oder eine gereizte Nervenwurzel können aktive Triggerpunkte entstehen. Ein aktiver Triggerpunkt kann nach einiger Zeit aufhören, Schmerzen auszustrahlen, und somit latent werden. Allerdings können solche latenten Triggerpunkte sehr leicht wieder aktiv werden, was Sie zu der irrigen Annahme verleiten kann, Sie hätten es mit einem neuen Problem zu tun. Tatsächlich handelt es sich aber um ein altes – womöglich schon längst vergessenes – Problem, das sich erneut bemerkbar macht. Latente Triggerpunkte können durch übermäßige Beanspruchung, Überdehnung oder Unterkühlung eines Muskels wieder aktiviert werden. Jeder der in Teil II beschriebenen chronifizierenden Faktoren kann vorher latente Triggerpunkte aktivieren und Sie für die Entstehung neuer Triggerpunkte durch äußere Einwirkung auf die Muskulatur anfälliger machen.
Latente Triggerpunkte können auch allmählich entstehen, ohne ursprünglich aktiv zu sein und ohne dass man sie überhaupt bemerken würde. In einer Studie mit 13 gesunden Teilnehmern, bei denen jeweils die gleichen acht Muskeln untersucht wurden (Simons, 2003), stellte sich heraus, dass zwei Probanden latente Triggerpunkte in sieben dieser Muskeln aufwiesen, eine Person hatte welche in sechs Muskeln, drei in fünf Muskeln, zwei in drei Muskeln, zwei in zwei Muskeln und nur eine Versuchsperson hatte überhaupt keine latenten Triggerpunkte in keinem einzigen der acht Muskeln! Das heißt, dass die meisten Leute zumindest einige latente Triggerpunkte haben, die leicht zu aktiven Triggerpunkten werden können. Ebenso zeigt dies, dass manche Leute anfälliger für Muskelschmerzen sind als andere (Simons, 2003).
Lage von Triggerpunkten in der Muskulatur
Triggerpunkte entstehen häufig dort, wo das Nervenende, das den jeweiligen Muskel zur Kontraktion veranlasst, mit der Muskelfaser verbunden ist, meist in der Mitte dieser Muskelfaser. In solchen Fällen spricht man von zentral-myofaszialen Triggerpunkten. Auch an den Muskelansätzen entstehen häufig Triggerpunkte; diese werden als Muskelansatz-Triggerpunkte bezeichnet. Da Sie vielleicht nicht wissen, wo die Mitte der Muskelfaser ist oder wo sich die Muskelansätze befinden, empfehle ich Ihnen, sich die Muskeldiagramme in Teil III anzusehen und zu versuchen, den ganzen Muskel zu behandeln, sodass Sie keinen der Triggerpunkte im betreffenden Muskel verfehlen können.
Ein primärer oder Schlüssel-Triggerpunkt kann die Entwicklung eines sekundären oder Satelliten-Triggerpunktes in einem anderen Muskel verursachen. Er kann entstehen, weil er sich im Ausstrahlungsbereich des Primärtriggerpunktes befindet. In anderen Fällen kann der Muskel mit dem Satelliten-Triggerpunkt überlastet sein, weil er einen Teil der Arbeit des Muskels mit dem Primärtriggerpunkt erledigt oder der Spannung in jenem Muskel entgegenwirkt. Wenn Sie sich selbst behandeln, machen Sie sich bewusst, dass manche Ihrer Triggerpunkte Satelliten-Triggerpunkte sein können; in diesem Fall werden Sie sie nicht wirkungsvoll behandeln können, bevor die verursachenden Primärtriggerpunkte behandelt worden sind. Teil III enthält weiterführende Informationen zu diesem Problem.
