Entrepreneurship
eBook - ePub

Entrepreneurship

Unternehmerisches Denken, Entscheiden und Handeln in innovativen und technologieorientierten Unternehmen

Dietmar Grichnik, Malte Brettel, Christian Koropp, René Mauer

Buch teilen
  1. 498 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfĂŒgbar
eBook - ePub

Entrepreneurship

Unternehmerisches Denken, Entscheiden und Handeln in innovativen und technologieorientierten Unternehmen

Dietmar Grichnik, Malte Brettel, Christian Koropp, René Mauer

Angaben zum Buch
Buchvorschau
Inhaltsverzeichnis
Quellenangaben

Über dieses Buch

Das Lehrbuch prĂ€sentiert den aktuellen Stand der internationalen Entrepreneurshipforschung. Von der GeschĂ€ftsidee ĂŒber die FrĂŒhphase bis zur MarkteinfĂŒhrung und Etablierung zeigen die Autoren, wie neue GeschĂ€ftsmodelle entdeckt und entwickelt werden. Außerdem im Fokus: Entrepreneurship im sozialen und wissenschaftlichen Bereich. Geeignet sowohl fĂŒr die GrĂŒndung von Unternehmen und junge, wachsende Unternehmen als auch fĂŒr etablierte Unternehmen und NPOs.In der 2. Auflage ergĂ€nzt um aktuelle Themen wie Lean-Start-up-Ansatz, Crowdfunding und -sourcing, unternehmerische Ökosysteme, Digitalisierung und Vernetzung wie in der Sharing Economy.Jedes Kapitel enthĂ€lt Lernziele, Aufgaben und weiterfĂŒhrende Literaturhinweise. Außerdem: inklusive Fallstudien, die auch zum Download auf myBook+ zur VerfĂŒgung stehen.

HĂ€ufig gestellte Fragen

Wie kann ich mein Abo kĂŒndigen?
Gehe einfach zum Kontobereich in den Einstellungen und klicke auf „Abo kĂŒndigen“ – ganz einfach. Nachdem du gekĂŒndigt hast, bleibt deine Mitgliedschaft fĂŒr den verbleibenden Abozeitraum, den du bereits bezahlt hast, aktiv. Mehr Informationen hier.
(Wie) Kann ich BĂŒcher herunterladen?
Derzeit stehen all unsere auf MobilgerĂ€te reagierenden ePub-BĂŒcher zum Download ĂŒber die App zur VerfĂŒgung. Die meisten unserer PDFs stehen ebenfalls zum Download bereit; wir arbeiten daran, auch die ĂŒbrigen PDFs zum Download anzubieten, bei denen dies aktuell noch nicht möglich ist. Weitere Informationen hier.
Welcher Unterschied besteht bei den Preisen zwischen den AboplÀnen?
Mit beiden AboplÀnen erhÀltst du vollen Zugang zur Bibliothek und allen Funktionen von Perlego. Die einzigen Unterschiede bestehen im Preis und dem Abozeitraum: Mit dem Jahresabo sparst du auf 12 Monate gerechnet im Vergleich zum Monatsabo rund 30 %.
Was ist Perlego?
Wir sind ein Online-Abodienst fĂŒr LehrbĂŒcher, bei dem du fĂŒr weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhĂ€ltst. Mit ĂŒber 1 Million BĂŒchern zu ĂŒber 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
UnterstĂŒtzt Perlego Text-zu-Sprache?
Achte auf das Symbol zum Vorlesen in deinem nÀchsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ist Entrepreneurship als Online-PDF/ePub verfĂŒgbar?
Ja, du hast Zugang zu Entrepreneurship von Dietmar Grichnik, Malte Brettel, Christian Koropp, RenĂ© Mauer im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten BĂŒchern aus Economics & Economic Theory. Aus unserem Katalog stehen dir ĂŒber 1 Million BĂŒcher zur VerfĂŒgung.

