Wirkung und Persönlichkeit im Job
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Wirkung und Persönlichkeit im Job

Authentisch auftreten und überzeugen

  1. 191 Seiten
  2. German
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Wirkung und Persönlichkeit im Job

Authentisch auftreten und überzeugen

Über dieses Buch

Das Buch beleuchtet die 20 Elemente der Persönlichkeit wie Gehirn, Ängste, Glaubenssätze, Verhalten, Lerntyp, Stresstyp, etc. Es erläutert, wie Außenwirkung zustande kommt und was das Verhalten einer Person beim Betrachter auslöst. Im zweiten Teil werden praktische Tools vorgestellt, die dabei unterstützen, die eigene Wirkung so zu verändern, damit Chef und Kollegen besser erkennen, wie man wirklich istInhalte: - Die 20 Elemente der Persönlichkeit mit Beispielen und Analysemöglichkeiten- Die 15 Wirkungsinstrumente der Menschen (Körper, Augen, Sprache, Geruch, etc.)- Abgleich Persönlichkeit und Wirkung- Veränderungsmöglichkeiten der Wirkung

Information

Verlag
Haufe
Jahr
2020
eBook-ISBN:
9783648137550

1 Authentizität und Glaubwürdigkeit

Authentisch zu sein – sich nicht verbiegen zu müssen und trotzdem überall willkommen und akzeptiert zu sein – erscheint in einigen Bereichen unseres Lebens schier unmöglich. Doch was heißt es eigentlich, authentisch zu sein? Von »Authentizität« spricht man, wenn ein Mensch mit seinem Handeln im Einklang mit seinen Gedanken, seinen Gefühlen und seiner Sprache steht (vgl. Abb. 1). Er ist sich seiner sicher und vertritt dies auch nach außen.
Abbildung
Abb. 1: Authentizität
Jedoch scheint es für viele Menschen schwierig bis unmöglich zu sein, ihre Authentizität zu leben oder zumindest zu zeigen. Sie haben oft Angst, dass sie mit ihrem ehrlichen Verhalten anecken, Leute vor den Kopf stoßen und somit nicht mehr beliebt bzw. willkommen sind. Sie verhalten sich daher brav und leben fremdbestimmt – innerhalb einer Komfortzone, die nicht nur ihr Umfeld täuscht, sondern auch sie selbst – und damit definitiv außerhalb ihrer potenziellen Möglichkeiten. Der BRAV-Reflex blockiert sowohl ihr Charisma als auch ihre Lebensmotive und ihre innere Zufriedenheit:
  • B bescheiden, bemüht, beschwichtigend
  • R rechtfertigend, rausredend, reinwaschend
  • A angepasst, aktionistisch, ängstlich
  • V vermeiden von Verantwortung
Praxisbeispiel
Eine Seminarteilnehmerin, nennen wir sie mal Hildegard, kam in mein Seminar »Selbstsicherheit und Souveränität im Business« mit der Begründung, ihr Chef habe sie geschickt, weil sie in Meetings immer so leise sei und kaum bis gar nicht bemerkt würde. Brav, wie die Teilnehmerin nun mal war, folgte sie der Anweisung und setzte sich hin, nahm die Informationen auf und machte fleißig bei allen Übungen mit, und am Ende des ersten Tages, beim Blitzlicht, fragte ich sie nochmals, warum sie hier sei. Sie wiederholte ihre Aussage vom Morgen und ich fragte Hildegard daraufhin, ob sie denn mehr Sichtbarkeit in Meetings wolle? Sie verneinte. Also verhielt sie sich zwar innerhalb der Meetings authentisch, aber gegenüber ihrem Chef nicht. Sie hätte einfach nur sagen müssen, dass sie sich wohlfühlt in ihrer Rolle und es ganz und gar nicht mag, sich in den Mittelpunkt zu drängen. Am zweiten Tag des Seminars war Hildegard schon wesentlich präsenter und arbeitete aktiv mit. Sie nutzte jede Gelegenheit, sich zu reflektieren und sich Feedback von den anderen Teilnehmern einzuholen.
Am Ende des Seminars hatte Hildegard einen recht guten Überblick über ihre Persönlichkeit. Sie erkannte viele ihrer Stärken und Fähigkeiten, die sie für ihre Tätigkeit mitbrachte, und auch, wo ihre Talente lagen. In der von ihr durchgeführten Simulation, bei der sie ein Gespräch mit ihrem Chef trainierte, holte sie sich den notwendigen Mut, um gleich am nächsten Tag, nach dem Seminar, mit ihrem Vorgesetzten zu sprechen. Sie erklärte ihm in kurzen und klaren Sätzen, dass sie sich in ihrer Rolle als fleißige Mitarbeiterin sehr wohl fühle und es nicht als notwendig erachte, sich als »Rampensau« zu profilieren. Sie sehe sich als eine gute, zuverlässige, gewissenhafte und fleißige Mitarbeiterin.
