Cross Generational Intelligence
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Cross Generational Intelligence

Kooperation der Generationen im Unternehmen

  1. 503 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Cross Generational Intelligence

Kooperation der Generationen im Unternehmen

Über dieses Buch

Während die Generation Y mit ihrer Arbeitsethik und ihren Ansprüchen an Kommunikation, Feedbackkultur und Work-Life-Balance Babyboomer und Generation X herausfordern, kommt bereits die Generation Z ins Unternehmen: digital aufgewachsen, flexibel und gut vernetzt. Die Einstellungen zueinander sind dabei oftmals von Vorurteilen und Labels geprägt. Worauf müssen Arbeitgeber sich einstellen und wie gelingt gute Zusammenarbeit?Die Autorinnen stellen die vier Generationen mit Blick auf ihre Errungenschaften in Kommunikation, Zusammenarbeit, Personal- und Organisationsentwicklung vor. Sie geben Empfehlungen zur Überwindung des Generation Gap und stellen Team-Building-Tools und Workshop-Ideen vor, die eine konstruktive und produktive Zusammenarbeit fördern.Inhalt- Generationen am Arbeitsplatz: Prägung und Werte- Arbeitgebermarketing, interne Kommunikation, Open Space und Homeoffice- Vertrauen und Feedback-Kultur, Leistung und Performance, Mentoren und Coaches, Erreichbarkeit- Das agile Unternehmen und die Persönlichkeit der Führungskraft: Intrapreneurship als Kernkompetenz- Wie werden wir morgen zusammenarbeiten?

Information

Verlag
Haufe
Jahr
2020
eBook-ISBN:
9783648134283

1 Generationen

Dr. Isabell Lütkehaus
Im ersten Teil unseres Buches definieren wir zunächst den Begriff der Generation (1.1) und werfen anschließend einen Blick auf alle fünf derzeit in den Unternehmen schon und noch aktiven Generationen (1.2). Vertiefend betrachten wir danach die beiden jüngsten Generationen, die bereits im Unternehmen angekommen sind (1.3 Generation Y) oder sich derzeit auf dem Weg dorthin befinden (1.4 Generation Z).

1.1 Der Begriff der Generationen

Dieser Abschnitt befasst sich mit den Grundlagen der Generationen: dem Begriff (1.1.1) samt Abgrenzung zu generationsnahen Aspekten (1.1.2), dem Spannungsverhältnis zwischen Generationszugehörigkeit und Individualität (1.1.3) sowie den Auswirkungen von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen (1.1.4) auf jeden Einzelnen.
Als Generation bezeichnen wir Menschen mit denselben Geburtenjahrgängen. Die gemeinsame zeitliche Verortung (Generationenlagerung), vergleichbare prägende Erlebnisse in Kindheit und Jugend (Generationserlebnisse), führen nach Karl Mannheim zu einer gemeinsamen Werteklammer und einem Gefühl der Zusammengehörigkeit (Mannheim [1928] Generationszusammenhang).

1.1.1 Die Definition der Generationen nach Karl Mannheim

Mannheim definierte 1928 die bis heute weiterhin gängige Bedeutung des Begriffs der Generation und stellt das Generationserlebnis in den Mittelpunkt. Gemeinsam geteilte Erfahrungen in der Jugend, dauerhafte und gleichartige Wirkung von Sozialisationsbedingungen und prägende Umbrüche in der Gesellschaft wirken sich nachhaltig auf die Lebens- und Arbeitseinstellung eines Menschen aus (Klaffke [2014], S. 10) und damit auf das Denken, Wollen, Fühlen und Handeln einer Person (Eberhardt [2018], S. 33).

