Respekt!
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Respekt!

Wie Wertschätzung im Job gelingt

  1. 146 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Respekt!

Wie Wertschätzung im Job gelingt

Über dieses Buch

Respekt wünschen sich alle. Denn nur in einer Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung macht der Job Freude und führt zu Zufriedenheit und Erfolg. Erfahren Sie, wie Sie sich Respekt verschaffen, sei es als Führungskraft, Mitarbeiter, Kollege, oder im Umgang mit Kunden - und sich gleichzeitig den Respekt sich selbst gegenüber bewahren. Entdecken Sie zudem wertvolle Erfolgsfaktoren, wie Respekt im Unternehmen gefördert und gelebt werden kann.Inhalt- Sechs Schritte zu mehr Respekt vor sich selbst- Wie Respekt im Umgang miteinander gelingen kann- Härtefälle: Respektlose Verhaltensweisen in den Griff bekommen- Führen mit Respekt - Möglichkeiten um andere respektvoll zu führen- Erfolgsfaktoren für eine respektvolle Unternehmenskultur

Information

Verlag
Haufe
Jahr
2020
eBook-ISBN:
9783648142851

TEIL II: Respekt anderen gegenüber

»Was wäre denn aus mir geworden, wenn ich nicht immer genötigt gewesen wäre, Respekt vor anderen zu haben?«
Johann Wolfgang von Goethe
Ist es nicht merkwürdig? Wir alle wünschen uns, mit Respekt behandelt zu werden, und wir alle erleben respektloses Verhalten im Beruf und im Alltag. Hören Sie sich nur einmal um bei Ihren Freunden … Fragen Sie: »Könnt ihr mir von Situationen erzählen, in denen ihr schon einmal Respektlosigkeit erfahren habt?« Ich versichere Ihnen: Jede/r wird Ihnen eine Geschichte erzählen können.
Ich erinnere mich an ein Seminar zum Thema »Projektmanagement«, das ich geleitet habe. Darin saßen zwei Teilnehmer, beide Anfang 20, sie galten als »Potenzialträger« ihres Unternehmens.
Bereits während der Vorstellungsrunde unterhielten sich die beiden lautstark miteinander, manchmal verdrehten sie die Augen, während die anderen Kollegen, die zum Teil zwanzig, dreißig Jahre älter waren als sie selbst, von ihren Berufserfahrungen sprachen. Irgendwann unterbrach einer der beiden die Einstiegsrunde, sprang auf und rief: »Wozu brauchen wir denn diesen ganzen Vorstellungs-Schnickschnack?! Das geht nur von unserer Zeit ab.« Der andere ergänzte: »Stimmt genau! Lassen Sie uns endlich zur Sache kommen! Ich will nicht die Namen der Anwesenden hören, die vergesse ich doch gleich wieder. Ich will wissen, wie ich nächste Woche meinen Deckungsbeitrag um 1,5 Prozent erhöhen kann!«
Ich empfand dieses Verhalten als äußerst respektlos, insbesondere den älteren Teilnehmern gegenüber. Für das Gelingen eines Projektes gibt es neben Methoden und Techniken einen ganz entscheidenden Faktor: die Mitarbeiter – den Faktor »Mensch«. Dem hatten die beiden offensichtlich noch keine Bedeutung beigemessen.
Die Erfahrung respektlosen Verhaltens brennt sich stark in die Erinnerung ein, denn es ruft intensive Abwehrgefühle hervor. Das gilt aber auch genauso für Erlebnisse, in denen uns in besonderem Maße Respekt entgegengebracht wird.
In einem Hotel, in dem ich öfters Seminare halte, wurde ich neulich folgendermaßen begrüßt: »Frau Lienhart, im Seminarraum steht Ihr Wasser schon für Sie bereit. So wie Sie’s immer gern trinken – nicht zu kalt und ohne Kohlensäure in einem großen Glas.« Das hat mich sehr gefreut. (Ich versuche nämlich immer, zwei Liter Wasser am Tag zu trinken; und wenn das Glas zu klein ist, wenn Kohlensäure darin ist oder wenn das Wasser zu kalt ist, schaffe ich das nicht.) Darin lag eine besondere Achtsamkeit gegenüber meiner Person und gegenüber meinen Wünschen in diesem Hotel.
Wie angenehm, wenn ich mich nicht erklären oder rechtfertigen muss. Wenn es überhaupt keine Rolle spielt, ob der andere das versteht oder nicht!
Im Grunde wissen wir genau und spüren es deutlich: Andere wollen denselben Respekt erfahren wie ich auch. Jeder Mensch hat ein tiefes Bedürfnis danach.
Im ersten Teil dieses Buches haben wir uns intensiv damit befasst, was es heißt, sich selbst zu respektieren. Jetzt soll es um den Respekt im Umgang mit anderen gehen: um den Respekt, den wir anderen entgegenbringen, und um den Respekt, den wir durch andere erhalten.
Dazu möchte ich Sie eingangs zunächst wieder zu einer kleinen Selbstbefragung einladen:
Abbildung
RESPEKT IN IHREM BERUFLICHEN ALLTAG
  • Wo erleben Sie in Ihrem beruflichen Alltag Respekt? Welche Erfahrung machen Sie dabei ganz konkret?
  • Was können Sie in Ihrem beruflichen Alltag nur schwer bzw. gar nicht respektieren?
  • Wie leicht fällt es Ihnen, andere zu respektieren?
  • Sind Sie bereit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen? In Ihre Kollegen, in Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, in Ihre Chefin oder Ihren Chef? In Ältere oder in Jüngere etc.?
Wahrscheinlich ist Ihnen bei dieser Selbstbefragung wieder einmal deutlich geworden, was für eine Bedeutung das Thema »Respekt« in Ihrem Leben besitzt. In dieser Hinsicht dürfen Sie ohne Weiteres von sich auf andere schließen: Auch andere Menschen schätzen es, wenn man achtsam und respektvoll mit ihnen umgeht.
Zugegeben: Manche Zeitgenossen machen es uns furchtbar schwer, sie zu respektieren!
Wenn Sie gerade heftig genickt haben, dann wissen Sie, was ich damit meine. Wohl jeder von uns hat bereits einschlägige Erfahrungen gemacht. Da ist dieser unduldsame Chef – dieser unfreundliche Kollege – die unangenehme Kundin … In einem anderen Buch habe ich die Geschichte meiner Kollegin Beate Schneider erzählt und von den Schwierigkeiten, die sie mit ihrem unleidlichen Hausmeister hatte.7 Den anderen gelten zu lassen, so wie er ist – oder wie sie – ist: Das ist die größte Herausforderung!
Und doch dürfen wir uns an dieser Stelle daran erinnern, was das Wort »Respekt« eigentlich besagt. In erster Linie bedeutet es: Andersartigkeit zu respektieren. Natürlich sind andere Menschen anders als ich! Wenn ich sie ohne Wenn und Aber annehme, so wie sie eben sind, dann brauche ich meine eigene Sichtweise keinesfalls aufgeben. Ich muss mich deswegen nicht kleiner machen, als ich bin (aber auch nicht größer), ich muss meine eigenen Werte und Vorstellungen nicht über Bord werfen, mich nicht selber herabsetzen. Vielmehr kommt es darauf an, dem anderen gegenüber eine grundsätzliche Achtung an den Tag zu legen, ohne zugleich die eigene Selbstachtung zu gefährden oder hintanzustellen.