Information

Jahr
2017
ISBN
9783791040950
Auflage
2

Teil B Unternehmerische Gelegenheiten und Denkweisen

3 Opportunity Map des unternehmerischen Entscheidungsprozesses

Lernziele
Unternehmerische Gelegenheiten und Denkweisen bilden den Ausgangspunkt jeder unternehmerischen AktivitÀt. In diesem Kapitel werden Sie lernen,
  • den Entscheidungsprozess des Unternehmers rund um die unternehmerische Gelegenheit nach verschiedenen Dimensionen zu unterscheiden,
  • welche Entstehungsursachen und Grundtypen unternehmerischer Gelegenheiten existieren,
  • mit welchen Denkweisen Individuen unternehmerische Gelegenheiten entdecken und schaffen,
  • wie Unternehmer dazu unternehmerische Gelegenheiten wahrnehmen und bewerten,
  • welche Formen zur Ausschöpfung der unternehmerischen Gelegenheiten dem Unternehmer zur VerfĂŒgung stehen,
  • welche Ergebnisse des unternehmerischen Entscheidungsprozesses den Endpunkt und den Startpunkt im Kreislauf der Opportunity Map bilden.

3.1 Die Opportunity Map als Bezugsrahmen

Das PhĂ€nomen Entrepreneurship beschreibt den ökonomischen Prozess des Erkennens, Bewertens und Verwertens unternehmerischer Gelegenheiten, der im Ergebnis zu neuen GĂŒtern und Dienstleistungen, neuen Organisationsformen, neuen MĂ€rkten oder Prozessen fĂŒhrt. Motor dieses Prozesses ist das Denk- und Handlungsmuster einzelner oder mehrerer Unternehmer, die unternehmerische Gelegenheiten (Opportunities) nutzbar machen. Dieser Zusammenhang steht als sogenannter Individual-Opportunity-Nexus im Zentrum der Entrepreneurship-Disziplin und verleiht ihr eine eigene IdentitĂ€t (Shane und Venkataraman, 2000; Shane, 2004a). Aus diesem Nexus lassen sich spezifische Funktionen der Opportunity Recognition, Opportunity Evaluation und Opportunity Exploitation durch die Beschaffung notwendiger Ressourcen und den Einsatz verschiedener Organisationsformen der Opportunity-Verwertung – z. B. direkt am Markt, durch GrĂŒndung von Unternehmen oder in etablierten Unternehmen – ableiten. Grichnik (2006a) systematisiert die Elemente des Individual-Opportunity-Nexus in einer Opportunity Map des unternehmerischen Entscheidungsprozesses. Sie soll im Folgenden als Bezugsrahmen dienen, um das PhĂ€nomen Entrepreneurship aus einer entscheidungsorientierten Perspektive zu beschreiben, die in der Lage ist, die verschiedenen Denkschulen der Entrepreneurship-Disziplin zu integrieren und so einen Überblick zum aktuellen Stand der Entrepreneurship-Disziplin zu bieten.
Die Opportunity als marktliche Gelegenheit im unternehmerischen Handlungsfeld
Im Zentrum des Analyserasters fĂŒr die LiteraturĂŒbersicht steht mithin die Opportunity (Eckhard und Shane, 2003) – die marktliche Gelegenheit als unternehmerisches Handlungsfeld (Fallgatter, 2004) –, die es zu entdecken, zu schaffen, zu bewerten und durch eine Entscheidung des GrĂŒnders beziehungsweise Unternehmers auszuschöpfen gilt. Was aber charakterisiert eine unternehmerische Gelegenheit – eine Opportunity?
1. Die subjektive Wahrnehmung eines Individuums wandelt eine Opportunity in eine unternehmerische Idee um (Klein, 2008). Somit wird in der Theorie (Venkataraman, 1997; Shane und Venkataraman, 2000) mit ihr die Chance verbunden, durch Rekombination von Ressourcen einen subjektiven Wert zu schaffen, der eventuell auch einen entsprechenden objektiven Wert darstellt (Shane, 2004b). In der Literatur werden diesbezĂŒgliche Entscheidungen in der Regel auf persönliche Charaktereigenschaften (Mitchell et al., 2002) und kognitive Prozesse (Gregoire et al., 2010) zurĂŒckgefĂŒhrt.
2. Der Opportunity haftet etwas Neuartiges an, wobei der Grad des Neuen ein relatives Maß darstellt (Schumpeter, 1934; Kirzner, 1997). Entsprechend der Innovation, die verschiedene Dimensionen des Neuen (objektiv, subjektiv, regional) aufweist (Hauschildt, 2004), kann auch die unternehmerische Gelegenheit auf einem Kontinuum gesehen werden, das entsprechend einer Normalverteilungskurve im mittleren Bereich viele inkrementell innovative Unternehmer abbildet und am rechten Extrembereich hochinnovative Unternehmen wie aus dem Technologiebereich oder mit neuartigen Dienstleistungskonzepten erfasst.
