Unternehmenskooperationen in disruptiven Zeiten
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Unternehmenskooperationen in disruptiven Zeiten

Erfolgsfaktoren für strategische Allianzen und Innovationsführerschaft

  1. 202 Seiten
  2. German
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Unternehmenskooperationen in disruptiven Zeiten

Erfolgsfaktoren für strategische Allianzen und Innovationsführerschaft

Über dieses Buch

Kooperationen zwischen Unternehmen erhöhen deren Chance, dem disruptiven Wandel des 21. Jahrhunderts erfolgreich zu begegnen, denn Digitalisierung, Energiewende und die Konkurrenz durch China haben Einfluss auf die Wirtschaftsstrukturen der Industrienationen und stellen Wirtschaft und Politik vor große Herausforderungen. Für die deutsche Wirtschaft und deren Schlüsselindustrien geht es um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.Vor diesem Hintergrund untersucht der Autor, wie erfolgreiche Unternehmenskooperationen aufgebaut werden können. Anhand eines Referenzmodells zeigt er, unter welchen Bedingungen und wie durch eine Fokussierung stabile Kooperationen zwischen Unternehmen systematisch gefördert und etabliert werden können, um gemeinsame Kooperationsgewinne zu erzielen. Mit Handlungsempfehlungen für erfolgreiche Interaktionen und zahlreichen Fallstudien auf myBook+.Die digitale und kostenfreie Ergänzung zu Ihrem Buch auf myBook+: - Zugriff auf ergänzende Materialien und Inhalte- E-Book direkt online lesen im Browser- Persönliche Fachbibliothek mit Ihren BüchernJetzt nutzen auf mybookplus.de.

Information

Jahr
2021
eBook-ISBN:
9783791050584

1 Einleitung

Freiwillige Kooperationen zwischen Unternehmen können deren Chance erhöhen, erfolgreich dem disruptiven Wandel des 21. Jahrhunderts zu begegnen, denn erstens die Digitalisierung, zweitens die Energiewende als Sinnbild der Green Technology2 und drittens die Konkurrenz vonseiten Chinas haben einen Einfluss auf die Wirtschaftsstrukturen der Industrienationen und stellen die Wirtschaft und Politik vor große Herausforderungen.3 Für die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland und deren Schlüsselindustrien geht es um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit (Kramp-Karrenbauer und Ziemiak 2019, S. 1–2; Student 2018, S. 94; Romer 2018; Bardt 2019, S. 87).
Vor diesem Hintergrund wird untersucht, wie erfolgreiche Unternehmenskooperationen aufgebaut werden können. Anhand eines Referenzmodells wird gezeigt, unter welchen Bedingungen und wie durch eine Fokussierung stabile Kooperationen zwischen Unternehmen systematisch gefördert und etabliert werden können, um gemeinsame Kooperationsgewinne zu erzielen.
Handlungsempfehlungen für erfolgreiche Interaktionen werden entwickelt und am Praxisfall illustriert. Zusätzlich wird gezeigt, dass der Staat die Bedingungen für eine stabile Kooperation von Unternehmen verbessern kann. Die Begriffe Unternehmenskooperationen und strategische Allianzen werden in diesem Zusammenhang synonym verwendet.