7 Andreas Lienhart: Ein Fall von Selbstcoaching; in: Sabine Asgodom (Hrsg.): Die Frau, die ihr Gehalt mal eben verdoppelt hat S. 138–148.

2 Gelassenheit und Akzeptanz im Umgang mit anderen: Grundvoraussetzungen

Realistisch sein

Respektieren Sie, dass selbst im besten Team ab und zu atmosphärische Störungen vorkommen, dass ab und an die Temperamente aufeinanderprallen und dass Worte nicht immer abgewogen und wohlformuliert sind. Selbst wenn wir wachsam bleiben und achtsam sind: Kleinere und größere Verletzungen sind unvermeidlich. Es gibt keine Beziehung zwischen Menschen und kein Team ohne Konflikte. Im Gegenteil! Konflikte gehören dazu. Wenn ich als Coach höre, es gäbe nie Schwierigkeiten in einer Arbeitsgruppe und alle würden sich untereinander immer gut verstehen, dann frage ich mich, ob das Team seine Spannungen möglicherweise durch solche Äußerungen eher vermeiden oder zudecken möchte. Kein Team wird über längere Zeit bestehen, ohne dass es nicht einmal zu Auseinandersetzungen oder Verletzungen kommt. Konflikte sind ganz normal – sie gehören dazu – sie haben häufig einen Nutzen und können mitunter sehr heilsam sein (siehe auch weiter unten unter »Nicht alle Konflikte lassen sich lösen«).

