Welche Folgen haben Globalisierung und neuer Protektionismus? Warum wertet der Dollar ab, wenn die Fed den Leitzins senkt? Welche konjunkturellen Indikatoren bewegen die Märkte? Die geld- und währungspolitischen Zusammenhänge bergen auch für Profis an den Märkten und in der Wissenschaft viele Rätsel.Didaktisch gut aufbereitet vermittelt der Autor das nötige VWL-Know-how. Neben den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Grundlagen der monetären Ökonomie werden die Rolle des Staates in einer marktwirtschaftlichen Ordnung, Konjunktur und Wachstum sowie das Verhältnis von Ökonomie und Umwelt betrachtet.

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VWL für Finanzpraktiker
Geldpolitik, Wirtschaftszyklen, Konjunkturindikatoren, Zahlungsbilanz
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VWL für Finanzpraktiker
Geldpolitik, Wirtschaftszyklen, Konjunkturindikatoren, Zahlungsbilanz
Über dieses Buch
Information
Thema
Makroökonomie1 Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen im 21. Jahrhundert
1.1 Globalisierung und neuer Protektionismus
Das Jahr 2016 könnte in die Annalen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen eingehen. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union („Brexit“) und der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten bahnt sich scheinbar eine Abkehr von dem Prozess der Globalisierung an. An dessen Stelle treten vermehrt Bemühungen um Abschottung. Diese Tendenz hin zu einem verstärkten Protektionismus zeigt sich unter anderem darin, dass bestehende oder geplante Freihandelsabkommen zur Disposition gestellt oder gestoppt wurden. Allerdings hat die Globalisierung bereits vor Trump und Brexit an Tempo verloren: 2008 betrug der Gesamtwert aller Ein- und Ausfuhren am globalen BIP rund 52 Prozent, 2014 noch 49 Prozent.
Die moderne Globalisierung gewann in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts an Fahrt, als eine Reihe bis dato rückständiger und dem Welthandel abgewandter Länder mit China an der Spitze sich wirtschaftlich öffnete. Zuvor beschränkte sich die intensive grenzüberschreitende ökonomische Zusammenarbeit im Wesentlichen auf die westlichen Industriestaaten. Richtig an Fahrt nahm die Globalisierung dann nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der anschließenden weltweiten Ausbreitung des marktwirtschaftlichen Systems auf.

Quelle: UNCTAD
Abb. 1.1: Weltweite Exporte im Warenhandel (1950–2016)
Neben der Integration vormals nicht kapitalistisch ausgerichteter Länder in die Weltwirtschaft spielen die technischen Fortschritte insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnologie eine zentrale Rolle im modernen Globalisierungsprozess. Gepaart mit Innovationen in den Bereichen Transport und Logistik erlaubten sie eine stärkere internationale Aufgabenteilung selbst in eng miteinander verzahnten Produktionsprozessen innerhalb eines Unternehmens.
Die Globalisierung lässt sich vor allem anhand folgender Indikatoren beschreiben:
- Zunahme des grenzüberschreitenden Austauschs von Gütern und Dienstleistungen: Bis zum Ausbruch der Finanzkrise hat der Welthandel schneller zugenommen als die globale Wirtschaftsleistung. Der reale Offenheitsgrad vieler Volkswirtschaften–ermittelt als Quotient aus der Summe von Exporten und Importen von Waren und Dienstleistungen zum Bruttoinlandsprodukt (Außenhandelsquote)–ist in den zurückliegenden Jahrzehnten deutlich gestiegen. Wie stark speziell Deutschland in die Weltwirtschaft integriert ist, lässt sich an einer Außenhandelsquote von rund 70 Prozent ablesen. Zum Vergleich: Die Außenhandelsquote der USA liegt nur bei gut 20 Prozent. Seit etwa zehn Jahren ist aber Sand im Getriebe des Welthandels, bedingt durch die globale Konjunkturschwäche, aber auch durch strukturelle Faktoren wie zunehmenden Protektionismus. So haben seit 2008 die Beschwerden über technische Handelshemmnisse bei der Welthandelsorganisation WTO stark zugenommen.