1.1.1.1 Die prägenden Jahre

Als prägende Jahre wird der formative Zeitraum zwischen dem 11. und dem 15. Lebensjahr bezeichnet: Also genau die Zeit, wenn junge Menschen beginnen, Einflüsse außerhalb ihrer direkten Umgebung bewusst wahrzunehmen (Mangelsdorf [2015], S. 12). Dies geschieht dann, wenn neben der Familie auch Geschehnisse in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gesehen werden und die Aufnahmebereitschaft für äußere Impulse besonders groß ist (Scholz [2014], S. 16). Die für jede Zeit historisch einmaligen Lebensumstände prägen die jungen Menschen (Hurrelmann, ZEIT 2018). Durch das parallele Erleben und Verarbeiten entsteht eine historische und/oder soziale Gruppierung (Höpflinger [1999], S. 6); der Generationenzusammenhang führt zur Formierung einer Generation.
Die sogenannte Nachkriegsgeneration (auch Traditionalisten oder Silver Worker genannt, siehe 1.2.1), die wir im Geburtenzeitraum von 1935 bis 1949 einordnen, erlebte beispielsweise die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs bzw. wurde in das zerstörte Deutschland hineingeboren. Diese besonders schwierigen Zeiten, die eine Sozialisation mit traumatisierenden Verlusten und belastenden Erlebnissen mit sich brachten, zeigen massive Auswirkungen auf das Lebensgefühl dieser Generation (dazu Bode [2019], Kriegskinder).
Babyboomer (1950–1964, siehe 1.2.2) nennen häufig als prägendstes Erlebnis ihrer Jugend die Mondlandung im Jahre 1969. Die meisten von ihnen erinnern sich noch, wie sie mitten in der Nacht mit ihren Eltern staunend vor dem Schwarzweiß-Fernseher saßen. Dieser »riesige Sprung für die Menschheit« erweckte Hoffnung auf grenzenlose Möglichkeiten moderner Technologie.
Der Mauerfall war für viele Vertreter der Generation X (1965-1979, siehe 1.2.3) das einschneidende Ereignis ihrer Kindheit und Jugend. In das geteilte Deutschland hineingeboren, erlebten sie Perestroika und das Ende des Kalten Krieges, die Wiedervereinigung mit aller Euphorie und einigen Herausforderungen, den Aufbau eines gemeinsamen Deutschlands. Dieser massive und zugleich friedlichen Umbruch unserer Gesellschaft hatte erhebliche Auswirkungen auf den Einzelnen, und zwar ganz unterschiedlich, je nachdem, auf welcher Seite der Mauer jemand aufgewachsen ist.
Vertreter der Generation Y (1980–1994, siehe 1.2.4) nennen als einschneidendes Erlebnis die Attentate vom 11. September 2001. Die Fernsehbilder, als das zweite Flugzeug in das World Trade Center flog, bleibt für immer vor ihrem geistigen Auge erhalten. Für sie begann damit eine Welle von internationalem Terrorismus, der ihr Sicherheitsgefühl nicht unerheblich beeinträchtigte. Welches prägende Ereignis die derzeit noch heranwachsende Generation Z (1995-2009, siehe 1.2.5) einmal nennen wird, gilt es abzuwarten, vielleicht ja die Umweltkatastrophe von Fukushima, die ein Umdenken in Sachen Energiegewinnung zur Folge hatte und ein neues Umweltbewusstsein in Bewegung setzte.

