Erfolgsfaktor Teamarchitektur
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Erfolgsfaktor Teamarchitektur

Aufbau, Entwicklung und Führung von High Performance Teams

  1. 217 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Erfolgsfaktor Teamarchitektur

Aufbau, Entwicklung und Führung von High Performance Teams

Über dieses Buch

Heute werden bereits rund achtzig Prozent der Unternehmensleistung in Teams erbracht. Und doch sind Teams bei weitem nicht so effektiv, wie sie sein könnten. Die Zahlen zu Engagement, Produktivität und Zufriedenheit sind hier seit Jahren eindeutig. Doch was hält Teams davon ab, mit voller Energie und Enthusiasmus zusammen zu arbeiten? Wie wird Rollenklarheit vor allem in kritischen Situationen der Zusammenarbeit geschaffen? Was macht High Performance am Arbeitsplatz wirklich aus und wie kann sie letztlich erreicht werden?Die Autoren nutzen hochwirksame Prinzipien aus dem Spitzensport, um den Antworten auf diese Fragen näher zu kommen. Sie zeigen Lösungen, die nicht nur faszinierend, sondern vor allem leicht verständlich und umsetzbar sind. Jedes Team profitiert aus dem Dreiklang zwischen Fachwissen, Selbsterleben und prominenten Fallbeispielen aus der Praxis.Inhalt- Jedes WIR beginnt beim ICH: Kenne ich meinen inneren Antrieb?- Rollenklarheit und Verantwortung: Was ist hier eigentlich genau mein Job?- Wachstum und Vertrauen: Auch harte Kerle müssen sich mal anlehnen- Das ICH und das WIR: Hard Love Leadership als Lösung- Spielsituationen antizipieren statt Hierarchien manifestieren: in Prinzipien denken!- Sicherheit und Konflikt: Wie 20, - EUR zu Olympia-Gold führten- Big Data und KI: Wie nutze ich Daten für die Menschen und nicht andersherum!?

Information

Verlag
Haufe
Jahr
2020
ISBN drucken
9783648145210
eBook-ISBN:
9783648145227

1 Persönliches Engagement

Es gibt Menschen, die stehen montags auf und gehen tatsächlich voller Leidenschaft zur Arbeit. Was sind das für Leute? Wo findet man sie? Und liegt dieses für einen Montagmorgen doch eher ungewöhnliche Verhalten an der Unternehmenskultur, dem Verhalten der Führungskräfte oder doch der guten Bezahlung?
Die moderne Teamwissenschaft geht heute davon aus, dass letztlich keiner der genannten Faktoren für empfundenes Glück und Zufriedenheit im Team ausschlaggebend ist. Vielmehr scheint es uns Menschen darum zu gehen, wie gut wir unsere persönlichen Wertvorstellungen und Interessen innerhalb und im Umfeld unseres Teams wiederfinden. Wenn du bereits mehrere berufliche Stationen durchlaufen hast, empfehlen wir dir jetzt gerne den »Fallhöhe-Test«. Und der geht ganz einfach so:
Der Fallhöhe-Test
Gehe kurz in dich und erinnere dich an die empfundene, emotionale Fallhöhe von Sonntag auf Montag in den unterschiedlichen Stationen deiner beruflichen Karriere. Was fällt dir auf?
Wenn es dir geht wie den meisten von uns, dann ist die Fallhöhe in einem Team, das deine persönlichen Werte teilt und in dem deine individuellen Perspektiven geschätzt werden, deutlich geringer als in einem Team, in dem das nicht der Fall ist. Das liegt daran, dass geteilte Werte und das Gefühl, am richtigen Platz zu sein, nahezu immer zu etwas führt, das wir persönliches Engagement nennen. Ein Schlüssel zum Teamerfolg besteht also darin zu entschlüsseln, was deine Mitarbeiterinnen wirklich antreibt. Denn auf Basis dieser Erkenntnis kannst du genau das Problem anpacken, das – nach Studienlage sowie nach eigenem, schmerzhaftem Erleben in der Teamführung – seit Jahren (weltweit) vorherrscht: das Engagement in Teams. Stell dir mal vor, welche menschlichen und betriebswirtschaftlichen Hebel du in Richtung High Performance Team ansetzen könntest, wenn du als Führungskraft diese Herausforderung in den Griff bekommst.
Genau deshalb ist dieses Kapitel entstanden. Wir wollen dich dabei unterstützen, dass auch dein Team sich sowohl verstanden als auch am richtigen Platz fühlt. Um das zu erreichen, zeigen wir dir spannende Parallelen zur Entschlüsselung des persönlichen Engagements zwischen Leistungssport und Businessteams, die dir sonst verborgen geblieben wären. Legen wir los!

