Selbsthilfe bei chronischen Schmerzen
eBook - ePub

Selbsthilfe bei chronischen Schmerzen

Schmerzbewältigung Schritt für Schritt

  1. German
  2. ePUB (handyfreundlich)
  3. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Selbsthilfe bei chronischen Schmerzen

Schmerzbewältigung Schritt für Schritt

Über dieses Buch

Mehr als 3 Millionen Menschen in Deutschland leben mit chronischen Schmerzen; ihre Leidenszeit beträgt im Schnitt sieben Jahre (Quelle: Barmer GEK 2016). Die wenigsten aber finden auf Anhieb die richtige Therapie und oft führt der erste Weg in die Apotheke.Mit ihrem Buch legt die amerikanische Ärztin Margaret A. Caudill ein umfassendes Schmerzmanagement-Programm vor. Es schließt Medikamente nicht völlig aus, integriert sie jedoch in ein ganzheitliches Konzept, das in den USA klinisch getestet wurde. Die Autorin beschreibt grundlegende Schmerzmechanismen, die medizinische Behandlung chronischer Schmerzen und gibt Tipps, die auf der Kognitiven Verhaltenstherapie basieren. Betroffene können das Buch als Schmerzbewältigungs-Selbstlernkurs durcharbeiten, sie können es aber auch begleitend und unterstützend in einer Schmerztherapie nutzen."Mithilfe dieses Buches finden Sie in Ihrem Inneren die Kraft, die neue Freude und Hoffnung hervorbringt. Und dann wird es Ihnen auch besser gehen – trotz anhaltender Schmerzen." — Paul Arnstein, Schmerztherapeut, Massachusetts General Hospital

Information

Jahr
2018
ISBN drucken
9783955716233
eBook-ISBN:
9783955717452

1. Wie Sie dem Schmerz das Heft aus der Hand nehmen

Vielleicht zweifeln Sie noch immer, ob Sie mit Ihren chronischen Schmerzen jemals wieder Freude am Leben haben werden. Lassen Sie uns herausfinden, wie Sie Ihre Lebensqualität trotzdem verbessern können. Drei Faktoren sind wichtig:
  1. Verantwortung für den Schmerz übernehmen (was nicht heißt, sich die Schuld dafür zu geben),
  2. die vom Schmerz verursachten Probleme genau benennen und
  3. sich im Lichte dieser Informationen Ziele setzen.
In diesem Kapitel erhalten Sie Ihr erstes Werkzeugset, mit dem Sie Ihrem Schmerz das Heft aus der Hand nehmen und ihn unter Kontrolle bekommen: Tagebuch schreiben und Ziele setzen. Schauen Sie sich zunächst einmal den ersten der drei wichtigen Faktoren an: Verantwortung für den Schmerz übernehmen.