Hildegard berichtete mir gleich am Abend nach dem Gespräch, wie es für sie gelaufen war und wie ihr Chef reagiert hatte. Sie erzählte mir, dass ihr Chef schon während des Gespräches geschmunzelt habe – offenbar hatte er gemerkt, dass Hildegard absolut authentisch auftrat und zu ihren Aussagen stand. Nach nur einem Seminar konnte Hildegard ihren BRAV-Reflex überwinden und lernen, zu sich zu stehen.
Genau das ist es, was Authentizität ausmacht. Hildegard hat es verstanden und verhält sich ihrem Chef gegenüber nun nicht mehr brav, sondern authentisch.
Im Zusammenhang mit Authentizität wird der Begriff der Glaubwürdigkeit oft in einem Atemzug genannt, sodass wir uns auch diesem Begriff nähern sollten. Ein Mensch gilt als glaubwürdig, wenn seine Aussagen kongruent zu seinen Taten sind. Diese sollten ehrlich, offen, transparent und echt sein. Glaubwürdige Menschen hören aktiv zu und vermitteln ein Gefühl von Seriosität. Zugegeben, dies mag nicht immer durch ein hundertprozentig authentisches Verhalten möglich sein, sondern benötigt zuweilen auch mal eine Adaptation, doch nur in der richtigen Dosis beider Verhalten kann Glaubwürdigkeit entstehen. Ein Beispiel: In unserem Alltag stoßen wir immer wieder auf schmeichlerische Verkäufer, denen wir am Ende weniger oder nichts abkaufen, weil sie uns zu »schleimig« rüberkamen und sich dadurch Misstrauen bei uns einstellt. Ein freundlicher Verkäufer, der uns nicht nach dem Mund redet und uns die Wahrheit über seine Produkte vermittelt, wirkt authentischer und somit auch glaubwürdiger. Also ist Authentizität ein wichtiger Bestandteil der Glaubwürdigkeit.
Abbildung
Abb. 2: Glaubwürdigkeit
Denkfehleralarm! Authentisch zu sein heißt nicht, sich respektlos, rüpelhaft und egoistisch zu verhalten. Wir können mit allerhöchster Wertschätzung unserem Gegenüber begegnen und ihm mitteilen, was wir wollen, wozu wir bereit sind und was man mit uns auf gar keinen Fall machen kann. Dies muss nicht aggressiv oder im schlimmsten Fall angreifend und beleidigend erfolgen. Authentisch sein heißt auch, nicht jedem seine ehrliche Meinung aufzudrücken, nur weil es zur Authentizität gehört. Es bringt Ihnen nichts, Ihrer Kollegin frei von der Leber weg zu sagen, dass das Outfit, das sie heute trägt, ihr nicht steht und es ein riesiger Fehler war, sich für dieses Outfit zu entscheiden. Frei nach dem Motto: »Ich lüge niemanden an und sage jedem meine Meinung.« Dies mag zwar ehrlich und in Teilen auch authentisch sein, aber es ist ebenso verletzend wie unklug.
Authentizität benötigt Fingerspitzengefühl. Wann ist es sinnvoll, ehrlich und authentisch zu sein, und wann ist es besser, einfach nichts oder vielleicht etwas weniger Ehrliches zu sagen? Diese Frage sollten Sie sich stets beantworten, bevor Sie sich in schwierigen Situationen um Kopf und Kragen reden. Meine Empfehlung für solche herausfordernden Situationen ist es, sich nach einer alten buddhistischen Weisheit zu richten, die mir und schon vielen anderen Menschen in prekären Situationen gut geholfen hat. Die Weisheit lautet: »Wenn die Wahrheit nichts verändert, behalte sie für dich.« Seien Sie authentisch, wenn es um Ihre Belange und Bedürfnisse geht – wenn es also darum geht, sich und damit seine Werte, Motive und vielleicht auch seine gesamte Persönlichkeit nicht zu verraten. Seien Sie klug und achtsam, wenn es um Sie persönlich geht. Frei nach dem Motto: »Ich allein bin verantwortlich dafür, was ich dir erlaube, mit mir zu machen.« Starten Sie heute damit, die Verantwortung für sich zu übernehmen, und zeigen Sie Ihren Mitmenschen, wer Sie sind, was Sie können und vor allem was Sie wollen. Wenn Sie noch gar nicht oder nur in Teilen wissen, wer Sie sind, was Sie auszeichnet und was Sie intrinsisch antreibt, dann sind Sie hier genau richtig.
Dieses Buch wird Ihnen bewusst machen, wer und was Sie sind und was Sie wollen – und nicht was andere von Ihnen wollen. Ich überlasse es Ihnen, ob Sie nach diesem Buch authentisch leben wollen oder weiterhin Ihrem BRAV-Reflex folgen. Ich lade Sie nun zu einer der spannendsten Reisen ein, die Sie jemals erlebt haben: der Reise zu sich selbst. Viel Spaß damit!