1.1 Warum wir den Erfolg nicht spüren

Mount Everest im Mai 1978: Fast genau 25 Jahre nach der Erstbesteigung des 8848 Meter hohen Berges erreicht Reinhold Messner als erster Bergsteiger die »Welt-Spitze« ohne künstlichen Sauerstoff. Eine Sensation, die Mediziner und andere Experten zuvor für unmöglich gehalten hatten. Später wird Messner allerdings berichten, dass keines der (Glücks-)Gefühle eintrat, die er sich vorher von diesem Moment versprochen hatte. Er spürte in den Höhen des Himalayas lediglich eine tiefe, innere Leere und nur einen Wunsch: zurück ins Tal.
Monza, in der Nähe von Mailand, 10. September 2000: Michael Schumacher gewinnt den Formel-1-Grand-Prix von Italien und schließt mit seinem 41. Sieg endlich zu seinem großen Vorbild Ayrton Senna auf. Als Schumacher bei der anschließenden Pressekonferenz darauf angesprochen wird, verschlägt es ihm die Sprache. Er senkt seinen Blick, versteckt das Gesicht unter seiner Kappe und bricht in Tränen aus. Zweimal setzt er an und versucht, den Journalisten zu antworten, aber er schafft es nicht.
Was ist in beiden Fällen passiert? Beiden Ausnahmesportlern ist nach eigenen Aussagen jeweils in dem Moment bewusst geworden, dass sie genau zu diesem Zeitpunkt den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht hatten. Und dass genau die Gefühle und Empfindungen nicht aufkamen, die sie sich vorgestellt hatten.
Nehmen wir noch das Beispiel von Kevin-Prince Boateng. Ein polarisierender Profifußballer, der bereits in den besten Ligen der Welt gespielt hat und in finanzielle Größenordnungen vorgedrungen ist, die den meisten von uns wohl verschlossen bleiben. Spannenderweise enthüllte er in einem Interview, dass er einmal drei teure Luxusautos an einem Tag gekauft hatte, als er bei Tottenham Hotspur in London unter Vertrag stand. Doch was bewegte ihn dazu? Während eines Interviews mit der italienischen Zeitung La Repubblica erklärte er:
»Ich habe nicht gespielt und stand nicht mal im Kader. Ich habe nach Glück in materiellen Dingen gesucht. Ein Auto macht dich eine Woche lang glücklich. Da habe ich einfach drei gekauft, um drei Wochen lang glücklich zu sein. Leider habe ich gelernt, dass das so nicht ganz klappt.«
Natürlich wussten wir schon vor Boateng, dass Geld allein nicht glücklich macht und somit nicht der eigentliche Sinn der Arbeit sein kann, oder doch nicht? Denn einige von uns scheinen das ganz anders zu sehen. Oder wie sind die erstaunlich vielen Personen zu erklären, die mit einer 80-Stunden-Woche und wenig Sozialleben einzig auf ihren gelben Porsche 911 Turbo hinarbeiten? Es gibt immer noch zu viele Menschen, die ihre Arbeitsmotivation über Geld oder – wie im Fall von Schumacher und Messner – das Erreichen eines vermeintlichen Karrierehö-hepunkts finden wollen. Leider führt dies dazu, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die meisten Menschen ganz offensichtlich nicht das machen, was ihnen dauerhaft das Gefühl gibt, in ihrem Element zu sein.
Unser Standpunkt: Den meisten Menschen – und damit natürlich auch den meisten Teams – geht sehr viel Potenzial dadurch verloren, dass sie sich im Bereich der persönlichen Orientierung auf etwas konzentrieren, das in ihnen kein echtes persönliches Engagement auslöst. Aus diesem Grund ist es uns besonders wichtig, die individuelle Perspektive und Sinnhaftigkeit der Arbeit an den Anfang unserer gemeinsamen Reise zu stellen.

