In Unternehmen wimmelt es von Tabus und ungeschriebenen Spielregeln: Darf man über sein Gehalt sprechen? Darf sich ein Manager auch mal langweilen? Wie verhält man sich beim gemeinsamen Oktoberfest-Besuch? Was sind die wahren Gründe für Entscheidungen in Unternehmen?Die Autoren durchleuchten die innere Logik von Tabus, Machtspielen und ungeschriebenen Gesetzen in Unternehmen. Lernen Sie, diese zu erkennen und zu verstehen. Dadurch erweitern Sie Ihren Handlungsspielraum und entwickeln konstruktive Strategien für Ihren Joballtag.Inhalte: - Tabus: "Nichtstun", Gehaltsgespräche, Kritik nach oben, "Ossis & Wessis", Verhalten bei halboffiziellen Anlässen u.v.m.- Ungeschriebene Regeln: Attraktivität, Macht der Experten, subtile Arbeitsvermeidung, geschriebene und gelebte Kultur, Seilschaften, mikropolitische Spiele- "Frauen- und Männer-Tabus": Frauenquote, Elternzeit, Statusverlust- Fälle aus der Praxis, Hintergründe und Strategien für den passenden Umgang

eBook - ePub
Tabu
Versteckte Regeln und ungeschriebene Gesetze in Organisationen
- 208 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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Tabu
Versteckte Regeln und ungeschriebene Gesetze in Organisationen
Über dieses Buch
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Information
Thema
BetriebswirtschaftThema
Verwaltung1 Schönheit, die begeistert – Erfolgsfaktor Attraktivität

Beispiel
„Das hört sich doch spannend an” denkt sich Laura und lächelt. Ihr Chef hatte sie im wöchentlichen Jour fixe gefragt, ob sie Interesse habe, beim nächsten Strategiemeeting dabei zu sein. Zu den quartalsweise stattfindenden Meetings lädt der Abteilungsleiter alle Bereichsleiter der Abteilung ein. Zum ersten Treffen des Jahres kommt in der Regel sogar der Geschäftsführer dazu, um in seinem Eingangsstatement die groben Weichenstellungen des Unternehmens darzustellen und danach mit den Bereichsleitern ins Gespräch zu kommen. Laut ihres Chefs könne Laura viel über den Umgang mit Strategiethemen im Allgemeinen und über die mittelfristige Ausrichtung der Abteilung im Besonderen lernen. Dieses Treffen steht nun bevor und Laura freut sich sehr darüber, bei dieser hochkarätigen Runde dabei sein zu dürfen.
Insgesamt läuft es bei Laura gerade ziemlich gut. Sie ist vor zwei Jahren ins Unternehmen eingestiegen. Ihr wurde schnell die Betreuung wichtiger Kunden übertragen. Kürzlich hat sie eine erste kleine Führungsaufgabe im Rahmen eines Projekts übernommen. Sie bekommt viel Aufmerksamkeit von ihren überwiegend männlichen Vorgesetzten, erhält zu ihren Leistungen häufig konstruktives Feedback und gute Tipps und wird von höheren Vorgesetzten gerne auch mal zu besonderen Anlässen oder Abendterminen mitgenommen.
Laura ist Anfang 30, 1,75 m groß, hat eine sportlich schlanke und dennoch weibliche Figur, eine angenehm sonor klingende Stimme und volles Haar. Ihr wohlproportioniertes, schmales Gesicht mit den hohen Wangenknochen und den vollen Lippen und ihr charmantes Lächeln, das ihre makellosen Zähne zeigt, haben ihr seit der Pubertät überdurchschnittlich Aufmerksamkeit beschert.
Sabine arbeitet in der gleichen Abteilung wie Laura. Auch sie ist Anfang 30, hat das gleiche Studium absolviert und ist seit ca. 2 Jahren im Unternehmen. Sabine hat von Natur aus ein eher unterdurchschnittliches Äußeres. Sie ist nur 1,61 m groß, hat dünnes Haar und eine leicht untersetzte Figur mit kurzen Beinen. Ihr Lächeln ist zwar ganz charmant. Ihre runden Gesichtszüge mit der breiteren Nase, den kurzen Wimpern, den schmalen Lippen und dem kurzen Hals führen jedoch dazu, dass sie eher selten Komplimente für ihr Äußeres bekommt.
