DAVID gegen GOLIATH
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DAVID gegen GOLIATH

Wir können Ökonomie besser

  1. 264 Seiten
  2. German
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DAVID gegen GOLIATH

Wir können Ökonomie besser

Über dieses Buch

Komplett überarbeitete und erweiterte Neuausgabe von "Wir sind das Kapital" (Murmann Verlag).Die Ökonomie hat uns von materieller Not befreit. Jedenfalls in den reichen Ländern. Wir leben in einer Zeit des Überflusses. Aber ein weiter auf materielles Wachstum getrimmtes Wirtschaftssystem verführt zu immer höherem Konsum, mit unabsehbaren Folgen. Die Goliaths der Märkte betreiben eine Ökonomie, die das Überleben der Menschheit gefährdet, nur um ihre eigene Existenz und ihr Wachstum zu sichern. Wir müssen - und können - ihnen als Davids entgegentreten. Mit einer "Ökonomie der Vielfalt" statt einer "Ökonomie von oben". Mit mehr Akteuren, anderen Werten, neuen Sichtweisen und intelligenteren Lösungen.Ziehen wir die rote Karte für eine Ökonomie, die uns in die falsche Richtung führt. Wir können Ökonomie besser.Nie war der Bedarf an einer überzeugenden, zukunftsfähigen Ökonomie größer als heute. Denn die wachsenden Probleme unserer Zeit sind mit den herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu lösen. Günter Faltin, Bestsellerautor und Pionier des Entrepreneurship-Gedankens, zeigt in diesem Buch, wie ökologische und soziale Werte in die Wirtschaft integriert werden können, statt in den alten Bahnen des "mehr Wachstum um jeden Preis" weiterzumachen. Der Autor entwirft in der überarbeiteten und erweiterten Ausgabe die Ökonomie einer neuen Epoche und zeigt einen gangbaren Weg für die Umsetzung dieser großen Vision.Inhalte: - Übersicht: Was in der Wirtschaft gerade falsch läuft- Wie uns Marketing in Zeiten des Überflusses manipuliert- Bedeutung von Ökologie und Gesellschaft für die Wirtschaft und umgekehrt- Vorteile von Entrepreneurship und Startups (David) gegenüber Großkonzernen (Goliath)- Übersicht: Chancen der Digitalisierung für kleinere Unternehmen- Tipps für (angehende) Gründer und Unternehmer- Argumente für Werte und gegen GewinnmaximierungDieser Titel ist ein Produkt der Reihe "Professional Publishing for Future and Innovation by Murmann & Haufe".