1.1.1.2 Die generationalen Wertemuster

Werte sind Auffassungen über die Qualität der Wirklichkeit und beeinflussen die Auswahl von Handlungsalternativen. Es gibt einige zentrale Wertvorstellungen, die sich kaum wandeln und die von den meisten von uns in Anspruch genommen werden, z. B. unsere Grundrechte. Darüber hinaus lassen sich für jede Generation typische Werte erkennen, die von ihr als besonders wünschenswert angesehen werden. Klaffke nennt dies eine gemeinsame generationale Werteklammer (Klaffke [2014], S. 9). Sie umfasst alle Sitten, Bräuche und Regelungen, von denen Vertreter dieser Generation umgeben sind (Eberhardt, [2018], S. 34). Solche Werte können beispielsweise Freiheit, Gleichberechtigung, Loyalität und Ordnung sein. Als bezeichnender Wert der Generation X wird z. B. häufig Individualität genannt, als typische Orientierung der Generation Y deren Suche nach dem Sinnhaften angesehen. Wie es zu diesen Werten kommen kann, lässt sich u. a. anhand des gesellschaftlichen Wertewandels erklären, den wir in 1.1.4.1 besprechen. Die typischen Wertemuster der einzelnen Generationen sehen wir uns in 1.2 ausführlich an.
Die fünf Generationen im Überblick
Nachkriegsgeneration (1.2.1) Babyboomer (1.2.2) Generation X (1.2.3) Generation Y (1.2.4; 1.3) Generation Z (1.2.5; 1.4)
Geburtsjahre 1935–1949 1950–1964 1965–1979 1980–1994 1995–2009
Prägende Jahre (11–15) 1946–1964 1961–1979 1976–1994 1991–2009 2006–2025
Ereignisse und Entwicklungen in den prägenden Jahren
  • 2. Weltkrieg,
  • entbehrungsreiche Nachkriegsjahre,
  • Kalter Krieg,
  • Beginn Wirtschaftswunder
  • Wirtschaftswunder,
  • Geburtenboom,
  • Mondlandung,
  • 68er-Revolte,
  • Mauerbau,
  • Frauenbewegung,
  • Ermordung JFK,
  • Waldsterben,
  • Friedens- und Umweltbewegung,
  • Fernsehen,
  • Urlaubsreisen ins Ausland
  • Fernsehzeitalter,
  • Wirtschaftskrise,
  • Ölkrise,
  • RAF,
  • Stagnieren des Arbeitsmarkts,
  • Immigrationswelle,
  • Tschernobyl,
  • Mauerfall,
  • Ende des Kalten Kriegs
  • Globalisierung,
  • Internetboom,
  • digitale Revolution,
  • weltweiter Terror,
  • 9/11,
  • hohes Bildungsniveau,
  • Aufwachsen im wiedervereinten Deutschland
  • Digitalisierung des Alltags,
  • Globalisierung,
  • Erderwärmung,
  • Wikileaks,
  • politische Stabilität,
  • Wohlstand,
  • Überfluss,
  • breites Bildungsangebot,
  • Finanzkrisen,
  • Umweltkatastrophen und
  • Terrorismus
Alter im Jahr 2020 85–71 70–56 55–41 40–26 25–11
Berufsphase in 2020 kurz vor oder bereits im (aktiven) Ruhestand beruflicher Höhepunkt, Führungspositionen und Inhaber von Unternehmen, Ältere bereits kurz vor oder im Ruhestand mitten im Berufsleben, in Führungsposition Jüngere noch Berufsbeginn, Ältere mitten im Berufsleben, z. T. in Führungsposition Schule, Ausbildung, ältere Berufsauswahl und Berufsbeginn
Tabelle 1: Die fünf Generationen im Überblick

1.1.1.3 Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Generationen

Die gemeinsame historische Verortung im Sinne von vergleichbaren biografischen Erlebnissen, die parallele Verarbeitung von Geschichte und ähnlich empfundene Werte führen zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl. Es entsteht eine Solidargemeinschaft, eine generationelle Vergemeinschaftung (Jureit, S. 21). Ein Aspekt hiervon ist die Selbstthematisierung, also eine Selbstbeschreibung: Wir nehmen uns als Teil einer Generation wahr und benennen dies auch so, z. B. »wir 68-er«. Zentraler Bestandteil dieses Zusammengehörigkeitsgefühls ist die Annahme, dass andere Angehörige unserer Generation uns ähnlich sind, also etwas Wesentliches mit uns gemeinsam haben (Biemann/Weckmüller [2013], Personalquarterly, S. 46). Und wir suchen in aller Regel intuitiv deren Nähe, denn wir bevorzugen den Umgang mit Menschen, die uns in Einstellungen, Werten und Verhaltensweisen ähnlich sind (Ähnlichkeits-Attraktions-Paradigma von Byrne – ausführlich in 4.3.1.1), weil uns dies u. a. Bestätigung und Sicherheit gibt. Entsprechend kommen mehrere Umfragen zu dem Ergebnis, dass wir am liebsten mit Kollegen ähnlichen Alters zusammenarbeiten (z. B. Kolland/Wanka [2017], WKO-Studie, S. 17).