Quelle: Statistisches BundesamtAbb. 1.2: Außenhandelsquote von Deutschland (1991–2016) - Steigende Direktinvestitionen im Ausland und Verbreitung internationaler Wertschöpfungsketten: Ein wesentliches Merkmal des Zusammenwachsens der Weltwirtschaft ist die Globalisierung der Unternehmen. Die Global Players errichten oder erwerben Produktions- und Vertriebsniederlassungen auf der ganzen Welt, um Kostenunterschiede auszunutzen und nahe an den Absatzmärkten zu sein. Laut UNCTAD liegt der weltweite Bestand an Direktinvestitionen bei über 20 Billionen US-Dollar, wobei die aufstrebenden Länder als Investitionsstandort absolut und relativ immer beliebter werden.
- Ausweitung des internationalen Kapitalverkehrs: Wohl nirgends ist die Globalisierung so offensichtlich wie an den Finanzmärkten. Die Finanzkrise mit ihren weltweiten Verwerfungen hat dies deutlich gezeigt. Inzwischen hat eine große Zahl von Ländern Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten.
Mit der Globalisierung sind vielfältige Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Finanzmärkte verbunden. Positiv zu Buche schlagen insbesondere Wohlstandsgewinne in Folge
- einer verbesserten internationalen Arbeitsteilung, wobei Güter und Dienstleistungen (bzw. ihre jeweiligen Komponenten) jeweils dort erzeugt werden, wo es im Sinne der klassischen Außenhandelstheorie komparative Kostenvorteile gibt,
- von Massenproduktionsvorteilen und Verbundeffekten („Economies of Scale“ und „Economies of Scope“) und
- einer höheren Wettbewerbsintensität auf Unternehmensebene.
- Darüber hinaus hat der erhöhte Wettbewerbsdruck auf den Güter- und Faktormärkten zu sinkenden Inflationsraten geführt, worauf die Notenbanken mit sinkenden Leitzinsen reagieren konnten, die das wirtschaftliche Geschehen zusätzlich stimulierten.
Sowohl auf globaler Ebene wie innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften überwiegen zwar nach Ansicht der überwiegenden Zahl von Ökonomen insgesamt die positiven Effekte. Einzelne gesellschaftliche Gruppen können aber sehr wohl Verluste erleiden. In den Industrieländern wird die internationale Verflechtung deshalb heute vielfach als Herausforderung angesehen, wobei folgende Punkte besonders ins Gewicht fallen:
- Beschleunigung des gesamtwirtschaftlichen Strukturwandels: So sind beispielsweise in arbeitsintensiven Branchen wie der Textilindustrie oder der Spielwarenbranche die Importe massiv zu Lasten der heimischen Produzenten gestiegen.
- Einfluss auf den Arbeitsmarkt: Speziell gering qualifizierte und niedrig entlohnte Arbeitskräfte in den Industrieländern sind einem zunehmenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt, sei es durch Zuwanderung aus weniger entwickelten Ländern oder durch die Produktionsverlagerung arbeitsintensiv hergestellter Güter in die Schwellenländer.
- Verringerter Handlungsspielraum der nationalen Wirtschaftspolitik: Einer eigenständigen nationalen Wirtschaftspolitik sind in einer globalisierten Welt Fesseln angelegt. Im Wettbewerb um die günstigsten Standort- und Anlagebedingungen spielen etwa Höhe und Struktur der Steuern sowie Sozialabgaben eine wichtige Rolle. Ihre Festlegung kann nicht unabhängig vom internationalen Umfeld erfolgen.
- Verschiebungen bei der Einkommens- und Vermögensverteilung: Das globale Überangebot am Produktionsfaktor Arbeit übt Druck auf die Löhne insbesondere im unteren Segment der Industrieländer aus. Die relative Knappheit an Kapital erhöht hingegen tendenziell die Renditen. Beide Effekte führten zusammengenommen zu einer Einkommensumverteilung zu Gunsten der Kapitalbesitzer und zu Lasten der Arbeitnehmer. Mehr noch als die sinkende Lohnquote wird indessen unter Gerechtigkeitsaspekten die wachsende Schere in der Vermögensverteilung beklagt. Begünstigt durch die ultralockere Geldpolitik haben Aktien und Immobilien–mithin typische Anlageformen ökonomisch Bessergestellter – in den letzten Jahren deutlich an Wert zugelegt, während Kleinsparer unter den Nullzinsen zu leiden hatten.