1.1 Relevanz von Unternehmenskooperationen im ökonomischen Kontext des 21. Jahrhunderts

Ein Blick in die Praxis zeigt, dass Unternehmenskooperationen in allen Bereichen der Wirtschaft eine enorme Relevanz für die Überlebensfähigkeit von Unternehmen haben, insbesondere wenn die Unternehmen selbst oder die Industrien starken Änderungsprozessen ausgesetzt sind. Die aktuellen Einflussfaktoren, welche Unternehmen zum Handeln zwingen, sind: die rasante technologische Entwicklung in allen Bereichen der Wirtschaft, der Klimaschutz auch im Rahmen der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Relevanz von ESG und geopolitische Risiken durch die Missachtung von geltenden internationalen Regelungen und von geistigem Eigentum.
Zur Illustration dienen ausgewählte Beispiele aus der Praxis entlang unterschiedlicher Industrien:4
Die gemessen am Umsatz größte Industrie mit 404 Mrd. Euro, die Automobilindustrie (Statista 2016f), sucht in einem sich konsolidierenden Markt mit neuen Wettbewerbern wie Tesla und Google nach neuen Lösungen mit dem Ziel, die Entwicklungskosten und das Know-how im Bereich der Elektromobilität und des Autonomen Fahrens durch Kooperationen zu teilen. Beispielsweise bildeten BMW und Daimler im Jahr 2019 eine strategische Allianz, um die nächste Technologiegeneration für automatisiertes Fahren und Fahrassistenzsysteme sowie automatisierte Parkfunktionen jeweils bis Level 4 zu entwickeln. Hierzu arbeiteten teilweise bis zu 1.200 Mitarbeiter in gemischten Teams zusammen. Im Juni 2020 verkündeten beide Unternehmen, dass die Entwicklungskooperation aufgrund des hohen Aufwands für eine gemeinsame technologische Basis und vor dem Hintergrund der gesamtunternehmerischen und konjunkturellen Rahmenbedingungen vorerst ruhen wird (Borgmann 2020, S. 1–2).
Im Bereich von 3D-Karten, welche für das autonome Fahren von relevanter Bedeutung sind, erwarben die Unternehmen Daimler, BMW und Audi zu gleichen Anteilen das bestehende digitale Kartengeschäft HERE von Nokia. Das Ziel war, mittels hochauflösender und dreidimensionaler Karten sowie der damit verbundenen Datenbasis Fahrzeugbewegungen in intelligenter Echtzeit mit ortsbezogenen Diensten für das autonome Fahren zu nutzen und so gegenüber Google eine relevante Marktmacht darzustellen (Hubik 2019, S. 1; Glies 2015, S. 1).5
Zum Aufbau einer Infrastruktur für die Elektromobilität gründete die Autoindustrie im Jahr 2017 eine E-Auto-Ladesäulen-Allianz. Bei der European High Power Charging GmbH & Co. KG sind Porsche, BMW, Daimler und Ford Europa zu je einem Viertel beteiligt. Im Sommer 2020 betrieb das Joint Venture, mittlerweile unter dem Namen IONITY, über 250 ultraschnelle Ladeparks außerhalb von Städten und Metropolregionen in ganz Europa (Hajesch und Groll 2020, S. 1).
Bei der digitalen Transformation in der Automobilindustrie zur Entwicklung von Innovationen und zum Aufbau von datengetriebenen Geschäftsmodellen, künstlicher Intelligenz sowie Endto-End-Prozessen bildete Porsche im Oktober 2019 eine strategische Allianz mit dem Technologiekonzern SAP (Deutschenbaur 2019, S. 1) – eine noch sehr junge Kooperation, deren Ausmaß noch nicht detailliert bewertet werden kann.
Die gemessen am Umsatz drittgrößte Industrie mit 189 Mrd. Euro, die Pharma- und Chemieindustrie (Statista 2016f), sucht in einem immer stärker werdenden Wettbewerb nach neuen Absatzkanälen, da das Pharmageschäftsmodell sich von produktzentriert zu patientenzentriert verändern wird, Therapiegebiete immer hochspezialisierter werden und so die Entwicklungskosten in die Höhe getrieben werden. Um hierfür neue Technologien zu entwickeln und um konkurrenzfähig zu bleiben, gehen Großkonzerne in der Pharmaindustrie milliardenschwere Kooperationen mit Konkurrenzunternehmen ein. Dies zeigt sich deutlich am Beispiel von Merck, das bereits im Jahr 2014 eine Kooperation mit Pfister einging, um den Wirkstoff Avelumab als Krebsmedikament (Bavencio) für die Behandlung von metastasierendem Blasenkrebs zuzulassen. Die erfolgreiche erweiterte FDA-Zulassung erfolgte im März 2020 (FDA 2017, S. 1–20, 2020, S. 1–38).