1.2 Was passiert, wenn Triggerpunkte nicht behandelt werden?
Wenn Menschen Schmerzen bei sich feststellen, warten sie normalerweise zunächst einmal ab, ob das Problem von selbst wieder verschwindet. Manchmal realisiert sich diese Hoffnung, manchmal nicht. Das Problem bei diesem Abwarten ist, dass Muskeln geschädigt werden können, wenn Triggerpunkte nicht behandelt werden, und letztlich kann durch Veränderungen des zentralen Nervensystems ein Teufelskreis der Schmerzen entstehen. Durch diese Beteiligung des zentralen Nervensystems lässt sich wahrscheinlich erklären, warum Sie unter chronischem Kopfschmerz und anderen Schmerzen leiden.
Schädigungen von Muskelfasern
Erinnern Sie sich daran, dass Triggerpunkte dazu führen, dass Myofibrillen teilweise kontrahiert bleiben? Wenn dieser Zustand zu lange anhält, kann die Myofibrille in der Mitte reißen, woraufhin die losen Enden sich zusammenziehen und in der Mitte eine leere Schale zurückbleibt. Solchermaßen geschädigte Muskelfasern können sich nicht regenerieren und werden nicht wieder einsatzbereit sein (Simons, Travell & Simons, 1999).
Nervenbahnungen
Wenn Schmerzen wiederholt über dieselbe Nervenleitung übertragen werden, führen sie eine Nervenbahnung herbei. Das bedeutet, dass der Schmerz bevorzugt immer wieder über diese Nervenleitung übertragen wird, wann immer eine neue Verletzung oder eine andere Belastung in einem bestimmten Bereich des Körpers auftritt. Erinnern Sie sich daran, dass die am häufigsten auftretenden Ausstrahlungsmuster ausführlich dokumentiert und grafisch dargestellt worden sind? Eine Nervenbahnung kann dazu führen, dass das Schmerzfeld von den häufigsten Mustern abweicht. Sie kann auch dazu führen, dass mehrere Triggerpunkte in verschiedenen, aber benachbarten Muskeln Schmerzen in denselben Bereich ausstrahlen, wodurch es noch schwieriger wird, den tatsächlichen Ursprung der ausgestrahlten Schmerzen festzustellen. Das bedeutet, dass Sie die Rolle eines potenziellen Triggerpunktes nicht allein aufgrund verbreiteter Ausstrahlungsmuster sicher ausschließen sollten, da andere Faktoren bei Ihnen ein ungewöhnliches Schmerzfeld bewirken können. Je intensiver die ursprünglichen Schmerzen und die damit verbundenen Emotionen sind, desto wahrscheinlicher wird eine solche Nervenbahnung Abweichungen von den häufigsten Ausstrahlungsmustern herbeiführen (Simons, Travell & Simons, 1999).
Sensibilisierung des zentralen Nervensystems
Eine neuere Studie (Borg-Stein & Simons, 2002) hat gezeigt, dass bestimmte Arten von Nervenrezeptoren in Muskeln Informationen an Neuronen übertragen, die sich in einem bestimmten Bereich der grauen Substanz im Rückenmark befinden. Dort wird der Schmerz verstärkt und dann an andere Muskelbereiche übertragen, wodurch der schmerzende Bereich über die ursprünglich betroffene Region hinaus vergrößert wird.
Sobald dieser Bereich des zentralen Nervensystems auf diese Weise beteiligt – oder sensibilisiert – ist (was man als Sensibilisierung des zentralen Nervensystems bezeichnet), führt der anhaltende Schmerz zu lange anhaltenden oder permanenten Veränderungen dieser Neuronen, die wiederum benachbarte Neuronen durch Neurotransmitter in Mitleidenschaft ziehen. (Als Neurotransmitter oder Botenstoffe bezeichnet man chemische Substanzen, die von einem Neuron produziert und abgesondert und dann über Synapsen – Kontaktstellen – an andere Neuronen übertragen werden, die dadurch erregt oder gehemmt werden.) Durch diesen Prozess kann es außerdem passieren, dass der Teil des Nervensystems, der Schmerzen entgegenwirkt, versagt und seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann. Je länger solche Schmerzen unbehandelt bleiben, desto mehr Neuronen sind beteiligt, die ihrerseits umso mehr Muskeln in Mitleidenschaft ziehen – und wenn mehr Muskeln betroffen sind, entstehen neue Schmerzen in anderen Bereichen, wodurch wiederum mehr Neuronen in Mitleidenschaft gezogen werden … und je größer das Problem wird, desto wahrscheinlicher werden die Schmerzen zu einem chronischen Problem. Je schneller der Schmerz behandelt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zu einem permanenten Problem wird, weil ausgedehnte Bereiche der Muskulatur geschädigt und Veränderungen des zentralen Nervensystems verursacht worden sind.