1.1 Akzeptieren Sie, dass die Schmerzen zu Ihnen gehören

Der wichtige erste Schritt besteht darin, das Problem zu definieren. Ihr Problem ist: Sie haben Schmerzen und diese hören nicht auf. Bevor Sie etwas gegen die Schmerzen unternehmen, müssen Sie zunächst einmal anerkennen, dass es sie gibt.
Vielleicht tendieren Sie an diesem Punkt dazu, anderen die Schuld an Ihrem Schmerz zu geben. Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass Ihre Ärzte versagt haben, weil sie die Ursache nicht finden und Sie nicht heilen konnten oder weil sie noch nicht einmal etwas dafür tun, damit es Ihnen besser geht. Vielleicht glauben Sie, dass Ihre Angehörigen Sie nicht unterstützen, Sie nicht verstehen oder sich nicht in Ihr Problem einfühlen können. Vielleicht glauben Sie, dass es an der Gesellschaft liegt, und beklagen sich darüber, dass sie es Ihnen nicht leichter macht, Hilfe zu finden.
Es ist ganz normal und nur zu verständlich, dass Sie traurig, wütend oder besorgt sind, weil die Schmerzen Ihr ganzes Leben aus dem Takt bringen. Unter diesen Umständen kommt man leicht in Versuchung, andere nicht nur für die Schmerzen, sondern auch für die Befreiung davon verantwortlich zu machen. So legen viele Betroffene ihr Leben auf Eis und warten darauf, dass andere – Ärzte, Familienangehörige, die Gesellschaft – es in die Hand nehmen. Doch wenn man nicht nur die Schmerzen, sondern auch die Verantwortung für deren Bewältigung loswerden möchte, fühlt man sich weiterhin machtlos und hat dann erst recht ein Problem. Es liegt in der Natur chronischer Schmerzen, dass sie nicht aufhören. Wenn Sie nun die Verantwortung für das Leben damit übernehmen, können Sie selbstbestimmter handeln. Mit dieser Einstellung, dass das Schmerzproblem bei Ihnen selbst liegt, werden Sie langsam, aber sicher die Oberhand gewinnen. Das Gesundheitssystem, Ihre Familie und die Gesellschaft können Ihnen wohl helfen, doch letztlich ist die Befreiung aus dem Schmerzknäuel Ihre eigene Aufgabe.
Womöglich denken Sie jetzt: „Na toll. Ich soll für meinen Schmerz die Verantwortung übernehmen? Bin ich also schuld daran? Alle sagen das – offen oder andeutungsweise. Mir geht es doch schon schlecht genug und nun habe ich auch noch Schuldgefühle.“ Seien Sie versichert: Selbstvorwürfe und Schuldgefühle sind nicht meine Intention. Sie lähmen einen nur. Man fühlt sich damit so schlecht und wertlos, dass alles sinnlos erscheint. Die Verantwortung für den Schmerz anzunehmen bedeutet im Gegenteil, dass man die Wahl hat und ein wertvoller Mensch ist. Dann ist es sinnvoll, etwas zu tun. Das ist etwas ganz anderes, als sich selbst die Schuld zu geben.
Chronische Schmerzen sind komplex, haben viele Ursachen und werden ganz unterschiedlich behandelt. Und oft völlig falsch eingeschätzt.
Mit Einsetzen der Schmerzen hat sich Ihr Leben verändert und an einigen Auswirkungen können Sie etwas ändern. Wie? Sie können lernen, mit den Schmerzfolgen zu arbeiten, sodass sie Sie weniger belasten: eine schwierige, aber nicht unmögliche Aufgabe. Dieses Buch wird Ihnen mit lehrreichen Informationen auf die Sprünge helfen.

1.2 Benennen Sie Ihre Probleme genau

„Ordnung und Sichtung sind der Anfang der Beherrschung, und der eigentlich furchtbare Feind ist der unbekannte.“
(Thomas Mann, Der Zauberberg [1924])