3. Risiken sind im unternehmerischen Schaffungsprozess nicht zu vermeiden (Venkataraman, 1997). So ist weder eine Opportunity denkbar, die nicht irgendwo oder fĂŒr irgendwen etwas Neues beinhaltet, noch dass mit ihrer Umsetzung nicht ein bestimmtes Risiko einhergeht (Cantillon, 1931; Knight, 1964).
4. Die Formen, in denen unternehmerische Opportunities ausgeschöpft werden können, sind vielfĂ€ltig: WĂ€hrend mit Entrepreneurship in der Regel die GrĂŒndung von Unternehmen verbunden wird, beinhaltet der Begriff beispielsweise auch die Ausschöpfung neuer Opportunities im Rahmen existierender Organisationen (etwa im Sinne von Schumpeter, 1942).
5. Zum Thema des Ursprungs unternehmerischer Gelegenheiten gibt es unterschiedliche Standpunkte: Entweder die Existenz der Opportunity resultiert aus VerÀnderungen im Umfeld des Entrepreneurs (Schumpeter, 1934) oder durch VerÀnderung des Individuums selbst (Kirzner, 1997).
Die Opportunity Map mit fĂŒnf Dimensionen des unternehmerischen Handlungsfeldes
Wenngleich sich die zahlreichen Definitionen in der Literatur im Kern auf diese Determinanten des Entrepreneurships zurĂŒckfĂŒhren lassen, besteht eine der zentralen Herausforderungen fĂŒr die Entrepreneurship-Forschung darin, unternehmerische Gelegenheiten und ihre EntstehungsgrĂŒnde theoretisch und empirisch zu erfassen (Shane, 2004a). ZunĂ€chst soll daher die theoretische Literatur im Hinblick auf das PhĂ€nomen der Opportunity untersucht werden. Dabei dienen die in der Literatur identifizierten fĂŒnf Dimensionen der unternehmerischen Handlungsfelder als Analysekriterien, um die verschiedenen AnsĂ€tze zu charakterisieren (vgl. Abbildung 3-1).
Abbildung
Abb. 3-1 Die Opportunity Map
Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, inwieweit eine Entscheidungsorientierung in diesen Themenbereichen und TheorieansĂ€tzen behandelt und erklĂ€rt wird. Diese Perspektive postuliert eine Verlagerung von der Person des Entrepreneurs und seinen Eigenschaften – hin zu seinem Entscheidungsverhalten, das einen besseren empirischen Zugang zum Entrepreneurship als unternehmerischem PhĂ€nomen (Grichnik und Immerthal, 2005) verspricht. Grund hierfĂŒr ist, dass erfolgreiches Unternehmertum eine Vielfalt von Eigenschaften und Fertigkeiten benötigt. Aufgrund dieser Vielfalt haben keine der normalerweise untersuchten Persönlichkeitseigenschaften einen ausreichend starken Effekt auf erfolgreiches Unternehmertum, als dass eine WeiterfĂŒhrung dieser sogenannten „traits school“ sinnvoll wĂ€re (Frese, 2009). Die unternehmerischen Eigenschaften sollen nicht ausgeblendet werden, sie sind nur nicht mehr der Ausgangspunkt der Analyse, sondern machen Platz fĂŒr einen mehr verhaltensbasierten Ansatz. Ziel ist der sukzessive Entwurf einer entscheidungsorientierten Opportunity Map, die die Dimensionen des unternehmerischen Entscheidungsprozesses rund um die unternehmerische Gelegenheit erfasst. Um diese zu erklĂ€ren, wird das Verhalten der Entscheider in der Literatur grĂ¶ĂŸtenteils mit persönlichen Charaktereigenschaften (z. B. Shane, 2000) und kognitiven Prozesse (z. B. Busenitz und Barney, 1997) erklĂ€rt (Shepherd, 2015). Die unternehmerische Gelegenheit kann als (Entscheidungs-)Situation zur Schaffung eines neuen Mittel-Zweck-Rahmens fĂŒr die Neukombination von Ressourcen mit positivem Erwartungswert definiert werden. Die Entscheidungssituation zur unternehmerischen Gelegenheit – wie in der Opportunity Map abgebildet – zeichnet sich mithin dadurch aus, dass der Entscheider mangels eines eingeschrĂ€nkten Informationsstandes ĂŒber Marktpreise und -reaktionen als Entscheidungsgrundlage keine existierenden Mittel-Zweck-Rahmen zur Optimierung seiner unternehmerischen Entscheidungen heranziehen kann. Vielmehr muss er diese Mittel-Zweck-Beziehungen selbst schaffen fĂŒr die Neukombination der vorhandenen Ressourcen. Entsprechend bewegt er sich im Ungewissen ĂŒber die Konsequenzen seiner unternehmerischen Entscheidung zur Wahrnehmung der Opportunity, die profitabel sein kann, es aber nicht sein muss. Er wird die Gelegenheit wahrnehmen, wenn diese einen positiven Erwartungswert besitzt, d. h., die Kosten zur Neukombination der Ressourcen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit unter dem geschĂ€tzten Marktwert liegen.

