Für agiles Arbeiten gibt es kein Patentrezept. Viele Unternehmen wissen daher nicht, wie sie aus ihrem "klassischen" Denken und Handeln den Wandel zu einer agilen Organisation erfolgreich gestalten können.Der AGILE Cycle® ermöglicht Organisationen zum einen den sanften Einstieg in die Agilität, hilft agile Transformationen weiterzuentwickeln, wenn der Umstellungsprozess bereits begonnen hat, und zeigt zum anderen, wie bereits agile Organisationen den Stand ihres agilen Arbeitens überprüfen und optimieren können.Der AGILE Cycle®: - Phase 1: Arouse Agile Awareness- Phase 2: Ground and Anchor Agile Ways of Thinking- Phase 3: Implement Methods- Phase 4: Learn- Phase 5: Evaluate the Agile Status Quo

- 304 Seiten
- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
Information
Thema
BetriebswirtschaftThema
Verwaltung1 Unser gemeinsames Ziel: agil
1.1 Was genau ist eigentlich diese Agilität, von der alle sprechen?
Du kennst sicherlich noch die Werbung von »Maoam« und den dazugehörigen Slogan »Was wollt ihr denn?«, oder? Während früher alle »Maoam!« gerufen haben, rufen heute alle »Agil sein!«. Gut, das ist vielleicht etwas überspitzt dargestellt, aber in den letzten Jahren merke ich als Agile Coach1 immer mehr, wie wichtig das Thema Agilität für Organisationen wird. Und ich erlebe es definitiv nicht als kurzfristigen Trend, der bald wieder vorbei ist. Ich erlebe das Agil-Werden-und-Sein als absolute Notwendigkeit, wenn man im Wirtschaftskarussell heute noch mitfahren möchte. Bevor wir beide ins Thema eintauchen, möchte ich dir eine kurze Definition von »Agilität« geben und ein Verständnis davon schaffen, welche Kriterien eine agile Arbeits- und Denkweise erfüllen sollte.
Agilität wird definiert als »die Fähigkeit einer Organisation, sich kontinuierlich und dynamisch an ihre komplexe, turbulente und unsichere Umwelt anzupassen«2. Persönlich mag ich auch diese etwas ausführlichere Definition gerne: »Agilität ist die höchste Form der Anpassungsfähigkeit. Ein agiles Unternehmen hat die Fähigkeit Veränderungen möglichst rechtzeitig zu antizipieren und dabei der Konkurrenz möglichst zwei Schritte voraus zu sein. Ein agiles Unternehmen reagiert nicht nur auf Rahmenbedingungen, sondern ist selbst innovativ. Agile Organisationen sind fähig ständig zu lernen und dieses Wissen allen relevanten Personen zur Verfügung zu stellen.«3 Was du an den beiden Definitionen sehen kannst: Es gibt nicht die eine richtige Definition von Agilität. Der Begriff ist bis heute unscharf und variiert je nach Kontext. Für mich persönlich sind folgende Punkte essenziell, wenn man sich als Organisation »wir sind agil« auf die Fahne schreiben möchte:
- das Leben einer flexiblen Denkweise (Mindset) und flexibler Verhaltensweisen
- eine grundlegende Offenheit gegenüber neuen und sich verändernden Situationen
- Krisen als Chance und nicht nur als böses Übel zu sehen
- den Mut zu haben, sich aus undienlichen, starren Situationen zu lösen
- sich trauen, neue Wege zu gehen und dabei Fehler als Geschenk anzusehen
- proaktiv zu denken und zu handeln, um nicht »Opfer der Umstände« zu sein
- den Menschen in der Organisation den Raum zu geben, die beste Version von sich selbst zu sein
- regelmäßige Abstimmungen und transparente Kommmunikation (mit Kunden, im Team etc.)
1.2 Let’s get started – worum es in diesem Buch geht
»Wir sind schon lange agil!« – diesen Satz höre ich immer wieder, wenn ich als Agile Coach Unternehmen beratend zur Seite stehe. Der nächste Satz folgt dann prompt: »Ja, aber so richtig überzeugt sind wir von dieser Agilität noch nicht – vielleicht ist es auch einfach mal wieder nur so ein Trend, der, so schnell wie er gekommen ist, auch wieder vorbei ist«.