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Information

Verlag
Haufe
Jahr
2019
ISBN drucken
9783648125649
eBook-ISBN:
9783648125656
In die
falsche Richtung
Das Ende des Mangels
Über die Frage, was mit einem Wirtschaftssystem passiert, das durch permanenten technischen Fortschritt den materiellen Mangel beseitigt, haben bereits vor Jahrzehnten Wirtschaftswissenschaftler wie etwa Robert Heilbroner und Wassily Leontief nachgedacht. Die bekannteste und brillanteste Analyse stammt von John Maynard Keynes.4
Keynes’ Prognose
Keynes hat das Ende des Mangels vorhergesehen. »In wenigen Jahren«, so der britische Ökonom, »werden wir in der Lage sein, alle Tätigkeiten in der Landwirtschaft, im Bergbau und im produzierenden Gewerbe mit einem Viertel der menschlichen Anstrengungen durchzuführen, an die wir gewöhnt waren.« 5 Er komme zu dem Ergebnis, »dass das wirtschaftliche Problem innerhalb von hundert Jahren gelöst sein dürfte, oder mindestens kurz vor der Lösung stehen wird. Dies bedeutet, dass das wirtschaftliche Problem − wenn wir in die Zukunft sehen − nicht das beständige Problem der Menschheit ist.« 6
Kurzfristig entstünden zwar neue Schwierigkeiten: »Wir sind von einer neuen Krankheit befallen, nämlich technologische Arbeitslosigkeit«, so Keynes bereits 1930. »Hiermit ist die Arbeitslosigkeit gemeint, die entsteht, weil unsere Entdeckung von Mitteln zur Einsparung von Arbeit schneller voranschreitet als unsere Fähigkeit, neue Verwendungen für Arbeit zu fin­den.« Mit Drei-Stunden-Schichten oder einer Fünfzehn-Stunden-Woche könnten die Schwierigkeiten eine ganze Weile hinausgeschoben werden. Dies sei aber nur eine vorübergehende Phase der Anpassung.
Die Menschheit werde ihr wirtschaftliches Problem lösen − Keynes schien fast erschrocken von der Dimension seiner Prognose: »Warum, werden Sie fragen, ist das so verblüffend? Es ist verblüffend, weil − wenn wir statt in die Zukunft in die Vergangenheit blicken − wir finden, dass das wirtschaft­liche Problem, der Kampf ums Dasein, bisher immer die wichtigste, allerdringlichste Aufgabe der Menschheit war − nicht nur der Menschheit, son­dern des gesamten biologischen Königreichs von den Anfängen des Lebens in seinen primitivsten Formen.« 7
Welche Auswirkungen können wir erwarten, wenn Keynes’ Prognose eintrifft? Wenn die Maschinen die Arbeit übernehmen? Für uns Menschen wäre das großartig: mehr freie Zeit, mehr Lebensfülle, weniger körperliche Belastung und im Prinzip auch weniger soziale Konflikte.
In der öffentlichen Debatte stehen jedoch die vermeintlich negativen Folgen für den Arbeitsmarkt im Vordergrund. Die technologische Arbeitslosig­keit – die Keynes vorausgesagt hat – ist deutlich vor aller Augen. Folgerichtig wird das Problem in der Politik, in der Wissenschaft und in den Medien aufgegriffen und diskutiert. Zur »Zukunft der Arbeit« gibt es umfangreichen Stoff, Zoff und viele Fronten.
Fragen wir einmal in die ganz andere Richtung.
Was passiert, wenn man die Keynes’sche Prognose auf die Unternehmen anwendet? Wie sieht die Zukunft der Unternehmen aus?
Wenn die materiellen Bedürfnisse erfüllt sind, haben Unternehmen weniger zu tun. Wenn jeder Haushalt mit den einschlägigen Geräten ausgestattet ist, werden nur noch bei Ersatzbedarf Güter nachgefragt. Kein gutes Vorzeichen für Unternehmen. Die Umsätze werden geringer. Kein Wachs­tum mehr. Die freien Produktionskapazitäten drängen in den Ersatzmarkt. Kein gutes Vorzeichen für Gewinne. Mehr Wettbewerb, mehr Angebot, Druck auf die Preise. Die Überlebensbedingungen der Unternehmen verschlechtern sich. Und das kontinuierlich. Diese Entwicklung ist logisch, sobald die materiellen Bedürfnisse erfüllt sind.
Die Unternehmen sitzen in der Falle.
Das Dilemma der Unternehmen
Sehen wir uns die Argumentation auch aus dem Blickwinkel, der Betriebswirtschaftslehre an, und verwenden wir einen Begriff aus ihrer Fach­sprache.
In seinem Buch Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft argumentiert Jeremy Rif­kin, das kapitalistische System sei überaus erfolgreich. Es habe für technische Durchbrüche gesorgt und mit ihnen für einen in der Geschichte einmaligen Anstieg der Produktivität. Denken wir uns, so Rifkin, ein End­spiel, bei dem der Wettbewerb zur Einführung immer schlankerer Technologien führt und damit die Produktivität auf einen Punkt bringt, an dem jede zusätzlich hergestellte Ware immer geringere Kosten verursacht. An­ders gesagt, die Produktionskosten jeder weiteren Einheit tendieren gegen null, was das Produkt nahezu kostenlos macht.8 Rifkin erklärt uns diesen Vorgang mit dem betriebswirtschaftlichen Begriff der Grenzkosten der Produktion,9 den Kosten also, die anfallen, wenn wir bei bereits vorhandener Ausstattung mit Produktionsmitteln eine weitere, zusätz­liche Einheit einer Ware herstellen.
