Betriebliches Gesundheitsmanagement ist teuer und der Nutzen der Investitionen nicht wirklich greifbar. Grundsätzlich möchten Unternehmen BGM einführen, aber es fehlt der bezifferbare Gewinn.Aufseiten des Qualitätsmanagements zeigt sich, dass die Produktsicherheit durch Kontrollen und Vorsorgemaßnahmen sichergestellt ist, es aber weiterhin zu Fehlern kommt, das Plateau scheint erreicht. Es fehlt der eine letzte Schritt: die unbeherrschbare Fehlerquelle "Mensch" besser in den Griff zu bekommen.Die Verbindung des BGMs mit dem Qualitätsmanagement ist ungewöhnlich, stellt aber eine Win-Win-Situation dar: Das BGM wird verifizierbar, das QM gewinnt ein wichtiges Vorsorgeprogramm für Produktsicherheit. Das Buch erläutert den Zusammenhang und den Aufbau eines solchen Systems. Es richtet sich besonders an Betriebe, die mangels Akzeptanz der Führungsebene noch kein oder kein wirksames System haben.Inhalte: - Psychische Belastungen im Unternehmen- Unternehmenskultur- Betriebliches Gesundheitsmanagement- Betriebliche Gesundheitsförderung- System zur Förderung der psychischen Gesundheit (inkl. Corporate Health Culture, Interventionsmethoden)- Produktsicherheit- Umfangreicher Anhang: Fragebogen, Muster, Gesetzesauszüge und LeitfädenArbeitshilfen online: - Leitfaden zur Implementierung

eBook - ePub
BGM im Qualitätsmanagement - inklusive Arbeitshilfen online
Unternehmenserfolg durch psychische Gesundheit bei der Arbeit. Inkl. Arbeitshilfen online
- 186 Seiten
- German
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Unternehmenserfolg durch psychische Gesundheit bei der Arbeit. Inkl. Arbeitshilfen online
Über dieses Buch
Information
Thema
BetriebswirtschaftThema
Verwaltung1 Psychische Belastung im Unternehmen
1.1 Begriffsklärungen
»Psychische Belastung ist normaler und notwendiger Bestandteil menschlichen Lebens – auch des Arbeitslebens«, klärt eine Publikation der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf.13 Die Autoren erläutern, dass je nach Voraussetzungen der Beschäftigten eine psychische Belastung zu einer erwünschten, kurzfristigen Beanspruchung oder zu einer beeinträchtigenden Fehlbeanspruchung führen kann. Der Grad der Ausprägung der Beanspruchung sei »neben Stärke und Dauer von den individuellen Voraussetzungen der Beschäftigten abhängig und deshalb zwischen den Beschäftigten unterschiedlich«. Sie weisen auch darauf hin, dass sowohl Überbeanspruchung als auch Unterforderung zu einer Fehlbeanspruchung führen kann.
Unter einer psychischen Belastung wird die Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse von außen verstanden, die psychisch auf den Menschen einwirken. Die psychische Beanspruchung dagegen ist das Resultat der bewussten und unbewussten Verarbeitung der Belastung. Damit ist die psychische Belastung auch abhängig von den Voraussetzungen des jeweiligen Menschen und seinen Bewältigungsstrategien. Nicht jede Belastung wird als negativ verspürt. Erst Fehlbeanspruchungen, denen der Mensch nichts mehr entgegensetzen kann, werden als unangenehm empfunden. Die darauffolgende Reaktion des Organismus wird zusammenfassend als Stressreaktion beschrieben und als »bedrohlich, kritisch, wichtig und unausweichlich« erlebt.14 Eine Begriffsklärung gibt auch die DIN EN ISO 10075-1.15
Begriffsklärung: »psychische Belastung« und »psychische Beanspruchung« nach DIN EN ISO 10075-1
Psychische Belastung
Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf einen Menschen zukommen und diesen psychisch beeinflussen.
