Leitfaden und Toolbox für Job-Coachs Job-Coaching ist eine Maßnahme, die vor allem von der Bundesagentur für Arbeit und dem Jobcenter finanziert wird. Das Angebot soll helfen, Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Aufgrund der Zielgruppe unterscheidet sich die Arbeitsweise eines Job-Coachs mitunter erheblich von der eines Karriere-Coachs, denn die Klienten kommen nicht immer freiwillig. Oft fühlen sie sich "geschickt" und sind mitunter wenig motiviert, frustriert und hoffnungslos. Deshalb birgt das Job-Coaching besondere Herausforderungen. Momentan arbeiten Job-Coachs häufig nach der Devise "learning by doing". Hier schafft das Buch Abhilfe, indem es einen strukturierten Leitfaden bietet, angefangen von der Auftragsgestaltung, über Besonderheiten und Hürden dieses Coaching-Settings bis hin zu einer Vielzahl praxiserprobter Methoden.

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Job-Coaching
Arbeitssuchende für den Arbeitsmarkt fit machen
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Über dieses Buch
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VerwaltungTEIL II: METHODEN IM JOB-COACHING
7. Gesprächstechniken
Das Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist sicherlich die alltäglichste Form der Kommunikation und wahrscheinlich auch die bedeutsamste. Und gerade weil Gespräche so alltäglich sind, können schnell und unbewusst Missverständnisse entstehen. Hier braucht der Job-Coach besondere Kommunikationsfähigkeiten, um einen erfolgreichen Prozess zu gewährleisten. Deshalb stellen wir Ihnen in diesem Kapitel eine bewährte Auswahl an Gesprächstechniken zur Verfügung.
7.1 Aktives Zuhören, Paraphrasieren und Spiegeln

Aktives Zuhören: Wir hören unserem Klienten aufmerksam zu. Ein gelegentliches leichtes Nicken und ein „Mhh“ signalisieren ihm, dass wir bei ihm sind.
Beim Paraphrasieren geben wir kurz mit eigenen Worten wieder, was der Klient unserer Meinung nach gesagt hat. Haben wir ihn missverstanden, kann er uns korrigieren. Durch diesen Abgleich kann er sicher sein, dass seine Worte bei uns so angekommen sind, wie er sie gemeint hat.
Spiegeln: Dieser Begriff kann irreführend sein, denn es geht nicht darum, etwas spiegelbildlich wiederzugeben oder dem Klienten gar „einen Spiegel vorzuhalten“. Bei der Kommunikationstechnik Spiegeln geht es darum, sich in die Emotionen unseres Gegenübers hineinzuversetzen. Neben den gesprochenen Worten sind dafür auch seine nonverbalen Äußerungen wichtig. Wir gehen hier also auch auf Dinge ein, die nicht „auf der Tonspur“ formuliert werden. Beginnt der Klient beispielsweise zu weinen, können wir ihm unsere Aufmerksamkeit und Empathie signalisieren. Wir teilen ihm unsere Wahrnehmung mit und fragen ihn: „Für mich sieht es so aus, als gehe Ihnen dieses Thema sehr nahe. Ist das so?“
Das Spiegeln eröffnet uns die Möglichkeit, eigene Interpretation zu überprüfen und so zu einem echten Verständnis für den Klienten zu gelangen.
Tipp:
- Hören Sie aktiv zu, sprechen Sie nicht von sich und lassen Sie die Aussagen ohne Bewertung stehen.
- Finden Sie kurze und knappe Formulierungen.
- Überprüfen Sie, ob Sie Ihren Klienten richtig verstanden haben (Habe ich richtig verstanden, dass …?)
- Versuchen Sie nicht, eigene Formulierungen für die gehörten Worte zu finden, die die Bedeutung hinter dem Gesagten erfassen.
- Versuchen Sie auch Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen („Es war für Sie eine schwierige Situation, als …?“; „Es hat Sie geärgert, dass …?“)
7.2 Utilisieren
Beim Utilisieren machen wir uns etwas bereits Vorhandenes nutzbar (utilis = lat. brauchbar). Die Technik geht auf Milton H. Erickson zurück, dem zufolge sich alles, was gerade geschieht, in irgendeiner Weise für den aktuellen Prozess nutzbar machen lässt. Paradoxerweise können das oft sogar „Störungen“ sein, die man utilisieren und somit in einen förderlichen Prozess mit einbeziehen kann.
Beispiel: Während einer Sitzung klingelt das Telefon – es ertönt ein rhythmischer Rufton. Der Coach utilisiert: „… und wenn ich das höre, drängt sich mir die Frage auf, was Sie brauchen, um Ihren Rhythmus im Alltag wiederzufinden.“ Selbst Widerstand des Klienten kann auf diese Weise utilisiert werden.
7.3 Reframing
Das Reframing (= Neurahmung, Umdeutung) stammt aus der Systemischen Therapie und wurde von der Familientherapeutin Virginia Satir eingeführt. Auch im Neurolinguistischen Programmieren (NLP) sowie im provokativen Ansatz in Therapie und Beratung hat Reframing einen hohen Stellenwert.