Wir alle machen Fehler …

… ja, auch Sie! Und auch Ihre Arbeitskollegen, Ihre Kunden, Ihre Führungskraft – jeder Mensch macht Fehler. Rechnen Sie also in Ihrem Berufsalltag von vornherein mit Fehlern. Rechnen Sie auch mit Kritik. Wenn Sie sich darauf einstellen, dass überall Fehler passieren – bei Ihnen und bei anderen –, dann werden Sie nicht aus allen Wolken fallen, wenn genau das passiert.
Natürlich gibt es Situationen, da wären Unzulänglichkeiten fatal: Wenn ich beispielsweise im Flugzeug sitze, möchte ich, dass ein Pilot alle Geräte zu hundert Prozent überprüft hat, bevor er startet. Wenn ich operiert werde, wünsche ich mir einen Chirurgen, der zu hundert Prozent bei der Sache ist und nicht nur zu achtzig Prozent. Aber der Anspruch, allen Herausforderungen des Lebens immer und überall mit hundert Prozent begegnen zu wollen und niemals Fehler zu machen, wäre unrealistisch. Außerdem braucht es gar nicht stets hundert Prozent – oft sind achtzig Prozent vollkommen ausreichend.

»Allen Menschen recht getan …

… ist eine Kunst, die niemand kann«, sagt das Sprichwort. Es allen zugleich recht zu machen – das geht nicht! Die Erwartungen und Interessen der Menschen sind verschieden, weil die Menschen selbst verschieden sind. (Und wer das versteht, kann im Team diese Unterschiedlichkeiten gut nutzen.) Das heißt: Ab und zu werde ich in eine Situation kommen, in der ich die an mich gerichteten Erwartungen nicht erfüllen kann. Das sollte ich auch meinen Mitmenschen zugestehen – gelegentlich wenigstens … Denn auch die anderen Menschen sind keineswegs dazu da, um meine eigenen Hoffnungen zu erfüllen und meine Wünsche voll und ganz zu befriedigen. Wenn ich von solchen unrealistischen Erwartungen Abschied nehme, dann wird mein Leben leichter sein …

Gefühle sind immer wahr

»Gefühle sind immer wahr, man kann sich nicht ›ver-fühlen‹«, formuliert der Psychologe Hartwig Hansen8. Nehmen Sie die anderen »wahr« und bemühen Sie sich, zu verstehen, was Ihre Kollegin oder Ihren Kollegen bewegt. Zeigen Sie Respekt vor dem Erleben anderer, seien Sie einfühlsam und hören Sie Ihrem Gegenüber aufmerksam zu!
Jeder Mensch bringt seine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse aus der Vergangenheit mit und auch seine Talente und Möglichkeiten. Wenn Ihnen andere von ihren Empfindungen berichten und sich Ihnen gegenüber ein wenig öffnen, dann können Sie das als Kompliment betrachten. Hören Sie Ihrem Kollegen oder Ihrer Kollegin genau zu, seien Sie einfühlsam, fragen Sie nach: Damit bekunden Sie vor dem Erleben des anderen Respekt.

Nicht alle Konflikte lassen sich lösen

Schon der griechische Philosoph Epiktet unterschied prinzipiell zwischen »Dingen, die man ändern kann, und Dingen, die man nicht ändern kann«.
Ähnlich verhält es sich mit Konflikten: Es gibt Konflikte, die sich klären, aber nicht lösen lassen. Im Arbeitsalltag ist es im Allgemeinen überhaupt nicht nötig, all den kleinen und großen Differenzen zwischen den Kolleginnen und Kollegen immer bis auf den letzten Grund nachzugehen. Es reicht, sie soweit in den Griff zu bekommen, dass die Arbeitsfähigkeit und der gegenseitige Respekt wiederhergestellt sind. In entsprechenden Seminaren spielen wir manchmal verschiedene Konfliktszenarien durch; dann fragen mich die Teilnehmer: »Und wenn wir nun alles abgeklärt haben, und jeder auf seinem eigenen Standpunkt beharrt – was dann?« Ja, richtig: Manchmal bleiben Konfliktreste zurück, und es entsteht am Ende eine Situation, die sich nicht mehr verändern lässt. Dann ist es hilfreich, eine Formel anzuwenden, die auf Englisch in prägnanter Kürze lautet: Love it, change it or leave it! Auf Deutsch bedeut...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Hinweis zum Urheberrecht
  3. Impressum
  4. Vorwort von Prof. Götz W. Werner
  5. Einleitung
  6. Respekt im Job: Bestandsaufnahme
  7. Teil I: Respekt sich selbst gegenüber
  8. TEIL II: Respekt anderen gegenüber
  9. Teil III: Respekt im Umgang mit Kunden
  10. Teil IV: Führen mit Respekt
  11. Nachwort
  12. Literatur und Webadressen
  13. Stichwortverzeichnis

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