Sabine hatte im Studium einen besseren Abschluss als Laura. Ihre Arbeit hat im Durchschnitt mindestens die gleiche Qualität. Sabine muss sich diese Qualität zum Teil jedoch härter erarbeiten. Sie benötigt z. B. in der Regel mehr Gespräche mit einem Kunden, um Abschlüsse in gleicher Güte zu erzielen. Auch intern muss sie sich mehr anstrengen, um Aufmerksamkeit im Kollegenkreis für ihre Ideen zu bekommen. Ihre Vorgesetzten schätzen ihre Arbeit und nehmen diese zufrieden zur Kenntnis. Sabine bekommt aber deutlich seltener inhaltliches Feedback als Laura und wurde auch bisher nicht zu besonderen Anlässen oder Abendterminen mitgenommen. In der Firma wird über Gehälter nicht offen gesprochen. Sonst wüsste Sabine, dass Laura in der gleichen Position fast 4 000 Euro mehr pro Jahr verdient.
1.1 Die ungeschriebene Regel in Kürze
Schönheit ist ein Erfolgsfaktor in der Arbeitswelt. Dabei geht es nicht um den Effekt von Styling, vorteilhafter Kleidung oder gutem Geschmack. Es geht einzig um die Ästhetik der anatomischen Voraussetzungen eines Menschen, um die Attraktivität seiner naturgegebenen Molekularstruktur.
Das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit drückt es 2011 in der Pressemitteilung zu seiner Studie mit dem Titel „Beauty Is the Promise of Happiness?” so aus: „Gutes Aussehen steigert den wirtschaftlichen Erfolg und wirkt sich damit positiv auf die individuelle Lebenszufriedenheit aus. Schöne Menschen erzielen materielle Vorteile vor allem dadurch, dass ihr Aussehen auf dem Arbeitsmarkt honoriert wird.”
1.2 Typische Beobachtungen aus der Praxis
- Im Bewerbungs- und Einstellungsprozess werden attraktive Bewerber bevorzugt. Auch wenn einige Organisationen bereits vor dem Lesen von Bewerbungsunterlagen die Fotos der Kandidaten ausblenden, wirkt deren Äußeres spätestens im Vorstellungsgespräch.
- Im allgemeinen Umgang miteinander werden schöne Menschen zuvorkommender behandelt. Ihnen werden lieber Gefallen getan, sie bekommen häufiger Unterstützung angeboten, Ihnen wird häufiger die Tür aufgehalten.
- Attraktive Kollegen bekommen von Vorgesetzten mehr Aufmerksamkeit und mehr Zugeständnisse. Sie werden im Vergleich zu weniger attraktiven Kollegen mehr gefördert durch das Angebot von „Lernsituationen”, wie z. B. Projekte, Sonderaufgaben, Aufnahme in den Talentpool oder Möglichkeit zur Teilnahme an wichtigen Meetings.
- Bei der Leistungsbewertung und der Frage der Beförderung wirkt sich die Attraktivität eines Menschen positiv aus.
- Schöne Menschen haben Vorteile bei Verhandlungen – sowohl intern, z. B. bei Gehaltsverhandlungen, als auch extern im Kundenkontakt.
- Für Situationen mit Öffentlichkeits- und Medienwirksamkeit werden bevorzugt attraktive Menschen ausgewählt.
Auf der anderen Seite begegnen attraktiven Menschen auch Vorurteile, Missgunst und Eifersucht in Situationen sozialer Rivalität – attraktiven Frauen noch etwas mehr als attraktiven Männern. Insgesamt jedoch ist ein ansehnliches Äußeres ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil für die Karriere – auch, wenn darüber nie so offen gesprochen wird.