2 Persönlichkeitsmodelle

Seit Menschengedenken versuchen die Gelehrten, Menschen zu charakterisieren. Psychologen, Soziologen und Philosophen haben zahlreiche Definitionen und Modelle entwickelt, um Persönlichkeit(en) zu clustern und in Schubladen zu stecken. Irgendwie haben alle recht – und das, obwohl sich einige Theorien und Modelle widersprechen. Dies zeigt uns, wie komplex das Thema »Persönlichkeit« ist und wie schwierig es ist, einen Menschen bzw. dessen Persönlichkeit komplett zu erfassen und zu analysieren. Daher vorab schon mal die Information, dass alle Modelle, die in diesen Buch beschrieben sind, auf 68,27 % der Menschheit zutreffen. Dies entspricht der Gauß’schen Normalverteilung und ist sozusagen die Auswertungsgrundlage aller psychometrischer Tests. Dies mag für den ein oder anderen Leser unter Ihnen (den sog. Perfektionisten) schon ein Grund sein, dieses Buch nicht weiterzulesen, da Sie dem Glaubenssatz »Nur 100 % bzw. perfekt ist das einzig Wahre« unterliegen, aber legen Sie das Buch noch nicht beiseite! Lesen Sie weiter, denn dieses Buch wird auch Ihnen Klarheit über Ihre Persönlichkeit bringen und Ihnen aufzeigen, welche Wirkung Sie bei Ihren Mitmenschen erzielen. Es ermöglicht Ihnen einen leichteren Zugang zum Thema und erklärt fast schon wie von selbst, warum Selbstbild (Persönlichkeit) und Fremdbild (Wirkung) nur selten übereinstimmen.
Was ist eigentlich Persönlichkeit? Was gehört alles zu einer Persönlichkeit, welche Einflüsse wirken auf unsere Persönlichkeit ein, welche Persönlichkeitseigenschaften sind geprägt, welche sind genetisch bedingt und was, bitte schön, lässt sich denn überhaupt noch an meiner Persönlichkeit verändern? Fragen über Fragen, denen ich auf den nächsten Seiten auf den Grund gehen werde.
Wenn wir der Frage »Was ist Persönlichkeit?« nachgehen wollen, sollten wir uns erst mal mit einigen Definitionen beschäftigen.
Mensch:
Ein Mensch bzw. der Begriff »Mensch« beschreibt sowohl den biologischen Homo sapiens als auch unser Dasein innerhalb der Gesellschaft. Das heißt, der Mensch ist sowohl ein natürliches, individuelles wie auch ein soziales Wesen.
Individuum:
Ein anderes Wort für Einzelwesen, der Mensch als Unikat bzw. Unikum.
Charakter:
Unser Denken und Handeln, unsere Gefühle, Vorlieben und Einstellungen – alles, was wir täglich tun, glauben und empfinden, macht unseren Charakter aus. Zum großen Teil wird unser Charakter in den ersten Lebensjahren durch Erziehung in der Familie geprägt. Die moderne Neurowissenschaft geht davon aus, dass der Mensch schon mit drei Jahren charakterlich festgelegt ist und seine Lebenskurve einer Art innerem Programm folgt. Dieses Programm bestimmt unsere neuronale Architektur, was wir fühlen und wer wir sind. Das Gerüst, die neuronalen Bahnen verzweigen sich seit dem Kleinkindesalter. Über die Nervenzellen werden wichtige Informationen zum Gehirn transportiert. Ein bestimmtes Denken, das durch Erziehung und Umwelt beeinflusst wird, bahnt sich oft denselben neuronalen Weg durch das Gehirn – gern werden immer wieder die ausgetretenen Pfade genommen. Wir können uns aber dennoch verändern. »Das Gehirn ist ein permanent lernendes System«, sagt Joachim Bauer, Professor für Psychoneuroimmunologie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin am Universitätsklinikum Freiburg. »Jede markante Erfahrung verändert die synaptischen Verschaltungen im Nervenzellen-Netzwerk«, so der Neurobiologe in seinem Buch »Wie wir werden, wer wir sind«. Diese Verschaltungen beei...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Hinweis zum Urheberrecht
  3. Impressum
  4. Vorwort und Danksagung
  5. 1 Authentizität und Glaubwürdigkeit
  6. 2 Persönlichkeitsmodelle
  7. 3 Welche Faktoren machen unsere Persönlichkeit aus?
  8. 4 Wodurch wir Wirkung erzielen
  9. 5 Wahrnehmungsfehler: Was unsere Wahrnehmung beeinflusst
  10. 6 Was kann ich an meiner Persönlichkeit ändern – und wie?
  11. 7 Wie kann ich meine Wirkung ändern?
  12. 8 Auf geht’s! – Sie sind dran
  13. Literaturverzeichnis
  14. Stichwortverzeichnis

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