1.2 Wie sieht dein Weg aus?

Peking, Olympische Spiele 2008: Der Ausnahmeschwimmer Michael Phelps tritt in acht Rennen an, gewinnt acht Goldmedaillen und wird damit zum erfolgreichsten Olympioniken der Geschichte. Was für eine Dominanz. Im Internet finden wir zahlreiche Videos seines Trainingsalltags. Markant sind die Aufnahmen des Olympiabeckens, in dem er unaufhörlich seine Bahnen zieht, Tag für Tag. Diesem Rhythmus folgte er, seit bei ihm mit sieben Jahren eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung diagnostiziert wurde. Ein Alltag, der mit unglaublich viel Disziplin verbunden ist. Aber ein Alltag, der ihm half und hilft, ein glückliches, ausgeglichenes Leben zu führen. Ein Weg, der wie für ihn gemacht zu sein scheint.
Glaubst du, er hätte die ersten Jahre des intensiven Trainings durchgehalten, wenn es ihm nur um die acht Medaillen in Peking gegangen wäre? Nein, damals hatte Olympia für ihn noch gar nicht die Bedeutung von heute. Das Schwimmen war pure Leidenschaft. Der Spaß am Erfolg gab ihm später sicher die letzten Prozent zum Sieg, aber die Hauptmotivation war sein Enthusiasmus für die Sportart an sich.
Kurze Pause: Selbstreflexion
Wie sieht dein Weg aus? Kannst du das Warum (nicht die Ziele!) in einem Satz ausdrücken, auf das du alles ausrichtest?
Ja, wir kennen gängige Antworten wie »um erfolgreich zu sein« oder »um finanziell unabhängig zu werden«.
Das Problem: Wir reden dabei nur vom Ergebnis, vom finalen Zustand, wie das Erreichen des Mount-Everest-Gipfels oder das Gleichziehen mit dem eigenen Idol in Monza.
So, wie Erfolg überwiegend definiert wird, kann er uns niemals glücklich machen. Warum? Weil für uns die entscheidende Belohnung ausschließlich im letzten, finalen Moment liegt. Diese Bürde ist einfach zu hoch, wenn nicht auch Freude auf dem Weg liegt!
Häufig können wir die Bedeutung eines Wortes über andere Sprachen besser erkennen. So ist das englische Wort für Erfolg, success, deutlich näher am deutschen Begriff sukzessiv und damit an der Bedeutung von der Weg zu etwas. Es sollte uns also weniger darauf ankommen, wo wir hinwollen, sondern vielmehr, wie sich der Weg dorthin für uns gestaltet und anfühlt.
Wir halten fest
Erfolg ist der Zustand, der entsteht, wenn du einem Weg folgst, der zu dir passt.
Ergebnisse – losgelöst von der eigentlichen Freude am Tun – können und dürfen nicht der alleinige Grund des Handelns sein. Wenn wir das verstehen, bringt es uns nicht nur persönlich weiter und erspart uns emotionale Enttäuschungen. Es macht uns auch zu besseren Führungskräften und Unternehmerinnen, weil wir verstehen, wie Engagement in unseren Teams entstehen kann. Es bringt uns somit ein erstes Stück näher zum erfolgreichen Aufbau von High Performance Teams!
In einer Studie in den USA wurden Führungskräfte ermächtigt, ihren Mitarbeiterinnen alles anzubieten, was sie sich wünschten. Jede Funktion, jede Aufgabe war möglich, wenn sie diese in zehn Minuten klar kommunizieren konnten. Weit über 80 Prozent der befragten Mitarbeiterinnen scheiterten an dieser Chance. Sie konnten nicht klar benennen, was sie brauchen, um wirklich glücklich in ihrem Job zu sein. Und das ist paradox, denn gleichzeitig streben doch die meisten von uns nach beruflicher Selbstverwirklichung. Und deine Mitarbeiterinnen erwarten, bewusst oder unbewusst, auch von dir, dass du dich deutlich ausdrückst. Andere Studien zeigen, dass wir auch mit längerer Bedenkzeit nicht zu einem Ergebnis kommen und zwei Drittel der Erwachsenen nicht wissen, was sie beruflich wollen. Und somit auch nicht, wie ihr Weg dahin aussieht.
Woher kommt diese Unsicherheit? Als Kinder übernehmen wir viele Ansichten, Werte und Vorbilder von unserer Familie, unseren Lehrerinnen, unseren Freunden oder der Gesellschaft im Allgemeinen. Die Übernahme solcher Perspektiven in jungen Jahren ist – rein evolutionsbiologisch – sehr sinnvoll, da wir durch kopiertes Verhalten lernen. Nur leider haben diese Perspektiven später wenig mit uns selbst und unseren eigenen Bedürfnissen zu tun. Wir folgen dem Prinzip: »Wir wissen gar nicht, was wir wollen, aber wir wollen immer, was wir kennen.« Letztlich bleiben wir auf diese Weise weit hinter unserem eigentlichen Leistungs- und Glückspotenzial zurück. Die persönliche Sinnsuche lohnt sich also. Anders gesagt: Richte den Kompass deiner Mitarbeiterinnen richtig aus, bevor du sie auf die Reise schickst. Nur so kommen sie an!
Diesen Gedanken und seine Bedeutung könnten wir noch lange und intensiv betrachten. Viele Philosophen haben dies bereits vor uns getan. Für dich als Führungskraft oder Unternehmerin ist jedoch vor allem eines entscheidend: Wenn du High Performance Teams entwickeln möchtest, musst du bei den einzelnen Teammitgliedern, Mitarbeiterinnen und ihren individuellen Wegen beginnen. Denn die persönliche Orientierung jeder Einzelnen entscheidet den Erfolg deines Teams mit. Und wie gelingt dir das in der beruflichen Praxis? Wir zeigen dir vier Modelle, von denen die ersten drei den gedanklichen Rahmen spannen, während die Psychometrie, ein angewandter Teilbereich der Psychologie, dir schließlich die praktische Umsetzung ermöglicht.