Sensibilisierung der gegenüberliegenden Körperseite
Vielleicht werden Sie erstaunt sein zu erfahren, dass der gleiche Bereich auf der gegenüberliegenden Seite Ihres Körpers ebenfalls druckempfindlich ist, wenn auch auf dieser Seite keine Schmerzen auftreten. In über 50 Prozent der Fälle ist die gegenüberliegende Körperseite sogar druckempfindlicher. Sofern es sich nicht um eine neuere Verletzung handelt, werden typischerweise über kurz oder lang beide Körperseiten Symptome zeigen (wenn zum Beispiel der rechte mittlere Bereich des Rückens schmerzt, werden wahrscheinlich auch im linken mittleren Rückenbereich druckempfindliche Stellen entstehen). Aus diesem Grunde behandele ich fast immer beide Seiten, und ich empfehle Ihnen, bei Ihren Selbstbehandlungen ebenso zu verfahren.
Diese Erkenntnis ist durch eine Studie bestätigt worden, bei der die Wissenschaftler nadelförmige Elektroden an der gleichen Stelle auf den gegenüberliegenden Seiten des Halses oder des Rückens platzierten, um die elektrische Muskelaktivität zu erfassen (Audette, Wang & Smith, 2004). Wenn man einen aktiven Triggerpunkt auf der einen Seite des Körpers stimulierte, wurden auf der gegenüberliegenden Seite entsprechende elektrische Muskelaktivitäten ausgelöst. Latente Triggerpunkte produzierten diesen Effekt nicht; auch diese Beobachtung stützt die These von einer Sensibilisierung des zentral...
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Danksagung
- Einführung
- TEIL I: TRIGGERPUNKTE, KOPFSCHMERZEN UND KRANIOMANDIBULÄRE DYSFUNKTION
- 1. Was sind Triggerpunkte?
- 2. Behandlung von Triggerpunkten
- 3. Kopfschmerzen und Migräne
- 4. Kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
- TEIL II: WIE TRIGGERPUNKTE ENTSTEHEN UND WODURCH SIE AKTIVIERT BLEIBEN: CHRONIFIZIERENDE FAKTOREN
- 5. Körperhaltung und Bewegungsabläufe
- 6. Ernährung
- 7. Weitere chronifizierende Faktoren
- TEIL III: SELBSTHILFETECHNIKEN ZUR BEHANDLUNG VON TRIGGERPUNKTEN
- 8. Allgemeine Richtlinien für Selbsthilfetechniken
- 9. Welche Muskeln verursachen die Schmerzen?
- 10. Trapezmuskel
- 11. Nackenmuskulatur
- 12. Kopfwendermuskel
- 13. Schläfenmuskel
- 14. Gesichts- und Kopfschwartenmuskulatur
- 15. Kaumuskel
- 16. Äußerer Flügelmuskel
- 17. Innerer Flügelmuskel
- 18. Zweibäuchiger Kiefermuskel
- ANHANG
- B. Einige Anregungen für Therapeuten, die Selbsthilfetechniken unterrichten
- Ressourcen
- Websites
- Literatur
- Über die Autorin
- Muskelverzeichnis
- Anmerkungen
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