Bis 2018 steht in rund 135.000 Familienunternehmen die Übergabe an. Der demographische Wandel verleiht dem Thema zusätzlich Brisanz. Dennoch wird die Regelung der Unternehmensnachfolge oftunterschätzt oder gar verschleppt.- Warum ist das so?- Warum läuft so viel schief?- Und was kann man besser machen?Der Autor ermuntert dazu, sich dieses Themas rechtzeitig anzunehmen. Er beleuchtet alle Fragen und Schritte, die bei der Regelung der Unternehmensnachfolge auftauchen können und gibt dem Leser einen konkreten Fahrplan an die Hand. Fern von rein juristischen Fragen zeigt er anhand authentischer Fallbeispiele das breite Spektrum an Möglichkeiten von familieninterner Nachfolge bis zum Unternehmensverkauf auf.Der Praxisleitfaden ist leicht verständlich formuliert und bereitet optimal auf die Regelung der Unternehmensnachfolge vor.

- 264 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
Information
Thema
CommerceThema
Management1 Unternehmensnachfolge im Mittelstand
1.1 Unternehmensnachfolge bei KMU
Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sogenannten KMU.
1.1.1 Definition von KMU
Dies sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz von ≤ 50 Mio. Euro und einer Beschäftigtenzahl von < 500 Mitarbeitern (KMU-Definition des IfM Bonn).3
Die Europäische Kommission hingegen zählt Unternehmen, die nicht mehr als 249 Beschäftigte haben und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. Euro erwirtschaften oder eine Bilanzsumme von maximal 43 Mio. Euro aufweisen (KMU-Definition der Europäischen Kommission), zur Gruppe der KMU.4
Legen wir die KMU-Definition des Instituts für Mittelstand IfM Bonn und deren Ausarbeitungen zugrunde, dann zählten in Deutschland im Jahr 2013 (und ebenso geschätzt für das Jahr 2015) rund 3,62 Mio. Unternehmen zu den kleinen und mittleren Unternehmen.
Die KMU stellen damit 99,6 % aller deutschen Unternehmen!
Großunternehmen, welche die Medien omnipräsent beherrschen, machen damit gerade einmal 0,4 % aller Unternehmen in Deutschland aus.
1.1.2 Wirtschaftsfaktor
KMU erwirtschafteten rund 2,2 Billionen Euro. Das sind 35,5 % aller steuerbaren Umsätze aus Lieferungen und Leistungen. KMU sind ein wesentlicher Arbeitgeber in Deutschland, für sie arbeiten rund 16 Mio. sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, das sind 60 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Über 80 % aller Auszubildenden fanden sich Ende 2013 in Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten. Der Exportumsatz der deutschen KMU lag 2013 bei fast 200 Mrd. Euro oder 18 % des Exportumsatzes aller Unternehmen.5
Die deutschen KMU steuerten im Jahr 2013 rund 56 % zur gesamten Nettowertschöpfung der deutschen Unternehmen bei. Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten hatten im Jahr 2013 mit 9 Mrd. Euro einen Anteil von etwa 13 % an den gesamten Aufwendungen des Wirtschaftssektors für Forschung und Entwicklung.6

Abb. 1: KMU-Anteile 2013 in Deutschland (Quelle IfM Bonn)
1.1.3 Nachfolgen
Ebenfalls nach Schätzungen des Bonner Instituts für Mittelstand beträgt bis 2020 die Anzahl der in Deutschland zur Übergabe anstehenden Unternehmen je nach Berechnungsmethode 104 000 bis 135 000.
Pro Jahr stehen in Deutschland derzeit etwa 27 000 Übergaben an. Die zahlenmäßig meisten Übergaben sind in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg zu erwarten, gefolgt von Niedersachsen und Hessen. In Relation zum Unternehmensbestand sind die Differenzen in den deutschen Bundesländern nicht so groß und betragen für die Jahre 2014 bis 2018 im Durchschnitt 36 Übergaben auf 1000 Unternehmen.
Wie wenig das Bewusstsein für die Nachfolgeproblematik im Mittelstand geschärft ist, zeigt eine Übersicht über die Nachfolgeplanung im Mittelstand bis zum Jahre 2017. Danach planen nur 16 % derzeit aktiv ihre Nachfolge. Knapp 50 % machen sich gegenwärtig darüber überhaupt keine Gedanken und etwa 35 % möchten dieses Thema „später“ einmal angehen.