Schauen wir uns das am Beispiel der Telefonie an.
Beim Telefonieren haben die Grenzkosten von null bereits zu einem Preis von nahe null geführt. Auch in der IT-Branche insgesamt hat der technische Fortschritt zu Geräten mit höherer Leistung bei gleichzeitig fallenden Preisen geführt. Der Markt für Telefonie erlaubt uns noch einen anderen Einblick. Bei Preisen von null bricht die Welt nicht zusammen. Es werden auch nicht massenhaft Arbeitsplätze freigesetzt. Das einzig Besondere an dieser Entwicklung ist ge­radezu, wie wenig Staub aufgewirbelt wird, wie wenig soziale Verwerfungen daraus entstanden. Die betroffenen Unternehmen verdienen ihr Geld mit anderen Angeboten.
Der Traum der Menschheit, kostenlos mit dem Rest der Welt kommunizieren zu können, ging in Erfüllung. Ohne Aufhebens, ohne Zusammenbrüche. Schneller, als wir es jemals erwartet hätten. Dies könnte ein erster Blick in die Welt des »Danach« sein. Es gibt keinen wirklichen Grund dafür, warum das, was im Markt der Telefonie geschah, nicht auch in anderen Märkten erreichbar sein sollte.
Aber warum geschieht das nicht bereits?
Machen wir uns daran, zu entschlüsseln, woran das liegt. Wer und was ver­hindert, dass uns die Maschinen (der technische Fortschritt) die Arbeit abnehmen und wir in das Reich der Freiheit (von bedrückender Arbeit) gehen können? Was ist die Ursache dafür, dass trotz sinkender Grenzkosten die Preise für Produkte unverändert hoch sind oder sogar weiter steigen?
Die zögerliche Art und Weise, mit der wir Konsequenzen aus den nahezu Null-Grenzkosten ziehen, sei verständlich, so Rifkin. Viele, wenn auch nicht alle aus der alten Wirtschaftsgarde könnten sich schlicht nicht vorstellen, wie wirtschaftliches Leben sich in einer Welt gestalten sollte, in der fast alle Güter nahezu kostenlos werden.10
Dabei hatten sie ausreichend Zeit, sich darauf vorzubereiten. Denn dieses Problem unseres Wirtschaftssystems, so Rifkin, sei bereits früh erkannt wor­den: Wettbewerbsorientierten Märkten sei eine unternehmerische Dy­namik inhärent, die die Produktivität nach oben und die Grenzkosten nach unten treibe. In ökonomischen Lehrbüchern steht seit Langem, dass in einer effizienten und transparenten Wirtschaft die Verbraucher nur noch die Grenzkosten der Waren bezahlen müssen. Wenn aber Verbraucher nur für die Grenzkosten zahlen und diese in raschem Tempo gegen null gehen, geht es den Unternehmen schlecht. Sie können weder Renditen für ihre Investitionen garantieren noch ausreichende Gewinne erwirtschaften.
Produktivität steigt, Grenzkosten gegen null, Preise gegen null, Gewinne gegen null. Die betriebswirtschaftliche Betrachtung bestätigt: Die Unternehmen sitzen in der Falle.
Sie müssen sich etwas einfallen lassen.
Ökonomen, die über die langfristigen Auswirkungen der steigenden Produktivität nachdachten, sahen keine Lösung für die Unternehmen. Sie sag­ten, Unternehmen könnten versuchen, den Markt zu dominieren, um sich ein Monopol zu sichern, das es ihnen ermögliche, dem Markt höhere Preise abzutrotzen als lediglich die Grenzkosten der Produkte. Da aber Konsens darüber besteht, dass Wirtschaftsmonopole in privater Hand schädlich sind, werde die Politik versuchen, dem entgegenzuwirken. Und würden solche Monopole verhindert, führe das wieder dazu, dass der Markt dem Zustand der effizientesten Wirtschaft zustrebe – nämlich einer Wirt­schaft mit nahezu null Grenzkosten und der Aussicht auf nahezu kos­tenlose Güter und Dienstleistungen.11 Einer Ökonomie ohne Profite für Unter­nehmen.
Für die Unternehmen zeigt sich also kein Ausweg aus dem Dilemma. Keynes wie auc...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über dieses Buch
  2. Einleitung: Eine Epoche geht zu Ende
  3. In die falsche Richtung
  4. Vom engagierten Bürger zum Citizen Entrepreneur
  5. Wissen heißt: macht!
  6. Ausblick: Renaissance der Werte
  7. Literaturverzeichnis
  8. Dank
  9. Über den Autor
  10. Impressum

Häufig gestellte Fragen

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