Hopfen und Gerste. Eine SchwarzwÀlder Dorfgeschichte
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Hopfen und Gerste. Eine SchwarzwÀlder Dorfgeschichte

  1. 28 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfĂŒgbar
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Hopfen und Gerste. Eine SchwarzwÀlder Dorfgeschichte

Über dieses Buch

Die Geschichte ĂŒber einen faulen Bauernsohn, der sich erst noch beweisen muss: Als Franzseph aus dem MilitĂ€rdienst in sein Heimatdorf zurĂŒckkehrt, hat er Schwierigkeiten, sich in das normale Arbeitsleben wieder einzufinden. Schließlich tut er sich mit dem unbeliebten Emil Faber zusammen, der wiederum mit dem SchlĂ€gelbauern verfeindet ist, dessen Tochter Franzseph heiraten will. Eines Nachts kommt er auf eine Idee, wie er seinen guten Ruf wiederherstellen kann...

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Information

Jahr
2020
eBook-ISBN:
9788726614558

Hopfen und Gerste.

1. Der Faullenzer.

Auf der Schnitzelbank vor seinem Hause sass rittlings ein junger Bursch und hob von Zeit zu Zeit aus einer grossen Schichte zu seiner Rechten einen langen Tannenzweig auf, presste ihn zwischen den Kloben und drehte ihn zu leichter Biegsamkeit, schnitzelte das dicke Ende und flocht einen Strohzopf daran; was zubereitet war, legte er sorgfĂ€ltig zu seiner Linken nieder, wo bereits mehrere solcher GarbenbĂ€nder, sogenannter Wieden, wohlgeordnet lagen. Trotz des lustigen Parademarsches, den der Bursche pfiff, hatten seine Mienen doch etwas Verdrossenes und er warf oft wie unwillig das Haupt zurĂŒck, auf dem eine SoldatenmĂŒtze mit rothem Vorstoss prangte.
Der DorfschĂŒtz, ein alter Soldat, der ein kupfernes Ehrenzeichen auf seinem blauen Rock trug, kam vom Rathhaus herunter; er hielt bei dem Arbeitenden still und sagte:
„Buschur, Kamerad.“ Der Angeredete dankte stumm und der SchĂŒtz fuhr fort: „Warum bist nicht bei der Zehentversteigerung gewesen?“
,,Ich bin noch nicht BĂŒrger,“ erwiderte der junge Soldat, „das Sach gehört noch meiner Mutter und meinen Geschwistern.“
Der SchĂŒtz setzte sich auf die fertigen Wieden und berichtete: ,,Es ist ein Generalspass gewesen. Seit Jahren haben die drei fetten SchwĂ€ger den Zehnt gepachtet, sie mögen’s nicht leiden, dass der Zehntknecht auf ihre Aecker kommt und wollen da freie Herren sein. Aber diesmal hat der Wasserstiefel immer höher geboten und zuletzt ist ihm der Zehntbestand zugeschlagen worden. Dein SchwĂ€her, der SchlĂ€gelbauer, der hat seinen Koller kriegt vor Zorn und Gift, dass man gemeint hat, er erstickt, und mit Fluchen und Schelten sind sie Alle davon. Das fĂŒhrt noch einmal zu bösen HĂ€usern, du wirst sehen Franzseph.“
Franz Joseph, oder wie er in der AbkĂŒrzung hiess Franzseph, nahm eine neue Wiede auf und entgegnete:
„Es ist und bleibt nicht recht, dass das ganze Dorf und vorab der Schlegelbauer so einen hirnwĂŒthigen Hass auf den Faber geworfen hat und weiss kein Mensch recht warum. Der Faber ist hier fremd, er hat des Lucians Gut um sein ehrlich Geld gekauft und thut Niemand was zu leid; dass er sich herrisch kleidet, geht ja Niemand was an und er kann darĂŒber lachen, dass sie ihn den Wasserstiefel heissen. Der SchlĂ€gelbauer ist auch schon an mir gewesen, ich soll’ nichts mit dem Faber reden: aber ich weiss selber was ich zu thun hab’ und liess’ mir von meinem eigenen Vater, wenn er noch leben thĂ€t’, nichts drein reden, mit wem ich Freundschaft haben darf oder nicht. Und gerade weil sie ihn Alle den Wasserstiefel heissen und Niemand gut gegen ihn ist —“
,,Du bist halt ein guter, guter Kerle, das sagen alle Leut’!“ unterbrach der SchĂŒtz.
