Mediation wird immer mehr als alternatives Instrument zur Konfliktlösung eingesetzt, um gemeinsam interessenorientierte Lösungswege zu finden. Hier erfahren Sie alles, was Sie dazu wissen müssen.Inhalte: - Welche Konflikte für eine Mediation geeignet sind und wo die Grenzen liegen- Mediation in Unternehmen und Organisationen: So nützen Sie die Vorteile einer Wirtschaftsmediation- Aufgaben und Kompetenzen des Mediators- Die Auswirkungen des neue Mediationsgesetzes

- 125 Seiten
- German
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Mediation
Über dieses Buch
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Business WritingWie läuft eine Mediation ab?
Mediation folgt einem klaren Aufbau und definierten Prinzipien. Regeln und Struktur dienen dazu, bessere Ergebnisse zu erzielen.
In diesem Kapitel lesen Sie,
- wie ein Mediationsverfahren aufgebaut ist und welchen Prinzipien es folgt,
- ob und wann Regeln in der Mediation sinnvoll sind und wo die Grenzen des Verfahrens liegen.
Mediation – ein strukturiertes Verfahren
Der im Folgenden vorgestellte Aufbau eines Mediationsverfahrens orientiert sich am „klassischen“ Fünf-Phasenmodell der Mediation und wird ergänzt durch eine Vorphase und eine Umsetzungsphase. In der Literatur sind verschiedenste Modelle zu finden: von einem dreistufigen Verfahren bis hin zu einer Mediation in 12 Stufen. Der in der Praxis gängigste Aufbau jedoch folgt den fünf Phasen.

Die fünf Phasen der Mediation
Die Vorphase: Herantasten
an den Konflikt
Den Abschnitt, der dem gemeinsamen Erstkontakt aller Beteiligten, d. h. des Mediators und der Medianden, vorausgeht, bezeichnet man als Vorphase. In diese Phase fällt die Kontaktaufnahme zum Mediator. In aller Regel erfolgt sie durch einen der Konfliktbeteiligten oder eine unbeteiligte dritte Person.
Beispiel
In einer Abteilung kommt es aufgrund verschiedener Ursachen immer wieder zu Konflikten zwischen zwei Kollegen während der Projektbearbeitung. Der Abteilungsleiter sorgt sich um die Gesamtstimmung im Team und den reibungslosen Ablauf der Projekte und ruft für die beiden nach einem Mediator.
Meist entscheidet sich bereits in der Vorphase, ob ein Mediationsverfahren zustande kommt (obwohl die eigentliche Entscheidung erst in der folgenden Phase 1 stattfindet). Der Mediator spricht alle am Konflikt beteiligten Personen und/oder Gruppen an, erfragt ihre Bereitschaft zur Teilnahme am Verfahren, gibt gegebenenfalls schon einige Vorinformationen und versucht, einen gemeinsamen ersten Termin zu finden.
Informationssammlung
Seine Aufgabe ist es darüber hinaus, Informationen zu sammeln, eventuell Sachverständige oder andere unterstützende Personen hinzuzuziehen und die Mediation vorzubereiten. Unter Umständen kann der Mediator schon in dieser Phase erkennen, ob der Konflikt für eine Mediation überhaupt geeignet ist oder ob ein anderes Verfahren der Konfliktbearbeitung angezeigt wäre (siehe Kapitel „Alternativen der Konfliktbearbeitung bedenken“).
Der Mediator kann nach eigenem Ermessen entscheiden, ob er an dieser Stelle mit jedem der Konfliktbeteiligten einzeln Vorgespräche führen möchte, um sich in diesem Rahmen einen sehr individuellen Überblick über den Konflikt zu verschaffen.
Einzelgespräche
Ein wichtiges Instrument der Mediation sind Einzelgespräche. Da diese Gespräche vertraulichen Charakter haben, bedingen sie einerseits, dass der Mediator hier von vielen Aspekten des Konflikts erfährt, die der Mediand in Gegenwart des Konfliktpartners nicht oder nicht so formuliert hätte. Gleichzeitig steigt dadurch das Risiko der Mitwisserschaft des Mediators, er wird quasi zum „Geheimnisträger“, denn er darf die Inhalte aus den Einzelgesprächen ohne ausdrückliches Einverständnis des Medianden nicht im weiteren Verfahren verwenden. Möglicherweise gefährdet dies seine Funktion als allparteilicher und neutraler Dritter (siehe Kapitel „Prinzipien einer Mediation“).