Wenn ich dann gezielt nachfrage: »Beschreiben Sie doch mal, wie Agilität in Ihrer Organisation aussieht«, dann erhalte ich oft die Antwort: »Ja, wir machen Scrum4 – gut, oder?« Ja, das ist sicher schon mal ein erster, aber dafür nur ein Mini-Minischritt in Richtung Agilität. Denn: Agil zu werden, zu sein und zu bleiben ist so viel mehr, als nur Scrum einzusetzen. Agil zu sein ist eine Einstellung, ein Lebensgefühl, ein Mindset, das sich durch die gesamte Organisation ziehen sollte – vom Hausmeister5 (a. k. a. Facility Manager) über alle Fachabteilungen bis hin zur Führungsetage.
In meinem Alltag habe ich schon die unterschiedlichsten Organisationen aus den verschiedensten Branchen auf ihrem Weg in die Agilität begleitet und wenn ich ehrlich bin: Bisher habe ich kaum eine Organisation angetroffen, die wirklich so richtig agil ist – und mit »so richtig agil« meine ich, dass das agile Mindset im gesamten Unternehmen gelebt und in den Projekten/bei den Tätigkeiten, bei denen es sinnvoll ist, mit passenden agilen Methoden umgesetzt wird. Aber das Spannende daran: Viele dieser Firmen sind fest davon überzeugt, dass sie bereits gänzlich agil sind. Ja, so ist das eben mit dieser verflixten Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Was ich als Agile Coach in sehr vielen Organisationen vorfinde, ist eine »Pseudo-Agilität«. Die Organisation sagt (und ist auch fest davon überzeugt), dass sie agil ist, blicke ich aber hinter die »agile« Fassade, dann sehe ich es an vielen Stellen bröckeln. Denn meistens befindet sich hinter dieser Fassade eine festgefahrene, hierarchische und traditionelle Denkweise – aber definitiv kein Mindset, das in der Agilität fest verankert ist.
Und genau dieses in der Agilität verankerte Mindset ist der Schlüssel zum Agilsein. Und auch wenn viele Organisationen aufgrund des Einsatzes von Scrum behaupten, agil zu sein, erlebe ich in meinem Berufsalltag etwas anderes: Ich darf immer wieder aufs Neue feststellen, dass in dem ganzen Agilitätswahn vergessen wird, den ausschlaggebenden Erfolgsfaktor – die Mitarbeiter – auf die agile Reise mitzunehmen. Wie soll denn unter diesen Bedingungen ein agiles Mindset entwickelt werden? Sorry, aber nur durch den Einsatz von Scrum oder einer anderen agilen Methode wurde noch nie ein agiles Mindset in der gesamten Organisation etabliert.
Und vielleicht kennst du es bereits aus der Projektarbeit oder deinem Arbeitsalltag: Neben der Zeit, den Kosten und den verfügbaren Ressourcen sind Menschen (und das Miteinander dieser Menschen) oft der ausschlaggebende Faktor, warum Projekte/Arbeiten scheitern. Mit diesem Wissen im Hinterkopf kann der »Schuss nur nach hinten losgehen«, wenn du dich – ohne einen konkreten Plan – Hals über Kopf in die Agilität hineinstürzt. Meine Prognose an dieser Stelle: Wenn du die Menschen aus deiner Organisation nicht mit auf die agile Reise nimmst, dann kannst du gleich bei der nächsten Raststätte anhalten und ich verspreche dir: Die meisten werden verärgert aussteigen und sich über diese unkomfortable Reise beschweren. Und eines ist sicher: Eine 5-Sterne-Bewertung bekommst du für diese Aktion garantiert nicht.