- Belastung der Umwelt: Der Vorwurf lautet, dass international agierende Konzerne ihre Produktionsstandorte nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt geringer lokaler Umweltstandards auswählen. Damit trage die Globalisierung in nennenswertem Maße zur Belastung der natürlichen Lebensgrundlagen bei. Hinzu kommen die Belastungen aufgrund weiter Transportwege.
Aus den beschriebenen Entwicklungen ist in den letzten Jahren in den entwickelten Ländern zunehmender Widerstand gegen die Globalisierung erwachsen. Exemplarisch sei in diesem Zusammenhang auf die starken Proteste gegen das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP sowie das Anwachsen populistischer Parteien, die sich explizit gegen die Globalisierung aussprechen, hingewiesen.
Protektionismus (oder wie manche es nennen „Neomerkantilismus“), also der Schutz der heimischen Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz sowie die Förderung der Exporttätigkeit, hat wieder an Bedeutung gewonnen. Mit dem Zurückdrängen der Einfuhren und der Zunahme der Ausfuhren sollen die heimische Wirtschaftsleistung gefördert und die Beschäftigung im Inland erhöht werden. Zu diesem Zweck werden Zölle oder nicht-tarifäre Handelshemmnisse eingesetzt. Auch die in den USA diskutierte Besteuerung von grenzüberschreitenden Umsätzen („Border Adjustment Tax“), bei der importierte Waren besteuert und exportierte Waren steuerbefreit würden, zielt in diese Richtung.
Eine solche Politik der Abschottung, die im Widerspruch zur herrschenden Lehre steht, wonach von der internationalen Arbeitsteilung alle profitieren, ist auch für das protektionistische Land mit erheblichen Risiken verbunden. Zum einen besteht die Gefahr, dass der Rest der Welt mit handelspolitischen Gegenmaßnahmen reagiert, die in einen Handelskrieg münden können, unter dem am Ende alle zu leiden hätten in Form starker Wohlstandeinbußen. Die Dreißigerjahre des vorherigen Jahrhunderts sind eine Blaupause für die Folgen einer um sich greifenden Abschottungspolitik. Als die Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise 1930 den Smoot-Hawley-Tariff-Act verabschiedeten, erhöhten sich die US-Zölle für über 20.000 Produkte auf Rekordniveau. Zwar verringerten sich die US-Importe in den Folgejahren um ein Drittel. In Folge von Vergeltungsmaßnahmen der anderen Länder sanken auch die US-Exporte in derselben Größenordnung. Am Ende blieben nur Verlierer übrig. Der Welthandel schrumpfte um zwei Drittel. Zum anderen leiden die inländischen Verbraucher ganz unmittelbar unter Protektionismus. Die Warenvielfalt geht zurück und die Preise steigen, sodass sich die Kaufkraft verringert. Die Gefahr von Lohn-Preis-Spiralen und damit höherer Inflationsraten nimmt zu. Hinzu kommt, dass die unter dem Schutz von Handelshemmnissen entstehenden Arbeitsplätze teuer sind und in einer vollbeschäftigen Wirtschaft zu Verdrängungseffekten oder Produktionskostensteigerungen in anderen Sektoren führen können.

Quelle: WTO
Abb. 1.3: Länder mit dem höchsten Handelsbilanzüberschuss (2017)
Literatur
Besch, R./Scheuerle, A. (2017): Protektionismus kennt letztlich nur Verlierer, in: Volkswirtschaft Spezial der Deka-Bank, Ausgabe 2/2017 vom 23. Februar 2017.
Deutsche Bundesbank (2016): Zur Schwäche des Welthandels, Monatsbericht März 2016, S. 13–37.
Felbermayr, G./Steininger, M. (2016): Wie gefährlich ist die angekündigte Handelspolitik von Donald Trump?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 22/2016 vom 24.11.2016, S. 34–41.