Auswahl des Raumes
Als Räumlichkeit für die Mediation sollte immer ein neutraler Ort gewählt werden. Dieser ist in Fällen von familiären oder nachbarschaftlichen Konflikten meistens das Büro des Mediators, in der Schule kann dies ein Besprechungsraum innerhalb der Schule sein. Bei Wirtschaftsmediationen sollte darauf geachtet werden, dass nicht der Arbeitsplatz des Vorgesetzten, des Mitarbeiters oder des Betriebsrats gewählt wird oder – bei Konflikten zwischen Unternehmen – nicht der Firmensitz eines der beteiligten Firmen.
Gleichzeitig sollte der Raum eine gute Arbeitsatmosphäre ausstrahlen, d. h. hell, groß, sauber und freundlich wirken und mit der notwendigen Technik (Flipchart, Moderationsutensilien) ausgestattet sein. Idealerweise wird an einem großen runden oder ovalen Tisch gearbeitet, damit sich die Beteiligten einander zuwenden können und um Konfrontationslinien zu verhindern.
Wichtig
Dem Mediator muss es möglich sein, zu allen Beteiligten auch äußerlich den gleichen Abstand zu wahren.
Nehmen viele Medianden teil, sollte die Sitzordnung vorbestimmt werden und der Struktur der Gruppen entsprechen. Bei Einzelpersonen sollte darauf geachtet werden, dass diese nicht verloren zwischen größeren Gruppen sitzen müssen.
Phase 1: Erstgespräch und Mediationsvertrag
Je nach Ausgangssituation, Zahl der Beteiligten, Komplexität der Angelegenheit usw. lädt der Mediator die Parteien getrennt oder gemeinsam zu einem ersten Gespräch ein. In diesem Erstgespräch verschafft sich der Mediator einen Überblick über den Konfliktgegenstand, erläutert den Ablauf der Mediation sowie seine Rolle. Den Parteien verschafft dies die Gelegenheit zu überprüfen, ob für sie ein Mediationsverfahren zur Konfliktlösung überhaupt in Betracht kommt und ob sie mit dem Mediator zusammenarbeiten können und wollen. Ist dies der Fall, vereinbaren sie eventuell gemeinsam Regeln für das weitere Verfahren und den Umgang miteinander (siehe Kapitel „Regeln der Mediation“).
Beispiel
Der Mediator vereinbart mit den beiden Kollegen getrennt voneinander Termine für ein Erstgespräch. Er verschafft sich einen ersten Überblick über den Konflikt, macht sich ein Bild von den Beteiligten und entscheidet, ob die Voraussetzungen für ein Verfahren gegeben sind. Am Ende vereinbart er mit den Beteiligten einen ersten gemeinsamen Termin.
Zweck dieser Phase ist es unter anderem, die durch den Mediator ausführlich vorgestellten und besprochenen Verfahrensgrundsätze für alle Beteiligten für die gesamte Dauer des Verfahrens verbindlich festzuhalten. In dieser Phase muss Vertrauen zum Mediator und zur anderen Partei entwickelt werden. Misstrauen wäre Gift für das Verfahren.
Ist Mediation für den konkreten Konflikt geeignet?
In der Phase 1 sollte der Mediator prüfen, ob die Mediation das richtige Verfahren ist und ob die Parteien für dieses auch genug Motivation aufbringen. Manchmal kann es nämlich sinnvoller sein, doch den Gang vor ein Gericht zu wählen. So z. B., wenn eine Lösung im beiderseitigen Interesse nicht möglich erscheint und ein Mediationsverfahren nur noch mehr Zeit und Geld kosten würde oder wenn ein nicht auszugleichendes Machtgefälle vorherrscht (siehe Kapitel „Alternativen der Konfliktbearbeitung bedenken“).
Sind alle Beteiligten an Bord?
Eine weitere Aufgabe in dieser Phase ist es, alle Beteiligten, die von der Entscheidung beeinträchtigt sein können, zu identifizieren und ggf. die Parteien zu veranlassen, geeignete Interessenvertreter für die Verhandlungen zu benennen. Voraussetzung hierfür ist es, die Konfliktlandschaft detailliert zu analysieren. Sinnvoll und für eine effiziente Durchführung notwendig ist es, die Verhandlungsrunde auf eine Teilnehmerzahl zu begrenzen, die eine optimale Sacharbeit und Diskussion ermöglicht. Es ist üblich, auch einen ze...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Was kann Mediation leisten?
- Wie läuft eine Mediation ab?
- Mediation in Unternehmen und Organisationen
- Aufgaben und Kompetenzen des Mediators
- Rechtliche Grundlagen
- Beispiel für einen Mediationsvertrag
- Wichtige Ansprechpartner
- Die Autorin
- Weitere Literatur
- Stichwortverzeichnis
- Impressum
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