Aber das soll kein Vorwurf sein. Und um für uns allen den Druck herauszunehmen: Agil zu werden braucht Zeit. Und Geduld. Und Zeit. Und Durchhaltevermögen. Und Zeit. Es ist überhaupt nicht einfach und auch nicht möglich, aus einer klassisch organisierten Unternehmensstruktur von heute auf morgen agil zu werden. Du kannst es dir ungefähr so vorstellen: Es ist so, als würdest du deine Pommes viel zu früh aus der Fritteuse oder dem Backofen nehmen. Du hast dann zwar Pommes, aber sie sind irgendwie weder schön knusprig noch wirklich lecker – und das einfach nur, weil ihre Zeit noch nicht reif war. Und dieses Bild kann auch aufs agile Arbeiten übertragen werden: Führt man agiles Arbeiten ein, ohne dass die Organisation und vor allem die Menschen bereit dafür sind und ohne dass ein agiles Mindset besteht, dann ist das agile Arbeiten alles andere als eine »Geschmacksexplosion«.
Um agil zu werden und zu bleiben, braucht es also ein gut durchdachtes Konzept, das die Menschen (und noch mal: Mit Menschen meine ich alle – vom Management über die Führungskräfte bis hin zu allen Mitarbeitern) in deiner Organisation in den Mittelpunkt stellt. Und genau dieses Konzept erarbeite ich gemeinsam mit dir in diesem Buch. Und damit wir unsere agile Reise zusammen meistern können, nehmen wir uns den von mir entwickelten Agile Cycle zu Hilfe. In diesem Sinne – Ziel: agil.

Tipp
Einen Tipp habe ich an dieser Stelle noch: Werde agil, wenn der Druck, etwas zu ändern, noch nicht so groß ist. Jetzt sehe ich ein Fragezeichen in deinen Augen – stimmts? Gerne erkläre ich dir, was ich damit meine: In meinen Beratungen mache ich meine Kunden auf die Vorteile eines »change by design, not by desaster« aufmerksam. Deine agile Reise wird viel entspannter, wenn du aktiv entscheidest, mit deiner Organisation agil werden zu wollen, und nicht in die Situation gerätst, irgendwann – z. B. durch eine Krise – agil werden zu müssen. Ich sage nicht, dass Letzteres nicht möglich ist, es wird aber viel herausfordernder, als wenn du die Segel für deine agile Reise bei ruhigem Wind und Sonne und nicht im Orkan setzt.
1.3 Schön, dass du dich für dieses Buch entschieden hast
Schön, dass dieses Buch den Weg in deine Hände gefunden hat. Ich habe mir lange überlegt, wie ich dich, meinen Leser, anspreche. Und ich habe mich dann schlussendlich für das »Du« entschieden. Ich hoffe natürlich, dass es für dich okay ist, wenn ich dich duze – denn für mich startet Agilität schon bei so einfachen Dingen wie der Anrede. Agil zu sein bedeutet für mich, neue Wege zu gehen und alte, festgetretene Pfade zu verlassen – wir verlassen also gemeinsam die klassischen, im Deutschen vorherrschenden »Sie«- und »Man«-Pfade, die beide gehäuft in der Literatur verwendet werden. Zudem wirst du feststellen, dass ich nicht die klassische »Fachbuch-Sprache« verwende, denn ich persönlich finde sie oft viel zu kompliziert und auch nicht besonders angenehm zu lesen – warum es also schwer machen, wenn es auch leicht geht, oder? Ach ja, eine Kleinigkeit noch zu meinem Schreibstil: An einigen Stellen werde ich englische Begriffe verwenden (und ganz ehrlich, einige Wörter hören sich in der englischen Sprache einfach besser und auch irgendwie cooler an). Ich gebe mein Bestes (Ehrenwort!), dich inhaltlich so mitzunehmen, dass dich die englisch...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Hinweis zum Urheberrecht
- Impressum
- 1 Unser gemeinsames Ziel: agil1.1 Was genau ist eigentlich diese Agilität, von der alle sprechen?
- 2 Deine Schritte in die Agilität mit dem Agile Cycle
- 3 Phase 1: Arouse Agile Awareness
- 4 Phase 2: Ground and Anchor Agile Ways of Thinking
- 5 Phase 3: Implement Methods
- 6 Phase 4: Learn
- 7 Phase 5: Evaluate the Agile Status Quo
- 8 Was ich zum Schluss noch sagen möchte
- Literaturverzeichnis
- Die Autorin
- Stichwortverzeichnis
- Arbeitshilfen Online
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