1.2.1 Warum es wichtig ist, den Schweregrad Ihrer Schmerzen zu erfassen

Durch den Erfassungsprozess werden Sie Ihre Schmerzen besser verstehen und wissen, wodurch sie zu- oder abnehmen: durch bestimmte Aktivitäten, das Wetter, Nervosität oder Schlafmangel. Halten Sie den Schweregrad Ihrer Schmerzen dreimal täglich fest, und zwar immer um die dieselbe für Sie jeweils am besten passende Uhrzeit, beispielsweise nach dem Aufwachen, nach dem Mittagessen und dann noch einmal vor dem Schlafengehen. Bleiben Sie konsequent dabei. Denn wenn Sie es nur dann tun, sobald Sie auf den Schmerz aufmerksam werden, merken Sie nicht unbedingt, wann er stärker oder schwächer wird. Doch wenn Sie Ihre Schmerzempfindung regelmäßig festhalten, werden Sie bestimmte Muster erkennen. Und wenn Sie sich diese bewusst machen, wissen Sie, was den Schmerz lindert und was ihn verstärkt, was gut- und was wehtut.
Viele Menschen wehren sich zunächst gegen die Vorstellung, Ihren Schmerz zu erfassen, und vielleicht gehören Sie ja dazu. Reicht es denn nicht, dass Sie sowieso schon Schmerzen haben? Jetzt sollen Sie sich auch noch damit herumquälen und all das aufschreiben – und zwar gleich dreimal am Tag? „Wozu soll ich das denn machen? Das ist doch unfair!“ Falls Sie dies denken, lesen Sie einmal folgende Geschichte.
Paula wurde wütend bei dem Gedanken, ihre Schmerzen zu erfassen. Dass sie Rückenschmerzen hatte, wusste sie ja bereits. Warum sollte sie dann Tag für Tag darüber schreiben und zwar gleich dreimal täglich?
Als sie damit begann, fühlte sie sich gerade sehr elend, was ihr durch das Aufschreiben erst recht bewusst wurde. Allmählich merkte sie, wie sehr sie die Rückenschmerzen leugnete und wie sie das davon abhielt, produktive oder angenehme Dinge zu tun. Sie hatte nicht nur ihre Arbeit aufgegeben, sondern kümmerte sich kaum noch um den Haushalt. Bestimmt war ihre Wohnung nicht mehr so sauber wie früher. Schlimmer – sie war ihrem Mann gegenüber gereizt und schrie ihre Kinder an. Ihre Freudinnen und Freunde sah sie selten, hatte wenig Lust auf irgendwelche Unternehmungen. So hatte sie eigentlich nicht leben wollen.
Langsam wurde ihr bewusst, dass sie sich selbst durch den Tagesablauf zwang und abends wie tot zusammensackte. Schon beim Aufwachen hatte sie Rückenschmerzen, die im Laufe des Tages zunahmen. Woher kam das? Etwa durch den ständigen Kreislauf aus „Zwang, Zusammenbruch und Burnout“? Trug dies mit dazu bei, dass sie sich machtlos fühlte? Würde es helfen, ihre Aktivitäten zu strukturieren und mit ihren Kräften besser hauszuhalten?
Nach und nach fand Paula Antworten auf diese Fragen. Sie verstand, dass sie durch die Schmerzerfassung mehr herausfand über den Zusammenhang zwischen den Schmerzen, den Dingen, die sie tat, und die Art, wie sie sie tat. Sie konnte die Methoden, die sie beim Schmerzmanagement erlernte, in ihren Alltag einbauen, sodass die Schmerzen schließlich weniger wurden und sich besser bewältigen ließen.
Falls Ihnen die Schmerzerfassung nicht lästig erscheint – umso besser! Falls aber doch, überlegen Sie einmal Folgendes: Sie geben immer Ihr Bestes und kriegen Ihre Schmerzen dennoch nicht unter Kontrolle. Vielleicht werden Sie mithilfe der Schmerzerfassung feststellen, wo es hakt und welcher Weg aus der Sackgasse herausführt. Sie können sich nicht darauf verlassen, dass Sie sich über längere Zeit exakt an all die Situationen erinnern, in denen Sie Schmerzen hatten und wie sie sich anfühlen. Also geben Sie sich einen Ruck und probieren Sie die Schmerzerfassung wenigstens einmal aus – vielleicht bringt sie ja doch etwas. Denken Sie daran: Was man kennt, kann man beherrschen.