Und wir funktioniert es? Eine Situation oder ein Geschehen wird mit einem neuen „Rahmen“ versehen, der ihm entweder eine andere Bedeutung oder einen anderen Sinn verleiht. Das metaphorische Bild des Rahmens bezieht sich darauf, dass ein Bilderrahmen entscheidend dafür sein kann, ob ein Kunstwerk dem Betrachter unscheinbar oder schön erscheint. Ziel ist es, dem Klienten aufzuzeigen, dass eine bestimmte Verhaltensweise in einigen Situationen unpassend, in anderen hingegen sehr hilfreich sein kann. Es lassen sich folgende Arten von Reframing unterscheiden:
Bedeutungs-Reframing: Das Verhalten oder ein Ereignis wird anders interpretiert. Der Job-Coach versucht eine passende Bedeutung für das unerwünschte Verhalten zu finden. Bedeutungs-Reframing kann eingesetzt werden, wenn in der sprachlichen Formulierung des Klienten eine Äußerung auftaucht, die die Form einer komplexen Äquivalenz hat: „Ich fühle mich x, wenn y passiert“.
Beispiel:
Klient: „Wenn meine Kinder zu Hause sind, habe ich einfach keine Ruhe. Sie nehmen auf mich keine Rücksicht und kommen immer wieder in mein Arbeitszimmer.“
Job-Coach: „Ihre Kinder möchten also gerne Zeit mit Ihnen verbringen und wünschen sich Ihre Aufmerksamkeit?“
Kontext-Reframing: Der Job-Coach sucht nach einem Kontext, in dem das Verhalten oder das Ereignis sinnvoll erscheint. Diese Intervention unterstützt den Klienten darin, eine positive Sicht auf die abgelehnte Eigenschaft / Verhaltensweise zu entwickeln. Der Einsatz eines Kontext-Reframings lohnt sich, wenn in der sprachlichen Formulierung des Problems durch den Klienten ein Vergleich auftaucht. Dieser ist meist in Form von: „Ich bin zu x“ oder „A ist zu x“ hörbar. In diesem Fall handelt es sich um eine Generalisierung, da die abgelehnte Eigenschaft vom Klienten für alle denkbaren Kontexte gilt. Indem der Job-Coach einen Kontext findet, in dem die Eigenschaft angebracht und hilfreich ist, nimmt er die Generalisierung zurück und ersetzt sie durch eine kontextbezogene Äußerung.
Beispiel:
Klient: „Mein Sachbearbeiter ist mir zu schnell.“
Job-Coach: „Stellen Sie sich vor, es geht um die Bearbeitung Ihrer Bezüge. Wäre es da nicht hilfreich, dass er dort schnell ist?“
7.4 Positive Gesprächsführung: Worte beeinflussen unser Denken
Positive Formulierungen beeinflussen erheblich die Gesprächsatmosphäre. Das heißt für uns, dass wir bewusst negative Formulierungen durch positive ersetzen. Beispiel: Statt „Es bleiben uns nur noch zehn Minuten für die Sitzung“ sagen wir zu unserem Klienten: „Wir haben noch zehn Minuten, die wir nutzen können.“ Im Kern bleibt die Aussage dieselbe, doch der Fokus auf das Positive hat auf den Klienten eine andere Wirkung.
Tipps:
- „Aber“ raubt Energie und wirkt einschränkend, denn der „Aber-Nebensatz“ löscht das Positive des zuvor Gesagten sozusagen aus. Beispiel: „Es ist heute so strahlender Sonnenschein, aber der Wetterbericht hat Regenschauer angekündigt.“ Versuchen Sie deshalb, aber durch „und gleichzeitig“ zu ersetzen.
- „Noch“ schafft Energie und lässt Zuversicht aufkommen. Oft treffen wir absolute Aussagen wie: „Ich kenne diesen Beruf nicht.“ Fügen Sie in solche Sätze einfach mal das Wort „noch“ ein. Der Satz „Ich kenne diesen Beruf noch nicht“ klingt und wirkt viel positiver. Das Wort „noch“ impliziert, dass diese Tatsache sich verändern kann oder wird.
- „Müssen“ macht uns klein und erzeugt Druck. „Wir müssen heute pünktlich Schluss machen.“ Das Wort „müssen“ gehört zur Gattung „demotivierender“ Worte. Sagen Sie stattdessen „Ich will …“, „Ich möchte …“ oder „Ich werde …“. Dann fühlen Sie sich weniger fremdgesteuert. Dasselbe gilt auch für Ihre Klienten.
7.5 Klientenzentrie...
Inhaltsverzeichnis
- Über dieses Buch
- Wieso dieses Buch?
- Einleitung
- TEIL I: DER JOB-COACHING-PROZESS
- TEIL II: METHODEN IM JOB-COACHING
- ANHANG
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