Abb. 2: Nachfolgeplanungen im Mittelstand bis 2017 (Quelle: KfW-Mittelstandspanel 2014)
1.1.4 Übergabedauer
Mit welcher Dauer sollte eigentlich ein Unternehmer in etwa für die Durchführung seines Nachfolgeprozesses rechnen? – Selten jedenfalls gelingt die Nachfolge in wenigen Monaten. Über 80 % der Nachfolgen dauern bis zu zwei Jahre. Jedoch erstreckt sich dieser Zeitraum für immerhin etwa ein Fünftel der Fälle auf bis zu fünf Jahre. Differenzierend ist dies noch einmal für die externe Nachfolge (bis etwa vier Jahre) und die teilweise länger andauernde familieninterne Nachfolge zu betrachten.7 Wenn die Nachfolge als solche überhaupt gelingt!
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Feststellung des IfM Bonn, dass es insbesondere bei den kleinen Unternehmen mit bis zu 100 000 Euro Jahresumsatz häufig an einer zu übergebenden Substanz fehle.8 Diese Unternehmen finden daher in sehr vielen Fällen überhaupt keinen Nachfolger!

Abb. 3: Dauer der Nachfolge (Quelle: DIHK Nachfolgereport 2015)
1.1.5 Nachfolgegruppen
In mehr als der Hälfte erfolgt die Nachfolge familienintern, in knapp einem Drittel der Fälle wird das Unternehmen an Dritte übergeben und in etwa einem Sechstel der Fälle kommt der Nachfolger aus dem eigenen Unternehmen des Übergebers.
Die potenziellen Nachfolger rekrutieren sich vorwiegend aus der Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen. Aufgrund des demografischen Wandels geht dieser Bevölkerungsanteil, der hauptsächlich für eine Unternehmensübernahme in Betracht kommt, aber um etwa 15 % zurück. Dies macht die Beschäftigung mit der Nachfolgethematik dringlicher denn je.

Abb. 4: Gewählte Nachfolgelösungen (Quelle: IfM Bonn)
In Familienunternehmen – und diese haben in Deutschland immerhin einen Anteil von etwa 95 % an der Gesamtheit der Unternehmen9 – strebt der Eigner zumeist eine Fortsetzung der Einheit von Inhaberschaft und Geschäftsführung und damit auch eine innerfamiliäre Nachfolge an.
In den letzten Jahren lässt sich zudem eine deutlich verstärkte Nachfrage von Frauen für die Unternehmensnachfolge erkennen. So gab es im Jahre 2010 lediglich einen Anteil von 15 % Unternehmerinnen an allen Übernahmeinteressierten. Bis zum Jahre 2013 hat sich die Zahl in nur drei Jahren bereits erheblich auf 25 % erhöht.