1.3 Hintergründe
Was haben Sie von Ihren Eltern bzw. von Mutter Natur an äußerlichen Voraussetzungen und Merkmalen mitbekommen? Geht es Ihnen eher wie Laura oder eher wie Sabine – oder fühlen Sie sich irgendwo dazwischen? Machen Sie auch die Beobachtung, dass es gutaussehende Menschen häufig irgendwie leichter haben? Und dass sie im Ganzen betrachtet erfolgreicher im Leben sind als durchschnittlich oder gar unterdurchschnittlich aussehende Menschen – und dass dieser Erfolg sich auch auf das Arbeitsleben bezieht?
Wir alle kennen eine Vielzahl prominenter Beispiele für dieses Phänomen, insbesondere aus Branchen mit einem hohen Anteil öffentlichkeitswirksamen Auftretens: aus der Politik Manuela Schwesig und Karl-Theodor zu Guttenberg, als Nachrichtensprecher Judith Rakers und Ingo Zamperoni, als Showmaster Michelle Hunziker oder Florian Silbereisen. Mit Sicherheit erbringen diese Menschen in ihren jeweiligen Bereichen gute Leistungen. Und dennoch hat man das Gefühl, dass es auch mit dem ansprechenden Äußeren, mit der Attraktivität dieser Menschen zusammenhängt, dass sie so erfolgreich sind.
Schönheit und ihre zunehmende Bedeutung für den beruflichen Erfolg
Schönheit liegt zwar „im Auge des Betrachters”, wie ein bekanntes Sprichwort sagt, und wurde lange Zeit zu einem rein subjektiven Empfinden erklärt. Die Attraktivitätsforschung macht sie jedoch messbar und damit über den Konsens in der Bevölkerung auch objektivierbar. Schön ist demnach, was die Bevölkerung als schön bezeichnet.
Die Attraktivität einer Person setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Einer der wichtigsten Faktoren ist die Ästhetik des Gesichts. Dr. Martin Gründl hat mit seinen Kollegen u.a. untersucht, welche Merkmale ein schönes Gesicht kennzeichnen. Er berechnete systematisch mit Hilfe eines Computerprogramms neue Gesichter, in denen unterschiedlich viele Originalgesichter zu immer gleichen Anteilen enthalten sind, sog. gemorphte Gesichter. Er erzeugte auf empirischer Grundlage für beide Geschlechter Prototypen für ein sehr attraktives Gesicht und ein sehr unattraktives Gesicht.

Prototyp einer attraktiven Frau

Prototyp einer unattraktiven Frau
Merkmale eines schönen Frauengesichts
- Braunere Haut
- Schmaleres Gesicht
- Weniger Fettansatz
- Dunklere, schmalere Augenbrauen
- Mehr, längere und dunklere Wimpern
- Keine Augenringe
- Kleinerer Abstand zwischen Augenlid und Lidfalte
- Höhere Wangenknochen
- Schmalere Nase
- Vollere, gepflegtere Lippen
- Schmalerer Hals

Prototyp eines attraktiven Mannes

Prototyp eines unattraktiven Mannes
Merkmale eines schönen Männergesichts
- Braunere Haut
- Schmaleres Gesicht
- Weniger Fettansatz
- Dunklere Augenbrauen
- Mehr und dunklere Wimpern
- Kleinerer Abstand zwischen Augenlid und Lidfalte
- Obere Gesichtshälfte im Verhältnis zur unteren breiter
- Höhere Wangenknochen
- Keine Geheimratsecken
- Keine Falten zwischen Nase und Mundwinkeln
- Vollere Lippen
- Symmetrischer Mund
- Markanter Unterkiefer
- Markanteres Kinn
- Schmalerer Hals
Bei beiden Geschlechtern zählen demnach nahezu gleiche Kriterien. Bei den attraktiven Männern fallen zusätzlich insbesondere ein markanter Unterkiefer und ein markantes Kinn auf, die sie von den weniger attraktiven Männern unterscheiden.