Im Jahr 2019 begann Merck eine globale strategische Allianz mit GlaxoSmithKline, um mit einem vielversprechenden Arzneimittelkandidaten (M7824) neue Optionen für schwer behandelbare Krebsarten zu schaffen, mit dem Ziel, einen Paradigmenwechsel bei der Behandlung von Krebs voranzutreiben und in dieser neuartigen Klasse von Immuntherapien eine führende Rolle einzunehmen (Garijo und Segeberg 2019, S. 1–3).
Im Bereich der Patientenversorgung vereinbarte Merck eine strategische Kollaboration mit dem chinesischen Technologiekonzern Tencent. Ziel ist es, mithilfe von künstlicher Intelligenz, Big Data sowie Cloud Computing die patientenzentrierte Gesundheitsversorgung in China durch digitale Plattformen für alle Patienten einfacher und effizienter zu gestalten (Janssens und Yussefi 2019, S. 1).
In der Chemieindustrie unterzeichnete BASF mit dem finnischen Energiekonzern Fortum und dem Bergbaukonzern Nornickel eine Absichtserklärung zur Kooperation, um den CO2-Ausstoß beim Bau von Akkus für Elektrofahrzeuge zu reduzieren. Ziel ist der Aufbau eines Batterierecyclingclusters in Harjavalta, Finnland, welches zeitgleich Strom aus erneuerbaren Quellen verwendet. Hierbei soll die Rückgewinnungsrate von Wertstoffen in Lithium-Ionen-Batterien von 50 % auf über 80 % erhöht und mit Kobalt, Nickel und anderen kritischen Metallen aus Primärquellen ergänzt werden (Hellmann 2020, S. 1–2).
Auch Siemens und Evonik versuchen, nach der Grundlagenzusammenarbeit in Rheticus I in einer zweiten Phase seit Oktober 2019 einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten. Dabei wird CO2 als Rohstoff verwendet, um über künstliche Photosynthese wertvolle Chemikalien zu erzeugen. Siemens bringt dazu den weltweit ersten CO2-Elektrolyseur ein und Evonik Kernkompetenzen in der Biotechnologie und Erzeugung von Spezialchemikalien (Schulze und Martini 2019, S. 1–2).
In der Finanzindustrie dienen Kooperationen zwischen Banken und Drittanbietern, viele davon mit Fintechs, vor allem dem Ausbau des Service- und Produktangebotes, insbesondere im Bereich Beyond Banking, um auch Lösungen außerhalb vom traditionalen Bankengeschäft anzubieten. Aber auch im Bereich der Infrastrukturen wird nach Kooperationen gesucht (Junghanns und Niebudek 2019, S. 4–14). Beispielsweise gingen im Sommer 2020 die Deutsche Bank und Google Cloud eine strategische Partnerschaft ein, um technologiebasierte Finanzprodukte zu entwickeln und die Modernisierung alter Systeme voranzutreiben, und zwar durch Data Analytics und Skaleneffekte bei cloudbasierten Diensten (Krämer-Bach und Randzio-Niedermeier 2020, S. 1–2).
Die genannten Beispiele in den genannten Industrien – Automobil, Pharma, Chemie sowie Finanzen – ließen sich beliebig erweitern und auch um Beispiele aus anderen Sektoren wie dem Bildungs-, Logistik- und Agrarsektor ergänzen. Beispielsweise stellte Bertelsmann das Thema Allianzen und Partnerschaften in den Mittelpunkt seiner Geschäftstätigkeiten im Jahr 2019 (Rabe 2020, S. 1–70). Fakt ist, dass für Unternehmen Kooperationen und strategische Allianzen zunehmend an Bedeutung gewinnen werden, um den Herausforderungen der Zukunft und den damit verbundenen Strukturumbrüchen zu begegnen; Fakt ist aber auch, dass viele der Kooperationen trotz des gemeinsamen Willens und Könnens der Unternehmen in Alltag scheitern, besonders wenn sie über die reine Finanzbeteiligung an selbstständigen Einheiten wie dem Kartenanbieter HERE hinausgehen.
Abbildung
AR 2: Weiterführende Fallstudien zu Unternehmenskooperationen aus den Bereichen: Finanzdienstleistung, Pharma, Industrie und Chemie sowie Automobil-Industrie
Vor dem Hintergrund der vielfältigen Anwendungsfelder wird betrachtet, wie erfolgreiche Unternehmenskooperationen im Alltag diesen Strukturumbrüchen und Herausforderungen begegnen können.