Psychische Beanspruchung
Unmittelbare Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinem aktuellen Zustand.
Eine Stressreaktion entsteht, wenn mehr gefordert wird, als der Mensch zu leisten vermag oder meint, leisten zu können. Weiterhin führten auch das Gegenteil, nämlich Unterforderung, zu Stress, ebenso Tätigkeiten, die als zu monoton empfunden werden (siehe Abb. 1). Die Daten des Stressreports der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin von 2012 zeigen die unterschiedlichen Beanspruchungen deutlich.16 Der Report schreibt:
»Während beispielsweise Ingenieure, Chemiker, Physiker, Mathematiker sehr häufig von der ›Konfrontation mit neuen Aufgaben‹ und ›Verfahrensverbesserungen‹ begleitet von ›verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen‹ und ›starkem Termin- und Leistungsdruck‹ berichten, liegen die Anforderungsschwerpunkte bei den Warenprüfern, Versandfertigmachern vor allem in ›ständig wiederkehrenden Arbeitsvorgängen‹, ›sehr schnellem arbeiten müssen‹ und ›detailliert vorgeschriebener Arbeitsdurchführung‹. Ähnlich kontrastierende Anforderungen finden sich bei den Gesundheits- sowie den Sozial- und Erziehungsberufen. Erstere Tätigkeit ist vor allem durch ›starken Termin- und Leistungsdruck‹ sowie durch Arbeitsunterbrechungen charakterisiert, letztere durch ›verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen‹ und ›Verfahrensverbesserungen‹.«
Was als Stress empfunden wird, ist also sehr unterschiedlich und hat unterschiedliche Gründe. Diese lassen sich aber in die »Bausteine des Wohlbefindens« einordnen. Es fehlen entweder Umfeldkompetenz oder Wachstumsmöglichkeiten und fast immer Autonomie.
Rund 43 % der Befragten berichten von einer grundsätzlichen Stresszunahme innerhalb der letzten zwei Jahre. Einiges deutet darauf hin, dass veränderte Arbeitsbedingungen dabei eine Rolle spielen. Interessant ist es, dass sich steigende und zunächst als sehr positiv empfundene »erhöhte Handlungsspielräume«, die ja den Wohlfühlfaktor »Autonomie« bedienen, mit der Zeit in eine negative Belastung zu verändern scheinen. Die zunehmende Subjektivierung der Arbeit kann offenbar zu Überforderung werden, weil die Beschäftigten ihre Tätigkeit verstärkt selbst organisieren müssen. Die großen Handlungsspielräume (in Zeit, Raum, Sache, Technik etc.) verbunden mit der ergebnis- und insbesondere marktorientierten Anforderungserfüllung führen zunächst zu Überengagement, dann aber zu Überforderung.

Abb. 1: Stressmodell: Psychische Beanspruchung wird moderiert von den Voraussetzungen des Einzelnen (Fähigkeiten, Fertigkeiten, …); genügen diese dem Input nicht mehr, resultiert Stress. (Quelle: Berufsverband Bürohund e. V.)
1.2 Moderne Arbeitswelt und ihre Auswirkungen auf die psychische Gesundheit
Die umfangreichen Wandlungen der Arbeitswelten des 21. Jahrhunderts sind durch großen technischen Fortschritt, Globalisierung und Beschleunigung gekennzeichnet. Neben der Beschleunigung in den Produktionsprozessen, ausgelöst durch die Digitalisierung der Anlagen, ist vor allem die Kommunikation schneller geworden. Digitale Nachrichten und virtuelle Sitzungen machen den Austausch über Kontinente innerhalb von Sekunden möglich. Räumlich getrennte Produktionsprozesse können auf eine Weise verknüpft werden, die bislang nicht möglich war. Dienstleistungen in Echtzeit quer über den Globus sind machbar. Dadurch ist aber auch die Erreichbarkeit rund um die Uhr zu einem Qualitätsmaßstab geworden, der die Grenzen zwischen Berufs-und Privatleben aufweicht. Die Geschwindigkeit der technischen Neuerungen hat die Entwicklung von psychisch verträglichen Steuerungsprozessen dieser Möglichkeiten längst überholt. Die Steigerung des psychischen Drucks ergibt sich durch …
- diskontinuierliche Beschäftigungsmodelle,
- vermehrten Zeitdruck,
- zunehmende Überwachungsmöglichkeiten,
- Anforderungen an gleichzeitige Erledigung von Aufgaben sowie
- die Notwendigkeit, nebenbei noch mit den digitalen Entwicklungen Schritt zu halten.