1.1.1.4 Abgrenzung der Generationen und Pendelbewegung

Diese Generationensolidarität führt gleichzeitig zu einer Abgrenzung von anderen Generationen, denen abweichende Werte und unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben werden (Intragenerationendifferenz, Scholz [2014], S. 17). Besonders deutlich erfolgt diese Abgrenzung gegenüber der unmittelbar vorhergehenden Generation, häufig in einer Gegenbewegung im Hinblick auf bestimmte Aspekte. Und die nachfolgende Generation entwickelt dann ebenfalls ein gegensätzliches Wertemuster wie auch die darauffolgende Generation gegenüber ihrer Vorgängergeneration. Über den Vergleich mehrerer Generationen hinweg lässt sich dann eine Pendelbewegung erkennen (Scholz [2014], S. 33). Erklärungsversuche sowie Begründungen zu dieser Abgrenzung sehen wir uns in 4.3.1.2 (Abgrenzung: In-Group/Out-Group) ausführlicher an.
Als typisches Merkmal der Generation X wird beispielsweise ihre unpolitische Haltung angesehen, als Abgrenzung gegenüber ihrer Elterngeneration, den rebellischen und demonstrierenden Babyboomern. Aber auch diese haben sich wiederum von ihren als politisch angepasst wahrgenommenen Eltern der Kriegsgeneration abgegrenzt. Dieses Phänomen der Abgrenzung kann uns dabei helfen, Aussagen über die noch wenig erforschte, weil gerade noch heranwachsende Generation Z zu treffen, indem wir uns mögliche Gegenbewegungen zur bereits sehr viel genauer beobachteten und besser erforschten Vorgängergeneration Y anschauen (1.4.1.4). So lesen wir häufig, dass die Generation Z die Erfahrungen der Generation Y in Sachen Work-Life Blending gut beobachtet und für sich daraus gelernt hat, klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen (»Work Life Separation«, Scholz [2014], S. 200).

1.1.2 Generationsnahe Aspekte

Drei weitere Aspekte tauchen immer wieder auf, wenn es um das Thema Generationen geht und sind gleichzeitig deutlich davon abzugrenzen:
  • Effekte des tatsächlichen Alters,
  • Bedeutung der aktuellen Lebensphase und
  • die Relevanz der Dauer einer Betriebszugehörigkeit.

1.1.2.1 Alterseffekte

Einstellungen, Werte und Herangehensweisen ebenso wie Bedürfnisse und Erwartungen eines Menschen können sich im Laufe des Lebens schon allein durch den biologischen Alterungsprozess verändern (Klaffke [2014], S. 8). Dies hat nichts mit der Generationenzugehörigkeit zu tun, da beispielsweise ein heute 50-jähriger Angehöriger der Generation X in vereinzelten Aspekten aus Altersgründen ähnliche Bedürfnisse und Erwartungen haben kann wie sein Großvater der Kriegsgeneration, als dieser so alt war. Deshalb unterscheiden wir deutlich zwischen Alterskohorten als eine Gruppierung von Menschen desselben Alters, z. B. 50-Jährige, und Generationen (Jureit [2019], Die Mediation, S. 23).
Da Mitarbeiter heute deutlich jünger in den Beruf starten, weil sich Schul- und Ausbildungszeiten verkürzt haben und Berufstätige durch den späteren Renteneintritt länger arbeiten, kann in Unternehmen innerhalb der Belegschaft ein Altersunterschied von bis zu 50 Jahren auftreten. Hierdurch treten etwaige Alterseffekte sehr viel deutlicher in Erscheinung. Sie können auf Differenzen zwischen den Generationen verstärkende Wirkungen haben, gleichzeitig relativieren sie aber auch einige Phänomene, die der Generationenzugehörigkeit zugeschrieben werden, tatsächlich jedoch zumindest auch mit dem aktuellen Lebensalter zusammenhängen. An einer Besonderheit der Generation Y erklärt die Meta-Studie von Sybille Adenauer gleichzeitig den wichtigen Unterschied zwischen Generationenmerkmal und Alter: Als eher generationenspezifisch gilt, dass Mitglieder der Generation Y informeller miteinander umgehen, sich beispielsweise schneller duzen als Mitglieder der Generation X. Hingegen gilt es als Alterseffekt, dass jüngere Mitarbeiter eher forsch an Aufgaben und Projekte herangehen. Die älteren Mitarbeiter der Generation X hätten mehr Lebens- und Berufserfahrung, die es ihnen ermöglicht, alternative Herangehensweisen zu bedenken und die jeweiligen Vor- und Nachteile abzuwägen (Adenauer [2018], S. 4).
Hierin steckt eine wichtige Erkenntnis: Es geht nicht nur um Generationen, sondern auch um das Lebensalter im Sinne von Berufs- und Lebenserfahr...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Hinweis zum Urheberrecht
  3. Impressum
  4. Vorwort
  5. Einleitung
  6. 1 Generationen
  7. 2 Intelligenz
  8. 3 Unternehmen
  9. 4 Generationenkonflikte
  10. 5 Ausblick
  11. Die Autorinnen
  12. Danksagung
  13. Literaturverzeichnis

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