Wirtschaftsdienst (2015): Die Zukunft des Welthandels, Zeitgespräche (mit Beiträgen von Görg, H./Klein, M./Pflüger, M./Krebs, O./Scherrer, Chr.), Nr. 5/2015, S. 303–318.
1.2 Klimawandel und Klimapolitik
Der naturwissenschaftliche Hintergrund: Die Erde wird von einer Lufthülle umgeben, welche die Eigenschaft hat, einfallendes Sonnenlicht nahezu ungehindert passieren zu lassen, gleichzeitig jedoch einen Großteil der vom Erdboden reflektierten Wärmestrahlen zurückzuhalten. Dieser natürliche Treibhauseffekt sorgt dafür, dass auf der Erde eine Durchschnittstemperatur von etwa 15 Grad herrscht. Ansonsten läge die Temperatur bei minus 18 Grad. Durch den zunehmenden Ausstoß von Treibhausgasen (v. a. Kohlendioxid, Methan, FCKW) wird dieser Wärmespeichereffekt jedoch noch verstärkt. In der Folge kommt es auf der Erde zu klimatischen Veränderungen. Der Begriff Treibhauseffekt steht inzwischen stellvertretend für diesen von Menschenhand erzeugten „Zusatztreibhauseffekt“.
2013 legte das internationale Expertengremium IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) seinen fünften Weltklimabericht vor. Anhand verschiedener Szenarien beschrieben die Forscher die nach heutigem Kenntnisstand möglichen Folgen des Klimawandels. Demnach erhöht sich die Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um 1 bis 3,7 Grad Celsius. Durch Abschmelzen der Polkappen könnte der Meeresspiegel um rund einen halben Meter steigen. Zudem sollte die Häufigkeit extremer Wettereignisse (Überschwemmungen, Wirbelstürme, Trockenperioden usw.) weiter zunehmen. Ökonomische Risiken sind bei einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von über zwei Grad zu befürchten.
Aber unabhängig davon, ob alle Vorhersagen zu den physischen Folgen im genannten Umfang auch eintreten, wird das Thema Klimawandel die wirtschaftliche Entwicklung rund um den Erdball in jedem Fall beeinflussen und sich damit auch an den Finanzmärkten niederschlagen. Dafür genügt es bereits, dass die Entscheidungsträger in Politik, Verwaltungen und Unternehmen auf die vermutete Bedrohung reagieren, wie es bereits schon seit längerem der Fall ist. Von veränderten Rahmenbedingungen sind volkswirtschaftlich so bedeutende Sektoren wie die Energiewirtschaft, die Transportbranche oder der Agrarsektor unmittelbar betroffen. Mittelbare Folgen sind vermutlich in nahezu allen Bereichen festzustellen.
Der Startschuss für eine globale Umweltpolitik liegt bereits einige Jahre zurück. 1992 fand in Rio de Janeiro die erste Weltumweltkonferenz statt. Zu diesem Zeitpunkt war die Datenlage jedoch noch weitaus dürftiger als heute. Dennoch wurde in Rio die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen verabschiedet. Dabei verständigten sich die teilnehmenden Länder auf das Ziel, das Weltklima besser zu schützen. Zudem sollte ein Instrumentarium geschaffen werden, mit dessen Hilfe dieses Ziel realisiert werden sollte. In den Folgejahren wurden regelmäßig UN-Klimakonferenzen abgehalten, ohne dass es allerdings entscheidende Fortschritte im Kampf gegen die globale Erwärmung gegeben hat. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem 1997 verabschiedeten Kyoto-Protokoll zuteil. Neben der ersten konkreten Übereinkunft über eine Reduktion des globalen Treibhausgasausstoße...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Hinweis zum Urheberrecht
- Impressum
- Vorwort
- 1 Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen im 21. Jahrhundert
- 2 Grundlagen der monetären Ökonomie
- 3 Staat und Wirtschaft
- 4 Konjunktur und Wachstum
- Literaturverzeichnis
- Der Autor
- Stichwortverzeichnis
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