Die Businesswelt hat begriffen, dass es in der heutigen komplexen Welt nötiger denn je ist, agil zu handeln. Gleichzeitig schlägt sie den Holzweg ein: Die Planung wird erhöht, die Komplexität reduziert und alle setzen auf Big Data.Die Natur macht das genaue Gegenteil. So kann sie sich jederzeit schnell und wandlungsfähig an verändernde Umweltbedingungen anpassen - und ist agiler als jedes Unternehmen. Wer agil sein will, muss umdenken!Barbara Niedner schildert, was Unternehmen und Führungskräfte im Hinblick auf Agilität vom komplexen System Natur lernen können und wie der Ausstieg aus den betrieblichen Routinestrukturen gelingt. Mit innovativen Ideen und Praxisbeispielen verdeutlicht sie, wie Unternehmen mit der Natur als Vorbild agil, anpassungs- und überlebensfähig werden.Erfahren Sie, warum Forecasts und Absicherungen reine Ressourcenverschwendung sind!Inhalte: - Agile Alphas- Die Natur plant nicht - und ist gerade dadurch agiler als jedes Unternehmen- Was passiert, wenn wir weniger planen?- Die Natur floriert durch Vielfalt - Wege aus der Monokultur-Falle- So agiert die Natur in der VUKA-Welt- Sex - Vorhandenes neu msichen- Das Pusteblumenprinzip: Erfolgsfaktor Zufall- Vielfalt statt Einfalt- Komplexe Systeme verstehen und den "Faktor Mensch" nicht unterschätzen- Entscheidungsfähiger durch verhaltensbiologisch verankerte Universalien- Agilität schüren durch: Beobachten, Begreifen, Probieren, Handeln

- 169 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
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Thema
BetriebswirtschaftThema
Verwaltung1 Die Natur plant nicht - und ist gerade dadurch agiler als jedes Unternehmen
„Menschen planen wie wild.
Die Natur macht einfach.“
Die Natur macht einfach.“

1.1 Warum Planen so wichtig für uns ist
Im Geschäftsleben gilt: Eine klare Sicht der Zukunft führt zu Erfolg. Je besser der Plan, desto besser die Steuerung eines Unternehmens.
Mit Planung wollen wir uns Ziele setzen und erreichen. Dafür sammeln wir Fakten aus der Vergangenheit bis zur Gegenwart und projizieren diese als gewünschte Entwicklung in die Zukunft. Ergänzend versuchen wir, künftige Ereignisse vorherzusehen, wie beispielsweise den Bedarf unserer Kundschaft. Wir treffen also Vorhersagen, wie die Zukunft aussehen soll. Aus Fakten der Vergangenheit definieren wir Sollgrößen für die Zukunft. Wer X erreichen will, muss A, B und C tun.
In einem Plan stecken Vermutungen und Vorstellungen, wie es künftig ablaufen soll. Das führt zu der berühmten Lücke zwischen dem Jetzt und der Zukunft, die wir anstreben. Dafür ziehen wir Rückschlüsse aus bisherigen Entwicklungen, bauen auf vorhandenen Erfahrungen auf und stützen das Ganze auf allerlei Annahmen. Wir erstellen Prognosen, wie es werden soll. Nicht quantifizierbare Größen und dynamische Entwicklungen werden dabei entweder vernachlässigt oder in vereinfachter Form in Zahlen gepackt.
Für die Umsetzung haben wir Strategien, implementieren To-Dos, setzen Meilensteine und kontrollieren, inwieweit wir dem, was geplant wurde, gerecht werden. An diese oft fein säuberlich erstellten Pläne halten wir uns fast schon sklavisch, als ob sie in Stein gemeißelt wären. Abweichungen auf dem Weg zum Ziel werden mehr oder minder als Katastrophe wahrgenommen und führen bei Alphas zu Bonusabzügen. Deshalb beinhaltet ein erstellter Plan auch gleich noch Maßnahmen zum Gegensteuern, um das Soll sicher zu erreichen.