Abb. 5: Frauen wollen übernehmen (Quelle: DIHK Nachfolgereport 2014)
1.1.6 Nachfolge? – Kein Thema!
Betrachten wir beispielhaft eine 56-jährige agile Unternehmerin aus Norddeutschland.
Nach dem unerwartet frühen Tod ihres Ehemanns und Unternehmenseigners übernahm sie – relativ unvorbereitet – die Geschäftsleitung seiner florierenden Nahrungsmittelfabrik mit über 200 Mitarbeitern. Sie hatte sich vorher grundsätzlich schon für die Unternehmensbelange interessiert, doch eher in einem bescheidenen Umfang, der lediglich den abendlichen Gesprächen mit ihrem Ehegatten entsprach.
Durch die Umstände gezwungen arbeitete sie sich dann aber ernsthaft und fleißig in die Unternehmensführung ein, musste sehr vieles sehr schnell erlernen – doch durchaus auch diverse Rückschläge hinnehmen. Mit zähem Willen und guter Intelligenz hatte sie insgesamt aber bald alles im Griff und konnte sich zwischenzeitlich auch die Anerkennung von Belegschaft, Kunden und Geschäftspartnern erarbeiten. Inzwischen war sie in der Leitungsfunktion gefestigt und zweifelsfrei „die Chefin“.
Die eigene Nachfolge war dabei für sie überhaupt kein Thema; sie hatte schließlich im Betrieb täglich andere Sorgen und Herausforderungen. „Das ist doch erst etwas für alte Unternehmer“, sagte sie einmal im Gespräch mit einer anderen Unternehmerin. Diese schüttelte abwägend leicht den Kopf, ging aber nicht weiter darauf ein.
Ihre 23-jährige Tochter studierte Betriebswirtschaftslehre. Sie hatte zwar ein sehr gutes Abitur gemacht, in den Augen der Mutter war sie aber fahrig, ihr gegenüber oft bockig und letztlich für das ernste Berufsleben aus Sicht der mittlerweile sehr erfahrenen Unternehmerin noch völlig unreif.
Die Tochter wollte, wie das so viele BWLer als völlig diffuse Vorstellung haben, einfach irgendwann einmal eine „tolle Karriere“ in der Wirtschaft machen. Das Bild davon, was das genauer sein könnte, war eher von amerikanischen Filmserien als vom tatsächlichen Berufsalltag geprägt. Dort machten die smarten Tycoons Milliardengeschäfte vor aufgeräumten Schreibtischen, aus glänzenden Cabrios oder flotten Yachten heraus. Im Moment war die Teilnahme an diversen Studentenpartys für sie aber viel wichtiger.
Über eine Nachfolge im elterlichen Betrieb dachte sie nicht wirklich nach. Nur wenn manchmal ihre Studienkollegen etwas neidisch einwarfen, dass sie es ja gut habe, da sie schließlich später einmal das elterliche Unternehmen übernehmen könne, dachte sie, ohne wirklich darauf erpicht zu sein, dass ihr notfalls diese Option immer noch bliebe, wenn alles andere schiefgehen sollte.
Eine familieninterne Nachfolge war damit zu diesem Zeitpunkt weder für die Mutter als Unternehmerin noch für die Tochter als Nachfolgerin ein Thema. Wir werden diesen beiden Damen später erneut in einem Fallbeispiel in Kapitel 3.2 begegnen.
1.1.7 Übergabereife
Für eine Nachfolge sollte ein Unternehmen reif für eine Übergabe sein. Als übergabereif gelten laut IfM Bonn alle diejenigen eigentümergeführten Unternehmen, deren Eigentümergeschäftsführer sich innerhalb der nächsten fünf Jahre aus persönlichen Gründen aus der Geschäftsführung zurückziehen werden.10 Gründe sind Alter, Krankheit, Tod oder die Entscheidung für eine alternative Beschäftigung. Eine entsprechend klare Definition und Abgrenzung ist immer dann erforderlich, wenn man wie das IfM möglichst verlässliches Zahlenmaterial für aussagekräftige statistische Aussagen zusammentragen möchte.
Im allgemeinen Sprachgebrauch in der Pr...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Hinweis zum Urheberrecht
- Impressum
- Vorwort
- Einleitung
- 1 Unternehmensnachfolge im Mittelstand
- 2 Ablauf eines Unternehmensverkaufs
- 3 Fallbeispiele für Unternehmensnachfolge aus der Praxis
- 4 Handlungsempfehlungen
- 5 Werkzeugkasten
- 6 Exkurs: Stiftung als Nachfolgelösung
- Nachwort
- Glossar
- Literatur
- Der Autor
- Stichwortverzeichnis
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1,5 Millionen Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Pläne an: Essential und Complete
- Essential ist ideal für Lernende und Fachkräfte, die es genießen, eine Vielzahl von Themen zu erkunden. Greife auf die Essential Library mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften zu. Enthält unbegrenzte Lesezeit und Standard-Vorlesestimme.
- Complete: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forschende, die vollen, uneingeschränkten Zugriff benötigen. Entsperre über 1,5 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen, einschließlich akademischen und spezialisierten Titeln. Der Complete-Plan enthält außerdem fortschrittliche Funktionen wie Premium Vorlesen und Forschungsassistent.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abonnement-Service, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buchs pro Monat Zugriff auf eine gesamte Online-Bibliothek erhältst. Bei über 1,5 Millionen Büchern zu mehr als 990 Themen bist du bestens versorgt! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du kannst auf Nachfolger gesucht von Hartmut Schneider im PDF- und/oder ePUB-Format sowie auf andere beliebte Bücher in Commerce & Management zugreifen. In unserem Katalog stehen über 1,5 Millionen Bücher zur Verfügung.