Viele Neuerungen der modernen Arbeitswelt schlagen sich in psychischen und psychosomatischen Erkrankungen nieder. Die zunehmende Automatisierung führt zu verminderter Autonomie, Sinnverlust und Minderung des Selbstwertgefühls.
Wichtig
Die zunehmende Automatisierung führt zu verminderter Autonomie, Sinnverlust und Minderung des Selbstwertgefühls.
Veränderte Beschäftigungsmodelle, wie mobile Bildschirmarbeitsplätze, Homeoffice oder zunehmende betriebliche Instabilität durch neue Unternehmensmodelle und betriebliche Umstrukturierungen führen zur zusätzlichen Steigerung der psychischen Anforderungen. Der bereits zitierte Stressreport Deutschland von 2012 gibt an, dass sich umso mehr Beschäftigte »weniger gut« oder »schlecht« fühlen, je mehr Veränderungen stattfinden.
Der Report zählt die wichtigsten Änderungen und ihre Folgen auf:
- Tertiarisierung: Die Entwicklung der Gesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft führt zu steigenden emotionalen und kognitiven Anforderungen an die Beschäftigten.
- Informatisierung: Moderne Kommunikationstechnologien durchdringen die Arbeitswelt. Ein ortsunabhängiges, zeitlich flexibles Erledigen von Aufgaben wird möglich und gefordert, was zu einer Entgrenzung von Arbeit führt.
- Subjektivierung: Neben der Automatisierung findet auch das Gegenteil statt, nämlich die Entwicklung neuer Steuerungsformen, die mit oder ohne Zielvereinbarungen zunehmende Eigenverantwortung fordern und damit zu Überforderung führen können.
- Akzeleration: Die Beschleunigung von Produktions-, Dienstleistungs- und Kommunikationsprozessen und die steigende Komplexität der Aufgaben, woraus sich auch Lernanforderungen ergeben. Auch hierdurch fühlen sich Beschäftigte teilweise überfordert oder fremdbestimmt.
- Neue Arbeitsformen: Die Ausbreitung beruflicher Unsicherheit durch diskontinuierliche Beschäftigungsverhältnisse; wachsende Instabilität sozialer Beziehungen in Zusammenhang mit Tätigkeits- und Berufswechseln führt zu einer schwindenden Umfeldkompetenz und Einschnitten bei den positiven Beziehungen zu anderen.
Der Report sagt:
»Über die Fachdisziplinen hinweg besteht […] Einigkeit darüber, dass sich mit diesen Entwicklungen die Anforderungen, die an den Einzelnen gestellt werden, verändern und in diesem Kontext die psychische Belastung zunehmend an Bedeutung gewinnt.« Und weiter: »U...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Hinweis zum Urheberrecht
- Impressum
- Vorwort
- Einleitung
- 1 Psychische Belastung im Unternehmen
- 2 Produktsicherheit
- 3 Unternehmenskultur
- 4 Betriebliches Gesundheitsmanagement
- 5 System zur Förderung der psychischen Gesundheit und zur Steigerung der Produktsicherheit
- 6 Einführung eines wirksamen BGM-Systems
- Alle Tipps im Überblick
- Resümee
- 7 Anhang
- Tabellenverzeichnis
- Stichwortverzeichnis
- Die Autorin
- Arbeitshilfen Online
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