Dass es anders kommt als erwartet, ist Planungsalltag in Unternehmen. Oft wird in letzter Minute an den Zahlen geschraubt, damit es zumindest nach außen passt. Seien wir mal ehrlich: Die meisten Pläne, die wir machen, sind bei ihrer Fertigstellung schon überholt.
Da die Abstimmungsprozesse zum Erstellen sehr aufwendig sind, hat kaum einer Lust, noch mal von vorne zu beginnen, und so werden die Pläne modifiziert umgesetzt. Täglich sitzen Legionen von Führungskräften an ihren Tastaturen und rechtfertigen in Monats-, Quartals- und Jahresberichten, warum es zu Abweichungen kam. Da müssen gute Gründe gefunden werden!
Wie wir planen

„Wir schmieden Pläne, die auf dem Wissen der Vergangenheit, der Gegenwart und der vermeintlichen Zukunft beruhen.“
Die Frage ist: Geht der Plan auf? Wir könnten meinen, es komme darauf an, wie gut geplant wurde. Doch tatsächlich funktioniert Planung nur unter gewissen Umständen.
Planung funktioniert bei Wachstum
Komplexe Systeme verhalten sich bei konstantem Wachstum relativ stabil. Dahinter steckt so eine Art Sogwirkung. Ist Wirtschaftswachstum da, lässt es sich gut und sicher planen. Alphas lieben das Wachstum, weil sie dadurch die Entwicklung im Griff haben, statt sich mit der Komplexität von Systemen beschäftigen zu müssen.
Allerdings gibt es weder in der Wirtschaft noch in der Natur ein grenzenloses Wachstum. Alle gesunden Wachstumsvorgänge, so rasch sie beginnen mögen, tendieren schließlich zur Verlangsamung bis zu einer optimalen Grenze. Kein Baum wächst in den Himmel. Auch das Wachstum des Menschen, so schnell die Entwicklung im Mutterleib und in den ersten Lebensjahren verläuft, hört mit circa 20 Jahren auf. Und das aus gutem Grund! Denn würde der Mensch über die optimale Größe hinaus ständig weiterwachsen, ginge er an der eigenen Übergröße zugrunde. Stellen Sie sich einmal vor: Stolze 25 Zentimeter wächst ein Baby in den ersten zwölf Monaten. Wenn Sie dieses Wachstum mit ihrem Lebensalter multiplizieren, gäbe es viele Menschen, die über zehn Meter in die Höhe ragen! Nur krankhaft entartete Zellen, beispielsweise Tumoren, wuchern grenzenlos.
Die Natur und auch unsere Weltwirtschaft ist ein sehr komplexes, offenes System, das vielfältig verknüpft und verflochten ist. Komplexe Systeme sind aufgrund ihrer zahlreichen Einflüsse nicht planbar (siehe Kapitel 3). Können Sie beispielsweise wirklich die emotionale Stimmung und finanzielle Lage Ihrer Kundschaft im Voraus planen? Natürlich nicht - ebenso wenig, wie Sie voraussagen können, wie viele Kunden tatsächlich Ihre Produkte kaufen werden.
Komplexe Systeme werden jedoch durch gutes Wachstum planbarer. Auch der Finanzhaushalt der Bundesregierung setzt auf Wachstum. In Zeiten des Wirtschaftswachstums läuft alles nach Plan. Ist jedoch die Zukunft ungewiss, wird es immer komplexer und unvorhersehbarer. Die Variablen sind zu groß. Stagnieren Unternehmen oder ändern sich Märkte disruptiv, wie das in der digitalen Ära momentan der Fall ist, gehen Pläne, die auf Wachstum setzen, nicht mehr auf.