Dem jungen Mann schoss bei dieser Anrede alles Blut zu Kopfe, er wĂŒrgte eine Wiede ganz ab, warf die StĂŒcke weit weg und rief voll verbissenen Ingrimms: „Sag’ das nicht. Ich bin ein guter Kerl, ich will nicht. Fahnenmalefizdonner! Ich möcht’ euch zeigen; dass ich kein guter Tralle bin. Sag’ das nicht noch einmal oder ich vergreif’ mich an dir zuerst.“
„Das wĂ€r’ am unrechtesten Orte angefasst. Du bist ja wie ausgewechselt. Was hast denn? Giebt des SchlĂ€gelbauern Madlene nach und heirathet das bildsaubre MĂ€dle des Schultheissen Claus?“
„Wenn die Kuh einen Batzen gilt,“ entgegnete Franzseph plötzlich lachend und ĂŒber sein Antlitz zog eine BesĂ€nftigung des Friedens, dass es zu leuchten schien.
,,Du bist aber doch seit Ostern,“ fuhr der SchĂŒtz fort, ,,seit du mit dem Abschied vom Regiment heimkommen bist, wie verhext. Was hast denn? Freilich, kann mir’s denken, du kannst dich nicht wieder ins Bauernleben gewöhnen; musst den Paradeschritt verlernen und den Ochsenschritt einexerciren. Hab’ ich Recht? Ist’s das, warum du immer so massleidig aussiehst?“
„Kann sein,“ erwiderte Franzseph nach langer Pause und fuhr dann sich aufrichtend fort: „Ja, du hast mit meinem Vater in Einer Compagnie gestanden und bist sein bester Kamerad gewesen; ich will mich dĂŒnken lassen, ich red’ zu meinem Vater. Guck, wie ich mit dem Abschied heim bin, da hab’ ich gemeint, ich könntÊŒ es gar nicht erwarten und das ganze Dorf muss grad so sein wie ich und jedes muss weiter nichts denken und sagen als wie: der Franzseph ist da. Ich hab’ mir oft denkt, daheim da ist das helle Paradies und ich hab’ mir mit Gewalt wieder vorrechnen mĂŒssen, wie viel Feindschaft und Hassard auch da ist und wie Eines ein Auge drum gĂ€b’ wenn’s Andere keins hĂ€tt’. Ich bin freilich nie gern Soldat gewesen, aber es ist doch eigentlich das schönste Leben und jetzt wĂŒnsch’ ich mir des Tags tausendmal, dass ich’s noch wĂ€r’.“
„Ja, es ist jetzt schlimmer hier als je. Denk daran was ich sag’: es thut kein gut, bis die Hopfenstangen draussen an der Geisshalde noch zu einer GeneralsprĂŒgelei verwendet sind.“
„Wegen dem Hopfengarten,“ nahm Franzseph wieder auf, „haben meine ersten HĂ€ndel mit dem SchlĂ€gelbauer angefangen. Ich hab’ mich gefreut, dass der Faber den verrutschten Berg so gut ausnutzt und der SchlĂ€gelbauer hat grad darĂŒber losgezogen; er versteckt seinen einfĂ€ltigen Hass hinter der Gemeindeehre. FrĂŒher, sagt er, sei unser Dorf berĂŒhmt gewesen, dass wir den besten Spelz bauen, jetzt werde sich’s umkehren und man wird sagen: die Weissenbacher bauen den schlechtesten fuchsigen Hopfen. Und wenn ich meine Aecker krieg, bau ich selber auf dem Buckel im Speckfeld auch Hopfen; es ist dort gerade der rechte warme Lehmboden und liegt prĂ€chtig gegen Mittag. Die alten Bauern, die nie ĂŒber ihres Vaters Miste ’nauskommen sind, die meinen: schaffen wie ein Vieh, damit sei Alles gethan; man muss schaffen wie ein Mensch, mit Verstand und Bedacht. Ich bin nicht umsonst beim Regiment gewesen und weiss von der Welt. Der SchlĂ€gelbauer giftet auch darĂŒber, weil ich den Knecht nicht aus dem Haus thue, den meine Mutter fĂŒr meine Soldatenzeit genommen hat; ich kann ihn nicht so von heut auf morgen fortschicken und ich muss mich auch erst wieder ins FeldgeschĂ€ft gewöhnen, und ich bin ein Kerl der Ehre im Leibe hat und wenn mich einer zum Schaffen er...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titel
  2. Kolophon
  3. Hopfen und Gerste.
  4. Fremde That.
  5. Über Hopfen und Gerste. Eine SchwarzwĂ€lder Dorfgeschichte

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