1.2 Relevanz von Rohstoffen wie Seltenen Erden im ökonomischen Kontext des 21. Jahrhunderts

Die geopolitischen Veränderungen, die Änderung des gesellschaftlichen Blicks auf die Themen Environment, Social, Governance, welche zentrale Faktoren bei der Messung der Nachhaltigkeit und der gesellschaftlichen Auswirkungen einer Investition in und von Unternehmen darstellen, sowie die fortschreitende Digitalisierung haben auch einen Einfluss auf die Versorgung der Unternehmen mit wichtigen Rohstoffen und somit gleichfalls auf die Art der Zusammenarbeit innerhalb der Wirtschaft. In diesem Zusammenhang verwies Obama (2012, S. 1) auf die Relevanz von Seltenen Erden für die Wirtschaft: »Rare earth materials […] are used by […] manufacturers to make high-tech products. [Therefore], we’ve got to take control of our energy future and we cannot let that energy industry take root in some other country because they were allowed to break the rules«. Das Zitat des ehemaligen US-Präsidenten fasst sehr gut die Bedeutung von Seltenen Erden im Kontext der aktuellen Strukturumbrüche und des disruptiven Wandels im 21. Jahrhundert zusammen«.6
Daher kann am Beispiel von Rohstoffen und SEE die virulente Bedeutung von Unternehmenskooperationen verdeutlicht werden. Denn natürliche Ressourcen7 im Allgemeinen und SEE im Besonderen sind elementare Produktionsfaktoren,8 die einen Einfluss auf die Produktionsfunktion einer Volkswirtschaft haben und somit das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand einer Gesellschaft bestimmen (Mankiw und Taylor 2016, S. 681 ff.; Wilken und Franke 2017, S. 1–2). Krugman (1994, S. 11) fasst dies wie folgt zusammen: »Productivity isn’t everything, but in the long run, it is almost everything«. Deutschland selbst verfügt über keine SEE und ist bei mineralischen und metallischen Rohstoffen fast komplett bzw. bei den Metallrohstoffen der SEE komplett von Importen abhängig (Wilken und Franke 2017, S. 1 ff.).9
Rohstoffe, insbesondere mineralische und metallische Rohstoffe wie SEE als Input für das produzierende Gewerbe, haben einen signifikanten Einfluss auf die Produktionsfunktion und den Wohlstand der deutschen Volkswirtschaft, für die das produzierende Gewerbe10 von elementarer Bedeutung ist. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Gesamtbruttowertschöpfung von 2.940 Mrd. Euro lag bei 672 Mrd. Euro,11 was im Jahr 201712 einem Anteil von 22,8 % entsprach (Hüther et al. 2018, S. 1; Hauf und Schäfer 2018, S. 82).13 Die Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes unterstreicht ein Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (2016, S. 6), nach dem Deutschland eine führende Industrienation mit einem starken produzierenden Gewerbe ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Hinweis zum Urheberrecht
  3. Impressum
  4. Vorwort
  5. Abbildungsverzeichnis
  6. Tabellenverzeichnis
  7. Augmented Reality (AR)
  8. Abkürzungsverzeichnis
  9. 1 Einleitung
  10. 2 Forschungsdesign und -methode
  11. 3 Marktversagen bei Seltenen Erden und Gefährdung der Versorgungssicherheit
  12. 4 Historische Ursachen und (Re-)Integration zur Bereitstellung des Gutes »Gewährleistung der Versorgungssicherheit«
  13. 5 Rohstoffallianz 2020+ – ein neuer Ansatz zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit
  14. 6 Exkurs: Public-Private-Partnership-Initiativen zur Stabilisierung von freiwilligen Kooperationen
  15. 7 Reflexion: Fazit, kritische Würdigung und Einschränkungen
  16. 8 Anhang
  17. Literaturverzeichnis
  18. Stichwortverzeichnis
  19. Der Autor

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