Planung funktioniert bei Verschuldung
Wachstum kann auch künstlich geschaffen werden, indem wir subventionieren oder uns verschulden. Das ist eine Antriebskraft der Wirtschaft, die derzeit schwindelerregend hoch ist. Der weltweite Schuldenberg1 liegt bei 202.000.000.000.000 Euro!
Volkswirte gehen davon aus, dass die Staatsverschuldung und Kredite in den letzten 30 Jahren das Wachstum stark angekurbelt haben.
Planung funktioniert bei Stillstand
Wenn Sie genug Zeit haben und sich von der Erstellung der Pläne bis hin zu ihrer Umsetzung nichts ändert, also die Zeit sozusagen eingefroren ist, dann funktionieren Pläne auch. Den Ist-Zustand in einem stillstehenden Uhrwerk können Sie in Ruhe messen. Ist das Uhrwerk sehr groß und besteht aus extrem vielen kleinen Zahnrädern, dann wird es aufwendiger. Sobald die Zeit weiterläuft, steigt der Aufwand drastisch. Aber es ist immer noch möglich, und solche Prozesse lassen sich natürlich gut digitalisieren. Wirken Einflüsse von außen, gibt es bereits beim Ist-Zustand ein Problem. Beim Wetter stoßen wir schon beim Erfassen des Ist-Zustands auf Grenzen, da die überwiegende Fläche der Erde aus Ozeanen besteht und dort keine Wetterdaten erfasst werden können. In lebendigen komplexen Systemen ist Veränderung mit vielen Einflüssen von außen aber der Normalzustand. Je komplexer und lebendiger ein System ist oder wird, desto weniger lässt es sich sauber planen. Auch ein Unternehmen lässt sich nicht, wie bei einer Inventur, komplett stilllegen - geschweige denn sich rasant verändernde disruptive Märkte oder global wirkende politische Strömungen.
Planung funktioniert bei kurzfristigem Profit
… Und das rächt sich später immer. So planen Sie Einsparungen in der Produktion, haben aber später mehr Reklamationen, frustrierte Kunden und Ihr Image ist angekratzt. Oder Sie verkaufen einer Kundin ein Produkt, bei dem Sie momentan eine gute Marge haben, obwohl die Kundin eigentlich etwas anderes gebraucht hätte. Im Vertrieb wird oft extrem kurzfristig etwas vorangetrieben, um Absatzziele zu erfüllen. Mit voller Energie wird der Plan erfüllt, egal wie. Das macht die Reputation kaputt und vergrault bestehende Kunden. Auch kurzfristige Einsparungen durch den Einkauf können langfristig höhere Kosten generieren. Genauso können Sie Anschaffungen innerhalb eines Unternehmens hinauszögern, um den Plan einzuhalten. Kurzfristige Ziele, die Sie als Erfolgskontrolle für ursprünglich Geplantes setzen oder selbst verfolgen müssen, verführen zu kurzsichtigen Handlungen: Es ist Ihnen eher egal, was danach passiert - dabei ist es doch klüger, ein nachhaltig langfristiges Business aufzubauen.
Viele Alphas definieren sich über Erfolg und Planerfüllung. In der Regel basiert die Einschätzung, ob Unternehmen und damit die jeweiligen Führungskräfte erfolgreich sind, auf profitablem Wachstum. Die größte Bedrohung ist Stagnation oder, noch schlimmer, Rezession in der Wirtschaft. Ohne Wachstum sind Unternehmen gezwungen, Kosten schmerzhaft zu reduzieren, was oft mit dem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden ist. Das kann und will sich keiner auf Dauer vorstellen.
Stagnation ist aber in der Natur über lange Phasen hinweg der Normalzustand. Parallel ist sie auf abrupte Änderungen und Massensterben vorbereitet, indem sie immer Optionen in petto hat, die das Überleben in einem neuen Umfeld ermöglichen. So haben wir Säugetiere beim Meteoriteneinschlag und dem großen Massensterben der Dinosaurier eine Chance erhalten, die Erde zu erobern.