1.2.2 Ein Schmerztagebuch führen

Mit einem Tagebuch können Sie Ihre Schmerzen optimal überwachen. In Anhang F finden Sie eine Kopiervorlage sowie ein Beispiel für ein ausgefülltes Formular.
Halten Sie in dem Tagebuch die körperlichen Schmerzempfindungen und alle damit verbundenen unangenehmen emotionalen Reaktionen fest. Das körperliche Schmerzgefühl wird mit Begriffen wie reißend, stechend, brennend, klopfend oder ziehend beschrieben, während die gefühlsmäßige Reaktion sich auf das Leid bezieht, also ob man beispielsweise frustriert, wütend, verärgert oder traurig ist. Unangenehme Emotionen wie diese werden häufig von Gedanken begleitet wie „Das [der Schmerz] hört ja nie auf“, „Wie ungerecht!“, „Ich bin zu nichts mehr nutze“, „Mein Leben ist wertlos“. Derartige Gedanken haben zur Folge, dass man sich noch schlechter fühlt und die Schmerzen sich verschlimmern.
Ganz wichtig: Die Frage, wie Sie sich „fühlen“, kann sich sowohl auf körperliche Empfindungen als auch auf emotionale Reaktionen beziehen. Diese Doppelbedeutung ist u. U. verwirrend, wenn Sie die Schmerzerfahrung für sich selbst beschreiben und dies dann nach außen kommunizieren wollen. So hatten die Patienten meiner allerersten Schmerzgruppe in der Abschlusssitzung darüber gesprochen, wie gut sie sich fühlten, obwohl ihr „Schmerzlevel“ nur etwas niedriger war als bei der Messung zehn Wochen zuvor. Ich war erstaunt, verstand es nicht und fragte nach. Sie erklärten es mir: „Wir haben immer noch Schmerzen [die körperliche Empfindung], fühlen uns aber dabei viel besser [die emotionale Reaktion], weniger hilflos. Außerdem wissen wir, was wir tun können, wenn der Schmerz zunimmt. Wir haben die Kontrolle, nicht der Schmerz!“ Seitdem bitte ich meine Patienten, differenzierte Angaben zu machen.
Mediziner, die den Bedeutungsunterschied ignorieren, arbeiten nur mit einer Schmerzskala. Wenn Sie also gefragt werden: „Wie fühlen Sie sich?“, sollten Sie klarstellen, worauf sich Ihre Antwort bezieht, damit Sie die richtige Medizin oder Anwendung verschrieben ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über dieses Buch
  2. Geleitwort
  3. Dank
  4. Vorwort
  5. Bevor Sie beginnen: Wie dieses Buch Ihnen helfen kann
  6. 1. Wie Sie dem Schmerz das Heft aus der Hand nehmen
  7. 2. Was ist Schmerz?
  8. 3. Psyche und Körper
  9. 4. Die Verbindung zwischen Körper, Seele und Geist
  10. 5. Die Macht der Gedanken
  11. 6. Eine gesunde Einstellung
  12. 7. Schmerzen und Ernährung
  13. 8. Effektive Kommunikation
  14. 9. Probleme effektiv lösen
  15. 10. Das Ende vom Anfang
  16. Anhang A: Häufige chronische Schmerzerkrankungen
  17. Anhang B: Komplementär- / Alternativmedizin
  18. Anhang C: Bequemes Arbeiten am Computer
  19. Anhang D: Studien zum medikamentösen Management von Arthroseschmerzen bei Erwachsenen: eine Übersicht
  20. Anhang E: Elektronische Ressourcen
  21. Anhang F: Arbeitsblätter und andere Materialien
  22. Literatur
  23. Index
  24. Stimmen zu diesem Buch
  25. Die Autorin

375,005 Studierende vertrauen auf uns

Zugang zu über 1,5 Millionen Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.

Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Pläne an: Essential und Complete
  • Essential ist ideal für Lernende und Fachkräfte, die es genießen, eine Vielzahl von Themen zu erkunden. Greife auf die Essential Library mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften zu. Enthält unbegrenzte Lesezeit und Standard-Vorlesestimme.
  • Complete: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forschende, die vollen, uneingeschränkten Zugriff benötigen. Entsperre über 1,5 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen, einschließlich akademischen und spezialisierten Titeln. Der Complete-Plan enthält außerdem fortschrittliche Funktionen wie Premium Vorlesen und Forschungsassistent.
Beide Pläne sind mit monatlicher, halbjährlicher oder jährlicher Abrechnungskadenz verfügbar.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abonnement-Service, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buchs pro Monat Zugriff auf eine gesamte Online-Bibliothek erhältst. Bei über 1,5 Millionen Büchern zu mehr als 990 Themen bist du bestens versorgt! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du kannst auf Selbsthilfe bei chronischen Schmerzen von Margaret A. Caudill, Claudia Campisi im PDF- und/oder ePUB-Format sowie auf andere beliebte Bücher in Psychologie & Angewandte Psychologie zugreifen. In unserem Katalog stehen über 1,5 Millionen Bücher zur Verfügung.