1.3 Aristoteles’ Eudaimonie: Die guten Handlungen

Aristoteles war einer der großen griechischen Philosophen, Namensgeber der berühmten Google-Teamstudie »Project Aristotle« für mehr Teameffektivität und tatsächlich einer der ersten, der sich mit dem Thema Engagement befasste. Sein Denken war sowohl zu seiner Zeit als auch später sehr einflussreich. Aus seinem Studium der Menschheit entstand eine Ethik, in der auch das für High Performance Teams interessante Konzept der Eudaimonie eine grundlegende Rolle spielt.
Das erste, was Aristoteles zum konzeptionellen Modell der Eudaimonie beschreibt, ist, dass jeder von uns ein und denselben Zweck verfolgt. Und der besteht darin, deine Eudaimonie zu erreichen: einen Zustand der ruhigen und dauerhaften Zufriedenheit und nicht nur eine momentane Erhöhung der Sinne, etwa über die bereits beschriebene Ergebnisfokussierung.
Auf diese Weise werden unsere Handlungen, abhängig von einem Ziel, als gut oder schlecht bewertet. Wenn wir also eine bestimmte Arbeit ausführen, ist diese Handlung gut, wenn sie uns Zufriedenheit gibt und schlecht, wenn sie uns nicht zufrieden macht. Folglich ist für uns, nach Aristoteles, ein gute...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Hinweis zum Urheberrecht
  3. Impressum
  4. Vorwort
  5. Anpfiff: Zum Buch
  6. 1 Persönliches Engagement
  7. 2 Das gemeinsame Anliegen
  8. 3 Rollenklarheit
  9. 4 Hard Love Leadership
  10. 5 Streitkultur: Sicherheit und Konflikt
  11. 6 Wie ein High Performance Team sein Potenzial entfaltet
  12. 7 Mit Spielprinzipien zu Höchstleistung
  13. 8 Die Team Force Seven
  14. Schlusspfiff
  15. Best of: Take-aways aus den Kapiteln

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