Künstliches Wirtschaftswachstum

Eins muss uns bewusst werden: Dass Pläne in der Vergangenheit oft funktioniert haben, liegt vor allem daran, das in den letzten Jahrzehnten das Wirtschaftswachstum durch Verschuldung künstlich erhalten wurde.
1.1.1 KPIs für mehr Sicherheit?
Planung ist aus gewachsenen Strukturen und Hierarchien heraus entstanden: Das haben wir schon immer so gemacht. Alphas, die Entscheiderinnen und Entscheider in einem Unternehmen, streben nach Sicherheit und Kontrolle. Um die Komplexität in den Griff zu bekommen, werden Pläne und Key Performance Indicators (KPIs) eingesetzt. KPIs sind standardisierte Kennzahlen, mit denen die Leistung im Unternehmen messbar gemacht wird. Sie sollen beschreiben, wie gut diverse Prozesse im Unternehmen laufen, sichtbar machen, ob ein Unternehmensbereich seinen Zweck erfüllt, aufzeigen, ob wir gute oder schlechte Arbeit leisten und zeitlich im Plan liegen.
Das ist prinzipiell eine gute Sache, hat aber auch Nebenwirkungen: Zu viele KPIs und ihre Überbewertung führen zu einer massiven Ressourcenverschwendung. Plus: Wer nur auf Kennzahlen schielt, wiegt sich in einer gefährlichen Sicherheit. Denn Kennzahlen klingen immer bestechend logisch. Sie werden sorgsam definiert, erklärt und in Zahlen oder prozentualen Abweichungen ausgedrückt. Das macht sie zu vermeintlich verlässlichen Tatsachen. Doch das täuscht.
Die Grenzen und Stolpersteine zeigen sich, wenn wir näher hinsehen: Was steckt hinter dem Wunsch, solche Indikatoren zu haben, mit denen das Einhalten der Pläne fortschreitend geprüft wird?
Sicher ankommen

KPIs sollen uns Sicherheit geben, dass wir das Ziel, das wir uns in Plänen gesteckt haben, auch erreichen. So schaue ich regelmäßig auf die Uhr, um zu wissen, ob ich rechtzeitig ankomme. Beim Blick auf die Uhr kalkuliere ich nach vorne, ob ich es noch pünktlich schaffe. Heute übernimmt das oft ein Navigationssystem. Im Auto zeigt es mir die Ankunftszeit an. Bei ruhiger Verkehrslage klappt das relativ gut, wobei es da reichen würde, vor der Abfahrt einmal zu errechnen, wie lange ich für eine bestimmte Strecke brauche. Und mir reicht ein kurzer Blick zur Absicherung, dass alles im Lot ist.
Doch Idealbedingungen gibt es kaum. Es gibt immer Variablen. Bei starkem Verkehrsaufkommen, Unfällen oder winterlichen Straßenverhältnissen wird es sehr vage. Das Navi springt in der Ankunftszeit hin und her. Die ganze Zeit heißt es bibbern: Schaffe ich es pünktlich oder schaffe ich es nicht? Das Navi rechnet und rechnet, manchmal schlägt es eine alternative Route vor - doch oft nutzen viele andere diese Route auch, was neue Einflussfaktoren mit sich bringt. Trotz aller Messwerte und konsequenter Checkerei sind Ankunftszeit und die...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Hinweis zum Urheberrecht
- Impressum
- Agile Alphas
- 1 Die Natur plant nicht – und ist gerade dadurch agiler als jedes Unternehmen
- 2 Die Natur floriert durch Vielfalt – Unternehmen bremsen sich durch Einfalt
- 3 Für die Natur gehört Komplexität zum Tagesgeschäft
- 4 Die Natur trifft schnelle Entscheidungen
- Anhang
- Die Autorin
- Danksagung
Häufig gestellte Fragen
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