3.2 Entstehungsursachen fĂŒr unternehmerische Gelegenheiten

Mit dem eingefĂŒhrten EntscheidungskalkĂŒl des Entrepreneurs sind zugleich die Ursachen fĂŒr die Opportunity (vgl. Abbildung 3-2) schon angesprochen.
Wenngleich sich das Thema Opportunity wĂ€hrend der letzten Dekade großer Beliebtheit erfreut hat (z. B. Alvarez und Barney, 2007; McMullen und Shepherd, 2006; Shane und Venkataraman, 2000), ist die Forschung sich noch nicht einig, wie die Prozesse zur Entstehung unternehmerischer Gelegenheiten funktionieren. Zwei Schulen sind zu unterscheiden:
Die „discovery school“ nimmt an, dass externe Schocks suboptimale MarktverhĂ€ltnisse herbeifĂŒhren. In diesen ist es möglich, Ressourcen so zu (re-)kombinieren, dass sie einen Profit generieren (Shane, 2012). Diese Situationen sind zwar risikobehaftet, ihr Wert kann aber mithilfe von Wahrscheinlichkeiten berechnet werden. FĂŒr den Unternehmer ist es vor allem wichtig, objektive Informationen ĂŒber den Markt zu generieren und aufmerksam darauf zu achten, ob Opportunities entstehen (z. B. Shane, 2004a).
Dagegen sind Opportunities nach der „creation school“ Artefakte, die durch die Aktionen der Unternehmer endogen entstehen. Hier stehen VerĂ€nderungen in der Person des Entscheiders im Mittelpunkt, die den Zugang zu den relevanten Informationen fĂŒr die neue Opportunity vermitteln. Diese Situationen sind von Natur aus unsicher. Weder die möglichen Ergebnisse noch deren Wahrscheinlichkeiten sind bekannt. Die Herausforderung ist nicht, ein bereits existierendes Umfeld optimal zu nutzen, sondern ein neues Umfeld aufzubauen (Alvarez und Barney, 2007). Des Weiteren wird hier eine Opportunity erst wertvoll, wenn andere Individuen ihren Wert anerkennen und so ein Markt entsteht (Venkataraman et al., 2...

Inhaltsverzeichnis