Zur Schönheit tragen neben dem Gesicht noch viele weitere Faktoren bei, z. B. Körpergröße, Proportionen, Länge der Beine, Beschaffenheit der Haut und Teint. Aber auch Symmetrie, Durchschnittlichkeit und Merkmale des Kindchenschemas (Reifekennzeichen, z. B. hohe Wangenknochen und konkave Wangen, kombiniert mit kindlichen Attributen, z. B. großer Kopf, gewölbte Stirn, große Augen, Stubsnase) spielen eine Rolle.
Für den Erfolg im Job nimmt die Bedeutung des Faktors äußere Erscheinung immer mehr zu. Dies belegt die emeritierte Professorin Sonja Bischoff in ihrer Langzeitstudie „Wer führt in (die) Zukunft? Männer und Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft in Deutschland”. Darin untersucht sie seit Mitte der 1980er Jahre den Einfluss des Aussehens auf den Karrierestart und den beruflichen Aufstieg. Zu Beginn der Studie im Jahr 1986 werteten nur 5% der befragten Führungskräfte das äußere Erscheinungsbild als wichtigen Erfolgsfaktor. In der 5. Studie aus dem Jahr 2008 fasst Bischoff bezogen auf den Karrierestart zusammen: „Die „äußere Erscheinung” hat in der Bedeutung weiter zugenommen; dieser Erfolgsfaktor wird inzwischen häufiger genannt als die „persönlichen Beziehungen”.”
Etwa ein Drittel der Befragten stuften die „äußere Erscheinung” in diesem Zusammenhang als wichtig ein. „Bemerkenswert ist, dass insbesondere aufstiegsorientierte Männer (42%) und Frauen (45%) überdurchschnittlich häufig ihren Einstiegserfolg auf ihre „äußere Erscheinung” zurückführen.” Bezogen auf den beruflichen Aufstieg kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die äußere Erscheinung gemeinsam mit den persönlichen Beziehungen auf Platz 2 der relevanten Erfolgsfaktoren liegt (ca. 30% Nennung, auf Platz 1 liegen mit weitem Abstand Spezialkenntnisse).
Das Attraktivitätsstereotyp und der Halo-Effekt
Woran liegt es nun genau, dass Schönheit zu Vorteilen im Arbeitsleben führt? Es fängt schon im Säuglin...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Hinweis zum Urheberrecht
- Impressum
- Vom dreifachen Mario und dem Umgang mit Tabus
- 1 Schönheit, die begeistert – Erfolgsfaktor Attraktivität
- 2 Immer schön beschäftigt sein – Das Nichtstun-Tabu
- 3 Wenn einem die Natur kommt – Innerpsychische Antreiber und Hunger
- 4 Wie viel verdienst Du im Monat? – Über das Gehalt sprechen
- 5 “Und immer schön nett zur IT sein!” – Die Macht des Expertentums
- 6 “Dafür bist Du noch zu jung” – Das Diktat der Erfahrung
- 7 Wenn keiner mehr die (ganze) Wahrheit sagt – Kritisches Feedback nach oben geben
- 8 Mauer in den Köpfen – Ossis und Wessis im Unternehmen
- 9 Definitionsschlacht und Sündenbock Berater – Strategien der Arbeitsvermeidung
- 10 Von Leitbildern und anderen hehren Vorsätzen – Verfasste und gelebte Kultur
- 11 Drum prüfe, wer sich ewig bindet – Wie Kulturarbeit bei Unternehmenskäufen immer noch unterschätzt wird
- 12 Auf der Wiesn mit dem Chef knutschen – Verhalten auf halboffiziellen Anlässen
- 13 Das richtige Parteibuch – Die Bedeutung von Seilschaften
- 14 Dress for Success – Was den feinen Unterschied macht
- 15 Regeln auch mal großzügig auslegen – Überblick über mikropolitische Spiele
- 16 Kinder kriegen, Schwäche zeigen – Von Frauentabus und Männertabus
- Stichwortverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
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